Initiativen

 

In der Frankfurter Paulskirche am 19. Oktober 1988. Foto Andreas Pohlmann

 

Die Ermittlung

 

Am 20. Dezember 1963 wurde in Frankfurt am Main der größte Strafprozess der deutschen Nachkriegsgeschichte aufgenommen. Nach 183 Verhandlungstagen war der „Auschwitz-Prozess“ am 19. August 1965 abgeschlossen. Zwei Monate später, am 19. Oktober 1965, fand an sechzehn Bühnen in der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik die gleichzeitige Uraufführung der „Ermittlung“ von Peter Weiss statt.

 

Zum 50. Jahrestag der Pogrom-Nacht von 1938 wurde am 19. Oktober 1988 in der Frankfurter Paulskirche mit einer Lesung der „Ermittlung“ von Peter Weiss sowohl an den Auschwitz-Prozess als auch an die Uraufführung von 1965 erinnert. Unter der Leitung von Peter Hahn wirkten mit Edgar Selge, Walter Schmidinger, Lola Müthel, Harald Kuhlmann, Kurt Hübner, Doris Schade, Heinrich Giskes, Klaus Pohl, Peter Roggisch, Otto Sander, Hans Dieter Zeidler und der Germanist Prof. Dr. Burkhardt Lindner, der für diesen Anlass eine Fassung in fünf Gesängen konzipierte, in der das Moment des „Überlebens nach Auschwitz“ herausgestellt wurde.

 

Unmittelbar nach dem Fall der Mauer entstand die Idee, die „Ermittlung“ als erste deutsch-deutsche Theaterveranstaltung wieder aufzunehmen. Schauspieler aus Ost und West fanden sich zusammen: Aus dem „alten Osten“ Inge Keller, Lotte Loebinger, Dieter Mann, Otto Mellies, Daniel Morgenroth, Klaus Piontek und Michael Schweighöfer, aus dem „alten Westen“ Ben Becker, Heinrich Giskes, Peter Gross, Kurt Hübner, Harald Kuhlmann, Manfred Lukas-Luderer, Hans Quest, Siemen Rühaak, Peter Rühring, Udo Samel, Otto Sander, Walter Schmidinger und Markus Völlenklee.

 

Gastspiele gab es im Staatstheater Stuttgart (7.4.1990), zum Theatertreffen im Schiller-Theater Berlin (15.5.1990), im Schauspielhaus Köln (7.6.1990), im Schauspielhaus Zürich (18.11.1990), im Graf-Zeppelin-Haus Friedrichshafen (20.11.1990) und anlässlich der Ausstellungseröffnung „Peter Weiss – Gemälde, Zeichnungen, Collagen, Filme, Theater, Literatur, Politik“ in der Akademie der Künste am 2. März 1991.

 

Thomas Bading und Daniel Morgenroth in Fontane & Fontane. Foto Maria Steinfeldt, 1998

Fontane & Fontane

 

Die „Märkische Allgemeine Zeitung“ präsentierte zum Fontane-Jahr 1998 Thomas Bading und Daniel Morgenroth in „Fontane & Fontane – Echte und unechte Correspondenzen oder Es kommt darauf an, daß einen das Leben richtig einrangiert“. Das von Peter Hahn geschaffene Dialogstück mit Kompositionen von Christoph Schambach basiert auf Originaltexten von Theodor Fontane.

 

Nach dem Fall der Mauer erlebten die „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ eine unvorhersehbare Konjunktur. Mancher, der das alte neue Land bereisen, mitunter auch erobern wollte, griff nach den Recherchen von damals. Hätte es anderes gegeben, Fontanes geliebte Wanderungen wären auch 130 Jahre nach ihrem Erscheinen „ungerecht und undankbar und gepufft und inferior behandelt“ worden.

