Hans Altmann, Ölgemälde von Friedrich Harnisch. Archiv Museum Schöneberg

Hans Altmann (1871-1965)

 

Dem Mimen flicht die Nachwelt keine Kränze. Schillers bedauernde Worte aus dem Wallenstein-Prolog scheinen auch auf den Architekten Hans Altmann zuzutreffen. Anständig gewürdigt wurde er bisher nicht, weder von der Berliner Architektenkammer noch vom Architekturmuseum der Technischen Universität Berlin – geschweige vom Bezirk Tempelhof-Schöneberg. Immerhin hat Hans Altmann als Gemeindebaurat zwischen 1906 und 1920 höchst bemerkenswerte Bauten hinterlassen. Er muss das Vergessen geahnt haben. So hat er sich 1917 am Seitenflügel des Rathauses in der Hauptstraße mit einer Porträtbüste verewigt.

 

Der letzte Rathausbau des Kaiserreiches in Berlin war zugleich Altmanns letzter kommunaler Bau in Friedenau. Kaum eingeweiht, wurde das Rathaus der selbstständigen Gemeinde nicht mehr gebraucht. Friedenau ging 1920 an Schöneberg.

 

Hans Otto Walther Altmann wurde am 11. Dezember 1871 in Danzig geboren und am 3. März 1872 in der St.-Katharinen Kirche Danzig evangelisch getauft. Der katholische Vater Otto Amand Theodor, geboren am 1. Juli 1826 in Schönberg/Schlesien, heiratete am 28. Juli 1857 in Breslau die evangelische Mutter Henriette Pauline Beate Starck, geboren am 16. April 1834 in Berlin. Wo die Familie zwischen 1857 und 1891 lebte, welcher Tätigkeit der Vater nachging, bleibt im Unklaren. Die Schulzeit verbrachte Hans Altmann nach eigenen Angaben jedenfalls auf den Gymnasien in Schleswig und Gumbinnen. An der östlichsten höheren Schule Preußens, dem Königlichen Friedrichsgymnasium in der Provinz Ostpreußen, legte er 1891 das Abitur ab. Im Anschluss studierte er bis 1895 Architektur an der Technischen Hochschule Berlin. Ostern 1895 bestand er das 1. und nach einer weiteren Ausbildung im Fach Dombau 1899 das 2. Staatsexamen. Der Assessor wurde zum Regierungsbaumeister im preußischen Staatsministerium ernannt, und hatte damit die zweite Stufe der Baubeamtenlaufbahn erklommen.

 

 

In diesem Jahr wurden von den Ministerialen Entwurfszeichnungen für den Umbau des Hauses Wilhelmstraße Nr. 63 für das Staatsministerium vorgelegt – und genehmigt. Allerdings stellte sich danach heraus, dass der Zustand des alten, ehemaligen Stolbergschen Palais so miserabel war, dass ein Neubau erforderlich wurde. Mit dem Entwurf des Jahres 1900 waren entsprechend der Hierarchie Geheimer Oberbaurat Paul Kieschke, Geheimer Baurat Adolf Bürckner und Regierungsbaumeister Hans Altmann befasst. 1903 war der Bau vollendet. Im Ministerium waren die Pläne für das Regierungsgebäude der Provinz Brandenburg in der Spandauer Straße Nr. 79-81 in Potsdam zu entwickeln. Beschäftigt waren damit wiederum Kieschke (Vorentwurf), Altmann (Planvorlage) sowie Bauinspektor Traugott von Saltzwedel (Ausarbeitung). Das Gebäude entstand in den Jahren von 1902 bis 1907. Altmanns Perspektiven im Amt waren überschaubar. Die nächst höhere Stelle des Bauinspektors würde erst nach langer Wartezeit zu erreichen sein. Er ergriff die Gelegenheit und wurde 1903 Stadtbauinspektor von Elberfeld. Das deutsche Manchester zählte bereits über 160.000 Einwohner. Die willkürliche Bebauung früherer Jahre stand der weiteren Entwicklung im Wege. Altmann erwarteten interessante Aufgaben, aber letztendlich beschränkte sich seine Arbeit auf Verkehrslösungen und Straßendurchbrüche.

 

In Friedenau machte sich inzwischen bemerkbar, dass die Infrastruktur nicht im gleichen Maß wie die Siedlung mitgewachsen war. Fast dreißig Jahre lang beharrte die Gruppe um Robert Hertel (im Hauptberuf Geheimer Rechnungsrat im Kriegsministerium), Wilhelm Fröauf (Geheimer Rechnungsrat der Gewerbeakademie) und Roennebergs darauf, die Geschicke des Ortes wie einen Schrebergartenverein zu lenken. Auf Georg Roenneberg, der von 1875 bis 1892 als ehrenamtlicher Gemeindevorsteher amtierte, folgte sein Bruder Major a.D. Albert Roenneberg – nun hauptamtlich. Gelöst waren die Probleme damit nicht. Das änderte sich erst mit dem Amtsantritt von Bürgermeister Bernhard Schnackenburg (1867-1924).

 

Altmann, der seit 20. Juli 1904 mit Frau Gertrud geborene Borck verheiratet war, übernahm am 1. April 1906 das Amt des Gemeindebaurats. Er löste den Architekten Johannes Duntz ab, der nach dem Tod des Gemeindearchitekten Max Nagel im Jahre 1904 kommissarisch die Leitung des Bauamtes übernommen hatte. Von Duntz geblieben sind die II. Gemeindeschule in der Rheingaustraße (heute Stechlinsee-Grundschule), das Schuldirektorenwohnhaus am Perelsplatz und das Gebäude des ehemaligen Elektrizitätswerkes an der Kreuznacher Straße.

 

Friedenau hatte über 18.000 Einwohner. Es gab einstöckige Landhäuser, mehrgeschossige Mietshäuser und mit den Firmen Bamberg, Goerz und Thom auch Manufakturen. Die Landhaussiedlung gehörte bereits der Geschichte an. Noch aber waren weite Gebiete des Carstennschen Bebauungsplans von 1874 unbebaut. Der Unternehmer Georg Haberland (1861-1933) und seine Berlinische Boden-Gesellschaft drängten. Das Gelände des Sportparks am Bahnhof Wilmersdorf-Friedenau und die Gegend westlich der Kaiserallee sollten bebaut werden. Vom Gemeindebaurat Altmann wurden Bebauungspläne gefordert.

 

Altmann beharrte in den Wohngebieten auf dem bisher praktizierten Verhältnis von Fahrbahn, Trottoir und Vorgarten und hielt an den alten Profilen von sieben Metern Straßenbreite fest – ausgenommen Rheinstraße, Kaiserallee und Südwestkorso. Ab 1905 entstand rund um den Cosimaplatz das in sich abgeschlossene Wagner-Viertel mit viergeschossigen Mietshäusern.

