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Sponholzstraße

Johann Christian August Sponholz, Archiv Lutz Sponholz

Der Borstenviehhändler Johann Christian August Sponholz

 

Der Name taucht Sponholz erstmals im Jahre 1403 in einer Urkunde des Klosters Broda am Tollensesee auf. Im Laufe der Jahrhunderte gerät der Stammbaum aus den Fugen. Für das „gefühlte Friedenau“ ist die Linie von Christian Friedrich Sponholz (1791-1864) von Bedeutung. Aus seiner Ehe mit Henriette Charlotte geborene Liebenow gingen drei Söhne hervor: Friedrich Wilhelm (1817-1899), Johann Christian August (1827-1907) und Carl Ludwig (1839-1910).

Namensgeber der Sponholzstraße ist Johann Christian August Sponholz. Er wurde am 25. Dezember 1827 in Zadtkow (heute Sadkowo) geboren. Der Ort im ehemaligen Kreis Belgard in der Provinz Pommern war einst im Besitz der Familie von Kleist. Es gab ein Gut mit vier Vorwerken, eine Mühle, ein Dutzend Wohnhäuser, etwa 100 Einwohner und ziemlich viel Ackerbau und Viehzucht.

Das änderte sich nach 1843 mit der Inbetriebnahme der Bahnstrecken Berlin-Stettin und Neustettin-Belgard-Kolberg. Als dann die preußische Gemeindeordnung im Jahre 1850 allen über 24 Jahre alten männlichen Einwohnern, „die Steuern zahlen, ein Gewerbe betreiben oder über Einkünfte verfügen“, das „Berliner Bürgerrecht“ garantierte, zog es die Brüder Friedrich Wilhelm und Johann Christian August an die Spree.

War es Bauernschläue oder hatten sie Goethes Faust tatsächlich verinnerlicht? Jedenfalls könnte ihr Tun mit dem berühmten Zitat beschrieben werden: „Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen. Was man nicht nützt, ist eine schwere Last, nur was der Augenblick erschafft, das kann er nützen.“ Die Sponholz-Brüder wurden Viehhändler, „die“ Einkäufer für den Berliner Fleischhandel. Sie beherrschten zwischen 1855 und 1900 den Viehhandelsmarkt weit über die Grenzen von Preußen hinaus bis in das Land der Ungarn.

Bevor es soweit war, trat erst einmal Caroline Auguste Louise Herrmann (01.08.1832 - 16.04.1908) auf. Johann Christian August Sponholz hatte das Fräulein zwischen Januar und März 1856 in Berlin kennengelernt. Es war Liebe auf den ersten Blick. Doch er musste nach Ungarn zum Viehkauf. In einem ersten Brief vom 2. Juni 1856 aus Pesth dachte er „an Dich mein Geliebtes, und an die schönen Stunden, welche wir miteinander am Kanal oder in dem kleinen schönen Gärtchen, Am in Arm zugebracht haben. Ein tiefer sehnsuchtsvoller Seufzer entschlüpfte aus dem innersten meiner Brust, und meine Augen suchten unseren getreuen Nachbarn welcher uns so oft in Berlin belauschte, der Mond, aber auch der hat mich jetzt verlassen, so wie ich Dich, meine Gute, verlassen musste“.

Auguste und August Sponholz, Archiv Lutz Sponholz

Das Geschäft mit dem ungarischen Borstenvieh lief gut. Am 27. Juli 1856 teilte er aus Pesth seiner lieben Auguste in Berlin mit, dass „ich soeben einen Brief von meinem Bruder erhielt und mir anzeigt, dass Herr Heinrich Wilde innerhalb 8 Tagen hier eintreffen wird, um meine Stelle zu vertreten. Ich würde also längstens bis um 14 Tagen von hier abreisen können, aber um 8 Tage kann ich Dir schon nähere Mittheilungen machen. Ich hatte mir schon die Idee gemacht auf den ganzen Monat August hier zu bleiben, indem unser Geschäft jetzt wieder sehr lebhaft geht und meine Mitwirkung unentbehrlich erschien. Da ich jetzt aber bedeutende Einkäufe gemacht habe, und daher auf 5 Wochen Vieh in Vorrat habe, so ist es mir hierdurch schon möglich geworden abzukommen und ist mein sehnlichster Wunsch zu Dir zu kommen. Mit der Wohnung bin ich auch noch nicht ganz fertig, sondern wird erst innerhalb 8 Tagen alles in Ordnung sein, und die Möbel werden vielleicht erst in 10 bis 12 Tagen fertig sein“.

August wollte Auguste und Auguste wollte August. Bevor der Traum wahr wurde, mussten erst einmal Regularien eingehalten werden. August schrieb also am 2. Juni 1856 an seine Schwiegereltern in spe: „Es sind bereits einige Monate vergangen wo ich die Ehre hatte, Ihnen durch Veranlassung Ihre Sohnes Adolph, bei meiner Anwesenheit in Berlin, einen Besuch abzustatten, was mir Gelegenheit gab, Ihr Fräulein Tochter, jetzt schon meine innigst geliebte Braut, zum ersten mal zu sehen. Da ich nun durch weitere Bekanntschaft die Liebe Ihrer Fräulein Tochter gewann, so erdreistete ich mich zu meinem Vorhaben, bei Ihnen um Ihre gütige Einwilligung anzufragen, wo Sie mich alsdann auch zu meiner größten Freude mit begünstigten und nun schon Hoffnung habe, recht bald Ihr Sohn zu heißen. Was ich hierdurch für eine Verpflichtung übernehme, ist mir sehr gut bekannt. Ich gebe Ihnen daher meine Versicherung, daß ich mit allen Kräften dahin bemüht sein werde Ihre Tochter lebenslänglich glücklich zu machen.“

Dann schrieben die Eltern von August Sponholz am 8. Juni 1856 an Auguste Herrmann, ihrer Schwiegertochter in spe: „Theure und herzlich geliebte Tochter! Wir benennen Sie gleich bei diesem schönen Namen und heißen Sie aufs herzlichste als solche uns willkommen. Schon durch die Schilderung und Mittheilung unseres Sohnes, haben wir uns sehr zu dieser künftigen Verbindung gefreut. Wir haben die frohe Überzeugung, daß Sie bei diesem Sinn sich und unserem Sohne die ehelichen Tage und Jahre zu gewiß hoch erfreulichen machen werden, und wie könnten wir wohl anders als uns jetzt schon sehr glücklich darüber zu fühlen, daß unser Sohn eine solche Perle in diesem Leben gefunden hat und hoffen, er seiner Seits wird auch alles thun dies Glück zu schätzen zu wissen. Ein Mehres darüber halten wir für unnötig zu sagen, indem Sie einen zu echten christlichen Grundsatz in sich tragen.“

Damit war alles geregelt. August Sponholz reiste nach Berlin und am 4. September 1856 fand die Hochzeit in der St. Matthäus-Kirche im Tiergarten statt. Schon Mitte September 1956 ging es mit Ehefrau Auguste wieder nach Pesth. Dort wurde 1858 Sohn August Junior geboren. Nach drei Jahren ging es nach Berlin zurück. Dort kamen die ihre Kinder Paul (1862), Alfred (1864), Gertrud (1865) und Walter (1867) zur Welt.