 

 

 

 

 

So kamen sie mit der Wiedervereinigung zu zweifachen Ehren, das Menschenwissen zu erweitern und das Dichterbild zu prägen: Unterwegs mit Fontane. Zu Tisch bei Fontane. Guter Rat von Fontane. Essen und Trinken mit Fontane. Informationen waren gewünscht, Schönes und Heiteres. Wandernd, plaudernd, reise-novellistisch: Rheinsberg und Paretz, Chorin und Lehnin, Werder und Sacrow, Neuhardenberg und Caputh. Fontane zum Vergnügen. Dichter und Werk in Auszügen.

 

Er aber war revolutionärer Poet und zwangsweiser Apotheker, umtriebiger Reisender und preußischer Presseattaché, anpassungsfähiger Journalist und eifriger Kriegsberichterstatter, konservativer Wahlkandidat und politisierender Flaneur, misstrauischer Eigenbrötler und pointierter Plauderer, patriotischer Redakteur und zeitweiliger Theaterkritiker, fanatischer Briefeschreiber und freisinniger Romancier. Das alles zwischen 1840 und 1898. Deutschland war noch nicht, dann war es. Bismarck kam, glänzte und stürzte. Aus dem König von Preußen wurde der Deutsche Kaiser.

 

Die Zeit war kompliziert und es kam „darauf an, daß einen das Leben richtig einrangiert“. Bei allem Verständnis dafür, „dass jede Gesellschaft vom einzelnen ein gewisses Aufgehen in den Ton verlangt, der eben herrscht“, seine Wandlungen vom revolutionären Schreiber über den konservativen Patrioten bis hin zum Autor des „Stechlin“ erstaunen auch dann, wenn für die damalige Zeit der politische Opportunismus als opportun und salonfähig gelten könnte.

 

Der märkische Dichter war von 1860 bis 1870 Redakteur der „Neuen Preußischen (Kreuz-) Zeitung“. Keiner der großen Romane war geschrieben. 130 Jahre danach veröffentlichte Heide Streiter-Buscher Theodor Fontanes umfangreiche „Unechte Korrespondenzen“ aus diesen zehn Journalistenjahren. In den vorzüglich edierten Berichten, Feuilletons, Leitartikeln und Glossen überraschen seine patriotischen, konservativen, monarchistischen und antisemitischen Äußerungen.

 

Wer diese liest, sich dazu die zeitgleich entstandenen „Wanderungen“ vornimmt und die für die Nachwelt schön-gefertigte Autobiographie „Von Zwanzig bis Dreißig“ dagegenhält, kommt über sein bisheriges Fontane-Bild ins Grübeln. Wie sollte es aber anders sein: „Ich verschwöre solche Dinge nie, weil man nie wissen kann, wie sich’s hinterher macht.“ Seine Irrungen und Wirrungen stehen auch für die deutsche Gegenwart vor und nach der Reichsgründung. Nicht nur! Und nicht alles kann mit dem ganz anderen 19. Jahrhundert erklärt werden. Seine extremen Positionen, die sich bis in die späten Briefe an Georg Friedlaender dokumentieren lassen, berühren gerade dann merkwürdig, wenn Rechtsradikalismus, Fremdenhass und Antisemitismus Schlagzeilen machen.

 

Fontane fragte sich einst, was seine hervorstechendste Eigenschaft sei, und antwortete: Indifferenz. Genau dies ist es, was das Postament zum Wackeln bringt, was letztendlich für die Theaterbühne die Erfindung von zwei „Fontanes“ möglich machte. Der aus dem Original entwickelte Dialog arbeitet sowohl Widersprüche als auch Einvernehmlichkeiten der Biographie heraus. Er setzt sich bewusst über Zeitebenen hinweg. Weil: „Die Theater sind nicht hohe Schulen des Idealen, sondern wahre Brutstätten von Neid, Klatsch, Intrigue.“ Das mag manchen Gralshüter betrüben. Aber die „meinigen Fehler sind nun einmal am verzeihlichsten. Mensch ist Mensch“.