 

Noch wichtiger wurde allerdings der Bau von Schulen, die Altmann allesamt für den westlichen Ortsteil plante. Es war bei dem Mangel an geeigneten Grundstücken nicht immer leicht, eine geeignete Grundrisslösung zu finden, die auch in städtebaulicher Hinsicht dem Stadtbild eine Note geben konnte, bei gleichzeitiger ästhetischer Ausbildung des Gebäudes im Äußeren.

 

Johannes Duntz hatte in den Jahren 1904/06 in der Rheingaustraße die II. Gemeindeschule errichten lassen. Altmann griff die Idee auf. In rascher Folge entstanden nach seinen Entwürfen 1908/09 das Realgymnasium (heute Rheingau-Gymnasium) in der Schwalbacher Straße, 1910/12 das Königin-Luise-Lyzeum in der Goßlerstraße (heute Paul-Natorp-Oberschule) und als Doppelschule 1913/14 die III. Gemeindeschule mit Turngerätehaus (heute Bobertal-Oberschule und Ruppin-Grundschule).

 

Sein Raumprogramm ging weit über die für höhere Lehranstalten gesetzten Maßstäbe hinaus: Das Dach des Realgymnasiums bekam eine Plattform für astronomische Beobachtungen, beim Königin-Luise-Lyzeum setzte er den bisher monofunktionalen Schulen eine kommunikative Hallenschule entgegen, von deren galerieartigen Fluren der Blick in die zweigeschossige Aula möglich wurde. Und die III. Gemeindeschule wurde eine winkelförmig angeordnete Doppelschule mit zwei Turnhallen, Aula, Festsaal für die Bürgerschaft, Turngerätehaus und Sportplatz.

 

Innen und außen wurde an nichts gespart. Schnackenburgs großzügig betriebene Ausgabenpolitik, eingeschlossen auch die Bereitschaft zur öffentlichen Verschuldung, kam Altmann mehr als gelegen. Immer reichhaltiger wurden die Gebäude ausgestattet. Obwohl sehr unterschiedlich in Architektur, Gestaltung, Größe und Materialeinsatz, alle Bauten haben eine Ausstrahlung. Sie respektieren den jeweiligen Ort und fügen sich immer in das Ortsbild von Friedenau ein. Bemerkenswert, ob Putzbau oder Sichtziegelmauerwerk, ohne den üppigen Bauschmuck seiner Architekturplastiker Bernhard Butzke (1876-1952) und Richard Kuöhl (1880-1961) ging es nicht. Als sich Schnackenburg 1909 von Friedenau verabschiedete und Oberbürgermeister von Altona wurde, war Altmann als Planer und Architekt überregional anerkannt. Er hatte sich durchgesetzt und er konnte sich durchsetzen – wofür die Gemeinde stets opferwillig Mittel zu einer würdigen Ausgestaltung der Bauten bewilligte. Das galt nach dem Abschied von Schnackenburg auch für die Amtszeit des neuen Bürgermeisters Erich Walger (1867-1945). Nach wie vor war viel zu tun: Straßenbeleuchtung, Straßenbelag, Entwässerung, Wasserversorgung. Es entstanden die Bedürfnisanstalten Maybachplatz und Südwestkorso, das Evangelische Pfarr- und Gemeindehaus Zum Guten Hirten, das Ferienheim des Vereins für Ferienkolonien Friedenau in Zinnowitz, auch der in seiner Urheberschaft umstrittene Bau des Kolumbariums auf dem Friedhof in der Stubenrauchstraße gehört dazu.

 

Da die Gründer von Friedenau in ihrer Euphorie nicht daran gedacht hatten, dass zum Leben auch der Tod gehört, wurde die Anlage eines Friedhofs einfach vergessen. Man brachte die Toten nach Wilmersdorf, aber als dort die weitere Aufnahme verweigert wurde, musste der als Grünanlage vorgesehene Hamburger Platz (Ecke Südwestkorso und Stubenrauchstraße) 1881 als Begräbnisplatz der Gemeinde Friedenau geopfert werden. Die Hauseigentümer protestierten. Der Gemeinderat setzte sich durch.

 

Um die Jahrhundertwende gingen die Prognosen davon aus, dass der innerstädtische Platz für Bestattungen knapp werden würde. In Panik geriet zuerst die Evangelische Kirche mit ihren Kirchhöfen. Friedhof und Begräbnis waren am Ende des 19. Jahrhunderts (noch) eine Angelegenheit der Kirche. Das Kirchengesetz von 1895 verpflichtete daher die Berliner Stadtsynode als Verband der Evangelischen Kirchengemeinden, für ausreichenden Begräbnisplatz zu sorgen. Da das Monopol gehalten werden sollte, weihte sie 1909 außerhalb der Stadtgrenzen als Zentralfriedhof den Südwestkirchhof Stahnsdorf ein. Friedenau musste noch dringender eine Lösung schaffen. Altmann konnte 1912 die Verhandlungen über den Ankauf eines 12 Hektar großen Begräbnisplatzes zum Abschluss bringen. Neben dem Südwestkirchhof wurde 1913/14 der kommunale Friedenauer Waldfriedhof Gütergotz angelegt. 1920 zog die Gemeinde Wilmersdorf mit dem Wilmersdorfer Waldfriedhof Stahnsdorf nach. Die Anlage in Gütergotz mit Kapelle und Verwaltungsgebäude, beide mit Sichtziegeln ausgeführt, entstand nach seinen Plänen, und schloss sich in ihrem Charakter der Stimmung des sie umgebenden Hochwaldes an. Die U-förmig angelegten Wege erinnern ebenso wie die eingefügten Schmuckplätze an den Friedenauer Ortsgrundriss. Da sich Wirtschaftshof und Gärtnerei als zu klein erwiesen, der Bedarf an Blumen und Pflanzen für die Grünanlagen in Friedenau nicht gesichert war, wurden 1919/20 Wirtschaftsgebäude und Gewächshaus erweitert. Die drei Berliner Friedhöfe in Stahnsdorf gelten heute als ein einzigartiges Friedhofsensemble in Deutschland.

 

Die nächste Aufgabe, so der Gemeindebaurat, war die Errichtung eines Rathauses, weil die Unterbringung der Verwaltung immer unzulänglicher geworden war. Ein Preisausschreiben an die Architekten Deutschlands zur Erlangung eines Entwurfes für den Rathausbau brachte kein befriedigendes Ergebnis. Keiner der 96 eingelieferten Entwürfe entsprach den Bestimmungen des Bauprogramms. Das war zu erwarten. Altmann ließ sich eine solche Chance nicht entgehen, und so fand sein auf Aufforderung der Gemeindekörperschaften eingereichter Bauentwurf die einstimmige Zustimmung. Nach einigem Hin und Her einigte sich die Gemeindevertretung am 16. November 1911 auf einen Bau am Lauterplatz.