Links: Der neue Berliner Viehmark, Entwurf von August Orth. Rechts: Neuer Berliner Viehmarkt, Baedecker 1878

Im ständig wachsenden Berlin hatte sich einiges Getan. Es gab den „Klaegerschen Viehmarkt“ am Landsberger Tor mit Schlachthaus und Ställen für 1000 Rinder, 4000 Schweine und 6000 Hammel und den „Viehmarkt“ auf dem 30 Hektar großen Areal zwischen der Brunnen- und Ackerstraße in Gesundbrunnen gehörten zu den größten. Dort kam 1855 der Finanzexperte Bethel Henry Strousberg ins Spiel. Er hatte in London das Banken- und Börsenwesen verinnerlicht und schon bald mit seiner „Commandit Gesellschaft“ das Grundstück an der Brunnenstraße in der Hand. Baumeister August Orth lieferte die Pläne für den „Neuen Berliner Viehmarkt“. Gedacht wurde an alles, an Ställe, an Schlachthäuser, an den Gleisanschluss zum Berliner Bahnnetz und damit zur Fernbahn. Baedekers Reiseführer Berlin von 1878 würdigte: „In der Brunnenstraße der neue Viehhof und die Schlachthäuser; großartige sehenswerte Anlage, Montag früh Hauptverkehr.“

Für Ausführung und Finanzierung beauftragte Strousberg Generalunternehmer und streute damit die Risiken. Die Leistungen wurden nicht in Geld, sondern mit Aktien seiner neu gegründeten Eisenbahngesellschaft bezahlt. Die Gründer und Kapitalgeber mussten nur einen Bruchteil der Kosten aufbringen und erhielten erhebliche Provisionen aus den Gewinnen seiner neuen Bahnstrecken in Sachsen, Ostpreußen, Rumänien und Ungarn.

Am 19. Juli 1870 erfolgte die Kriegserklärung Frankreichs an Preußen – der Beginn des Deutsch-Französische Krieges. Eine Woche später saß Sponholz am 27. Juli im Zug nach Koblenz. Da die Kanonenbahn erst nach dem Versailler Vertrag von 1871 „in die neuen Reichslande Elsaß-Lothringen“ gebaut wurde, hatte er auf der Fahrt einiges zu überstehen: Aus dem „Hotel zum Riesen in Coblenz“ schreibt er am 30. Juli 1870 an sein „liebes Augustchen! Ich habe drei schwere Tage zu überstehen gehabt: Mittwoch früh von Berlin und erst Freitag früh hier angekommen, also fast 48 Stunden ununterbrochen bei der fürchterlichen Sonnenglut im Eisenbahn-Wagon sitzen müssen, und dabei kaum etwas zu Essen noch zu Trinken zu haben, das erinnerte mich wieder recht lebhaft an meine früheren Strapazen. Am Freitag früh hielt ich mich nur 3 Stunden hier auf, welche ich zu verschiedenen Laufereien und Besorgungen benutzte und dann wieder aufbrach, um nach Mainz zum General von Stosch zu fahren von wo ich erst gestern Abend 10 Uhr retournirte. Du siehst also, mein Herzchen, dass Geduld die Hauptsache ist, man muß die Verhältnisse so hinnehmen wie sie sind und stets Vertrauen zu der Zukunft haben. Gestern traf ich mehrere alte Bekannte. Die haben alle ihre fesselnde Physignomie trotz des Kriegstaumels nicht geändert“.

Albrecht von Stosch, ab 1871 Besitzer des Weinguts von Stosch in Mittelheim, war vom Kaiser zum Generalintendant der Armee ernannt worden. Diese militärische Verwaltungsbehörde hatte die Truppe, salopp formuliert, vor allem mit Essen und Trinken zu versorgen. Die Sponholz-Brüder waren im Geschäft.

Bereits 1872 ging die Strousbergsche „Viehmarkt-Kommandit-Gesellschaft auf Aktien“ an die „Sponholz & Co. Viehmarkts-Aktiengesellschaft“ über. 1884 schuf Sponholz mit dem „Kreditinstitut Sponholz, Ehestädt & Schröder, Bank Kommandit Gesellschaft“ die einflussreiche Vieh- und Fleischmarktbank der Reichshauptstadt. Dazu kam das Verlagshaus „Sponholz GmbH Berlin-Schöneberg“ für den Vertrieb von Fachliteratur für Fleischereien, in dem auch die „Allgemeine Fleischer Zeitung“ erschien.

Zwei Jahre später verhandelte der Berliner Magistrat über einen Verkauf des Geländes an der Brunnenstraße. Sponholz und die Lobbyisten der Fleischer-Innung lehnten das Angebot von acht Millionen Mark ab. Daraufhin baute die Stadt Berlin an der Landsberger Allee bis 1881 den „Zentralvieh- und Schlachthof“. An der Brunnenstraße entstanden ab 1895 die Fabriken der „Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft“ (AEG).

Friedenau 1876
Friedenau 1890-1895

Just um diese Zeit kam das Baugeschehen in der bisher nur lückenhaft bebauten Sponholzstraße in Gang. In den Bebauungsplänen von Friedenau und Schöneberg von 1875 war eine Straße von der Friedenauer Straße (Hauptstraße) zum Wannseebahnhof Friedenau bereits eingezeichnet. Wer dieses Dreieck von der Hauptstraße bis zur Bahntrasse mit Frege-, Wieland-und Hedwigstraße kennt, kann eigentlich nicht begreifen, warum die Gegend zu Schöneberg und nicht zu Friedenau gehört. Es waren eben uralte Gemarkungsgrenzen und so bleibt es dort bis heute beim „gefühlten Friedenau“.

Die Benennung in Sponholzstraße erfolgte 1884. Noch vor Baubeginn auf seinem Terrain war es Sponholz offensichtlich mit Unterstützung von „Eisenbahnkönig“ Bethel Henry Strousberg gelungen, 1874 einen Haltepunkt „Friedenau“ an der „Berlin-Potsdamer Eisenbahn“ (Stammbahn) durchzusetzen. Es waren wohl ausschließlich geschäftliche Gründe, weshalb die auf Schöneberger Gebiet liegende Station „Friedenau“ genannt wurde.

Johann Christian August Sponholz starb am 16. Januar 1907 um 19.15 Uhr in seiner Wohnung Mariendorf-Südende, Wilhelmstraße 10 (heute Briesingstraße). Beerdigt wurde er am 20. Januar auf dem St. Matthäus Friedhof. Seine Auguste folgte ihm am 16. September 1908. Die letzte Ruhe haben beide dort nicht gefunden.

