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Ceciliengärten

Siedlung Ceciliengärten, von der Rubensstraße aus gesehen, um 1927

Bebauungsplan für das „Willmann’sche Gelände“ in Berlin-Schöneberg.

Architekt: Stadtbauinspektor Paul Wolf in Berlin-Schöneberg.

 

Bereits im Jahre 1891 wurde für das zwischen Wannsee- und Ringbahn gelegene Gebiet der Stadt Schöneberg ein Bebauungsplan festgestellt, welcher dem damals allgemein üblichen Schema entsprach. Im Jahre 1909 wurde von den städtischen Körperschaften sodann eine Abänderung dieses Planes beschlossen. Dieser geänderte Plan versuchte zwar durch einige auf verschiedene Stellen verteilte kleine Grünflächen und durch einige Vor- und Rücksprünge der Baufluchten den neuen Anforderungen des Städtebaues gerecht zu werden, im Übrigen sah er jedoch eine Anzahl von unnötig breiten Straßen vor, die später nicht unerhebliche Unterhaltungskosten verursacht, nach der ganzen Lage des Geländes aber eine Verkehrsbedeutung niemals erlangt hätten.

Die Bedeutung, die dieses Gelände insbesondere für die spätere Erschließung des daran angrenzenden Südgeländes haben wird, veranlasst schließlich den Magistrat, im vorigen Jahre einen neuen Bebauungsplan aufzustellen, welcher von dem Bestreben ausging, ein ruhiges Wohnviertel mit einer möglichst großen zusammenhängenden Grünfläche zu schaffen. Die Schwierigkeit der Lösung wurde dadurch erhöht, dass auf der Grundlage des alten Bebauungsplanes das Gelände inzwischen von der Boden-Aktiengesellschaft Berlin-Nord erworben worden war und es für den Magistrat galt, die Veränderungen des Bebauungsplanes so einzurichten, dass berechtigte wirtschaftliche Interessen der Erwerberin nicht geschädigt wurden.

Den Mittelpunkt des neuen, etwa 10 ha großen, Wohnviertels bildet eine rd. 13.5001 qm große, auf der höchsten Stelle des Geländes liegende Freifläche mit einer etwa 7500 qm großen benutzbaren Parkfläche. Zugänglich gemacht wird diese letztere von Norden und Süden durch je eine 18 m breite, auch für den Fahrverkehr eingerichtete Straße. Von Westen nach Osten führen zwei dem Gelände sich anpassende Staffelwege für Fußgänger von 7 m Breite zwischen 5,5 m breiten Vorgärten nach dem Park. Auf diese Weise wurden dem hier zu schaffenden Wohnviertel und der zentralen Parkanlage die Ruhe und Geschlossenheit gesichert. Die Anlegung einer Straße längs der Wannseebahn und eine Verlängerung der Hedwigstraße erfüllen die notwendigen Bedingungen des Verkehres.

Ceciliengärten, Entwurf Paul Wolf, 1912

Aus naheliegenden wirtschaftlichen Gründen war es leider nicht möglich, den hier früher vorhandenen Willmann’schen Garten mit seinem zum Teil sehr schönen Baumbestand zu erhalten. Der frühere Besitzer, Hr. Geheimrat Willmann, hat jedoch den gesamten Baumbestand der Stadt zur Verfügung gestellt, und es ist gelungen, einige der schönsten alten Bäume an Ort und Stelle zu belassen und einzelne Straßenstrecken so zu führen, dass diese alten Bäume sich reizvoll in die neuen Straßenbilder einfügen werden. Die meisten der übrigen brauchbaren Bäume wurden nach der erwähnten Parkanlage verpflanzt und werden dadurch dauernd dem neuen Viertel erhalten bleiben. Die Parkanlage selbst gliedert sich entsprechend den einmündenden Straßen in drei Teile: 1. eine große zusammenhängende Rasenfläche, 2. einen Sandspielplatz für Kinder und 3. ein von Hainbuchenheckenlauben umsäumtes Wasserbecken mit einem Wasserstrahl in der Hauptachse des Parks. Eine Promenade von 16 m hohen, rot blühenden Kastanien, die sämtlich dem alten Willmann’schen Park entnommen sind, umschließt die ganze Anlage; Zier- und Trinkbrunnen, eine Milch- und Mineral-Wasser-Trinkhalle, sowie eine Unterstehhalle bei Regenwetter bilden weitere Teile der neuen Parkanlage.

