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Plan von Friedenau, Grün das "gefühlte" Friedenau

Das gefühlte Friedenau

 

Für unser Buch „Friedenau – Geschichte & Geschichten“ haben wir uns entschlossen, den Ort in seinen im Jahr 1874 festgelegten Grenzen zu beschreiben. Es war uns klar, dass wir jene enttäuschen würden, die sich als „gefühlte Friedenauer“ oder „Neu-Friedenauer“ sehen.

 

Da war die Fregestraße. Sie hat die Hausnummern 1-81 und verläuft von der Hauptstraße über die Peschkestraße bis zum S-Bahnhof Feuerbachstraße. Sie durchquert die Ortsteile Friedenau (Nr. 1-27B), Schöneberg (Nr. 57-81) und Steglitz (Nr. 31-55). So kommt es, dass das Haus Nr. 19, in das der Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger 1966 einzog, zu Friedenau, und das Haus Nr. 80, in dem der erste Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland Theodor Heuss von 1918-1930 wohnte, zu Schöneberg gehört.

 

Kaum war unser Buch erschienen, wünschten sich viele eine weitere Publikation über „das gefühlte Friedenau“. Wir fangen (vorerst auf dieser Website) mit der Sammlung an.

 

Aus der Regierungspressekonferenz vom 15. Mai 2017 (Originaltext)

 

 

Frage: Herr Seibert, Herr Schäfer, Herr Flosdorff, ist es für Frau Merkel, Herrn Gabriel und Frau von der Leyen möglich, nach İncirlik zu reisen und die deutschen Soldaten zu besuchen?

Jens Flosdorff (Sprecher des Verteidigungsministeriums): Um es für die Verteidigungsministerin zu sagen: Es sind jetzt keine Reisen nach İncirlik geplant. Insofern kann ich Ihnen dazu keine Auskunft geben.

Martin Schäfer (Sprecher des Auswärtigen Amts): Ich kann auch von keinen konkreten Besuchsplänen des deutschen Außenministers für die Türkei berichten, schon gerade nicht von Besuchsplänen für İncirlik. Das ist alles andere als ausgeschlossen. Es kann natürlich sein, dass auch Angehörige der Bundesregierung einen solchen Besuch unternehmen wollten. Darüber, wie die Reaktion der türkischen Seite auf einen solchen Besuchswunsch ausfiele, können wir nur spekulieren. Das wissen wir nicht.

StS. Steffen Seibert (Regierungssprecher): Ich kann über solche Pläne für die Bundesregierung auch nicht berichten. Das ist aber nicht die Frage, die sich uns stellt. Uns stellt sich die Situation ganz klar so dar, wie die Kollegen sie beschrieben haben. Es muss selbstverständlich möglich sein, dass Abgeordnete des Deutschen Bundestages nach İncirlik reisen und dort die Truppe im Auslandseinsatz besuchen - in einem Auslandseinsatz, den der Deutsche Bundestag mandatiert. Deswegen wird sich die deutsche Bundesregierung weiterhin bei der türkischen Seite darum bemühen, dass diese Selbstverständlichkeit möglich ist. Sie wird entsprechend ihrer Zusage an den Bundestag auch Alternativstandorte ins Auge fassen.

Zusatzfrage: Ich habe ja nicht nach aktuellen Plänen gefragt, sondern ob es für die drei Mitglieder der Bundesregierung möglich ist, nach İncirlik zu fahren. Das ist ganz einfach zu klären.

StS Seibert: Sie haben drei Antworten bekommen.

Schäfer: Drei sehr konkrete Antworten.

Zusatz: Auf eine Frage, die ich nicht gestellt habe.

Schäfer: Doch, doch! Ich glaube schon. Das müssen Sie sich vielleicht nachher noch einmal im Video anschauen.

 

Tankred Dorst. Foto Rosemarie Clausen

Tankred Dorst ist tot

 

„Wenn er noch a wenig geward häd … höchstens amol ohm an seim Fenster hast na gseng, wennst vorbei ganga bist. Ausm Haus isser des gansa letzda Jahr nimmer.“

(Aus „Dorothea Merz“, Beerdigungstag).