 

Bischof Dr. Wolfgang Huber zur Eröffnung der Langen Nacht auf dem Südwestkirchhof, 2003

Lange Nacht auf dem Südwestkirchhof

30. August 2003

 

Warum sollte nicht dort, wo F. W. Murnau ist, sein Film "Nosferatu" gezeigt werden? Warum sollte nicht am Grab von Hugo Distler der Versuch gewagt werden, seinen "Totentanz" choreographisch neu zu entdecken? Warum sollte bei Weltbühnenbegründer Siegfried Jacobsohn nicht über das Feuilleton diskutiert werden? Warum sollten bei Engelbert Humperdinck nicht die Melodien aus "Hänsel und Gretel" erklingen? Warum sollte nicht am Grab des Schauspielers Joachim Gottschalk daran erinnert werden, daß er, seine jüdische Frau Meta und der achtjährige Sohn Michael von den Nazis in den Freitod getrieben wurden? Warum sollte nicht dort über Natur und Umwelt geredet werden, wo mit Hugo Conwentz der Initiator der Naturschutzbewegung seine Ruhe gefunden hat?

 

 

 

 

 

           

Wer erzählt noch von den Menschen, die in Stahnsdorf zu grabe getragen wurden: ohne Siemens kein elektrischer Aufzug, ohne Langenscheidt kein Fremdwörterbuch, ohne Carl Ludwig Schleich keine Lokalanästhesie, ohne Zille kein "Milljöh", ohne Ralph Arthur Roberts keine "Reeperbahn nachts um halb eins", ohne Lovis Corinth keine Walchenseelandschaften, ohne Ullstein keine BZ, ohne Gustav Kadelburg kein "Weißes Rößl" und ohne Elisabeth Baronin von Ardenne keine "Effi Briest".

 

Als um 1900 der Platz auf den Berliner Kirchhöfen knapp wurde, mußte die Kirche Friedhöfe "jot we de" schaffen. Sie kaufte südlich des Teltowkanals 206 Hektar, auf dem die 21 evangelischen Gemeinden von Schöneberg bis Moabit ihr Begräbnisland erhielten. Damit die Berliner dorthinaus bequem reisen konnten, baute die Kirche vom S-Bahnhof Wannsee eine "Friedhofsbahn" mit den Stationen Dreilinden und Stahnsdorf-Friedhof. Die erste S-Bahn fuhr am 3. Juni 1913, die letzte am 13. August 1961.

 

Der Ort lag über Jahrzehnte im Dornröschenschlaf. Als Tourist kam man in den Mauerjahren nicht hin und als toter Berliner durfte man sich auf dem eigenen Gemeindefriedhof nur nach Genehmigung durch den Rat des Bezirkes Potsdam beerdigen lassen. Vor den Toren der Hauptstadt wurde manches bewahrt, was mit der Zeit an den Rand oder gar in Vergessenheit geraten ist.

 

Robert Musil brachte es bereits auf den Punkt: „Auch Denkmäler sollten sich heute, wie wir es alle tun müssen, etwas mehr anstrengen! Ruhig am Wege stehn und sich Blicke schenken lassen, könnte jeder; wir dürfen heute von einem Monument mehr verlangen.“

 

Auf dem Südwestkirchhof kann man Geschichte erfahren, wie es in der Stadt kaum mehr möglich ist. Um all das zu retten, braucht der Friedhof Öffentlichkeit – auch deshalb die „Lange Nacht" auf dem Südwestkirchhof. Am Samstag, den 30. August 2003, erinnern zur „Langen Nacht auf dem Südwestkirchhof“ an 33 Spielstätten über 120 Mitwirkende an die an diesem Ort bestatteten Persönlichkeiten.