Für das Gelände gelten die Bestimmungen der Bauklasse I außerhalb der Ringbahn: viergeschossige geschlossene Bauweise mit 5/10 Bebauung, an den Ecken 6/10; Vorgärten zählen als Hofflächen. Höchste Gebäudehöhe 18 m. Mittel-, Seiten- und Quergebäude sind gestattet. Der Abstand der Gebäude von der hinteren Nachbargrenze muß die Hälfte der Gebäudehöhe, mindestens aber 8 m betragen.

Der Bebauungsplan vom Jahre 1900 sieht liefe Baublöcke vor, durch welche die Anlage von Flügelbauten und Mittelgebäuden außerordentlich begünstigt gewesen wäre. Der neue Bebauungsplan sucht diesen Fehler soweit irgend möglich zu vermeiden dadurch, dass die Baublöcke mit einer geringsten Tiefe angelegt worden sind, derart, daß Mittel-, Seiten- und Quergebäude völlig und Mittel- und Seitenflügel fast völlig unmöglich gemacht werden. Dadurch entstehen große, zum Teil über 200 m lange und 20 m tiefe Höfe im Inneren der Baublöcke, welche gemeinschaftliche Innenparkanlagen bilden werden. Die einzelnen Hofeinfriedigungen im Inneren der Baublöcke werden fortfallen und für einzelne Baublöcke kleine, besondere Wirtschaftshöfe angelegt. Im Übrigen wird durch grundbuchliche Eintragung festgesetzt werden, dass die einzelnen Hausbesitzer eines Baublockes einen entsprechenden Feil ihres Hofes dauernd zur Einrichtung eines von der Stadtgemeinde Schöneberg zu unterhaltenden Innenparks für die Bewohner der den Baublock umschließenden Häuser verwenden werden und dass demgemäß auf dem Grundstück nur solche Anlagen errichtet und solche Handlungen vorgenommen werden können, welche diese Verwendung mit sich bringen. Diese Grünflächen im Inneren der Baublöcke bilden vorwiegend Erholungsparkanlagen; ein kleinerer Teil ist für Kinder-Spiel- und Turnplätze vorgesehen. Niederstämmige Bäume (Rotdorn, Mandelbäume u.a.) umsäumen einzelne Teile; einige Innengärten werden von Springbrunnen belebt. 12 m breite Bauwiche an geeigneten Stellen ermöglichen eine bequeme Durchlüftung der Innenparkanlagen und gestatten gleichzeitig reizvolle Einblicke in die letzteren.

Die Vorgärten des neuen Wohnviertels werden mit Hainbuchen-Hecken eingefriedigt und einheitlich angelegt, die den zentralen Park umschließenden Hausfronten einheitlich mit Glycinen berankt. Auf der einen Seite des Parks treten anstelle der Vorgärten einheitlich mit Balustraden durchgeführte Balkon -Terrassen, die wiederum einheitlich bepflanzt werden sollen.

Die Anlage der Innenparks und der sämtlichen vorgesehenen gärtnerischen Neuanlagen in Vorgärten, an den Hausfronten und Balkon Terrassen erfolgen auf Kosten der „Boden Aktien-Gesellschaft Berlin-Nord“ nach den Plänen und unter Aufsicht der Stadtgemeinde. Die Unterhaltung dieser gärtnerischen Anlagen (mit Ausnahme des zentralen öffentlichen Parks, dessen dauernde Unterhaltung die Stadt übernimmt), erfolgt auf Kosten der Eigentümer der Hausgrundstücke durch die Stadtgemeinde.

Dem in allen diesen Maßnahmen sich ausdrückenden Streben nach einheitlicher Wirkung sollen auch die zu schaffenden architektonischen Straßenbilder entsprechen, die den neuen Forderungen unseres Städtebaues nach Einheitlichkeit und Rhythmus zum Leben verhelfen sollen.