 

Friedenau strotzte vor Selbstbewusstsein. Immer mehr sollte im Rathausbau versammelt werden. Neben Büros auch Dienstwohnung für den Bürgermeister, Sitzungsräume, Bürgerfestsaal, Sparkasse, Feuerwache, Ratskeller und Turm. Dabei spielte es keine Rolle, dass von der geltenden Bauordnung abgewichen, die erlaubte Gebäudehöhe um ein Geschoss überschritten, die Baufluchtlinien durch Änderung des Straßengeländes geändert und zwei Landhäuser der Erstbebauung abgebrochen wurden.

 

Am 18. Oktober 1913 erfolgte die Grundsteinlegung. Ein Jahr später begann der Erste Weltkrieg. Altmann zog den Bau mit aller Energie durch – wie gewohnt, äußerst opulent, innen mit Keramik, Stuck, Holz oder Werkstein, außen wiederum mit bauplastischen Arbeiten seines Bildhauers Bernhard Butzke (18761952). Die Übergabetermine wurden eingehalten. Für Bürgermeister Erich Walger war das Rathaus außen das Wahrzeichen eines Gemeindewesens, das sich seiner Kraft und seiner Bedeutung bewusst ist, innen ein Ort ernster Arbeit für die Beamten und die Gemeindevertreter, sowie eine Stätte der Erholung und froher Feste für die Bürgerschaft. Die Freude währte nicht lange. Zum 1. Oktober 1920 verlor Friedenau seine Selbstständigkeit und Gemeindebaurat Hans Altmann seinen Posten. Friedenaus Bürger wussten um den Verlust. Nicht umsonst schickten sie Altmann bis 1925 in die Bezirksverordnetenversammlung von Schöneberg.

 

Hauptberuflich war Hans Altmann nun im freien Beruf als Architekt und Bausachverständiger tätig. Es entstanden Wohn- und Geschäftshäuser, ein Anbau zur AOK-Badeanstalt, das Landhaus Roux am Pfingstberg in Potsdam, seine Bauten für die Askania Werke AG in der Bundesallee, mit denen es ihm von 1918 bis 1937 gelang, aus eigentlich immer nur geforderten An- und Zubauten systematisch eine Industriebaustruktur zu entwickeln. Nach seinen Angaben hat er sowohl an der Planung für die Gartenstadt am Südwestkorso mit Künstlerkolonie als auch am Schöneberger Projekt Ceciliengärten mitgewirkt.

 

Altmann ist mit Frau und seinen Söhnen Günther und Hans Peter mehrfach umgezogen: Stubenrauchstraße Nr. 67 II (1907), Lauterstraße Nr. 19-20 (1910), Ringstraße Nr. 50 I (1912) und Stubenrauchstraße Nr. 12 II (1913). Im Jahr 1930 gibt er als Wohn- und Geschäftsadresse Kaiserallee Nr. 64/5 an. Danach zog es die Familie nach Dahlem, zuerst unter der Adresse Am Schülerheim Nr. 4, danach ab 1938 im eigenen Haus Föhrenweg Nr. 17. Hans Altmann – sein Name steht für ortsbildprägende Qualität, perfekte handwerkliche Ausführung und eigenständige Handschrift.

 

Hans Altmann: Die bauliche Entwicklung Friedenaus, 1924

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Relief Hans Altmann am Rathaus Friedenau. Foto H&S 2005

Zum Tod von Friedenaus Gemeindebaurat Hans Altmann

Nachruf aus DER NEUE WESTEN, 27.1.1965

 

Der wohl wirkungsvollste Gestalter der ehemals selbstständigen Gemeinde Friedenau, Gemeindebaurat Hans Altmann, Ehrenmitglied des Bundes Deutscher Architekten, ist am vergangenen Donnerstag im Alter von 93 Jahren in seinem Heim am Föhrenweg 17 im Grunewald gestorben. 14 Jahre, von 1906 bis zur Eingliederung der Gemeinde Friedenau in den Bezirk Schöneberg im Jahre 1920, hat er als Baurat der Gemeinde das architektonische Bild Friedenaus maßgeblich mitgestaltet. Zu seinen markantesten Bauwerken gehören das Rathaus am Breslauer Platz, zahlreiche Schulen: u. a. die Rheingau-Schule in der Schwalbacher Str. 3-4, die Paul-Natorp-Schule in der Goßlerstr. 13-15, die Bobertal-Schule in der Offenbacher Str. 5a, die Askania-Werke in der Bundesallee, das Postgebäude am Wilmersdorfer Platz und die Friedhofskapelle in Gütergotz (heute Bezirk Wilmersdorf).

 

Der frühere Chefredakteur des „Friedenauer Lokalanzeigers“, Hermann Martinius, erinnert sich heute noch genau an den Tag der Anstellung des Baurats Altmann bei der Gemeindeverwaltung: den 1. April 1906. Hans Altmann hatte sich damals bereits mit einigen Bauten beim preußischen Staatsdienst empfohlen. Sein erster Auftrag: Das Reformrealgymnasium, die heutige Rheingau-Schule. Und mit dem hatte Bürgermeister Schnackenburg zahlreiche Bedingungen verknüpft.

 

 

Schnackenburg hatte zu der Zeit gerade die „Vortragsabende für Kunst und Wissenschaft“ ins Leben gerufen, die in der Aula des ehemaligen Friedenauer Gymnasiums am Maybachplatz (heute Friedrich-Bergius-Schule am Perelsplatz) stattfanden. Für diese Veranstaltungen wünschte der Bürgermeister einen schöneren und größeren Saal. Daher schlug er vor, die Aula des entstehenden Reformrealgymnasiums zu einem Bürger-Festsaal auszubauen, in dem nicht nur größere künstlerische Veranstaltungen, sondern auch Festlichkeiten der Bürger stattfinden sollten.

 

Baurat Hans Altmann bemühte sich mit Erfolg, diesen Anforderungen gerecht zu werden Und daher hat die Aula heute noch eine große Bühne, Galerien, eine Filmvorführanlage und mehrere kleine Nebenräume, in denen früher die Festessen angerichtet wurden. Unter den Festsaal baute er einen Turnsaal, der zahllosen Veranstaltungen als Tanzsaal diente. 1910 war es dann soweit: Friedenau hatte ein neues Schulgebäude, das zudem Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens der Gemeinde werden sollte. Schnackenburg, der wenige Wochen zuvor als Oberbürgermeister nach Altona gewechselt war, hatte es sich nicht nehmen lassen, an der Einweihung am 11. Oktober teilzunehmen. Jetzt fanden ständig Vorträge, Theatervorstellungen usw. im Gymnasium statt. Auch der „Haus- und Grundbesitzer-Verein“ feierte 1913 sein Jubiläum im Bürger-Festsaal.