St. Matthäus Friedhof, Plan von 1938
Reichshauptstadt Germania, Plan der Nord-Süd-Achse, 1938

„Auf Grund der Dritten Verordnung über die Neugestaltung der Reichshauptstadt Berlin vom 23. April 1938 wurde im Einvernehmen mit dem Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt die Zweckbestimmung des aus anliegendem Plan ersichtlichen, rund 15.000 qm großen Teiles des alten Friedhofs der St. Matthäus Kirchengemeinde in Berlin-Schöneberg, Großgörschenstraße, mit sofortiger Wirkung aufgehoben. Die Umbettungen haben nach dem Südwestkirchhof der Berliner Stadtsynode in Stahnsdorf zu erfolgen.“

Albert Speer brauchte Platz für die „Reichshauptstadt Germania“ mit der 40 Kilometer langen und 100 Meter breiten Nord-Süd-Achse. Die Mausoleen, Wandgräber und Grabmale wurden vermessen und kartiert, abgetragen und nach Stahnsdorf gebracht – rund 15.000 Särge und Urnen. Auf der Nordseite des Südwestkirchhofs fand ein Drittel der Gräber des „Alten St.-Matthäus-Kirchhof“ unter dem Namen „Alte Umbettung“ einen neuen Platz – mitten in der Landschaft. Das Stahnsdorfer Arrangement auf der etwa einen Kilometer langen „Grabstraße“ hat keinerlei Bezug zum ehemaligen Standort in Schöneberg. Das monumentale Wandgrab von August und Auguste Sponholz hat heute die Bezeichnung „Alte Umbettung, Abteilung A, Erbbegräbnis 15“.

Das Wandgrab von August und Auguste Sponholz auf dem Südwestkirchhof in Stahnsdorf, Alte Umbettung, Abteilung A, Erbbegräbnis 15

Tipp: Das Buch über die "Berliner Friedhöfe in Stahnsdorf" von Peter Hahn

Urenkel Lutz Sponholz aus Bad Münder stellte uns den Briefwechsel von August Sponholz und Auguste Herrmann aus dem Jahr 1856 zur Verfügung. August Sponholz musste kurz nach ihrer Bekanntschaft aus beruflichen Gründen ins ungarische Pesth reisen. Wir veröffentlichen diese Zeitdokumente im Original.

Pesth d. 10 t April 1856

Theuerstes Fräulein!

Mit der größten Freude ergreife ich die Feder, mit dem Bewußtsein, an Sie mein liebes Augustchen schreiben zu dürfen. Erstens melde ich Ihnen hierdurch, daß ich gestern früh hier glücklich und gesund angekommen bin. Aber wie langweilig mir schon dieser eine Tag war, kann ich Ihnen gar nicht schildern. 0, warum ist die Entfernung nicht so nahe, wie von der Landsberger Straße vor das Potsdamer Thor; wie schnell möchte ich zu Ihnen eilen, aber leider muß ich nun noch einige Wochen so zubringen ohne Sie zu sehen, was für mich eine kleine Ewigkeit sein wird. Ich habe bei meiner Anwesenheit in Berlin alle möglichen Pläne entworfen womit ich versuchte, meine Geschäfte von dort auch brieflich auszuführen, um wenigstens noch einige Tage in Ihrer Nähe verweilen zu können, aber die Pflicht meinem Berufe zu folgen, zwang mich Berlin zu verlassen. Jedoch hoffe ich nach Verlauf einiger Wochen uns beiderseits hierfür zu entschädigen, ja schon jetzt sehe ich dem glücklichen Augenblick mit Sehnsucht entgegen, wo wir uns wieder sehen werden.

Ich bereue es sehr, daß ich vor meiner Abreise von hier nach Berlin nicht dafür gesorgt habe, mich längere Zeit dort aufhalten zu können, aber wie konnte ich mich so leicht der Hoffnung hingeben, daß sich unsere Herzen so bald vereinen würden. Schon zu der selben Stunde wo mir von Ihnen, liebes Augustchen, ein leises 'Ja' zu Theil wurde, und mich in dem größten Glück meines Lebens befand, machte ich mir zugleich den Vorwurf, daß ich Sie zu schnell verlassen müßte, aber ich konnte es nicht mehr ändern, ich bitte daher mich gütigst zu entschuldigen und hoffe dieserhalb nicht von Ihnen vergessen zu werden weil wir so weit voneinander entfernt sind. Ich erwarte daher mit der größten Sehnsucht Ihre gütige Antwort.

Bleiben auch Sie mir, mein theuerstes Augustchen so treu wie ich Ihnen, dann wird uns Gott einst dafür lohnen. Ich meinerseits werde mich bemühen Ihnen Ihr zukünftiges Leben so angenehm als möglich zu machen. Ich schließe daher mit der ergebensten Bitte Ihre lieben achtbaren Eltern viel mal von mir zu grüßen wie auch alle Ihre Geschwister und Herrn Riese, leben Sie recht wohl es grüßt und küßt Sie Ihr Sie treuliebender August Sponholz

 

Berlin d. 13/4 56

Theurer Freund,

Ihr mir so werther Brief hat mich aus dem Traume gerüttet in welchen ich seit Sontag gewesen bin, ja mein Guter, glauben Sie mir, meine Prophezeiung ist in Erfüllung gegangen. Sagte ich nicht zu Ihnen: mein Glück würde mir als ein Traum erscheinen nach Ihrer Abreise. Ja! ich habe mit offenen Augen geträumt indem ich das Bewußtsein, von Sie geliebt zu werden, bisher gar nicht glauben wollte und die Glückwünsche unserer näheren Bekannten ganz mechanisch aufnahm, welche den Gedanken nicht fassen konnten, daß ich Braut sein kann. Sie aber wissen, daß ich meine Liebe weiß einzutheilen. Thränen traten mir in die Augen, ich weiß nicht warum, war es Freude, Schmerz, Ehrfurcht, Liebe? Ach! ich fühlte es waren vielsagende Thränen, es waren die der Freude, indem man an unserem Bunde den innigsten Antheil nimmt und das thut meinem verlassenen Herzen sehr wohl.

Es waren Thränen des Schmerzes, da ich die Glückwünsche allein anhören mußte. Es waren Thränen der Ehrfurcht, da ich Sie, von Jedem der Sie kennt, loben und preisen hörte. 0! Theurer Geliebter! wenn Sie wüßten, wenn Sie ahnen könnten, was sich bei jedem dieser Worte in meinem Herzen bewegt, o! meine Ehrfurcht und Achtung für Sie ist unbegrenzbar. Es waren Thräume der Liebe, o guter guter August, nicht wahr? Sie verzeihen mir, daß ich Sie so nenne, indem unsere Liebe noch so neu ist, obgleich sie ewig neu bleiben wird, nie altern wird. 0! werden Sie mich immer lieben, mein Herz ewig treu verwahren können? Von meiner Seite betheure und versichere ich Sie, daß ich nie aufhören werde, Sie zu lieben und zu achten, Sie sind meine erste Liebe und werden auch die letzte sein. Gott hat Einem jeden seine Bahn vorgezeichnet, meine Seele erhebt sich jeden Morgen und Abend mit einem wahren dankbaren Gefühle zu ihm empor, denn er ist es, welcher uns unsere wunderbare Bestimmung von seinem Throne herabgesandt hat und unsere Herzen miteinander verbunden hat, wir wollen ihn bitten daß es uns auch fernerhin auf unseren neuen Lebenswandel in Freud und Leid beschützen möge. 0! wenn nur erst die Zeit entflogen wäre, wo ich Sie Wiedersehen kann, aber die Zeit geht einen Schneckengang. Schreiben Sie recht bald wieder und wenn es Ihnen möglich, benachrichtigen Sie mich von Ihrer Ankunft, schreiben Sie ja Tag und Stunde bestimmt auf, damit ich rechnen und den Tag sehnlichst erwarten kann. 0! was wird das ein glücklicher Tag für mich sein, wo ich Sie vom Bahnhofe abholen kann.Nun schließe ich mit den besten Empfehlungen meiner lieben Eltern, Geschwister, Tante, Schwager, Nichte und Neffe. Bleiben Sie recht, recht wohl und vergessen Sie nicht in der weiten Ferne Ihre Sie herzlichliebende Auguste Herrmann

 

Pesth den 18 ten April 1856

Liebes Augustchen!