Die Randbebauung des waagrecht liegenden zentralen Parks wird durchgehende Hauptgesimse und einheitlich durchlaufende Dachflächen zeigen. Die Parzellierung wurde so vorgenommen, dass beim Betreten des Parks von den einmündenden Straßen aus rhythmische Bilder sich darbieten werden. Bei den ansteigenden Straßen lassen sich naturgemäß auf die ganze Länge der Straße durchlaufende Hauptgesimse nicht schaffen, jedoch werden auch in diesen Straßen durch gruppenweise Zusammenfassung von einheitlich durchlaufenden Dächern und Hauptgesimsen durchaus befriedigende Lösungen erzielt werden. Die einheitliche Wirkung der einzelnen Straßen und Platzbilder wird schließlich noch durch einheitliche Verwendung von Material und Farbe für die einzelnen Straßenstrecken gesteigert werden, wie dies von Seiten der Stadt Schöneberg bereits seit 1 ½ Jahren im Westgelände, insbesondere der Martin-Luther-Straße, versucht worden ist. Durch Anordnung der Erker und Giebel der einzelnen Häuser in rhythmischen Abständen werden weiterhin Ruhe und Harmonie in die Straßenbilder kommen.

Dieselbe einheitliche Wirkung werden auch die den Innen-Parkanlagen zugekehrten Hoffronten zeigen, die gleich den Vorderfronten architektonisch ausgebildet werden.

Lageplan Ceciliengärten, Entwurf Paul Wolf, 1912

Die einzelnen Bauparzellen werden von der Gesellschaft mit genehmigten Entwürfen verkauft und zwar werden die Fassaden für die einzelnen Straßenstrecken jeweils von einem und demselben Architekten bearbeitet werden. Den Bebauungsplan an sich, die Entwürfe für die zentrale Parkanlage sowie für die Gestaltung der Innen-Parkanlagen und Vorgärten und für die Fassaden der Randbebauung des zentralen Parks hat Hr. Stadtbau-Inspektor Paul Wolf angefertigt.

Die umfangreichen Verhandlungen wurden von Hrn. Stadtrat Dr. Licht geleitet, der auch die juristische und verwaltungstechnische Seite bearbeitet hat. Der „Boden-Aktiengesellschaft Berlin-Nord“, vor allem deren Direktor, Hrn. Busch, gebührt das Verdienst, dem neuen Plan Unterstützung auch die juristische und verwaltungstechnische Seite und Verständnis entgegengebracht zu haben. Ihm, sowie dem Architekten der Gesellschaft, Hrn. Derda, ist es in erster Linie zu verdanken, dass die Durchführung der Innen-Parkanlagen gesichert wurde. Von Hrn. Derda ging auch der Vorschlag zur Anlage von Bauwichen bei einzelnen Baublöcken, sowie zur Aufstellung von allgemeinen Entwürfen für die Fassaden der einzelnen Straßenstrecken durch besondere Architekten aus.

Die Ausführung der Fassaden der einzelnen Straßenstrecken erfolgt z.T. nach Plänen des Hrn. Arch. Derda, z.T. nach Plänen der Hrn. Arch. Rosin und Sternberg, unter der amtlichen Oberleitung Wolf’s, in dessen Händen auch die Leitung der Ausführungsarbeiten für die Park-, Innenpark- und Vorgarten - Anlagen liegt. Es ist ein in hohem Grade zu begrüßender Weg, der hier eingeschlagen wurde, einem ganzen Stadtteil künstlerische Einheit und ruhige Wohnlichkeit zu verleihen. Die Anregung gebührt zweifellos Hrn. Wolf.

Architekt und Stadtplaner Paul Wolf

Paul Wolf

Eine bemerkenswerte Karriere

 

Paul Wolf wurde am 21. November 1879 in Schrozberg (Hohenlohe) geboren. Er studierte Architektur an der Technischen Hochschule Stuttgart und war danach als Stadtplaner in Kattowitz und Wilhelmshaven tätig. 1910 wurde er Vorstand des Stadterweiterungsamtes Berlin-Schöneberg im Dienstrang eines Stadtbauinspektors. Nachdem die U-Bahn-Station „Stadtpark“ (Rathaus Schöneberg) am 1. Oktober 1910 eröffnet worden war, sorgte Wolf mit seinem Entwurf für den Schöneberger Stadtpark (Rudolph-Wilde-Park) und der Verschmelzung von Bauwerk und Grünanlage für ein harmonisches Ensemble. Von Bedeutung aber ist sein im Jahr 1912 erstellter „Bebauungsplan für das Willmann’sche Gelände“ – der in den Jahren 1922 bis 1927 durch Baustadtrat Heinrich Lassen in abgeänderter Form realisiert wurde – die Siedlung Ceciliengärten.