 

Altmanns Hauptwerk aber war der Rathausbau, von 1913 bis 1915. Auch hier schuf er einen Festsaal (den heutigen Schlesiensaal), zudem einen Ratskeller mit Vereinszimmern usw., so daß der Mittelpunkt der aufstrebenden Ortschaft auch Zentrum des gesellschaftlichen Lebens der Gemeinde wurde. Mit Zugang von der Lauterstraße erhielt die Feuerwache in dem „Brennpunkt" einige Räume. Sie war dadurch zusätzlicher Schutz für den Tresor der Sparkasse im Keller. Aber auch äußerlich war das Rathaus repräsentativ. Leider sind die meisten der künstlerischen Stückarbeiten während des zweiten Weltkrieges in einer Bombennacht vernichtet worden. Doch die Dominante, der weithin sichtbare Turm, läßt die ursprüngliche Fassade noch erkennen.

 

Hans Altmann wurde auf dem Waldfriedhof in Dahlem beerdigt. Das Grab existiert nicht mehr.

 

Die Bauten von Hans Altmann

 

General-Lotterie-Direktion Berlin

1899-1902

General-Lotterie-Direktion Berlin, Wilhelmstraße 63

Entwurf: Paul Kieschke, Adolf Bürckner, Hans Altmann

 

Ausführlicher Beitrag aus dem Zentralblatt der Bauverwaltung von 1903 auf der PDF

 

 

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Regierungsgebäude Potsdam. Entwurf Paul Kieschke, Adolf Bürckner, Hans Altmann

1902-1907

Regierungsgebäude Potsdam

Entwurf: Paul Kieschke, Adolf Bürckner, Hans Altmann

 

Das heutige Stadthaus in der Friedrich-Ebert-Str. 79-81 wurde 1902 bis 1907 als Regierungsgebäude der preußischen Regierungsprovinz Brandenburg vom Geheimen Oberbaurat Paul Kieschke im Ministerium für öffentliche Arbeiten geplant.

 

Es ist davon auszugehen, dass zu Kieschkes Team wie bei den Entwürfen zum Staats-Ministerium in der Wilhelmstraße 63 wiederum Regierungsbaumeister Hans Altmann gehörte, da er 1930 im Fragebogen des Bundes Deutscher Architekten für das Regierungsgebäude in Potsdam die Formulierung „entworfen“ verwendet. Gesichert ist, dass Bauinspektor Traugott von Saltzwedel im Mai 1902 mit der weiteren Ausarbeitung des Entwurfs, der Veranschlagung der Kosten und schließlich mit der Ausführung des Neubaus beauftragt wurde. Regierungsbaumeister Bernhard Lehmann wird als der „Bauleitende“ benannt, offensichtlich Nachfolger von Altmann, der 1903 Stadtbauinspektor von Elberfeld wurde. Entstanden ist ein mit Sandstein verkleideter neobarocker Staatsbau in Form eines Palais mit Mansarddach und zentraler Kuppel in der Tradition preußischer Herrschaftsbauten. Das Gebäude umfasst 478 Räume, die sich um 4 Innenhöfe gruppieren. Diensträume liegen getrennt vom Publikumsverkehr in den hinteren Gebäudeteilen. Im ersten Stock in der Mittelachse befindet sich der Sitzungssaal, davor gelagert das 16 Meter hohe Treppenhaus. Neben dem Hauptgebäude gehörte auch die Dienstwohnung für den Regierungspräsidenten sowie Stallungen und Kutscherhaus zum Ensemble. Das Gebäude war bis 1945 Sitz der Regierung für den Regierungsbezirk Potsdam. 1947 wurde das Haus der Stadtverwaltung Potsdam überlassen.

 

Bedürfnisanstalt Maybachplatz, 1909

1909

Bedürfnisanstalt Maybachplatz

Architekt Hans Altmann

 

Ausführlicher Beitrag unter Perelsplatz

Königin-Luise-Schule Goßlerstraße 13-15

1910-1912

Königin-Luise-Schule Goßlerstraße 13-15

Architekt Hans Altmann

(heute Paul-Natorp-Gymnasium)

 

Ausführlicher Beitrag unter Goßlerstraße

 

Wirtschaftsgebäude Gutshaus zum Rabenstein bei Krummhübel

1911

Wirtschaftsgebäude Gutshaus zum Rabenstein

Architekt Hans Altmann

 

Kein Gast hat Krummhübel in der Literatur so bekannt gemacht wie Theodor Fontane. Dafür stehen die Erzählung über den ungeklärten Mord an einen Förster im Roman „Quitt“ oder die Geschichten aus „Von, vor und nach der Reise“. Zwischen 1872 und 1890 hatte Fontane am Riesengebirge mehrmals den Sommer verbracht. Damals war es Mode geworden, direkt unter der Schneekoppe in oft recht bescheidenen Unterkünften Ferien zu machen.

 

Mit der Riesengebirgsbahn von Erdmannsdorf (Mysłakowice) nach Krummhübel (Karpacz) im Jahr 1895 kamen mehr Gäste, darunter der Friedenauer Gemeindebaurat Hans Altmann mit Ehefrau Gertrud und den Söhnen Günther und Hans-Peter. Es ist wohl davon auszugehen, dass Altmann während des Urlaubs 1911 als eine Art „Freundschaftsdienst“ den Entwurf für das „Wirtschaftsgebäude des Gutshauses zum Rabenstein, Wolfshau bei Krummhübel“ fertigte. Aus heute nicht mehr nachvollziehbaren Gründen war es ihm wichtig, dass er diesen Bau im „Fragebogen der Reichskammer für Bildende Künste, Fachverband der Architekten“ als „persönliches Werk“ aufführt.

 

Gemeindehaus Zum guten Hirten, 1911

1911

Pfarr- und Gemeindehaus Zum guten Hirten

Architekt Hans Altmann

Realgymnasium Schwalbacher Straße 3-4, 1911

 

1911

Realgymnasium Schwalbacher Straße 3-4

Architekt Hans Altmann

(heute Rheingau-Gymnasium)

 

Ausführlicher Beitrag unter Schwalbacher Straße

 

Friedenauer Verein für Ferienkolonien Zinnowitz, 1912

1912

Friedenauer Verein für Ferienkolonien Zinnowitz

Architekt Hans Altmann

 

Im Bericht über die „Wohlfahrtseinrichtungen von Groß-Berlin“ des Jahres 1913 wird vom „Verein für Ferienkolonien“ und der Zusammenarbeit mit der „Zentralstelle für Balneologie“ des Physiologen Nathan Zuntz (1847-1920) berichtet. Vorsitzender des Friedenauer Vereins war Bürgermeister Erich Walger (1867-1945). Er war es wohl, der seinen Gemeindebaurat Hans Altmann beauftragt hat, ein Kinderheim für den „Friedenauer Verein für Ferienkolonien“ in Zinnowitz zu schaffen. Im Jahr 1912 entstand in der Forststraße 26 (heute Dr.-Wachsmann-Straße) zirka 600 Meter von der Küste entfernt und hinter dem 450 Meter breiten Dünenwald ein zweigeschossiges Haus mit Mansarddach.