 

Seine deutsche Trilogie folgt der eigenen Lebensspur. Seine Theaterstücke „Auf dem Chimborazo“ (1975), „Die Villa“ (1980) und „Heinrich oder die Schmerzen der Phantasie“ (1985), aber auch der fragmentarische Roman „Dorothea Merz“ (1976) erzählen Familiengeschichte. Tankred Dorst war einer der meistgespielten Autoren des deutschen Gegenwartstheaters. Nun ist er am 1. Juni 2017 mit 91 Jahren in Berlin gestorben.

 

Geboren wurde er am 19. Dezember 1925 im heutigen Sonneberger Ortsteil Oberlind. Großvater Georg hatte dort 1860 eine Fabrik gegründet, die Maschinen zur Fertigung von keramischen Kleinteilen für die damals blühende Welthauptstadt des Spielzeugs fertigte. Als Oberschüler wurde er 1943 zum Reichsarbeitsdienst und zur Wehrmacht einberufen. Das Kriegsende erlebte er in Gefangenenlagern in England und den USA. Als er 1947 entlassen wurde, gehörten Oberlind und Sonneberg zur sowjetischen Besatzungszone. Die Familie war nach Oberbayern geflohen, die Fabrik enteignet worden und nannte sich nun VEB Thuringia Sonneberg.

 

Tankred Dorst holte das Abitur nach und studierte ab 1950 in München Germanistik, Kunstgeschichte und Theaterwissenschaften. Mit seinen „deutschen“ Stücken und Texten hat er dem nordöstlichen Teil des alten Frankenreiches ein literarisches Denkmal gesetzt. Was er in den siebziger Jahren an realistischen Bildern aus der damaligen deutschen Gegenwart fixierte, ist inzwischen Geschichte. Die ist allerdings mit einer bezwingenden Kenntnis der Menschen und ihres Denkens erzählt.

 

Seine Stücke charakterisieren das Land und seine Bewohner treffend und pointiert, bis hin zu ihrem eigenwilligen Sprachgemisch aus ein bisschen Südthüringisch und viel Nordfränkisch. Dafür habe ich, ein geborener Sonneberger, den Sonneberger Tankred Dorst immer bewundert. Ich werde ihn vermissen. Geblieben sind seine Texte und seine Schauplätze. Da ist Sonneberg, was er „Grünitz“ nennt, das ist der „Chimborazo“, mit dem er den fünfhundertfünfzehn Meter hohen Mupperg meint und der schon im Fränkischen liegt, und da ist die elterliche „Villa“ in der Lutherstraße, die wiederum zum Thüringischen gehört.

 

Als Tankred Dorst 1990 mit dem „Georg-Büchner-Preis“ ausgezeichnet wurde, sagte der kongeniale Theaterkritiker Georg Hensel in seiner Laudatio: „In unseren Dezennien hat kein anderer deutscher Stückeschreiber so viele Tonarten, eine solche Orgelbreite: sentimental, treuherzig, tolpatschig, gefühlvoll, humorvoll, ironisch, sarkastisch, zynisch-ordinär, hundsgemein - und immer taghell.“

 

Eine Jugend in Sonneberg

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Vom Türschild. Aus Zentralblatt der Bauverwaltung, 18.1.1918

Vom Türschild

Gefunden im: Zentralblatt der Bauverwaltung, Nr. 6, 12. Januar 1918, Seite 25 und 26

 

Tür- und Fensterbeschläge müssen jetzt für Kriegszwecke abgegeben werden, soweit sie nur Metallwert besitzen. Es ist zu erwarten, daß hier jedes Kunstwerk sorgsam zurückgestellt wird, weil der Metallverlust unbedeutend ist. Trotzdem bleibt die Gefahr, daß bei dem Massenaufgebot manches schöne Stück verschwindet, und dieser Gedanke hat die Veranlassung gegeben, Proben alter Türschlösser im Bilde zu sammeln und ihnen hierdurch zu weiterer Lebensdauer und Verbreitung zu verhelfen. Dabei ergab sich die Wahrnehmung, daß der Gebrauchsname Schlüsselschild durch die Bezeichnung Türschild ersetzt werden sollte, weil das Schild der Art der Tür angepaßt ist, wie sich im folgenden mehrfach zeigen wird.