Noch vor dem Ersten Weltkrieg wurde Wolf zum Stadtbaurat für Hochbau und Senator in Hannover gewählt. Hinterlassen hat er dort einen Generalbebauungsplan sowie mustergültige Wohnanlagen wie die Siedlungen Laatzen und „Rote Häuser“. 1922 wurde er Nachfolger des Dresdner Stadtbaurats Hans Poelzig (1869-1936). Wolf, der sich selbst als unpolitisch bezeichnete, trat 1933 dennoch der NSDAP bei, arbeitete an den Plänen für das „Gauforum“ und sorgte während des Zweiten Weltkriegs für den Ausbau der Dresdener Luftschutzanlagen. Am 13. Februar 1945 wurde auch sein Haus in der Comeniusstraße zerstört. Einen Monat später wurde er in den Ruhestand versetzt. Obwohl er Parteimitglied war und eine herausragende Stellung in der Stadtverwaltung hatte, wurde er nicht weiter belangt.

Nachdem die DDR am 12. Oktober 1949 das Ministerium für Aufbau geschaffen hatte, wurde Paul Wolf als Oberreferent für Stadtplanung berufen. Er lebte seitdem in Berlin-Lichtenberg. Ein Jahr später trat das „Aufbaugesetz“ in Kraft. 1952 trat er im Alter von 72 Jahren abermals in den Ruhestand. Dr.-Ing. e.h. Paul Wolf starb am 30. April 1957 auf einer Reise nach Württemberg in Leonberg.

Der Architekt Paul Wolf war in mehreren völlig gegensätzlichen Epochen von Stadtplanung und Städtebau tätig. Stichworte für sein Wirken wären „Regionale Bauweisen“, „Gartenstadt“, „Zeilenbebauung“, „Funktions- und Nutzerorientierung“ sowie „Kommunale Großprojekte“.  In seinen 78 Lebensjahren war er als Städtebauer sowohl im Kaiserreich und in der Weimarer Republik als auch im Dritten Reich und in der DDR gefragt. Eine bemerkenswerte Karriere.

Siedlung Ceciliengärten in Berlin-Schöneberg.

Zentralblatt der Bauverwaltung 47. 1927, Nr. 14, S. 157-169

Vom Stadtbaurat Professor Heinz Lassen in Berlin-Schöneberg.

 

Die Siedlung auf dem Gelände zwischen Wannseebahn und Ringbahn errichtet und wird von der Haupt-, Baumeister-, Rubens- und Sponholzstraße begrenzt. Sie umfaßt eine Größe von 42.200 qm, davon sind 18.700 qm bebaut, Den Mittelpunkt der ganzen Siedlung bildet eine etwa 14.000 qm große parkartig hergestellte Freifläche. Die Anlage wird von einer großen Längsachse ans entwickelt, an der die Baukörper der Häuser in wechselndem Abstand errichtet sind (vgl. Abb. 1 und 2). Die einzelnen Baublöcke sind ausschließlich mit Randbebauung versehen und umschließen große Wohnhöfe, in denen Spielplätze für kleine und große Kinder sowie Erholungsplätze für Erwachsene errichtet sind (Abb. 4 und 7).

Die Siedlung umfaßt 621 Wohnungen, davon: 8 Fünfzimmerwohnungen, 92 Vierzimmerwohnungen, 322 Dreizimmerwohnungen, 181 Zweizimmerwohnungen, 18 Einzimmerwohnungen, ferner 12 Läden und 4 Ateliers. Für die Grundrisslösung war maßgebend, daß sämtliche Wohnungen die gleichen Nebenräume erhalten. Jede Wohnung hat eine Diele, eine Hauslaube, eine Kammer, ein Bad mit Abort und meistens einen Erker, gleichgültig, ob es sich um eine Ein- oder Vierzimmerwohnung handelt.

Durch das Herausziehen eines Zimmers vor die Front wird im Innern ohne Mehrkosten eine Diele und im Äußern ein Erker geschaffen (Abb. 10). Die Größe der Zimmer beträgt 19 bis 24 qm. Von einem Treppenhause aus sind in jedem Geschoß nur zwei Wohnungen zugänglich. Ausnahmen hiervon kommen nur bei einigen Eckhäusern vor. Der Höhenunterschied des Geländes ermöglichte es, dass an der Rubensstraße, die eine Durchgangsstraße werden wird, ein ganzes Geschoß mehr gebaut werden konnte, als an der Straße Ceciliengärten. Sonst ist der Hauptteil der Siedlung dreigeschossig, nur die Flügelbauten sind viergeschossig, und an der Rubensstraße ist das Untergeschoß dieser Bauteil zur Anlage von Läden benutzt.