 

Das einstige Feriendomizil für Friedenauer Kinder existiert noch immer. Nach einer Nutzung als Lazarett während des Krieges wurden nach Kriegsende zeitweise elternlose Kinder untergebracht. Zu DDR-Zeiten erhielt das Haus den Namen Elli-Voigt-Heim, benannt nach der Widerstandskämpferin Elli Voigt geborene Elli Lotte Garius, die im Alter von 32 Jahren am 8. Dezember 1944 in Plötzensee hingerichtet wurde. Das Gebäude wird heute vom „Christlichen Jugenddorfwerk Deutschland“ CJD als Kinderheim betrieben.

III. Gemeindeschule Friedenau, Laubacher Straße 22-27/Offenbacher Straße 5A 1913/14

1913-1914

III. Gemeindeschule Friedenau (Doppelschule)

Laubacher Straße 22-27/Offenbacher Straße 5A

Architekt Hans Altmann

(heute Ruppin-Grundschule)

 

Ausführlicher Beitrag unter Offenbacher Straße

Waldfriedhof Friedenau in Gütergotz

1913-1914

Waldfriedhof Friedenau in Gütergotz

Architekt Hans Altmann

(heute Wilmersdorfer Waldfriedhof Stahnsdorf)

 

Ausführlicher Beitrag unter Friedhof Güterfelde

1916, Rathaus. Archiv Barasch

1913-1917

Rathaus Friedenau

Architekt Hans Altmann

 

Ausführlicher Beitrag unter Rathaus Friedenau

Kolumbarium Friedhof. Foto H&S

1914-1916

Kolumbarium Friedhof Stubenrauchstraße

 

Das Kolumbarium (Urnenhalle) auf dem Friedhof Stubenrauchstraße entstand zwischen 1914 und 1916. Bauherr war die Gemeinde Friedenau. Es kann davon ausgegangen werden, dass der Gemeindebaumeister Hans Altmann den Bau entscheidend beeinflusst hat. In den Selbstzeugnissen erwähnt Altmann den Klinkerbau allerdings nicht.

 

Die Urnenhalle setzt sich aus einem zweigeschossigen Rundbau mit einer Kuppel und zwei eingeschossigen Seitenflügeln zusammen, die von einem Satteldach überspannt werden. Der südliche Flügel besteht aus drei, der nördliche aus fünf offenen Arkaden auf, die jeweils durch eine steinerne Balustrade vom eigentlichen Friedhofsgelände getrennt sind. Das Kolumbarium besteht aus je acht Grabkammern im Unter- und im Erdgeschoss. Im Untergeschoss hat jede Kammer vier Reihen mit Urnennischen, im Erdgeschoss nur drei Reihen übereinander. Im Kuppelrundbau befindet sich eine Öffnung mit zwei Treppenzugängen zum Untergeschoss. Der Rundbau im Erdgeschoss dient als Versammlungsraum. Die Kammern des Kolumbariums sind in beiden Geschossen mit Durchgängen verbunden, außerdem fällt in die Kammern im Untergeschoss durch Opäen mit Gittern von oben Licht ein. Der Rundbau hat ein offenes Keramik-Rundbogenportal, dessen Schlußstein einen Phoenix über Flammen zeigt, und zwei Engelsköpfchen tragen einen Kämpfer aus Keramik mit dem "Auge Gottes" im Dreieck. Das Portal ist mit einem Gittertor geschlossen. Die Urnenhalle ist ein ungewöhnlicher Sepulkralbau, dessen künstlerische Gestaltung eine große, stille Würde ausstrahlt. (Landesdenkmalamt)

 

Askania-Werke

1915-1937

Askania-Werke

Bundesallee 86 & 87 & 88, Stubenrauchstraße 72

Architekt Hans Altmann

 

Ausfürhlicher Beitrag unter Bundesallee

Kiosk und Bedürfnisanstalt Südwestkorso. Foto von 1973 LBB ,

1920

Kiosk und Bedürfnisanstalt Südwestkorso

Architekt Hans Altmann

 

Der Bau ist in Sichtziegelmauerwerk auf quadratischem Grundriss errichtet und mit einem Pyramidendach mit geschweiften Sparren gedeckt. Der Kiosk hat am Südwestkorso für den Verkauf einen kleinen erkerartigen Vorbau, dem eine Welsche Haube aufgesetzt ist.

 

 

Wohn- und Siedlungsbauten Ceciliengärten

1922-1927

Wohn- und Siedlungsbauten Ceciliengärten

Unter „maßgeblicher Beteiligung“ von Hans Altmann

 

Für die „Reichskammer der bildenden Künste - Fachverband der Architekten“ gibt Hans Altmann 1934 an: „Maßgeblich beteiligt an den Wohn- und Siedlungsbauten in den Ceciliengärten in Berlin-Schöneberg“. Art und Umfang seiner Leistungen konnten (bisher) nicht ermittelt werden.

 

 

 

Der Bebauungsplan für das sogenannte „Schöneberger Südgelände“ zwischen Friedenauer Straße (Hauptstraße), Südring und Stammbahn (Wannseebahn) hat zwischen 1875 und 1922 einige Veränderungen hinnehmen müssen. Das Land gehörte einst dem Schöneberger Großbauern „Willmann“. In den 1890er Jahren war durch die „Boden-Aktiengesellschaft Berlin-Nord“ eine Parzellierung und Bebauung mit „breiteren Straßen und eingestreuten Grünflecken“ geplant. Nachdem der Architekt Paul Wolf zum Stadtbauinspektor von Schöneberg berufen war, stellte er 1912 einen neuen „Bebauungsplan für das Willmann’sche Gelände“ auf. Das Projekt erhielt den Namen „Ceciliengärten“, benannt nach Kronprinzessin Cecilie Auguste Marie von Mecklenburg-Schwerin (1886-1954), der Ehefrau von Kronprinz Friedrich Wilhelm (1882-1951). Paul Wolf wollte eine Idylle errichten, eine nach außen hin ziemlich abgeschlossene Gartenstadt inmitten der Großstadt, mit „durchsonnten Wohnungen durch Nord-Süd-Ausrichtung sämtlicher Baublocks“, ohne „Berliner Zimmer und Hinterhäuser“ und mit „Spielplätzen für die liebe Jugend“. Es kam der Erste Weltkrieg, das Projekt verschwand in den Schubladen und Paul Wolf ging 1914 als Stadtbaurat nach Hannover.