 

In Abb. 1 ist eine einfache Gebrauchsform gegeben. Unten der Hauptteil a mit dem Schlüsselloch, darüber der Rundteil o, der Sitz des beweglichen Drückers, durch eine Kehle vom Schilde getrennt als selbständiger Bestandteil; darüber die Bekrönung c. Diese einfache Grundform kommt häufig unverändert vor. An Stelle der Bekrönung tritt zuweilen die Endigung nach Abb 3 u. 4. Bei reicherer Ausführung sind beide beliebt, aber in der Bildung verschieden (Abb. 9 u. f ). Dem Rundteil entspricht am klarsten der olivenförmige Drehknopf, dessen Bewegung er anzudeuten scheint (Abb. 3 u. 8); er ist wohl meist der ursprüngliche Griff gewesen und bei Abgang durch den Hebelgriff ersetzt worden. Bei inneren Türen in alten Häusern findet er sich noch häufiger, während bei den schweren Haustüren die Stange ihn verdrängt hat. Gerade den einfachen Schilden gibt das Rundteil oder Halbrund ein bedeutsames Gepräge, besonders wenn es zugleich die obere Endigung bildet. In Abb. 11 ist es sogar verdoppelt an einem großen Torschild ...

 

 

 

 

 

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Dauerausstellung in der Zitadelle Spandau

Enthüllt. Berlin und seine Denkmäler

 

Das dürfte für Friedenau interessant sein: Am 29. April 2016 wird in der Spandauer Zitadelle die Dauerausstellung „Enthüllt. Berlin und seine Denkmäler“ eröffnet. Darunter das, was zwischen 1898 und 1901 auf den Grundstücken Wilhelmstraße Nr. 7 (heute Görresstraße) und Bachestraße Nr. 10 im Bildhauerhof von Valentino Casal an Denkmälern für die Siegesallee im Tiergarten entstanden ist.

Für Robert Musil waren diese schon 1927 so unvergesslich, weil „eine Postenkette aus Marmor sonst nirgends in der Kriegsgeschichte vorkommt“. Max Frisch, der im November 1947 wieder nach Berlin kam, beschrieb in seinem Tagebuch das Ende: „Mittagsrast im Tiergarten. Eine baumlose Steppe mit den bekannten Kurfürsten, umgeben von Schrebergärten. Einzelne Figuren sind armlos, andere mit versplittertem Gesicht. Einer ist offenbar vom Luftdruck gedreht worden und schreitet nun herrisch daneben. Außer einem Hund, der mein Picknick riecht, bin ich allein. Im Hintergrund ragt das Denkmal der Roten Armee, das in der Nacht beleuchtet ist.“

 

Kurz danach wurden die verbliebenen Rest abgebrochen, vergraben, wieder ausgegraben und schließlich irgendwo untergestellt. Elf von 32 wahrlich monumentalen Marmorgruppen mit den Skulpturen von Gestalten der preußischen Geschichte wurden seinerzeit in den Ateliers auf dem Gelände des heutigen Spielplatzes Görresstraße nach den Entwürfen namhafter Bildhauer von Valentino Casal in weißen Marmor aus Carrara verewigt.

 

Diese politischen Denkmäler bzw. das, was über die Zeit gerettet wurde, werden nun mit der Dauerausstellung wieder ans Licht der Öffentlichkeit gerückt. Der Anblick wird nicht immer erfreulich sein, da sie nicht rekonstruiert, sondern nur im vorgefundenen Zustand konserviert wurden. Auf den hinterlassenen Spuren aber wird deutsche Geschichte sichtbar – über Denkmäler, die das Berliner Stadtbild vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart geprägt haben. Sie setzen ein Zeichen der Erinnerung.

