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Baumeisterstraße

Quelle: Zentralblatt der Bauverwaltung/Stadtarchiv Karlsruhe

Reinhard Baumeister

 

Die Baumeisterstraße gehört zum „gefühlten Friedenau“. Sie beginnt an der Rubensstraße und mündet kurz vor dem Wannseebahnhof in die Sponholzstraße. Das um die Jahrhundertwende noch unbebaute Gebiet lag im Schöneberger Westen, hart an der Grenze zur Landgemeinde Friedenau und verkehrsgünstig zwischen Hauptstraße und Wannseebahn mit der Station Friedenau.

Den ursprünglichen Bebauungsplan für das ehemalige „Willmann’sche Gelände“, das Gebiet zwischen der Haupt-, Rubens-, Baumeister- und Sponholzstraße, hatte der Schöneberger Stadtbauinspektor Paul Wolf (1879-1957) schon vor dem Ersten Weltkrieg entwickelt.

Da Schöneberg nach dem Krieg fast 15000 Wohnungssuchende zu versorgen hatte, stürzte sich der nächste Stadtbaurat Heinrich Lassen (1864-1953) mit seiner Hochbauverwaltung auf das schon vorhandene Material an Entwicklungsarbeiten. Als Bauherr fungierte die „Wohnstätten-Gesellschaft mbH“. Das Bezirksamt übernahm Entwurf, Bauleitung und Ausführung. Im Juni 1922 begannen die Bauarbeiten für das Wohnviertel. Zwei Jahre später konnten die ersten Wohnungen der um ruhige und begrünte Innenhöfe gruppierten Blöcke bezogen werden.

Die Verlängerung der Hedwigstraße sowie die Anlage einer Straße längs der Wannseebahn sollten die notwendigen Verkehrsbedingungen erfüllen. Bereits 1912 erhielt die bisherige „Straße 43“ den Namen „Baumeisterstraße“, benannt nach dem Stadtplaner Reinhard Baumeister, dem Begründer des wissenschaftlichen Städtebaus in Deutschland.

Der führende Theoretiker der Städteplanung gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde am 19. März 1833 in Hamburg geboren. Er studierte zunächst ab 1849 am Polytechnikum Hannover und ab 1851 am Polytechnikum Karlsruhe Bauingenieurwesen. Danach war er im badischen Staatsdienst bei verschiedensten Bauprojekten praktisch tätig. 1862 wurde er als ordentlicher Professor an das Polytechnikum Karlsruhe berufen. Dort hielt er im Wintersemester 1874/1875 die erste städtebauliche Sondervorlesung zum Thema „Stadterweiterungen“.

Nach der Veröffentlichung seines Werkes „Stadt-Erweiterungen in technischer, baupolizeilicher und wirthschaftlicher Beziehung“ 1876 im Berliner „Verlag von Ernst & Korn“ Berlin hatte sich Reinhard Baumeister letztendlich gegen Ende des 19. Jahrhunderts als führender Theoretiker der Stadtplanung durchgesetzt. Als einer der ersten forderte er „die Trennung von City, Wohn- und Industriegebieten, soweit sie sich gegenseitig störten, die Gestaltung von städtischen Grünflächen, Plätzen und Alleen und die Beachtung lokaler Besonderheiten bei der Stadtplanung“. Für seine technischen Leistungen hat ihm die Technische Hochschule Charlottenburg 1906 den Ehrendoktortitel Dr.-Ing. E. h. verliehen. Reinhard Baumeister starb am 11. Februar 1917 in Karlsruhe.

Jährlich verleiht die Fakultät für Architektur der Technischen Universität München den „Reinhard-Baumeister-Preis“. Prämiert werden herausragende Arbeiten im Bereich der Regionalplanung, der Regionalwissenschaft, der Landschaftsplanung bzw. verwandter Disziplinen. In diesem Jahr stand das Thema „Kulturlandschaft im Wandel - gestern und heute“ im Mittelpunkt des Interesses. Im Jahr 1915 erhielt den Preis Veronika Hartl, da sie „mit ihrem Entwurf bewiesen hat, dass es möglich ist, eine tragfähige Stadt- und Landschaftsstruktur zu planen, in deren Gestaltung die Stadtbevölkerung aktiv einbezogen werden kann“.

Die Fachwelt würdigt bis heute das engagierte Plädoyer von Reinhard Baumeister für die Bedeutung von Grün- und Freiflächen in den sich immer mehr ausdehnenden Städten. Wohl nicht umsonst stellen zahlreiche Technische Universitäten den kompletten Text von „Stadt-Erweiterungen in technischer, baupolizeilicher und wirthschaftlicher Hinsicht“ auf ihre Websiten.

 

Hier geht es zum Originaltext von Reinhard Baumeister auf der Website der Technischen Universität Cottbus:

PS

Im Haus Baumeisterstraße Nr. 8 lebte von 1946 bis zu seinem Tode der Klarinettist Alfred Bürkner (1905-1981). Von 1925 bis 1973 gehörte er dem Berliner Philharmonischen Orchester an. Im Jahr 1930 zählte er zu den Gründungsmitgliedern der Kammermusikvereinigung der Berliner Philharmoniker. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof Schöneberg I, Eisackstraße, Abt. 11-2-295.

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© Peter Hahn