 

Mit der Bildung von Groß-Berlin am 1. Oktober 1920 verlor Schöneberg seine Selbstständigkeit und bildete von da an gemeinsam mit Friedenau den 11. Berliner Verwaltungsbezirk Schöneberg. Am 21. Februar 1921 wählten die Stadtverordneten den Reichstagsabgeordneten der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) Emil Berndt (1874-1954) zum Schöneberger Bürgermeister. Stadtbaurat wurde der 57-jährige Professor Heinrich Lassen.

 

Er stellte einen dritten Bebauungsplan auf. Nach dem „Reichsheimstättengesetz“ von 1920 hatte er einen erheblichen Anteil an Grünflächen nachzuweisen: 87 ha Freiflächen und Parks, 34,3 ha Dauerkleingärten und nur 16,4 Prozent Bauland. Damit waren mit den nahen Friedhöfen Maxstraße und Zwölf Apostel 63,6 Prozent Grünland. Der Rest war Straßenland. Auf dieser Basis konnte Lassen an die Ideen seines Vorgängers Paul Wolf anknüpfen. Die „Gemeinnützige Heimstättengesellschaft der Berliner Straßenbahn“ und die „Wohnstättengesellschaft mbH“ erwarben die parzellierten Blöcke. Die Projektierung der Wohngebäude wurde den veränderten Wohnbedürfnissen angepasst – im Prinzip Mietskasernen in einer zeitgemäßen Ausführung. 1922 wurde mit dem Bau begonnen, 1927 war er vollendet.

 

Badeanstalt der AOK Rheinstraße 9. Foto H&S 2015

1924-1925

Badeanstalt der AOK, Rheinstraße 9

Architekt Hans Altmann

 

Der Architekt Oskar Haustein, wohnhaft Friedrich-Wilhelm-Platz 2, errichtete 1899 auf dem eigenen Grundstück ein Mietshaus für neun Parteien in der Rheinstraße 9. Im Jahr 1907 zählte die Allgemeine Ortskrankenkasse Friedenau mit einer Zahnärztlichen Klinik zu den Mietern. Der zweigeschossige Anbau entstand als Sichtziegelbau am Ostgiebel des nördlichen Seitenflügels. Eigentümerin des Grundstücks war inzwischen die Witwe M. Haustein aus der Ringstraße 5 (seit 1962 Dickhardtstraße). Neben der bereits existierenden Zahnärztlichen Klinik entstand in diesem Anbau eine Badeanstalt der AOK für den Verwaltungsbezirks XI (Schöneberg). Der relativ kleine Anbau mit einer Grundfläche von 8,5 x 6,5 Metern bestand im Erdgeschoss aus einem Empfangs- und Warteraum. Von dort führte eine Treppe ins Obergeschoss zu einem tonnengewölbten Ruheraum und in das dem Hof vorgelagerte Souterrain mit einem Naßraum. Die Räume sollen, was bei Altmanns Bauten meist nahe lagt, mit aufwändiger farbiger Keramik ausgestattet worden sein.

 

Haus Haenel am Roseneck. Foto H&S, 2015

1924-1925 (1929)

Haus Haenel am Roseneck

Hohenzollerndamm 92-94, Karlsbader Straße 18

und Teplitzer Straße 40-42

Architekt Hans Altmann

 

Das Wohn- und Geschäftshaus wurde in zwei Bauabschnitten 1924/25 und 1929 für die Grundstücks-AG Haus Haenel am Roseneck errichtet. Die Anlage besteht aus zwei getrennten Baukörpern. Eine bauliche Einheit bilden die Häuser Hohenzollerndamm 93 a, 94 und Teplitzer Straße 40-42. Am Eckhaus Hohenzollerndamm 94 befindet sich das Portal mit der Aufschrift „Haus Haenel“. Davor liegt eine kleine Grünfläche. Die Häuser Hohenzollerndamm 92/93 und Karlsbader Straße 18 bilden den zweiten Baukörper. Die Anlage besteht aus drei bis viergeschossigen Putzbauten mit steilen Walm- und Mansardendächern. Die dunkelrot gestrichene Fassade ist stark gegliedert und in den erhalten gebliebenen Teilen reich verziert. Vereinzelt sind Balkone, Loggien und Erker eingefügt. Im Erdgeschoss der Gebäude befinden sich zahlreiche Geschäfte. Die Gebäude wurden während des Zweiten Weltkrieges teilweise zerstört und sind später mit zum Teil vereinfachter Fassadengestaltung wiederhergestellt worden. Die Gesamtanlage steht unter Denkmalschutz. Quelle: Landesdenkmalamt Berlin

 

Wohnhaus Markobrunner Straße. Foto H&S 2017

1927-1933

Gartenstadt am Südwestkorso

 

Für die „Reichskammer der bildenden Künste - Fachverband der Architekten“ gibt Hans Altmann 1934 an: „Mitwirkung an der Planung der „Gartenstadt am Südwestkorso mit Künstlerkolonie“ (1927/33).

 

1926 wurde das Areal zwischen der Laubenheimer Straße und dem Breitenbachplatz von der Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (GDBA) und dem Schutzverband Deutscher Schriftsteller erworben. Für die Bauausführung des Projekts „Gartenstadt am Südwestkorso mit Künstlerkolonie“ wurde die „Gemeinnützige Heimstätten Ges. G. m. b. H." gegründet, die zusammen mit der Heimat Bau- und Siedlungs AG, Gehag, Vorsorge-Versicherungs AG und Wohnstätten Gesellschaft als Bauherr fungierte.

 

Nach der Grundsteinlegung am 30. April 1927 wurde mit dem Bau der drei Wohnblöcke um den Laubenheimer Platz (heute Ludwig-Barnay-Platz) begonnen. Die Federführung oblag der Architektensozietät Paulus & Paulus (Ernst (1868-1935) und Günther Paulus (1898-1976). An den Entwürfen waren folgende Architekten beteiligt: Hans Altmann, Josef Braun, Alfred Gunzenhauser, Erich Bohne, Heinrich Iwan, Stephan von Zamojski, Hans Jessen, Jean Krämer, Hans Kraffert, Karl Roethele, Ernst Rossius-Rhyn, Georg Schmidt, Heinrich Straumer, Hugo Virchow. Nach Angaben von Hans Altmann aus dem Jahr 1934 beteiligte er sich mit Entwürfen für die Häuser Geisenheimer-, Laubenheimer- und Markobrunner Straße. Art und Umfang seiner Leistungen konnten (bisher) nicht ermittelt werden.