Ihr mir sehr werthes Schreiben vom 13t d.M. habe ich erhalten. Schon bei der Ankunft des Briefträgers wurde ich mit Freude erfüllt, als ich das kleine Format eines Briefes erblickte. Aber dennoch traute ich meinem frohen Gemüte nicht, bevor ich nicht die ersten Zeilen sah, wo ich dann Ihre süßen Worte las, daß Sie meine gute, stille Seele sich mir ganz ergeben, und unsere Herzen ganz überein stimmen. Doch leider müssen wir uns einstweilen mit ein Stückchen Papier begnügen, das Schicksal hat es so gefügt, daß wir uns sahen, aber die Trennung vereitelte zu schnell unsere Freude.

Liebe Auguste, es thut mir weh, daß unsere Bekanntschaft noch so unvollkommen ist, indem Sie in Ihrem Schreiben bemerken, daß Sie von Ihren Bekannten beglückwünscht worden sind, jedoch haben Sie es kaum glauben können, daß Sie Braut sind und von mir geliebt werden. Ja, meine Theure, ich habe von Ihnen den bittersten Vorwurf verdient, daß ich es nicht vorgezogen habe, länger in Berlin zu bleiben, aber ich vertraue auf Ihre gütige Nachsicht, Laune und Liebe und hoffe, Ihnen bald melden zu können wann ich wieder auf unserem Trennungsplatze eintreffen werde.

Es ist nicht mehr das schöne Pesth, wo mir zwei Jahre so schnell vergangen sind, weil ich mich stets unter guten Freunden befinde,_aber nachdem ich Sie, meine liebe theuerste Freundin kennen gelernt habe, ist mir hier alles öde und langweilig. Indem Sie stets meine Gedanken beschäftigen wenn ich Sie auch nicht sehe, und weit von Ihnen entfernt bin, ja wenn auch Meereswogen zwischen uns walten möchten, alles dies hält mich nicht zurück, Sie mein lieber Engel zu lieben und zu achten. Ach wenn nur die Zeit erst da wäre wo ich Ihnen mündlich sagen könnte wie sehr ich Sie liebe. Ich zähle jeden Tag und jede Stunde, und sehe den heiligen Pfingstfeiertagen mit Sehnsucht entgegen; ich glaube dieselben noch kein Jahr mit solcher Freude verlebt zu haben, wie ich sie dies Jahr in Ihrer Nähe verleben werde. Möge uns Gott nur gesund erhalten, dann wird diese kurze Zeit ja auch bald vorübergehen, wo wir entfernt sein müssen. Nun leben Sie recht wohl liebes Augustchen, schreiben Sie mir recht bald wieder, empfehlen Sie mich bei Ihren lieben Eltern, Geschwistern und Verwandte, und vertrauen Sie Ihrem Sie herzlich liebenden August

 

Pesth den 24t April 56

Geliebtes Fräulein!

Mit gespannter Sehnsucht sehe ich der Ankunft eines Briefes von Ihnen entgegen. Schon mehrere Tage habe ich vergebens gewartet. Soeben war der Briefträger bei mir und brachte mir mehrere Geschäftsbriefe, wo ich den Ihrigen auch drunter suchte, aber ich sah mich getäuscht. Warum lassen Sie mich so lange schmachten liebes Augustchen? Aus Ungeduld und in aller Eile schreibe ich Ihnen daher diese paar Zeilen mit der dringenden Bitte, mich so bald wie möglich mich mit Ihrer gütigen Antwort zu beehren. Ich bin schon seit vier zehn Tagen so sehr beschäftigt gewesen, daß ich kaum alles bezwingen konnte, indem unser Geschäft jetzt sehr stark geht, sonst hätte ich Ihnen schon vor einigen Tagen geschrieben. Heute erhielt ich auch einen Brief von meinem Bruder, wo er mir anzeigt, daß mich nächstens Jemand ablösen wird und hoffe alsdann einige Tage vor den Feiertagen nach Berlin zu kommen, o, mit welch er Freude werde ich diese Reise antreten. Aber noch größer wird die Freude sein, wenn ich Sie, mein holder Engel, gesund und wohl antreffe. Leben Sie recht wohl, meine Theuerste, grüßen Sie Ihre lieben Eltern, Geschwister, Tante und Herrn Riese recht herzlich von mir und schreiben Sie recht bald Ihrem Sie treuliebenden August

 

Berlin d. 24/4 56

Guter Freund!

Endlich, mein Theurer, habe ich eine Stunde, welche ich Ihnen ganz widmen kann um Ihren lieben Brief zu beantworten. Sie werden gewiß sehr böse auf mich sein daß ich Sie habe so lange warten lassen, nun schelten Sie mich dafür tüchtig aus, denn ich habe es verdient (vermögen Sie wohl mich zu strafen?).

Nun, wie auch diese Strafe sein mag, von Ihnen nehme ich sie, zwar nicht mit Freuden, aber doch gern an, denn ich glaube, sie ist weder zu hart, noch zu schwer zu tragen, nicht? mein Freund? - Ihr Brief hat mir nun unendlich überraschte Freude gemacht, denn in derselben Minute dachte ich: ob wohl bald wieder ein Brief kommen wird? und da brachte mir Vater Ihr so theures Schreiben, o, meine Arbeit flog weit, weit hinweg, um Ihre süßen Worte aufzufangen und zu lesen. Mein guter, theurer August, wenn es auch nur ein Stückchen Papier ist, so sind diese Briefe doch für mich ein großer, großer Talismann, jetzt habe ich allabendlich zwei Briefe zu lesen, o! nein so wonniglich, süße Arbeit. Nennen Sie es Schicksal?, daß wir uns gesehen haben, ich heiße es Glück, Bestimmung, nein, mein (Lieber (verwischt,) verzeih der ungeschickten Hand, die diesen Kleck hierhergewand.)

Lieber, Gott hat uns für einander bestimmt, denn es heißt doch: die Ehen werden im Himmel geschlossen und was er will und thut, das ist wohlgethan. Wir wollen ihn gemeinschaftlich bitten daß er unsre Herzen und Gemüther ganz übereinstimmen läßt, das Gute was dem Einen und Anderem fehlt hinzusetze und das Böse von uns abwende, dann, mein Geliebter, wollen wir Hand in Hand, Freud und Leid einander theilen und auf Gott vertrauend, unsre uns bestimmte Bahn muthvoll betreten. Ja, nur Ihnen habe ich mich ganz ergeben und ich gestehe es, daß Sie meinen ganzen Sinn gefangen genommen haben, denn was ich anfange und vollende ist Alles mit dem Gedanken an Sie verknüpft, denn ich kann mit einem wahren aufrichtigem Gefühle sagen: Weit hinaus in jener Ferne etc.-etc. Aber, mein Guter, kommen wohl diese Worte aus der wahren Tiefe Ihres Herzens? o! wie ungläubich ich bin, nicht war, mein Freund?