Die Wohnungen liegen ausschließlich von Osten nach Westen und haben sämtlich Querlüftung und ausreichend Sonnenbestrahlung. Wohnungen, die nur Nordlicht haben, sind vollständig vermieden. Jede Wohnung erhält einen Kellerraum und außerdem einen geräumigen Dachboden. Gemeinsam für jedes Haus, also für 6 bzw. 8 Wohnungen, sind Waschküche und Trockenboden. Auf den großen Höfen sind an geeigneten Steilen Wirtschaftsplätze zur Aufstellung von Teppichklopfstangen vorgesehen. Die Asch- und Müllkästen sind in besonderen Räumen untergebracht. In der Parkfläche haben ein Brunnen – bekrönt von einem Fuchs, von der Hand des Bildhauers Max Esser (s. Bildbeilage) —, zwei weibliche Figuren geschaffen von Prof. Kolbe – und ein großer Springbrunnen (Abb. 3) Platz gefunden.

In den Fassaden gehen die Erker sämtlich von der Erdgleiche bis zum Hauptgesims durch und bilden in regelmäßigen Abständen einen kräftigen senkrechten Rhythmus, während die Waagerechte durch Gesimse über und unter den Fenstern leise mitschwingt. Zwischen den Erkern eingebettet liegen geschützt die Hauslauben (Abb. 5, 6, 8 u. 9).

Sämtliche Ansichtsflächen sind mit Stockputz in hydraulischem Kalk geputzt unter Beimischung von gelbem Kies. Die Hauseingänge sind farbig abgesetzt und leicht rot getönt. Für einige Portale konnten Terrakotten – aus den Restbeständen einer Fabrik entnommen – verwendet werden. Für zwei Portale sind farbige Zementplatten – benutzt worden.

Hinter den Hauseingangstüren, die sämtlich im Schutz einer Hausnische liegen, ist eine Eingangshalle angelegt, deren Wände im unteren Teil mit Spaltklinkern bekleidet und im oberen Teil farbig behandelt sind An der Nord- und Südfront dienen die großen Hallen, die durch das Zusammenlegen zweier Hauseingänge entstehen, als Aufenthaltsraum für Alt und Jung bei schlechtem Wetter (s. Bildbeilage). Einzelne Treppenhäuser haben bis zu einer Höhe von 1,50m gelben Plattenbelag erhalten. Die zwischen diesen mit Platten belegten Wänden liegenden Holztreppen sind stark farbig, während die oberen Wandflächen über dem Plattenpaneel in leichten Tönen gestrichen sind, so daß die Plattenfarbe zur Geltung kommt.

Gedenktafel in den Ceciliengärten an der Ecke Traegerstraße und Rubensstraße

Heinrich Lassen

 

Mit Bildung von „Groß Berlin“ am 1. Oktober 1920 wurden Lichtenberg, Schöneberg, Wilmersdorf, Charlottenburg, Neukölln, Spandau und Köpenick eingemeindet. Friedenau wurde Schöneberg zugeschlagen und Gemeindebaurat Hans Altmann verlor seinen Posten. Am 21. Februar 1921 wählte die Bezirksverordnetenversammlung von Schöneberg das neue Bezirksamt. Bezirksbürgermeister wurde der Berliner Stadtrat Emil Berndt (1874-1954). Zum Baurat für Hochbau wurde der 57-jährige Stadtverordnete Prof. Heinrich Lassen aus Schöneberg gewählt.

Heinrich Lassen wurde am 27. März 1864 bei Flensburg geboren. Dort starb er auch am 21. Februar 1953. Von 1921 bis 1932 war er Stadtbaurat von Schöneberg. Davor hatte er die Entwürfe für diverse Landhäuser in Dahlem geschaffen, danach realisierte er zwischen 1921 und 1927 die Siedlung Ceciliengärten sowie 1929 den Kiosk mit Wartehäuschen und Bedürfnisanstalt auf dem heutigen Breslauer Platz und 1930 das Stadtbad Schöneberg.