 

Der eigentliche circa 300 Seiten umfassende Katalog erscheint erst im September 2016. Es sei deshalb darauf hingewiesen, dass die Ausstellung folgende Friedenauer Arbeiten präsentiert: Markgraf Otto I. (Max Unger, 1898), Markgraf Otto II. (Joseph Uphues, 1898), Markgraf Albrecht II. (Johannes Boese, 1898), Markgraf Johann I. und Markgraf Otto III. (Max Baumbach, 1900), Kurfürst Friedrich I. (Ludwig Manzel, 1900), Kurfürst Joachim I. (Johannes Götz, 1900),König Friedrich I. (Gustav Eberlein, 1900) und Kaiser Wilhelm I. (Reinhold Begas, 1901).

 

Abschied von Air Berlin, Tegel am 27.10.2017. rbb

Abschied von Air Berlin

28.10.2017

 

Viele Jahre wohnte er gegenüber im II. Stock der Eckwohnung Stierstraße Nr. 9. Viele Jahre nahmen wir dort an seinen Festivitäten teil, die er allzu gerne abhielt. Immer möglichst viele Leute, dabei Vater, Mutter, Ehefrau Veronika und Piloten und Stewardessen von Air Berlin. War er unterwegs, dann war es in der Stierstraße still, kaum war er da, dann hörten wir seine Stimme und sein Lachen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Als am 5. September 2006 der erste Spatenstich für den Flughafen Berlin Brandenburg „Willy Brandt“ erfolgte, bekannt wurde, dass der Flugbetrieb im Oktober 2011 starten und Air Berlin dort Basis und Drehkreuz installieren würde, dachte er lange über das Für und Wider eines Wohnsitzwechsels nach. Schließlich erwarb er ein Häuschen in Altglienicke – wenige Minuten von der Arbeitsstelle entfernt – dachte er. Von Friedenau kam er dann lange nicht los.

 

Dirk Sommerfeld wurde 1964 in Steglitz geboren. Er machte den Pilotenschein, war danach 5 Jahre bei „Germania“ und wechselte dann zu „Air Berlin“. Dort flog er die „Mittelstrecke“, was Flugziele bis zu 3000 km und eine Flugdauer von 3,5 h bedeutete, zuerst mit der von ihm geliebten Boeing, später mit dem Airbus. Am 27. Oktober 2017 war er 17 Jahre bei „Air Berlin“. Ein wortgewaltiger Mann, in den Betriebsrat gewählt und vom fliegenden Personal geschätzt.

 

Einige Male sind wir mit ihm geflogen, nach Palma de Mallorca, wo wir mit der Crew zwei Tage verbringen konnten, perfekt organisiert von Kapitän Sommerfeld, oder den Flug nach Madeira. An den „Aeroporto de Santa Catarina“ von Funchal und seine allzu kurze Start- und Landebahn erinnerten wir uns, als am 7. August 2017 „wegen heftiger Winde“ 56 Verbindungen annulliert werden mussten. Auf dem Weg von Tegel über die Luftkontrollstationen Maastrich, Brest, Madrid, Lissabon und Funchal erklärte er uns im Cockpit die Schwierigkeiten für den extrem schwierigen Anflug auf Madeira: „Für Funchal müssen Piloten speziell ausgebildet sein, da die Landebahn am Fuß einer Steilküste liegt. Eingeschlossen vom Meer auf der einen und mächtigen Felsen auf der anderen Seite ist die Landung nicht einfach, obwohl die Landebahn von 1781 Metern auf 2777 Meter verlängert wurde – auf Betonpfeilern im Meer. Starke Scherwinde erschweren die Landung jedoch noch immer. Die Piloten müssen minutenlang direkt auf die Berge zusteuern, um im letzten Moment das Steuer herumreißen und das Flugzeug zu landen.

 

Dirk Sommerfeld liebte schwierige Flughäfen. Bergamo, Lugano und Corfu, Hügel rechts, Hügel links, ringsum Wasser, gehören dazu. Er gehört jedenfalls zu jenen Piloten, die sich um eine Zukunft im Cockpit nicht sorgen müssen.

 

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