Sie werden sagen: die arme Auguste, wie sie mich liebt, wie sie sich um meine Liebe quält und härmt. 0! mein August, wenn mir der Gedanke einkömmt, daß ein Anderer mir diese Liebe rauben könnte, welche der. Morgenstern meines Glückes ist, was bliebe mir da noch übrig weiter Nichts als der Tod, sollen wohl Liebende an den Tod denken? nein, nein ich verspreche es Ihnen daß ich nicht mehr solche Gedanken hegen will. Ach! wenn nur erst die Stunde geschlagen hätte, wo ich Ihnen die Hand und Mund zu herzlichstem Wilkommen reichen könnte und wir uns mündlich aussprechen können, dann erst wird mein Aberglaube gänzlich schwinden. 0! was wird der Tag unseres Wiedersehens für mich ein Freudentag sein. Nun Adieu, mein Theurer Freund, leben Sie recht recht wohl, ich bringe Ihnen hier sehr viele Grüße von meinen guten Eltern und Geschwistern, Ihren Herrn Bruder, welcher uns gestern besuchte, und Herrn Heinrichs, ganz besonders aber von Friedemann's welche sich sehr freuen, daß sie das Vergnügen haben werden, Sie näher kennen zu lernen. Lieber August, in der Hoffnung, daß ich auf Ihre gütige Verzeihung, Treue und Liebe rechnen darf und auch auf einen recht baldigen Brief, verbleibe ich Ihre Sie stets innigstliebende Auguste

 

Pesth d 28t April 56

Theuerste Auguste!

Ich fühle mich Ihnen, verehrte Freundin, für die gütige Beantwortung meines zweiten Briefes, zu großem Danke verpflichtet und freue mich, daß ich mich in meiner Vermuthung nicht getäuscht habe. Ihr liebes Schreiben vom 24t hat mich nun vollkommen von Ihrer treuen Liebe überzeugt, ich muß aber zugleich sehr bedauern, daß Sie, meine liebe, gute, ungläubige Auguste, gegen mich noch immer Mißtrauen hegen, obgleich ich es Ihnen nicht ganz verdenken kann, indem unsere Bekanntschaft noch zu neu und unvollkommen ist. Aber die Zukunft wo wir uns mündlich sprechen können, und uns näher kennen lernen, wird Ihnen von meiner unveränderten Treue und Liebe überzeugen. Seit dem ich Sie, mein himmlisches Wesen, erblickte, und bei den einfachen Geschäften Ihres Hauswesens Sie beobachtet habe, bin ich von Ihnen gefässelt daß ich nicht mehr in mir lebe sondern in Ihnen und in dem Gedanken an Sie. Ich fühle jetzt, daß ich nichts anderes bedarf, als Sie mein liebes Augustchen, zu besitzen, ja dann habe ich alles - alle meine Wünsche ruhen in Ihnen, denn die Welt und der Himmel ist mein mit Ihnen. 0, wie glücklich bin ich, daß Sie mich Ihrer würdig halten und Ihre Treue und Liebe gewonnen habe. 0! meine liebe Auguste, wo finde ich Worte, Ihnen es begreiflich zu machen, wie sehr ich Sie liebe, es ist sehr schmerzlich für mich daß wir getrennt sind. Könnte ich in diesem Augenblick bei Ihnen sein, o, Sie würden nicht mehr an meiner aufrichtigen Liebe und Treue zweifeln, da ich nun aber noch vielleicht eine Woche hier verbleiben muß, so erlaube ich mir Sie hierdurch zu bitten, mir und meinen Worten Ihr aufrichtiges Vertrauen zu schenken. Große Freude macht es mir, daß sich auch andere gute Freunde sich meines Glückes freuen. Wie Sie mir beim Schluß Ihres Briefes von Friedeman's melden, wollen Sie mich gütigst bei ihr empfehlen, ich werde mich sehr beehrt fühlen, wenn sie mich einer näheren Bekanntschaft würdigen. Nun gute Nacht, liebe Auguste, es ist bereits 11 Uhr abends, wo ich einsam und allein mit Ihnen im Geiste beschäftigt, in meinem Zimmer sitze. Leben Sie recht wohl, grüßen Sie Ihre guten Eltern, wie auch alle Angehörigen und schreiben Sie recht bald wieder Ihrem Sie innig liebenden August

NB. Mit nächstem hoffe ich Ihnen meine Ankunft in Berlin bestimmen zu können.

 

Berlin d. 28/4 56

An meinen lieben ungeduldigen Patron!

Sie haben so Vieles gelernt, aber eine Lexion fehlt Ihnen doch noch, daß ist das geduldige Warten; ja, ich bin zwar in Schuld bei Ihnen gerathen, Ihren lieben Brief so lange unbeantwortet zu lassen und sollte eigentlich keine Entschuldigung haben, aber ich werde, mit Ihrer gütigen Erlaubniß, meinen Entschuldigungs-Zettel Ihnen mündlich darbringen.

Oh! mein Theurer, wie habe ich mich über die Mittheilung, welche Sie mir über Ihre, bis jetzt zwar noch ungewisse aber doch festgesetzte Reise gemacht haben, gefreut. Aber noch größer wird die Freude sein, wenn ich in einem Ihrer Briefe den bestimmten Tag, die heißersehnte Stunde Ihrer Ankunft lesen werde. 0! wie langsam vergeht die Zeit! Ach ich bitte Sie, mein Freund, schreiben Sie ja recht genau den Tag und die Stunde Ihrer Ankunft auf, ich könnte sonst leicht in meiner Freude und Liebe zu Ihnen, mein Lieber, etwas übersehen, denn ich werde das Vergnügen haben, Sie auf dem Bahnhofe zu empfangen. Treiben Sie nur den Locomotiv-Führer recht tüchtig an, damit er sehr schnell fährt und Sie desto eher zu mir führt. - Nun Adieu, mein Vielgeliebter, leben Sie recht, recht wohl, viele Grüße von den lieben Meinigen. Erfreuen Sie mich recht: bald wieder mit einem Briefe und gedenken Sie auch in der Ferne Ihrer Sie treuliebenden Auguste

NB. Dieser Brief ist geschrieben worden: in einer so feierlichen stillen Stunde, nur mit Unterbrechung einiger schnarchender Töne, bei Beleuchtung einer ungeheuren Moderateur-Lampe in der Größe von ungefähr sechs Zoll, aber ohne Glaskugel!! Ist das nicht viel von mir?

 

Pesth den 5ten May 1856

Meine theuerste Freundin etc.-!

Endlich, meine gute Auguste, kann ich Ihnen zu meiner größten Freude melden, daß ich längstens Donnerstag oder Freitag früh in Berlin eintreffen werde, jedoch werde ich es Ihnen morgen noch näher bestimmen können, indem mein Stellvertreter noch nicht hier ist. Mein Bruder hat mir heute aber schon brieflich abgezeigt, daß Selbiger morgen früh hier eintreffen wird, und hoffe alsdann in zwei Tagen mit Allem fertig zu sein, um von hier abreisen zu können.