Da bereits vor dem Ersten Weltkrieg von der „Boden-Aktiengesellschaft Berlin-Nord“ Entwicklungsarbeiten für das Gebiet zwischen der Haupt-, Rubens-, Baumeister- und Sponholzstraße geleistet worden waren, stürzte sich Lassen mit seiner Hochbauverwaltung auf dieses Material. Als Bauherr fungierte die „Wohnstätten-Gesellschaft mbH“. Das Bezirksamt übernahm Entwurf, Bauleitung und Ausführung der Siedlung Ceciliengärten – im Grunde genommen Mietskasernen in einer zeitgemäßen Ausführung. Schon im Juni 1922 wurde mit dem Bau begonnen. Bis 1924 wurde die Westseite ausgeführt. 1927 waren die Ceciliengärten vollendet.

Die Anlage an zwei Straßenfronten mit der Gartenanlage in der Mitte und dem Atelierturm wurde zu recht unter Denkmalschutz gestellt. Auf einen Vergleich mit den gleichzeitig entstandenen Bauten der Bauhaus-Architekten Bruno Taut und Martin Wagnerin in Britz (Hufeisensiedlung) oder jenen in Zehlendorf von Bruno Taut, Hugo Häring, und Otto Rudolf Salvisberg (Onkel-Tom-Siedlung) darf sich die Siedlung Ceciliengärten allerdings nicht einlassen.

Im Zusammenhang mit dem Hin und Her des Bauvorhabens „Schöneberger Südgelände“, soll Heinrich Lassen vom „Leidensweg eines Bebauungsplanes“ gesprochen haben. Na und! So isses nun mal, würde Fontane sagen.

Die Geschichte der Ceciliengärten

 

Vor dem Ersten Weltkrieg

Die Geschichte der Ceciliengärten beginnt nicht mit Heinrich Lassen, sondern eigentlich mit dem Architekten Paul Wolf. Er studierte Architektur in Stuttgart und war danach als Stadtplaner in Kattowitz und Wilhelmshaven angestellt. 1910 wurde er Vorstand des Stadterweiterungsamtes Berlin-Schöneberg im Dienstrang eines Stadtbauinspektors.

Zwischen 1908 und 1910 baute Schöneberg aus eigener Kraft die 2.993 Meter lange U-Bahn-Trasse vom Nollendorfplatz zum U-Bahnhof Hauptstraße (Innsbrucker Platz). Unter Oberbürgermeister Alexander Dominicus entstand zwischen 1911 und 1914 das Rathaus Schöneberg. Paul Wolf realisierte die Gestaltung des Schöneberger Stadtparks (Rudolph-Wilde-Park, in Würdigung des früheren Oberbürgermeisters), der seit dem U-Bahn-Bau in einen östlichen und einen westlichen Abschnitt geteilt war. Der U-Bahnhof Stadtpark (Rathaus Schöneberg), der mit seinen beidseitig verglasten Seiten offen zum Park liegt, zählt zu den schönsten U-Bahnhöfen Berlins.

Wolf entwickelte auch 1912 das erste Konzept für die Ceciliengärten. Schon im Friedenauer Bebauungsplan von 1875 war zwischen Friedenauer Straße (Hauptstraße) und Berlin-Potsdam-Magdeburger Eisenbahn (Wannseebahn) ein unbebautes Grundstück unter dem Namen „Willmann“ eingetragen. Die Bauernfamilie war in den Gründerjahren zu Reichtum gekommen. Geblieben ist die „Willmann’sche Villa“ in der Hauptstraße 42 (heute Schönbergs Archiv und Museum).

Ursprünglich war in den 1890er Jahren durch die „Boden-Aktiengesellschaft Berlin-Nord“ eine Parzellierung und Bebauung mit „breiteren Straßen und eingestreuten Grünflecken“ geplant. Wolf aber wollte eine Idylle, eine nach außen hin ziemlich abgeschlossene Gartenstadt inmitten der wachsenden Großstadt, mit „durchsonnten Wohnungen durch Nord-Süd-Ausrichtung sämtlicher Baublocks“, ohne „Berliner Zimmer und Hinterhäuser“ und mit „Spielplätzen für die liebe Jugend“. Es kam der Erste Weltkrieg. Das Projekt verschwand in den Schubladen und Paul Wolf wurde 1914 zum Stadtbaurat und Senator in Hannover gewählt.

