Bürgerinitiative Breslauer Platz

 

Wir waren nicht dabei, als am 26. Januar 2011 die Gründung der „Bürgerinitiative Breslauer Platz“ (BI) vollzogen wurde. Wir haben demnach auch nicht den Vortrag des Bauhistorikers Dr. Peter Lemburg gehört: Seine Ausführungen wurden von der BI nicht dokumentiert. Warum wohl?

 

Im März 2011 starteten BI und „Friedenau-Netzwerk“ gemeinsam ihre Informationskampagne mit Plänen, Zeichnungen und dem Einsammeln von Unterstützerunterschriften. Wir haben auch unterschrieben, weil der ursprüngliche Plan „etwas hatte“: Der Erhalt der Lauterstraße mit ihren bis zur Schmargendorfer Straße beidseitig gesetzten Linden, das Café hinter dem Pavillon des Architekten Heinrich Lassen, die Ausrichtung der Marktstände zu den Häusern Nr. 14-18, zu beiden Seiten der Lauterstraße und zum Café-Areal. Platz und Wochenmarkt bekamen damit wieder ein Gesicht, auch ein Stück wohltuender Friedenauer Betulichkeit zurück.

 

Diese Unterschrift hätten wir zurückziehen müssen, als deutlich wurde, dass der vom Bezirksamt und den Fachbereichen Stadtplanung, Vermessung und Denkmalschutz veranlasste Entwurf des Architekturbüros Fugmann in eine „Gegenüberstellung von Verwaltungsvorschlag und Bürgerschaftswünschen“ (gemeint waren BI-Wünsche) geriet. Der Fugmann-Entwurf wurde übrigens von der BI nicht dokumentiert. Warum wohl?

 

Geradezu euphorisch feierte die BI im Mai 2011 ihren Erfolg: „Es war gelungen, die amtliche Seite von der Überlegenheit unseres Entwurfs gegenüber dem Fugmann-Entwurf zu überzeugen!!! Der nächste Schritt im Verfahren wird also ohne das Architekturbüro Fugmann stattfinden. Es wurde verabredet, dass das weitere Vorgehen auf der Grundlage unseres Entwurfes von einer engen Zusammenarbeit zwischen dem Amt, dem mit der weiteren Planung zu beauftragenden Architekten und uns als BI getragen sein soll“.

 

Ein nicht genehmes Architekturbüro war ausgeschaltet und die BI konnte zunehmend die Bearbeitung ihrer Pläne und Entwürfe „immer weiter verfeinern“ und „zur Umgestaltung des Breslauer Platzes einen eigenen Entwurf entwickeln“.

 

Wir haben allerdings registriert, dass der kompetente Fachmann Dr. Peter Lemburg danach nicht mehr in den Dokumenten und auf den veröffentlichten Fotos der BI auftaucht. Hat sich Lemburg zurückgezogen oder – wie einige andere – von den werkelnden Laien distanziert?

 

Die Frage liegt nahe, ob es vielleicht doch um Animositäten zwischen einem anerkannten Architekturbüro und einem in die Jahre gekommenen BI-Diplom-Ingenieur ging?

 

Das Unheil nahm seinen Lauf. Inzwischen hatte sich die BI mit sechs Arbeitsgruppen taktisch gut aufgestellt. Zuständig waren für Behörden (Anwalt Peter Splettstößer-Heise), für Botanik (Künstler Uwe Elfert), für Kulturhaltestelle (der selbsternannte „Philosoph“ und BI-Hofberichterstatter der Stadtteilzeitung Ottmar Fischer), für Platzgestaltung (der spätere BI-Vorsitzende Dipl.-Ing. Joachim Glässel), für Wasserstelle (der stets verfügbare Gregor Mann) und für Marktstände (der Samstags-Brotverkäufer Wilfried Maue). Darüber hinaus sorgte das sogenannte „Friedenau-Netzwerk“ für die Connections zu SPD und GRÜNEN.

 

Allein die Auflistung der BI-Ideen, wir zitieren, „Blumenampeln an den Laternen, Kulturhaltestelle im unterirdischen Pissoir, Trinkbrunnen mit einer Bronzeskulptur von Auguste Hähnel (von der bis heute kein Bildnis existiert!), Sitzbänke, Aufstellung der Markstände, Auswahl des Pflasters“, machte deutlich, dass diese Laien überall mitmischen wollten, aber zu einer zum Gesamtbild von Friedenau passenden Lösung nicht kommen konnten.