 

Steglitz Bismarckstraße 72 & 73 Ecke Sachsenwaldstraße 6 & 7 1928/29

1928-1929

Steglitz, Bismarckstraße 72/73

Ecke Sachsenwaldstraße 6 & 7

Architekt Hans Altmann

Bauherr: Stöckelsche Erben

Ausführung: Baugeschäft A. und F. Bolle

1929 Wohn- und Geschäftshaus Königin-Luise-Straße
1929-1930
Wohn- und Geschäftshaus
Königin-Luise-Straße 38, Takusstraße 47
Architekt Hans Altmann
Bauherr: Antonie Heidgen

Baudenkmal Wohnhaus & Laden

                          

Das zweigeschossige Eckgebäude mit hohem Walmdach steht im spitzen Winkel der beiden Straßen; es bildet mit seiner konkav geschwungenen Stirnseite einen kleinen Vorplatz und schafft so eine städtebaulich reizvolle Situation. Von den ursprünglich zehn Ladenlokalen im Erdgeschoss, denen jeweils ein Kellerraum direkt zugeordnet war, gibt es heute durch Zusammenlegungen nur noch sieben. Die sich um die Straßenfassaden des dreiflügeligen Gebäudes herumziehende Schaufensterfront, insbesondere die der Dorfapotheke an der Stirnseite mit Stahlfensterrahmen und grün verglasten Flächen, ist in ihrem Äußeren jedoch weitgehend bewahrt.

 

 

Die Wohnungen in Ober- und Dachgeschoss, die zum Teil schon in den 1930er Jahren, vor allem aber in der Nachkriegszeit mehrfach verändert und ausgebaut wurden, sind in ihrer Grundstruktur noch erhalten. Das Eckhaus schließt in seinem Innenhof einen kleinen Garten ein, zu dem sich die Rückfassaden mit Balkonen und Außentreppen öffnen. Die architektonische Gestaltung des Gebäudes als heller Putzbau mit weißen Sprossenfenstern, grünen Klappläden, Dacherkern, schmalen Gurt- und Sohlbankgesimsen sowie breitem Traufgesims zeigt ein neobarock-expressionistisches Gepräge, das sich auf eine für die Entstehungszeit vergleichsweise konservative Weise dem ländlichen Charakter des Dorfkerns anpasst. (Literatur: Erwin Ehrenberg)

 

1929-1930 Landhaus Roux Potsdam Höhenstraße 3
1929-1930
Landhaus Roux Potsdam Höhenstraße 3
Architekt Hans Altmann
 

Am 8. Mai 1930 hatte Max Roux, Inhaber der Askania AG, von Major a.D. Rudolf von Oppen und seiner Frau Emily Henriette geb. von Arnim, wohnhaft Höhenstraße Nr. 1-2, das 3203 Quadratmeter große Nachbargrundstück Nr. 3 erworben – „wie es steht und liegt. Für Güte und Beschaffenheit des Bodens sowie für bestimmte Eigenschaften übernehmen die Verkäufer keinerlei Gewähr“.

Die Höhenstraße am Pfingstberg war noch vor dem Weltkrieg angelegt worden. Das Haus Nr. 4 hatte die Potsdamer Architekten-Sozietät Estorff & Winkler 1927 für Marie von Estorff gebaut, die Mutter der Brüder Hans und Otto von Estorff. 1929 errichtete das Büro Haus Nr. 1-2 für die Familie von Oppen. Nun kam mit Nr. 3 und Blick auf Jungfernsee, Langhansscher Meierei und Sacrower Heilandskirche nach einem Entwurf von Hans Altmann ein Ziegelbau dazwischen. Backstein statt Glattputz. Eine Provokation.

 

 

 

 

 

Sieben Jahre nach der Bauabnahme forderte Herr Dr. Ing. Fritsch von der Baupolizei Potsdam am 14. Mai 1937: „Die Klinkervilla muss hellgrau gestrichen werden.“ Hinter diesem Ansinnen hat wohl weniger Nachbarin Marie von Estorff als vielmehr der Architekt Otto von Estorff gestanden, der das Potsdamer Monopol von Estorff & Winkler gefährdet sah. Grund hatte er, denn seine schlichten ein - bis zweigeschossigen hellen Putzbauten mit symmetrischen Fassaden und Walmdächern gingen über einen handwerklich gediegenen Baustil nicht hinaus.

 

Altmanns Bau jedoch war mehr. Außen setzte er auf beständiges Material und abwechslungsreiche Gliederung, innen sorgte er für eine intelligente Wohntechnik. Altmann und Roux gingen in die Offensive: „Die Pläne haben der Stadtverwaltung vorgelegen und sind genehmigt worden. Auch die Besitzerin des Nachbargrundstückes hat durch ihren Sohn, den Erbauer ihres Hauses, die Bauzeichnungen meines Hauses einsehen lassen. Bei dieser Gelegenheit wurde auch darüber Übereinstimmung erzielt, dass die Lage meines Hauses in gleicher Weise wie das Haus Höhenstraße 5 in Nordsüdrichtung erfolgen solle, so dass also das v. Estorffsche Haus Nr. 4 sozusagen in der Mitte darüber zu liegen kommt und von den beiden Häusern Nr. 3 und Nr. 5 flankiert wird. Dabei ist auch besprochen worden, dass mein Haus in holländischen Klinkern erbaut und durch ein graues Pfannendach abgedeckt wird ... Von einem einheitlichen Straßenbilde in der Höhenstraße kann unseres Erachtens überhaupt nicht gesprochen werden, denn von den in der Höhenstraße errichteten 7 Häusern haben zum mindesten 4 Häuser einen gänzlich voneinander abweichenden Baustil und auch voneinander abweichende Farben. Ich würde es daher für eine unbillige Härte halten, wenn man mich veranlassen wollte, mein Haus anzustreichen. Der Wetteranfall auf meinem hochgelegenen Grundstück ist so stark, dass schon nach kurzer Zeit der auf die Klinker aufgetragene Anstrich verwittern würde ... Endlich würde der repräsentative Zweck meines Hauses für die mit meiner Stellung verbundenen häufigen in- und ausländischen Besucher nicht erfüllt sein...“

 

Am 9. August 1937 sah die Baupolizei „von einem Anstrich der Backsteinschauseiten des Hauses Höhenstr. 3 vorläufig ab. Um jedoch eine Verbesserung des gesamten Eindrucks zu erzielen, bitte ich wenigstens die Fensterläden heller anstreichen zu lassen. Den erforderlichen Farbton wollen Sie mit der städtischen Bauberatungsstelle näher vereinbaren“.