 

Nach dem Ersten Weltkrieg

Mit Bildung von „Groß Berlin“ am 1. Oktober 1920 wurden Lichtenberg, Schöneberg, Wilmersdorf, Charlottenburg, Neukölln, Spandau und Köpenick eingemeindet. Friedenau wurde Schöneberg zugeschlagen und Gemeindebaurat Hans Altmann verlor seinen Posten. Am 21. Februar 1921 wählte die Bezirksverordnetenversammlung das neue Bezirksamt. Bezirksbürgermeister wurde der Berliner Stadtrat Emil Berndt (1874-1954). Zum Baurat für Hochbau wurde der 57-jährige Stadtverordnete Prof. Heinrich Lassen aus Schöneberg gewählt. Er holte den bereits festgesetzten Bebauungsplan hervor. Das zur Verfügung stehende Gelände mit einer Gesamtfläche von 42.200 m² liegt nach den historischen Grenzen in Schöneberg und nicht im Ortsteil Friedenau. Es war im Nordwesten durch die Hauptstraße, im Norden durch S-Bahn-Ring und im Südosten durch die Bahntrasse der Wannseebahn begrenzt. Mit dem Erwerb der Grundstücke durch die „Gemeinnützige Heimstätten Gesellschaft der Berliner Straßenbahn und die „Wohnstätten Gesellschaft mbH“ konnte der Bau gestartet werden.

Die ursprüngliche Projektierung für die Wohnbebauung „Ceciliengärten“ im Bereich von Traeger-, Rubens-, Baumeister-, Semper- und Sponholzstraße wurde überarbeitet und den veränderten Wohnbedürfnissen angepasst – ausgenommen das Mietshaus Ceciliengärten 1, Ecke Trägerstraße. Es wurde um 1918 nach dem Entwurf von Paul Wolf als Musterbau umgesetzt. Die durch die Siedlung führende Straße, eigentlich ein Anger, hieß lange Zeit einfach nur Straße 39. Bereits 1912 bekam sie Namen „Ceciliengärten“. Cecilie, das war Cecilie von Mecklenburg-Schwerin (1886–1954), die Gemahlin des (ewigen) Kronprinzen Wilhelm (1882-1951).

Heinrich Lassen respektierte den Grundgedanken seines Vorgängers Paul Wolf. Er realisierte aber eine Wohnanlage, deren städtebauliche Konzeption und architektonische Ausgestaltung im Kontrast zu den zeitgleich entstandenen Siedlungen der Architekten Max und Bruno Taut (Hufeisensiedlung, Siedlung Lindenhof) oder gar der von Heinrich Tessenow koordinierten „Siedlung am Fischtalgrund“ steht. Eine Besonderheit ist allerdings der „Atelierturm“ an der Semperstraße. Das neue Quartier wurde dann ab dem 1. Juli 1923 bis zum Jahr 1927 in verschiedenen Bauabschnitten bezugsfertig und umfasste in erster Linie Dienstwohnungen, die für Mitarbeiter des Staates und für die Bediensteten der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) reserviert waren. Lassen, das bleibt nachzutragen, wohnte u.a. in der Schmargendorfer Straße 18 in Friedenau. Der Kiosk mit Wartehäuschen und Bedürfnisanstalt auf dem Lauterplatz (Breslauer Platz) vor dem Rathaus ist sein Werk.

ährend der Bombenangriffe auf Berlin wurden die Häuser Ceciliengärten 4-7 und 8-9 zerstört und weitere beschädigt. Es dauerte allerdings vier Jahrzehnte bis sich Berlin an das „Denkmal Ceciliengärten“ wieder erinnerte. Vor der 750-Jahr-Feier Berlins im Jahr 1987 wurde die Anlage (selbstverständlich denkmalgerecht) saniert und restauriert. Was bis dahin unsachgemäß veranlasst worden war, wurde weitgehend auf das ursprüngliche Konzept zurückgeführt. Dazu gehörten auch Grünanlagen und „Kunst“: Der Fuchsbrunnen mit der Bronzeplastik von Max Esser aus dem Jahre 1912, selbst die lebensgroßen Frauenstandbilder „Der Morgen“ und „Der Abend“, die Georg Kolbe 1925 doch für die Ceciliengärten geschaffen hatte, kamen vom Wittenbergplatz und Rudolph-Wilde-Park an ihren angestammten Platz zurück. Die Eigentumsverhältnisse für die Wohnungen sind ziemlich verwirrend. Die Ceciliengärten müssen mit dem ständigen Wechsel von Veräußerungen und Übernahmen der Immobilienbranche leben. Schöneberg hat auf sein Kleinod zu achten.

Georg Kolbe: Der Morgen und Der Abend. Foto Axel Mauruszat, 2010
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© Peter Hahn