 

Das komplette Programm der Langen Nacht auf dem Südwestkirchhof 2003

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Schleusnerbude Schleuse Kleinmachnow. Foto H&S 2008

Schleusnerbude

 

Es bedurfte einiger Mühen, bis das Schleusenbauwerk in Kleinmachnow nach 70 Jahren Abgeschlossenheit wieder „hautnah“ erlebbar wurde. Am 9. Mai 2008 wurde die „Information in der Schleusnerbude“ eröffnet. Das von der Gemeinde Kleinmachnow und vom Wasser- und Schifffahrtsamt Berlin gemeinsam betriebene Informationszentrum erwartet seither die Besucher jeweils samstags, sonntags und feiertags von 12 bis 18 Uhr direkt auf der Schleusenplanie zwischen Süd- und Mittelkammer. Mit Otfried Becker, Werner Polzin, Peter Richter und Winfried Vick stehen sachkundige Mitarbeiter zur Verfügung. Sie geben Auskunft zum Bauwerk, zum Teltowkanal sowie zur regionalen Besonderheiten.

 

 

 

 

 

 

Der erste Spatenstich für den Bau des Teltowkanals erfolgte am 22. Dezember 1900 im Schlosspark Babelsberg. In Kleinmachnow entstand die einzige Schleuse der Wasserstraße. Sie trennt die Spree-Haltung (den durch die Wehre am Berliner Mühlendamm und im Spreekanal gehaltenen Wasserstand) von der Havel-Haltung (begrenzt durch die Stauanlage in Brandenburg an der Havel) und vermittelt den Ab- und Aufstieg der Schiffe bei einem mittleren Gefälle von 2,74 Meter. Am 2. Juni 1906 fuhr die Yacht „Alexandria“ mit Kaiser Wilhelm II. in die Südkammer ein. Das ausschließlich vom ehemaligen Kreis Teltow finanzierte Kanalbauwerk war eröffnet.

 

Von Anfang an waren Max Contag und Christian Havestadt, die Schöpfer des Teltowkanals, bestrebt, in Kleinmachnow ein Architekturensemble zu schaffen, dass die beiden Schleusenhäupter und das Schleusengehöft harmonisch verknüpft. Bereits in der Planung lag „der Gedanke nahe, das interessante, in schöner Landschaft aufgebaute Schleusenbauwerk auch weiteren Kreisen zugänglich zu machen und zugleich zu einem behaglichen Ruhepunkt für diejenigen zu gestalten, denen nebenbei ein Stück modernen Verkehrslebens von Interesse ist“.

 

Unmittelbar neben den durch eine 12 Meter breite Plattform getrennten beiden Schleusenkammern entstand das Schleusengehöft mit dem Schleusenwirtshaus und der Gartenterrasse. In den 1930er Jahren wurde zur Entlastung der Wasserstraßen im Zentrum Berlins ein Ausbau des Teltowkanals für 1000-Tonnen-Schiffe beschlossen. Entstanden ist zwischen 1938 und 1940 allerdings nur eine dritte Schleusenkammer – die heutige Nordkammer. Dafür wurde das Schleusengehöft mit dem Schleusen-Wirtshaus und der Restaurantterrasse abgerissen.

 

Mit dem Abriss wurde es schwieriger, „dem Publikum die Einzelheiten des Schleusenbetriebs sichtbar zu machen“. Nach dem 20. November 1981 und der teilweisen Wiedereröffnung des Kanals von der westlichen Einfahrt sorgte das im Unterhaupt residierende Ministerium für Staatssicherheit für weitere Distanz.

 

Die Doppelschleuse von 1906 besteht aus zwei nebeneinander liegenden Kammern. Sie sind durch eine 12 Meter breite Plattform getrennt – die so genannte Schleusenplanie. Geblieben ist aus der Erbauungszeit neben Unter- und Oberhaupt die Schleusnerbude auf der Schleusenplanie zwischen Süd- und Mittelkammer. Von dort aus leitete einst der Schleusenmeister den Schifffahrtsbetrieb an der Schleuse.