Liebes Augustchen ich freue mich unendlich sehr, über Ihre große Güte und Ehrenbezeugung daß Sie mich am Bahnhofe erwarten wollen. Da der Zug aber schon in der früh 5 Uhr dort ankömmt, wie gern ich Sie auch sehen möchte, so wäre es doch zuviel verlangt von Ihnen, und es wäre sehr unbescheiden von mir, wenn ich dieses annehmen wollte. Ich bitte Sie daher, sich dieserhalb nicht die schöne Morgenruhe zu berauben, ich werde mich ohnehin beeilen, um Sie, meine verehrteste Geliebte in meine Arme schließen zu können.

Ach wäre ich nur erst so glücklich, daß ich die Mauern Berlins mit meinen Augen erblikte, dann werde ich keine Minute mehr versäumen um zu Ihnen zu eilen.

Auch zeige ich Ihnen an, daß ich Ihren werthen Brief vom 28th v.M. richtig erhalten habe. Gewiß sind Sie auch schon böse auf mich, daß ich Ihnen nicht eher geschrieben habe.

Es hat aber seinen Grund, weshalb ich es von einem Tage zum andern aufgeschoben habe, indem ich täglich auf Nachricht von meinem Bruder wartete, wo ich Ihnen alsdann meine sichere Abreise bestätigen wollte. Ich hoffe, daß Sie, meine gute stille Seele, deshalb nicht zürnen, nein? Ich werde mich bei meiner dortigen Anwesenheit gerne Ihrer Strafe dafür unterwerfen, welche für mich sehr leicht zu ertragen sein wird, denn Sie sind ja die Güte selbst, ja! Ich gestehe es Ihnen mein Fräulein, daß ich von Ihrer Gutmüthigkeit ganz beseelt bin. Kaum hatten wir uns kennen gelernt, wo ich Ihnen mein Geständnis und meine Gefühle für Sie offenbarte und zu meiner größten Freude beglückten Sie mich auch mit Erwiderung Ihrer Liebe. Ich war aber zugleich so unbarmherzig und kündigte Ihnen meine bevorstehende Abreise an, wozu mich zwar dringende Geschäfte zwangen. Ich bitte Sie daher, meine liebe gutmüthige Auguste, mir dieses nicht zu verargen, ich hoffe, daß Sie mir meine Bitte gewähren, denn Sie sind ja zu einsichtsvoll. Bald gedenke ich, Sie dafür entschädigen zu können. – Schließlich grüße ich Sie recht herzlich, wie auch alle Ihre lieben Angehörigen, leben Sie recht wohl, es erwartet mit Liebe von Ihnen empfangen zu werden Ihr Sie ewig liebender August

 

Pesth den 2 Juni 1856

Meine innigst geliebte Auguste!

Endlich erlauben es mir meine Geschäfte und Umstände, Dir zu melden, daß ich vorgestern auch hier gesund angekommen bin. Gerne hätt' ich schon gestern diese Zeilen an Dich geschrieben, aber ich bin zu sehr beschäftigt gewesen, so, daß ich des Abends sehr müde und schläfrig war, indem mich auch die Reise ziemlich angegriffen hatte. Ich habe mich während meines Hierseins schon vielseitig erkundigt wegen einer Wohnung, und es sind mir auch schon mehrere in Vorschlag gebracht, will es jedoch noch abwarten, indem Solche noch immer nicht recht nach Wunsch sind, und dann ist es auch noch Zeit genug, weil hier das Quartal erst auf Michaeli aus ist, es ist daher nichts zu befürchten, weil noch Wohnungen genug zu haben sind. Ich hoffe also, Dir schon innerhalb acht Tagen genaue Auskunft hierüber mitteilen zu können.

Soeben komme ich von Ofen aus dem Lande wo ich eine kleine Promenade machte, hierbei dachte ich an Dich mein Geliebtes, und an die schönen Stunden, welche wir miteinander am Kanal oder in dem kleinen schönen Gärtchen, Am in Arm zugebracht haben. Ein tiefer sehnsuchtsvoller Seufzer entschlüpfte aus dem innersten meiner Brust, und meine Augen suchten unseren getreuen Nachbarn welcher uns so oft in Berlin belauschte /:der Mond:/; aber auch der hat mich jetzt verlassen, so wie ich Dich, meine Gute, verlassen mußte.

Liebes Augustchen! war mir je eine Reise unangenehm, so war es diese, welche mich von Dir Theuerste auf einige Zeit getrennt hat. Seit Dienstag wo ich Dir Lebewohl sagte, ist es mir als wäre alle Lebenslust von mir gewichen, und nichts spricht mich an, als was mich an Dich erinnert. Noch immer sah ich Dich stehen auf dem Eisenbahn-Perron, wo mich die Kraft des Dampfes von Dir riß. Zwar fürchte ich bei meiner Entfernung nichts für diese Liebe, von dieser bin ich zu innig überzeugt, und kenne Dein Herz zu gut, als daß der geringste Zweifel gegen Deine Treue in mir entstehen könnte. Aber dennoch macht mich diese Trennung unaussprechlich unglücklich. Deine lieben Briefe werden auch der einzige Trost in meiner Verbannung sein; schreibe mir also ja recht oft, und jedes mal recht viel! Hörst Du, liebe theure Auguste? Ach wäre ich doch erst wieder zurück! Und noch bin ich kaum 8 Tage fort von Dir. Wie fühle ich mich unglücklich und wie muß ich alle meine Kraft aufbieten, um nur der Pflicht, die mich zu dieser Reise, und zu meinem Berufe zwingt, gehorchen zu können! Also lebe denn wohl meine Theuerste und schreibe bald Deinem August

 

Pesth 2/6.1856

August Sponholz an seine Schwiegereltern in spe, Wilhelm Herrmann und Frau

Geehrter Herr Herrmann et Gemahlin!

Die Ehre Ihrer werthen Bekanntschaft, und der mir erwiesenen Freundschaft und Achtung, ist mir so schmeichelhaft und erfreulich, daß ich derselben unwürdig wäre, wenn ich mich nicht sorgfältig bestreben wollte, ihr auf alle Weise zu entsprechen. Erlauben Sie daher, daß ich Ihnen dies hierdurch an den Tag legen und Ihnen versichern darf, wie weder Zeit noch Entfernung den Entschluß bei mir wankend machen werde.

Es sind bereits einige Monate vergangen wo ich die Ehre hatte, Ihnen durch Veranlassung Ihre Sohnes Adolph, bei meiner Anwesenheit in Berlin, einen Besuch abzustatten, was mir Gelegenheit gab, Ihr Fräulein Tochter /: jetzt schon meine innigst geliebte Braut :/ zum ersten mal zu sehen.

Da ich nun durch weitere Bekanntschaft die Liebe Ihrer Fräulein Tochter gewann, so erdreistete ich mich zu meinem Vorhaben, bei Ihnen um Ihre gütige Einwilligung anzufragen, wo Sie mich alsdann auch zu meiner größten Freude mit begünstigten und nun schon Hoffnung habe, recht bald Ihr Sohn zu heißen.