 

Das Schicksal meinte es mit der Familie dennoch nicht gut. Am 24. April 1945 war die Rote Armee in Babelsberg, am 30. in Potsdam. Als Churchill, Truman und Stalin am 15./16. Juli eintrafen, waren die Rouxschen Kinder längst in Ratingen am Rhein. Max Roux blieb. Ziemlich eigensinnig. Immerhin war er Mitglied der NSDAP und als Chef eines Rüstungsbetriebes Wehrwirtschaftsführer des nationalsozialistischen Staates. Nach Angaben seiner Kinder Hans-Georg und Ingeborg wurde er 1946 von Russen abgeholt und nicht mehr gesehen. Hier endet seine Geschichte.

 

Das Haus Höhenstraße Nr. 3 lag bis zum Abzug der Roten Armee im August 1994 außerhalb des sowjetischen Militärstädtchen Nr. 7., dem Sperrgebiet innerhalb der Stadt Potsdam. Es wurde weder von den Sowjets beschlagnahmt noch von der DDR enteignet. Deutlich wurde dies 1950 mit der Forderung des Potsdamer Finanzamtes gegen die Erben mit dem Eintrag einer Sicherungshypothek in Höhe von 12.000 DM in das Grundbuch. Nachdem die Zahlung an den Gläubiger über die Deutsche Investitionsbank Berlin an die DDR abgewickelt war, herrschten ab 1952 wieder klare Verhältnisse. Auf Grund des Erbscheins des Staatlichen Notariats Potsdam vom 16. Dezember 1957 wurde der Bauherr Max Roux am 5. Mai 1958 aus dem Grundbuch als Eigentümer gelöscht und Frau Ingeborg Dulk geb. Roux (19202003) in Berlin-Lichterfelde und Diplom Kaufmann Hans-Georg Roux (1915-2011) in Ratingen bei Düsseldorf in ungeteilter Erbengemeinschaft eingetragen. Nach der Wende hätten die Erben mit dem Verkauf des Anwesens beinahe Schlimmes angerichtet. Ein windiger Investor wollte das schnelle Geld machen und auf dem Hang unterhalb der Klinkervilla Einfamilienhäuser errichten. Die Untere Denkmalschutzbehörde Potsdam, nicht immer glücklich agierend in den ersten 1990er Jahren, verhinderte dies, wies Landhaus und Garten als Grün-, Sport- und Erholungsfläche aus und erhob alles zusammen zum Einzeldenkmal. Nach dem seinerzeit üblichen Hin und Her zwischen Investor und Banken konnte der Unternehmer Marcel ‚Otto‘ Yon 2004 Grundstück und Haus erwerben. Jahre waren inzwischen vergangen, Jahre, in denen im Innern einiges von Altmann und Roux ohne Sinn und Verstand zunichte gemacht wurde. Für Friedenauer gibt es am Kamin in der Halle ein Wiedersehen mit der farbigen Keramik des Bildhauers Bernhard Butzke, die Hans Altmann an so vielen öffentlichen und privaten Bauten zwischen Offenbacher Straße und Bundesallee hinterlassen hat.

 

1933 Wohnhaus Erwin Roux Kleinmachnow

1933

Wohnhaus Erwin Roux Kleinmachnow

Architekt Hans Altmann

1936

Wohnhaus Altmann Föhrenweg 17, Dahlem

Architekt Hans Altmann

Askania-Werke Mariendorf 1938/40

1938-1940

Askania-Werke Mariendorf

Architekt Hans Altmann

 

Das Grundstück Großbeerenstraße 2, Ringstraße 44-66 und Rathausstraße 48 gehörte zum Gaswerk Mariendorf. In den 1930er Jahren ging es an die Askania-Werke AG, die 1921 aus der Fusion mit der „Centralwerkstatt Dessau für Gasgeräte GmbH“ der Deutschen Continental Gas AG hervorgegangen war. Kurz vor dem Weltkrieg war die Askania AG zu einer Produktionssteigerung gezwungen. Da ein weiterer Ausbau des Stammwerks in Berlin-Friedenau nicht mehr möglich war, entstand neben dem Gaswerk Mariendorf eine ausgedehnte Fabrikanlage.

 

Die Askania-Werke zeigen, dass die Industriearchitektur aus der Zeit des Nationalsozialismus vorrangig durch Funktionalität geprägt war. Hans Altmann entwarf moderne, auf klaren Linien aufbauende Gebäude im sachlichen Stil der 1920er und 1930er Jahre. Die Stahlbetonskelettbauten sind mit dunkelbraunen Klinkern verkleidet. Durch die nüchterne architektonische Grundhaltung und das durchgängig verwendete Klinkermaterial entsteht ein einheitliches Bild. Den Kern der Fabrikanlage bilden zwei sechsgeschossige Stockwerksbauten mit quer anbindenden achtgeschossigen Fahrstuhl- und Treppenhaustürmen. Die liegenden Fenster der Stockwerksbauten sind durch lang gestreckte, von Gebäudeecke zu Gebäudeecke reichende Muschelkalkrahmungen zu horizontalen Fensterbändern zusammengefasst. Über dem auskragenden Gesims aus Muschelkalk ist eine niedrige, geschlossene Attika ausgebildet. Zu jedem Stockwerksbau gehört eine großflächige rechteckige Shedhalle. Für eine großzügige Belichtung der mehrschiffigen Hallen sorgen die pultdachförmig angelegten Sheds und die fast vollständig verglasten Längsfronten.

 

Dem nördlichen Stockwerksbau ist das Heizkraftwerk vorgelagert, das aus spannungsvoll gestaffelten kubischen Bauteilen besteht. Der Mitteltrakt ist durch zwei an der Westseite angeordnete rechteckige Schornsteine hervorgehoben. Das Gegenstück zum Heizkraftwerk ist die Montagehalle vor dem südlichen Stockwerksbau. Die lang gestreckte Halle wird an der östlichen Längsseite durch ein Stützenraster und zwei übereinander stehende Fensterreihen gegliedert. An die südliche Giebelseite schließt sich der markante, an drei Seiten freistehende Versuchsturm an. Der kubische, flach gedeckte Turmblock besitzt einen weit geöffneten Turmraum, in dem optische und geodätische Geräte getestet wurden. Das Verwaltungsgebäude an der Rathausstraße wurde im Zweiten Weltkrieg teilweise zerstört. Die vertikale Fassadengliederung mittels Lisenen wird durch das stufenartig vorgesetzte Treppenhaus an der Westseite nochmals verstärkt. An der Zufahrt zum nördlichen Stockwerksbau ist das Pförtnerhaus zu finden. Das kleine Gebäude besitzt ein weit auskragendes Dach, das von zwei schlanken Klinkerpfeilern getragen wird.

 

Quelle: Denkmale in Berlin. Bezirk Schöneberg. Ortsteil Friedenau. Von Peter Lemburg, Gabriele Schulz und Dietrich Worbs. Herausgegeben vom Landesdenkmalamt Berlin und vom Bezirksamt Schöneberg von Berlin. Verlag Willmuth Arenhövel, Berlin 2000.