Entwurf Fugmann & Janotta, 2010

Umgestaltung 2010

 

Jahrzehnte dämmerte der Platz vor sich hin. An marktfreien Tagen wurde er zum Parkplatz, tagsüber für die Mitarbeiter des Bezirksamts Schöneberg im Rathaus Friedenau, abends für die Friedenauer. Es kamen die Wiedervereinigung und der Umzug von Teilen der Bezirksverwaltung ins Rathaus Schöneberg. Irgendwann dämmerte es den Politikern, dass „der Bürgerplatz vor dem Rathaus Friedenau als das Herz von Friedenau“ gilt. Das Bezirksamt erteilte dem Architekturbüro Fugmann & Janotta den Auftrag, Entwürfe für die „Umgestaltung des Breslauer Platzes“ zu erstellen. Am 8. Dezember 2010 wurde darüber im Rathaus Friedenau informiert. Rund 100 Bürger waren gekommen.

 

Auf dem Podium die Herren Jürgen Terlinden (Tiefbauamt), Siegmund Peter Kroll (Stadtplanungsamt), Oliver Schworck (SPD-Bezirksstadtrat), Harald Fugmann (Büro Landschaftsarchitekten Fugmann & Janotta), Bodo Fuhrmann (Büro GRI als Sachverständiger) sowie Moderator Rolf Eschenbach. Unter den rund 100 interessierten Bürgern auch die Herren Uwe Elfert, Joachim Glässel und Gregor Mann.

 

 

Im Bericht des SPD-Ortsvereins Friedenau vom 12.12.2010 heißt es: „Die Veranstaltung fand in sachlicher Atmosphäre statt. Die konstruktiven Diskussionsbeiträge der anwesenden Bürger ließen bei aller Kritik im Einzelnen insgesamt eine verhaltene Zustimmung im Saal zu den Vorschlägen der Sachverständigen spüren.“ Bemerkenswert: Auf der Website der BI Breslauer Platz sind die Entwürfe des Büros Fugmann & Janotta nicht dokumentiert.

 

Zusammenfassung:

Der wöchentliche Marktbetrieb mittwochs, donnerstags und samstags bleibt bestehen. Die Parkplätze auf dem Breslauer Platz fallen bei der Neugestaltung ersatzlos weg, da „Anrainer und Besucher im Umfeld ausreichend Stellplätze zur Verfügung hätten“. Der Bodenbelag soll verkehrsfest für den Marktbetrieb sein und in einer freundlichen Sandfarbe erscheinen. Die Weihnachtsbaumhülse bleibt erhalten. Neue Laternen sollen den Platz freundlicher erleuchten. Auf der Oberfläche der unterirdischen Toilettenanlage des denkmalgeschützten Kioskes und Wartehäuschens von 1929 (Architekt Heinrich Lassen) sollen Straßenmöbel zum Schutz der Glasfenster aufgestellt werden. Die konkrete Umgestaltung einer identitätsstiftenden Ausformung des Breslauer Platzes muss noch weiter öffentlich diskutiert werden. Die geplante Baumbepflanzung wurde kritisiert. Der vorgeschlagene Schnurbaum (helles Laub) an der Ecke Lauterstraße/Niedstraße ist zwar klimafest, er trägt jedoch giftige Früchte. Als Gegenvorschlag wurde ein Maulbeerbaum genannt. Verworfen wurde die Idee eines in den Boden eingelassenen Schachspiels. Der Wunsch nach einem Brunnen wurde intensiver diskutiert. Stadtrat Oliver Schworck führte jedoch aus, dass abgesehen von den hohen Erstellungskosten der jährliche Unterhalt zudem enorme Kosten verursacht und nicht aus dem Bezirkshaushalt zu bezahlen ist. Der Umbau findet in drei Bauphasen statt und startet Oktober 2011, wobei während der gesamten Umbauphase ein durchgängiger Marktbetrieb gewährleistet wird. Die Restarbeiten sollen 2012 beendet sein.

 

Zu einer ganz anderen Einschätzung kamen die drei Friedenauer Herren: „Das Bezirksamt stellte Pläne vor, die aber auf den entschiedenen Widerstand des Publikums stießen. Es war große Empörung. Lieblos sei das Vorhaben. Teurer Belag, gerade einmal drei Bänke und ein Baum. Wenig Aufenthaltsqualität für 700.000 Euro. Da haben wir spontan eine Bürgerinitiative gegründet. Noch am selben Abend.“

 

***

 

In Beiträgen vom 01.11.2011 und 20.11.2011 hatte sich der „kommunalpolitische Pressedienst paperpress“ kritisch mit den Plänen der „Bürgerinitiative Breslauer Platz“ auseinandergesetzt. Im Kern ging es darum – wie später auch in unseren kritischen Berichten auf www.friedenau-aktuell.de – wer denn nun die „gut funktionierende und engagierte Gruppe Friedenauer Bürger ist, die sich zur Aufgabe macht, mit kompetenten und erfahrenen Mitstreitern einen realisierbaren und bürgerfreundlichen eigenen Entwurf zur Umgestaltung des Breslauer Platzes zu entwickeln“.

 

„paperpress“ monierte, dass „auf der Internetseite der BI www.berlin-suedwest.de/breslauer-platz nicht erkennbar ist, welche Rechtsform diese BI hat. Von einem eingetragenen Verein ist ebenso wenig die Rede wie von einem Vorstand oder Sprecher. Lediglich für die Internetseite ist ein Verantwortlicher genannt [der Leiter des Nachbarschaftsheims Schöneberg, „unter dessen Fittichen sich die BI befindet“] ansonsten lediglich Kontaktpersonen für verschiedene Arbeitsgruppen.

 

„paperpress“ fragte zurecht, „welches Mandat haben jedoch diese Initiativen, wen und wie viele vertreten sie tatsächlich? Uns geht es um drei andere Aspekte. Erstens: Das Mandat der BI. Zweitens: Um die aufgeregte Reaktion auf unsere Berichterstattung, und Drittens um Friedenauer Bürger, die nicht in der BI verankert sind, aber auch berechtigte Anliegen haben“.

 

Da wir nicht zu den regelmäßigen Lesern von „paperpress“ gehören, waren uns die Beiträge bisher unbekannt. Wir veröffentlichen diese höchst aufschlussreichen Texte im Original. Ein Kommentar erübrigt sich.

 

paperpress, 01.11.2011

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paperpress, 20.11.2011

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