Was ich hierdurch für eine Verpflichtung übernehme, ist mir sehr gut bekannt. Ich gebe Ihnen daher meine Versicherung, daß ich mit allen Kräften dahin bemüht sein werde Ihre Tochter lebenslänglich glücklich zu machen, so weit es nämlich von mir abhängt! Denn ich bin es schon dadurch, daß ich sie einst besitzen werde, auch wird es mein innigstes und stetes Bestreben sein, Ihnen meine lieben, achtbaren, zukünftigen Schwieger-Eltern, nur Freude zu bereiten und hoffe, daß Sie auch späterhin zu Ihren guten Freunden zu sagen berechtigt sein werden: "Unsere Auguste ist glücklich!" Und zwar dadurch weil sie von mir von ganzem Herzen geliebt wird, wie auch ich von ihr geliebt werde. Möge uns nur der Almächtige gesund erhalten, und uns, wie bis jetzt, auch in Zukunft für Unglück bewahren. So glaube ich im Stande zu sein, sie ihrem Stande gemäß anständig ernähren zu können, und hoffe daher, daß wir auch hier in dem weitentfernten Ungarlande glücklich leben können. Ich danke Ihnen nur vorläufig aus vollem Herzen für die gastliche Aufnahme die ich bei Ihnen gefunden, und erneuere die Versicherung meiner Achtung und Freundschaft, auch bitte ich, mich bei Ihren guten Freunden und Bekannten bestens zu empfehlen. -

Mit den aufrichtigsten Wünschen für Ihr Wohlergehen, grüße ich Sie recht herzlich und sehne mich Ihr Sohn zu heißen.

 

Dienstag d. 3 Juni, Abends 11 Uhr! (1856)

Geliebter August!

Jetzt, mein Guter, werde ich mich etwas mit Dir unterhalten, wenn es auch schon etwas spät ist, aber ich bin so aufgeregt daß ich doch nicht schlafen kann und da ich ganz allein bin, werde ich Dir ein Theil dieser Nacht widtmen obgleich Du nicht ahnen kannst daß sich noch Jemand mit Dir beschäftigt. Nun vielleicht erscheine ich, meines vielen Denkens an Dich, im Traume.

Du bekennst in Deinem lieben Briefe, daß Dir die zweite Trennung weit schwerer war als die erste, glaubst Du etwa, mir nicht? Wenn auch mein Gesicht froh und heiter aussah, so nagte doch in meinem Herzen der Schmerz der Trennung, aber trennen mußten wir uns ja doch, je eher, desto eher kommen wir unserem Ziele. Jetzt erst, mein Heißgeliebter, weiß ich welchen Schatz ich in Dir besitze, ach! ich möchte Dir gern mehr bieten als ich vermag, denn Du bist mehr werth, aber ich verspreche Dir, daß ich Dir eine sorgsam liebende treue Gattin sein werde und mich unter Deiner Leitung noch vervollkommnen werde. Nicht wahr, ich bin sehr offen? eine jede Andere würde es nicht thun, sie würde zu stolz sein und ihren Geliebten das Alles zu erzählen und sich weit über ihn erheben, aber meine Liebe zu Dir ist zu groß um nicht aufrichtig zu sein, und dann mein Herz, habe ich die größte Zuversicht, daß Du mich deshalb nicht minder lieben wirst, aber ich lasse heute meine Gedanken und Gefühle freien Lauf. Übrigens ist mir heut sehr sonderbar zu Muthe ich möchte fast sagen, melancolisch, obgleich ich durch Dich sehr glücklich bin, so ist doch das volle Glück immer mit Hindernissen verknüpft, nämlich die Krankheit unserer Tante welche immer schwächer wird, mit Muttern geht es auch wieder schlechter, Vater geht auch bald nach dem Bade und dann Deine arme, arme Schwägerin, gestern besuchte ich sie, hoffte sie im Bett zu finden, aber Gott sei Dank, war sie auf den Füßen. Wir glaubten, sie hätte eine Operation zu bestehen, weßhalb Dein Bruder sie noch heute zu mehreren Ärzten gefahren ist um deren Urtheil zu hören, welche aber sagten, daß Dorchen erst einige Tage hier im Klinikum bleiben um sie näher beurtheilen und beobachten zu können und dann, entweder nach Marienbad oder bei Halle eine Badekur zu gebrauchen.

Ich trage recht große Sorge für sie, denn ich habe sie so lieb, obgleich ich weit froher bin als gestern, daß sie keine Operation zu bestehen braucht, sie selbst und auch Dein Bruder sind viel muthiger, das Essen schmeckt besser als die Tage zuvor. Das Alles, mein lieber August geht mir im Kopfe herum und mein Herz ist so voll banger Ahnung daß wir unsere Hochzeit traurig feiern werden, Gott gebe, daß ich mich in meinen Ahnungen täusche, und alles zu besten wende. Nimm, wenn es Dir möglich ist, Deinem Bruder einige Geschäfte ab, daß er sich mehr mit seiner Frau beschäftigen kann, er ist doch ja zu traurig und ängstlich.

Liebes Schätzchen, Du schreibst, daß Du nicht gewußt hast, was Liebe ist, ja, ja, so sind diese Herren Garcon's, sie leben so fort im Vergnügen und haben ein kaltes steinernes, fest verschlossenes Herz und so bleibt es, bis sich ein weibliches Herz sich seiner annimmt und den Herzensschlüssel herausgiebt. Ja, mein Guter, der Himmel wirft seine Funken der Liebe in die Herzen der Menschen damit wir sie zu einer heiligen großen Flamme nähren, und sie richtig vertheilen sollen. Nun Gute Nacht, guter August, schlaf den Rest dieser Nacht recht wohl. Dieser Brief erscheint Dir vielleicht sehr dumm aber entschuldige mich wegen meiner Gemüthsbewegung, ich habe geschrieben ohne zu wissen was; ich lese ihn aber nicht noch einmal durch, sonst würde ich den Brief ganz umkehren und dazu bin ich, aufrichtig gesagt, zu müde, denn es ist bereits ein Uhr. Adieu, mein Theurer, nimm Dich nur in Acht, daß Du nicht krank wirst, á Propos! was machen die dünnen blassen Backen? Lebe recht, recht wohl, es grüßt und küßt Dich Deine treue Auguste

 

Berlin d. 8 Juni 1856

Mein einzigstgeliebter August!

Deinen, mir jetzt so theuren Brief habe ich schon mit Sehnsucht erwartet und hätte ihn schon beantwortet, aber meine Zeit erlaubte es wegen häuslicher Geschäfte nicht. Bei Tage und des Abends bin ich aufrichtig gestanden zu müde, denn der Schlaf ist ja doch so süß und Du wirst es mir auch nicht verargen, Du gönnst mir das bischen Schlaf, nicht wahr? Aber heute habe ich meine Sonntagsarbeit so eingerichtet, daß ich mich nachmittags mit meinem Geliebten beschäftigen kann.

