Albestraße Nr. 19. Hahn & Stich, 2019

James Ruhemann

 

Der Baumeister James Ruhemann bleibt ein Rätsel. Er hat in Friedenau, Schöneberg und Steglitz eine Vielzahl von Mietswohnhäusern errichtet, die immer noch so attraktiv sind, dass die Immobilienbranche heute für eine 3-Zimmer-Wohnung von 143,08 m² einen Kaufpreis von 787.000 € fordern kann.

 

Wann Ruhemann geboren und gestorben ist, woher er kam, wie sich sein Weg vom Maurermeister zum Architekten gestaltet hat, bleibt unklar. An ihn erinnerte sich das Landesdenkmalamt Berlin, als es im Mai 2019 feststellte, dass seine 1892/93 entstandenen Bauten vom Fuhrhof Pählchen, der ehemaligen Friedenauer Müllabfuhr mit Pferdestall & Remise & Kontor & Kutscherhaus in der Görresstraße Nr. 23 im Gegensatz zum Urteil der Unteren Denkmalschutzbehörde von Tempelhof-Schöneberg als Denkmal anzusehen sind.

 

Der Name J. Ruhemann taucht im Berliner Adressbuch 1865 erstmals unter J. Ruhemann, Kaufmann, Manufactur- u. Posamentierwarengeschäft, Roßstraße Nr. 1., Geschäftslocal: Roßstraße Nr. 1a, F. J. Ruhemann jun. 1870 macht sich der Junior selbstständig: Ruhemann, J. Tapezirer u. Decorateur, Rosenthalerstraße Nr. 52. III. Zwischendurch wird aus dem J. der Vorname Julius.

 

 

 

Mit der Berliner Bauordnung von 1887 wurden auch in den Vororten Friedenau, Schöneberg und Steglitz mehrgeschossige Mietskasernen mit Seitenflügeln möglich. James Ruhemann gab den Dekorateur auf und wechselte ins Baugeschäft. In Steglitz hatte der Kaufmann und Bauherr Hermann Kühne Grundstücke in der Ahornstraße Nr. 27-32 und Zimmermannstraße Nr. 2-7 erworben und sich nach Entwürfen des Architekten Fritz A. Wanckel vom Maurermeister Friedrich Schoof 1888/89 die Häuser Ahornstraße Nr. 27-32 errichten lassen. Als die Grundstücke in der Zimmermannstraße dann in den Besitz der Bauherren Richter, Dankburg und Metzger übergingen, fertigte James Ruhemann nun als Architekt und Maurermeister die Entwürfe und übertrug die Ausführung dem Maurermeister Robert Metzger – seine ersten Bauten.

 

Spätestens 1892 ist Ruhemann Mitglied der Baugewerksinnung von Steglitz und Umgegend, zu der die Inhaber von Maurer-, Zimmer- und Baugeschäften der Amtsbezirke Steglitz, Friedenau, Schöneberg, Deutsch-Wilmersdorf, Groß-Lichterfelde, Zehlendorf und Mariendorf gehören. 1893 zieht Ruhemann, J. in die Wohnung Berlin N Elsasser Straße Nr. 6 und eröffnet in der Handjerystraße Nr. 31 Pt. ein Atelier für Architektur und Bauausführungen. Zu seinem ersten Friedenauer Bau gehörten 1892/93 Pferdestall, Remise, Kontor und Kutscherhaus für den Fuhrhof Pählchen in der Wilhelmstraße (heute Görresstraße). In den Jahren von 1892 bis 1908 entstanden die Mietshäuser Wielandstraße Nr. 9, 11, 12 und 36, Handjerystraße Nr. 65 und 72, Albestraße Nr. 19 und 20, Rheinstraße Nr. 11 und 55, Roennebergstraße Nr. 4 und 14, Schloßstraße Nr. 27, Zimmermannstraße Nr. 39, Muthesiusstraße Nr. 6 und Rubensstraße Nr. 70.

 

Zwischendurch verkündete der Friedenauer Lokal-Anzeiger immer wieder Grundstücksumsätze behufs Bebauung in unserem Orte. Herr Architekt Ruhemann hat das Grundstück Rheinstraße 24/25 (zwischen dem Goetzeschen Hause und dem Eckneubau) von Herrn Klemme erworben (1898). Die Bauthätigkeit in unserem Orte verspricht demnach im kommenden Sommer eine echt emsige zu werden. Oder: Das unbebaute Grundstück Handjerystraße Nr. 14, Ecke Bismarckstraße, dem Kaufmann Hampe in Dresden gehörig, ist in den Besitz des Architekten Herrn Ruhemann übergegangen, welcher auf der Parzelle drei Wohngebäude zu erbauen beabsichtigt. Der Preis pro Ruthe hat 700 Mark betragen (1899). Und: Herr Architekt Ruhemann hat die Bauparzelle Ecke Goßler-und Blankenburgstraße neben dem noch nicht fertigen Neubau gekauft. Er beabsichtigt auf dem Grundstück kleine Wohnungen zu bauen. Die Ruthe ist mit etwa 450 M. bezahlt worden (1901).

 

In den Jahren 1897 und 1898 beschäftigte sich die Friedenauer Gemeindevertretung mit dem Umbau der Rheinstraße. James Ruhemann war Mitglied des Haus- und Grundbesitzervereins und bezog als solcher am 31. März 1898 im Friedenauer Lokal-Anzeiger in einem Leserbrief Stellung. Nach seiner Ansicht sei ein großer Theil der Rheinstraßenbewohner mit dem Ausbau der Straße, wie er ausgeführt ist, zufrieden. Details veröffentlichen wir auf der nachfolgenden PDF.

 

1908 wird James Ruhemann Eigentümer des Hauses Kaiserallee Nr. 114. Im Jüdischen Adressbuch für Gross-Berlin, das ausschließlich in den Jahren 1929/30 sowie 1931 erschien, da kein vollständiges Verzeichnis der Mitglieder der jüdischen Gemeinde zu Berlin existierte, ist er bis 1931 eingetragen: Ruhemann, James, Architekt, Friedenau, Kaiserallee 114. Danach verliert sich seine Spur.

 

Auswahl einiger Bauten nach Entwürfen von James Ruhemann

 

Zum Umbau der Rheinstraße 1897/98

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