 

Unter der Überschrift „Beteiligung der Bürgerschaft am Planungsverfahren“ kam das Übliche: Information des Bezirksamts über „den gegenwärtigen Planungsstand am Sonnabend, den 20. Oktober 2012 zwischen 11 und 14 Uhr auf dem Wochenmarkt“. Da „zahlreiche Anregungen eingegangen und Dokumentation und Auswertung abgeschlossen waren, konnten schon einen Monat später Bezirksamt und BI, „die mit auf dem Podium vertreten“ war, zu einer Informationsveranstaltung in die Friedrich-Bergius-Oberschule einladen. Damit war den gesetzlichen Vorschriften genüge getan. Mit dem Umbau konnte begonnen werden.

 

Der Platz wurde – trotz fachlich nachvollziehbarer Einwände von Bezirksbaustadtrat Daniel Krüger – maßgeblich unter dem Einfluss der „Bürgerinitiative Breslauer Platz“ zu einem quartiersfremden Aufmarschplatz umgestaltet. Krügers Pech, er war Mitglied der CDU und damit jederzeit von ROT-GRÜN überstimmbar. Fakt ist wohl auch, dass die Führer der Bürgerinitiative allesamt nicht am Platz wohnen, die damaligen Einwände ignorierten und die aktuellen Beschwerden der Anwohner Nr. 14-18 einfach nicht zur Kenntnis nahmen und nehmen.

 

Die von der BI erwünschte „Platzergreifung durch die Bürgerschaft“ (Zitat) findet nicht statt. Da der BI nach dem missglückten Platzumbau die Argumente ausgehen, werden nun alte Hüte in neuer Verpackung hervorgeholt. Jetzt müssen die auf dem Platz spielenden „Flüchtlingskinder aus dem ehemaligen Rathaus“ herhalten. Weil „eilige Autofahrer auf der zur Spielstraße umdeklarierten Lauterstraße zu waghalsigen Beschleunigungen“ ansetzen. Weil „nach wie vor Autos unter Missachtung der durchgehenden weißen Linie rechts und links der markierten Fahrbahn parken, so dass der Platz weiterhin in zwei Hälften geteilt ist, mithin das erwünschte Erscheinungsbild einer einheitlichen Platzfläche mit den dadurch neu sich ergebenden Nutzungsmöglichkeiten verfehlt wird“. Die Anwohner können allerdings die Behauptungen der BI nicht bestätigen.

 

Die BI gibt nicht auf. Der Sprecher der BI Dipl.-Ing. Joachim Glässel traf sich vor Ostern 2017 mit Stadträtin Christiane Heiß (GRÜNE). Sie kamen „dahingehend überein, für den Anlieferverkehr eine Lieferzone an der Ecke Niedstraße einzurichten sowie eine Kurzparkzone am Platz in der Rheinstraße. Außerdem soll der in die Niedstraße einmündende Verkehr aus der Rheinstraße durch eine vorgezogene Bürgersteig-Nase verlangsamt werden“.

 

Wie einem von der BI versandten Rundbrief zu entnehmen ist, wurde auch „verabredet, die Aufstellung eines Trinkbrunnens weiter zu verfolgen. Die BI hat dazu einen Edelstahl-Säulenbrunnen vorgestellt, dessen technischer Kern allen Anforderungen der Trinkwasserverordnung genügt“. Die Toilettenfrage wurde erst einmal vertagt, da das Land Berlin eine Neuorganisation des öffentlichen Toilettenwesens plant und das Bezirksamt den Breslauer Platz als neuen Standort auf die Dringlichkeitsliste setzen ließ.

 

Wir hätten unsere Unterschriften zur Unterstützung der BI Breslauer Platz auch deshalb zurückziehen müssen, weil sich die BI ohne vorherige Rücksprache mit uns später zur Fürsprecherin der Bebauung auf dem ehemaligen Gelände des Güterbahnhofs Wilmersdorf gemacht hat. Das ist rechtlich und moralisch fragwürdig, weil anfängliche Unterstützer der BI Breslauer Platz damit ungefragt vereinnahmt wurden.

 

Wäre es nicht an der Zeit, dass sich die sowieso schon innerlich zersplitterte BI Breslauer Platz auflöst? Ein gedeihliches Wirken für Friedenau ist von ihr nicht mehr zu erwarten. Auch Bezirksamt, SPD und GRÜNE sollten sich endlich von der BI Breslauer Platz distanzieren. Es geht doch nicht an, dass „Verantwortlich im Sinne des Presserechts für den Inhalt der Internetseiten www.breslauerplatz.de: Thomas Protz vom Nachbarschaftsheim Schöneberg e.V.“ firmiert, wenn dieser Verein über den Haushaltsplan des Bezirksamts finanziertwird. So viel Nähe tut nicht gut.

 

 

Pläne und Entwürfe der Bürgerinitiative Breslauer Platz

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
E-Mail info@friedenau-aktuell.de © friedenau-aktuell, 2017