Lauterplatz, 1939

Lauterplatz

 

Der Name Lauterplatz taucht erstmals auf dem offiziellen Plan von 1939 auf. Seit 1909 hielten hier die Straßenbahnlinien von Rubens- Ecke Canovastraße über Beckerstraße, Saarstraße, Rheinstraße, Hauptstraße und Potsdamer Platz nach Bahnhof Treptow. Offiziell hieß die Haltestelle Rathaus Friedenau. Erst nach dem Weltkrieg findet sich im Fahrplan der Linie 88 die Bezeichnung Lauterplatz.

 

Das blieb so bis zum 1. Oktober 1964. Da war „Kalter Krieg“. Schon 1950 hatte Ost-Berlin nach Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze für den „Schlesischen Bahnhof“ den Bezug zu ehemaligen deutschen Ostgebieten getilgt und in „Ostbahnhof“ umbenannt.

 

 

 

 

 

 

 

Als dann am 20. März 1964 die dort liegende Breslauer Straße umbenannt wurde, „musste“ Westberlin die Erinnerung an die verlorengegangenen deutschen Ostgebiete wachhalten. Da Schöneberg „Patenbezirk für Schlesiens“ war, wurde die Umbenennung von Lauterplatz in Breslauer Platz beschlossen. Bezirksbürgermeister Josef Brunner (SPD) ignorierte in seiner Rede, dass die Hauptstadt des aus historischer Sicht zweifellos von Deutschen geprägten Schlesiens seit 1945 zu Polen gehört und Wroclaw heißt.

 

Die Friedenauer sollen sich mit der Bezeichnung lange nicht angefreundet und daher den Begriff „Breslauter Platz“ geprägt haben. Auch der Kabarettist Wolfgang Neuss (1923-1989) soll 1964 in seinem Programm „Das jüngste Gerücht“ über diese Namensgebung hergezogen sein: „Wer war eigentlich dieser Doktor Breslauer?“

 

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