 

Da die denkmalgeschützte Schleusnerbude längst ihre Funktion verloren hat, war es nach der Wiedervereinigung Deutschlands nur eine Frage der Zeit und der Überzeugungsarbeit, dem Haus neues Leben zu geben. Die Arbeit hat sich gelohnt: Von Mai 2008 bis März 2017 wurden dort 108.200 Gäste begrüßt.

 

Im Wandelgang der Kleinmachnower Schleuse befinden sich Schaukästen zur Geschichte von Teltowkanal, Schleuse, Kleinmachnow und dem Wasser- und Schifffahrtsamt Berlin. Konzept: Peter Hahn. Gestaltung Sebastian Köhnke, April-Agentur Friedenau.

 

Letzte Arbeiten durch das THW, 13.6.2009. Foto H&S

Linie 96

 

Der alte Landkreis Teltow reichte im Süden über die Städte Trebbin, Zossen, Mittenwalde und Teupitz hinaus. Im Norden stieß er an die Havel und an die Spree bei Spandau und weiter östlich an die Städte Charlottenburg und Berlin. Schöneberg und Rixdorf (Neukölln) gehörten bis Ende des 19. Jahrhunderts dazu, Wilmersdorf bis 1907. Die Orte südlich von Schöneberg, Tempelhof und Köpenick bis zur heutigen südlichen Stadtgrenze waren bis 1920 Teil des Kreises Teltow.

Die Kreisstadt Teltow lag zwischen der Stammbahn und der Anhalter Bahn. Da eine Anbindung an das preußische Eisenbahnnetz nicht vorgesehen war, setzten sich 1887 die Grundeigentümer von Seehof für eine Straßenbahnverbindung zum Bahnhof Groß-Lichterfelde ein. Max Sabersky, der Gutsbesitzer von Seehof, der Mediziner Albert Stryck sowie der Bürgermeister von Teltow und der Gutsbesitzer von Schönow gründeten die „Aktiengesellschaft Dampfstraßenbahn Groß-Lichterfelde (Anhalter Bahnhof) - Seehof - Teltow”.

 

 

Am 1. Juli 1888 wurde die 5,2 Kilometer lange eingleisige Strecke vom Bahnhof Groß-Lichterfelde (Lichterfelde-Ost) über Seehof nach Teltow in Betrieb genommen. Täglich gab es 15 Verbindungen. Die Fahrzeit betrug 30 Minuten. Zwei Jahre später wurde die Linie am 1. Juni 1891 um 3,4 Kilometer bis nach Stahnsdorf verlängert. Der Ausflugsverkehr zur Schleuse Kleinmachnow am Teltowkanal führte dazu, dass die Strecke am 15. Oktober 1905 um weitere 1,4 Kilometer bis an die Südseite der Machnower Schleuse erweitert wurde.

 

Am 1. April 1906 übernahm der Kreis Teltow die bisher privat betriebene Straßenbahnlinie. Zum 30. März 1907 wurde die Dampfstraßenbahn durch elektrische Straßenbahnen von Siemens & Halske ersetzt. Der Plan von 1911, eine Strecke vom Bahnhof Zehlendorf über die Machnower Straße und den Zehlendorfer Damm sowie vom Bhf. Zehlendorf zum Ruhlsdorfer Platz in Teltow mit Anschluss an das bestehende Netz der „Teltower Kreisbahnen“ zu bauen, wurde nicht realisiert.

 

Mit der Bildung von Groß-Berlin erfolgte im April 1921 die Übernahme der „Teltower Kreisbahnen“ durch den „Regiebetrieb“ Berliner Straßenbahn (BST), ab September 1923 Berliner Straßenbahn Betriebs GmbH. und ab 1. Januar 1929 durch die BVG. Die Linie von Lichterfelde über Seehof, Teltow und Stahnsdorf zur Machnower Schleuse erhielt zunächst die Bezeichnung „Z“ bzw. „100“. Im Jahre 1930 kam es durch die Verknüpfung der bereits bestehenden Linie 96 mit der Linie 100 am heutigen Bahnhof Lichterfelde Ost zur neuen, nunmehr verlängerten und bis heute bekannten Linie 96. Von der Machnower Schleuse fuhr die Straßenbahn über Stahnsdorf, Teltow, Seehof, Lichterfelde und Tempelhof bis zur Behrenstraße.

 

Nach Kriegsende konnte die Linie 96 den Betrieb am 24. Januar 1946 wieder aufnehmen fuhr aber ab dieser Zeit nur noch bis Tempelhof. Zur Zeit der Blockade der Berliner Westsektoren durch die Sowjetunion vom 24. Juni 1948 bis 12. Mai 1949 verband die Linie 96 weiter den amerikanischen Sektor von Berlin mit der sowjetischen Besatzungszone (SBZ) Kleinmachnow, Stahnsdorf und Teltow. An der Grenze bei Lichterfelde-Süd (Lindenstraße) wechselten die Schaffner.

 

Nach Zwischenfällen in der Sowjetischen Besatzungszone setzte die BVG-West ihr Personal ab 14. Oktober 1950 nur noch bis zur Sektorengrenze ein. In der Folge wurde die Strecke Seehof-Schleuse ab 21. Dezember 1950 durch die BVG-Ost betrieben. An der Grenze zwischen Ost und West mussten Reisende die Straßenbahn wechseln.

 

Mit dem Mauerbau am 13. August 1961 und dem Bau der Grenzanlagen wurde der durchgehende Verkehr von Kleinmachnow über Teltow nach Lichterfelde unterbrochen. Ein Betrieb auf der Reststrecke zwischen Seehof und Schleuse wurde durch Omnibusse übernommen. Der Straßenbahnbetrieb war am 31. Oktober 1961 eingestellt worden. Die Fahrzeuge wurden von der BVG-Ost zurückgeholt. Die Oberleitung und teilweise die Schienen wurden demontiert.

 

Über viele Jahrzehnte waren Kleinmachnow, Stahnsdorf und Teltow durch die Linie 96 mit Lichterfelde und der Berliner Stadtmitte verbunden. Der bisher an der Potsdamer Straße in Teltow ausgestellte Straßenbahnwagen der Linie 96 erhielt einen neuen Platz an der Südseite der Kleinmachnower Schleuse – in unmittelbarer Nähe der früheren Endhaltestelle „Machnower Schleuse“. Der Straßenbahnwagen aus dem Jahre 1936 wird als Informationszentrum der Heimatvereine Kleinmachnow, Stahnsdorf und Teltow genutzt. Mit dieser Einrichtung wird an einen Aspekt der regionalen Verkehrsgeschichte erinnert.

 

Wilmersdorfer Waldfriedhof Güterfelde. Foto H&S, 2015

Förderverein Hans-Altmann-Park

 

Die Geschichte begann 1874, als Kaiser Wilhelm I. die Erhebung einer Siedlung zur Landgemeinde des Kreises Teltow unter dem Namen Friedenau genehmigte. Für die Initiatoren Johann Anton Wilhelm Carstenn und David Born sollte die Bebauung ein Geschäft werden. Kalkuliert wurden Gewinn und Leben, für den Tod war in ihren Plänen kein Platz. Aber die Gemeinde wuchs schnell.

 

Als der Pfarrer von Wilmersdorf, wo Friedenau seine Toten bisher begraben konnte, die Bestattung auf seinem Kirchhof aus Platzgründen nicht mehr gestattete, musste die Villenkolonie Friedenau eine Grünanlage opfern und dort inmitten des Wohnquartiers 1881 den Friedhof an der Stubenrauchstraße einrichten.

 

 

 

 

 

Zwanzig Jahre später kam bei Kirche und Kommunen Panik auf. Berlin und die Vororte wuchsen immer weiter. Es war zu befürchten, dass die Friedhöfe bald nicht mehr ausreichen würden. Zuerst legte sich die Evangelische Kirche 1909 den Südwestkirchhof zu. Kurz darauf kaufte die Gemeinde Friedenau nebenan eine Fläche für einen neuen – zweiten – Friedhof. Die Planung hatte der Architekt Hans Altmann (1871-1965) übernommen. Er war seit 1906 Gemeindebaurat von Friedenau – und gehört heute leider zu den vergessenen Architekten. Dabei hat er bemerkenswerte Bauten hinterlassen, Rathaus, Schulen, Landhäuser, Fabriken, Bedürfnisanstalten und einen Friedhof. Alles hat den Zweiten Weltkrieg überlebt, alles steht längst unter Denkmalschutz.

 

Im Juli 1914 wurde der Waldfriedhof Friedenau in Gütergotz eröffnet. Beerdigt wurde der Bäckermeister Berthold Raabe aus der Handjerystraße 16. Die Grabstätte, in der 1919 auch seine Frau Elise bestattet wurde, ist das älteste erhaltene Grab des Friedhofs. Ein Jahr später entstand das Mausoleum für den in Deutsch-Ostafrika tätigen Siedler Kurt Hoffmann (1853-1915), dem Sohn des Ringofen-Erfinders Friedrich Eduard Hoffmann. Das Mausoleum gehört zu den größten und aufwändigsten Anlagen im Land Brandenburg. Ein Blick auf die Güterfelder Klinkerbauten macht deutlich, dass Altmann dort draußen im Märkischen ein zweites Friedenau hat entstehen lassen. Mehr noch, er übertrug den Friedenauer Ortsgrundriss auf das Areal in Güterfelde. In Friedenau wird die Ortsmitte durch die „Kirche zum guten Hirten“ am Friedrich-Wilhelm-Platz bestimmt. In Güterfelde setzte Altmann die Kapelle in das Zentrum. Um dieses herum verlaufen U-förmig – analog von Stubenrauch- und Handjerystraße in Friedenau – die Hauptwege. Die Besucher sollten sich – anders als auf dem Südwestkirchhof – mühelos orientieren können.

 

Mit der Bildung von Groß-Berlin im Jahr 1920 verlor Friedenau seine Eigenständigkeit und wurde Ortsteil von Schöneberg. Der Friedhof erhielt den Namen „Waldfriedhof Schöneberg in Gütergotz“. 1937 übernahm der Bezirk Wilmersdorf die Verwaltung. Nun war es der „Wilmersdorfer Waldfriedhof Gütergotz“. Als die Nationalsozialisten alles Slawische aus dem Sprachgebrauch tilgten, wurde aus Gütergotz Güterfelde. Fortan war es also der „Wilmersdorfer Waldfriedhof Güterfelde“. So ist es bis heute geblieben, und so kam es, dass auch in den Mauerjahren das Bezirksamt Wilmersdorf für die Unterhaltung zuständig und der Güterfelder Friedhofsverwalter als DDR-Bürger Angestellter von Wilmersdorf war – wobei sein Gehalt 1:1 ausgezahlt wurde – eine DM West zu einer Mark Ost. Bis zum Bau der Mauer 1961 wurden vorrangig die Toten aus Friedenau bestattet. Da auf dem Quartiersfriedhof in der Friedenauer Stubenrauchstraße weiterhin Sarg- und vor allem Urnenbestattungen möglich waren, blieben Beisetzungen in Güterfelde eine Seltenheit. In den einhundert Jahren wurde weniger als die Hälfte der Gesamtfläche belegt. Nach 1961 fanden dort Tote aus der näheren Umgebung ihre letzte Ruhe.

 

Nach der Wiedervereinigung war es nur eine Frage der Zeit, bis der Berliner Senat im Jahr 2006 auf das Überangebot von Friedhofsflächen reagierte. Insgesamt werden 700 Hektar überflüssig, darunter die 12,25 Hektar des Wilmersdorfer Waldfriedhofs Güterfelde. Es besteht die Gefahr, dass Berlin verwertbare Teile der Anlage verkauft. Damit wäre aber die unter Denkmalschutz stehende Anlage mit ihren Bauten als Ganzes gefährdet. Um diesen Gedankenspielen Einhalt zu gebieten, hat sich inzwischen der Förderverein Hans-Altmann-Park gegründet. Er möchte mit seinen Aktivitäten deutlich machen, dass vor den Toren der Stadt mit dem Südwestkirchhof (1909) von Gartenbaumeister Louis Meyer, dem Friedenauer Friedhof in Güterfelde von Hans Altmann (1914) und dem Wilmersdorfer Waldfriedhof Stahnsdorf (1920) von Stadtgartendirektor Erwin Barth Totengärten von überregionaler Bedeutung entstanden sind, die als Ganzes für die Nachwelt zu erhalten sind. Ziel des Vereins ist der Erhalt des Wilmersdorfer Waldfriedhofs Güterfelde als Ganzes für die Öffentlichkeit durch Umwandlung in einen Friedhofspark und die Nutzung von Bauten und Park für Kunst und Kultur.

 

Kontakt

Förderverein Hans-Altmann-Park

Schubertstr. 22, 14532 Stahnsdorf

Telefon 03329 – 634121

E-Mail: hans-altmann-park@gmx.de

 

Ausführliche Informationen zum ehemaligen Friedhof der Gemeinde Friedenau finden Sie auf dieser Website unter dem Menüpunkt Friedhof Friedenau.

 

Katalog der Ausstellung

Alfons & Jeannie von Mumm

Ausstellung 2013 in Portofino

 

Die Geschichte beginnt mit Alfons von Mumm. Der Sohn aus dem Champagner-Haus G.H. MUMM wurde Diplomat. Als er mit 51 Jahren vom Botschaftsleben in London, Paris, Washington, Bukarest,  Rom (Vatikan), Luxemburg, Peking und Tokio genug hatte, erwarb er 1910 in Portofino das Castello San Giorgio als Alterssitz. Mumm war ein großzügiger Gastgeber. Kaiser Wilhelm II. und Kaiserin Auguste Viktoria waren zu Gast, George Grosz, Gerhart Hauptmann, Theodor Wolff und während der Verhandlungen in Rapallo 1922 auch Walther Rathenau.

 

Wo immer er war, er wusste um Land und Leute. Das offenbart sich in seinem „Tagebuch in Bildern“, in dem er über 600 Photographien veröffentlichte, die er zwischen 1900 und 1902 in China aufgenommen hatte, davon zeugt sein Buch „Mein Ligurisches Heim“. 1914 ernannte ihn die Comune von Portofino zum Ehrenbürger.

 

Ungeachtet dessen, dass Alfons von Mumm „Anders als die Anderen“ war, heiratete er 1918 Jeannie Watt. Sein Tod im Jahr 1924 war eine Zäsur, nicht aber das Ende der Geschichte. Mit der Witwe Jeannie von Mumm fand seine Geisteshaltung eine Fortsetzung. Als die Deutsche Wehrmacht sich im April 1945 daran machen wollte, Portofino in die Luft zu sprengen, war es die Baronin, die den barbarischen Akt verhinderte. 1949 wurde Jeannie von Mumm zur Ehrenbürgerin von Portofino ernannt.

 

Erstaunlich ist, dass in diesem doch eigentlich ziemlich „zeitgeistigen“ Ort die Erinnerung an Alfons & Jeannie von Mumm noch immer lebendig ist.

 

 

Präsentation: Deutsche Botschaft Rom & Comune di Portofino

Koordination: Deutsches Generalkonsulat Mailand

Kurator: Peter Hahn

Konzept: Peter Hahn und Jürgen Stich

Texte: Peter Hahn

Lektor: Jürgen Stich

Übersetzungen: Fiorenza Zanoni & Vivienne Newport

Gestaltung: april agentur Berlin-Friedenau

 

 

Den kompletten dreisprachigen Katalog finden Sie auf den nachfolgenden PDF.

 

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