0! mein guter heißgeliebter August, Du kannst Dir garnicht denken, wie langweilig es jetzt ist und wie ich mich verlassen fühle. Ich hätte es, von mir, nie gedacht, daß ich an ein männliches Wesen so hängen und meine Liebe so groß sein kann, wie sie zu Dir ist; ich frage mich öfters selbst: wes-halb hättest du nicht jeden andern Manne, welcher um dich angehalten hat, so gleich lieben können als gerade diesen, welchen du so wenig gekannt hast? Aber Gott hat es nicht gewollt, er hat meine Liebe für Dich aufgehoben. 0! Gott, ich danke dir daß du mich noch so glücklich gemacht hast und dadurch, daß ich von mein Theuerstes und Liebstes auf dieser Welt wieder geliebt werde und es auch einst mein Eigenthum nennen darf. Ja, mein Lieber, ich bin stolz auf Dich, zu einem Jedem möchte ich sagen: Seht, dieser gute, edle, liebe August, dies ist mein Mann! Aber ich gehe wohl zu weit, ich sehe Dich bei diesen Worten lächeln oder, wenn Du allein bist, laut auflachen, und Du wirst sagen, die kindische Auguste, aber es ist keine Kinderei, nein, es ist reine, wahre Herzens-Liebe. -

Daß die Wohnungen nicht knapp sind, ist mir sehr angenehm, suche nur eine, nicht zu große, recht freundlich, bequeme Wohnung, wo es sich recht heimisch und traulich wohnen läßt. Ich bedaure Dich, daß Du Deine Promenade allein machen mußt, aber es ist auch für mich sehr erfreulich, daß Du mitunter ein bischen an mich denkst. Nun, die Zeit wird ja auch bald, ja recht bald körnen, wo ich Dich begleiten kann; an den Kanal oder längere Zeit im Garten, bin ich seit Deiner Abreise nicht gewesen, nur wenn der Schmerz meiner Sehnsucht zu groß wird, gehe ich in das Gartenhaus, setze mich in die Sophaecke und lese Deine letzten Briefe. Mitunter kann ich nicht Herrin über meine Gefühle sein, die Thräume erleichtern dann mein Gemüth, denn ich habe ja das Bewußtsein, von Dir geliebt zu werden und bald Dir gänzlich anzuhören.

Deine Augen suchen unseren Belauscher, jetzt ist er vielleicht der Beobachter Anderer, aber in der nächsten Woche tritt er wieder hervor, nicht als Belauscher, sondern als Überbringer meiner Liebes-Küsse und Grüße, wenn Du ihn ansiehst und er recht freundlich auf Dich herabsieht; dann denke an Deine arme Auguste welche Du so einsam verlassen hast. Du sagst wohl auf einiger Zeit, aber es ist mir als wärst Du schon Monate weg. Du siehst mich noch immer auf der Eisenbahn stehen, und ich sehe Dich grausamer Mann von mir gehen, ich sah Dich noch bis ich Nichts mehr von dem Punkte, welcher mir meinen heißgeliebten so pfeilschnell mit sich zog, sehen konnte, dann ging ich in Gedanken wieder nach Hause. Die Sehnsucht greift mich so an, daß man mir sagt ich sehe blaß aus. 0! ich bitte Dich, laß mich nicht so lange allein, denn sonst findest Du vielleicht bei Deiner Rückkehr anstatt Deine rotbackige Auguste ein blasses nach Rettung schmachtendes Fräulein.

Gestern besuchte ich Deine arme Schwägerin, welche einen anderen Doktor angenommen hat und die Badereise aufgiebt. Sie muß Brunnen trinken und einnehmen, sie scheint Zutrauen zu dem Doktor zu haben, wir wollen Gott nur bitten daß er sie recht bald gesund werden läßt, und sie uns noch recht lange in unsere Mitte erhält. Meine Mutter wird morgen nach Neustadt a/D. fahren, Molken und Brunnen trinken und sich dort gänzlich kurieren wenn sie nach drei Wochen wieder kommt, geht Vater auf vier bis sechs Wochen nach Marienbad. Viele Grüße von den lieben Meinigen, lebe denn wohl, recht wohl mein guter lieber August und erfreue recht bald mit einem langen Briefe. Deine Dich liebende Braut Auguste

Dieser Brief ist doch gewiß lang?

 

Belgard, d. 8. Juni 1956

Die Eltern von August Sponholz, Christian Friedrich Sponholz und seine Ehefrau, Henriette Charlotte, geb. Liebenow, schreiben an Auguste Herrmann, ihrer Schwiegertochter in spe.

Theure und herzlich geliebte Tochter!

Wir benennen Sie gleich bei diesem schönen Namen und heißen Sie aufs herzlichste als solche uns willkommen. Schon durch die Schilderung und Mittheilung unseres Sohnes, haben wir uns sehr zu dieser künftigen Verbindung gefreut, durch den uns zugesandten herzlichen Brief aber ist die Freude noch unendlich größer geworden, mit welcher Theilnahme und Herzlichkeit, Sie liebe Tochter, sich an uns anschließen.

0! Es thut uns in unseren Tagen so sehr wohl, dieß noch von unserm Sohn zu erleben. Wir haben aber nun noch die herzliche Bitte hinzuzufügen, daß Sie es uns nur nicht übel deuten mögen, und uns entschuldigen nicht so gleich geantwortet zu haben. Es hat dieß seinen Grund darin, daß unsere Tochter hier, bei der wir wohnen, gegenwärtig im Wochenbette, von einer Tochter glücklich entbunden, sich befindet, und wir den weiteren glücklichen Fortgang Ihnen und Ihren theuern und hochgeschätzten Eltern mittheilen zu können und wollen, was bisher gottlob alles nach Wunsch geht.

Jetzt beeilen wir uns auch um so eher mit Ihnen, theure Tochter, näher bekannt und vertraut zu werden. Besonders hoch und erfreut ist es für uns, von Ihnen selbst zu lesen, daß Sie mit einem so vertrauungsvollem Blick in dieser und jeder Hinsicht auf Gott setzen und hinsehen.

Ja, es ist dies in Wahrheit das Schönste was der Mensch haben kann. Dabei wird ihm auch das Schwerste leicht. Gott erhalte Ihnen und Sie sich selber, geliebte Tochter, diesen echten christlichen Sinn; dann werden Sie auch die ehelich schweren Tage gerne ertragen, und sie werden Ihnen nicht schwer werden. Sie theure Tochter bitten um unseren Segen, sein Sie versichert, den haben wir mit gefalteten Händen zu dem Lenker alles Guten, von dem Tage, wo wir es zu wissen bekamen, mit so reichlichen Maaße aus ganzer Fülle der Seele gegeben und wir werden gewiß nicht nachlassen auch ferner für dies Wohlergehen zu bitten. Wir haben die frohe Überzeugung, daß Sie bei diesem Sinn sich und unserem Sohne die ehelichen Tage und Jahre zu gewiß hoch erfreulichen machen werden, und wie könnten wir wohl anders als uns jetzt schon sehr glücklich darüber zu fühlen, daß unser Sohn eine solche Perle in diesem Leben gefunden hat und hoffen, er seiner Seits wird auch alles thun dies Glück zu schätzen zu wissen. Ein Mehres darüber halten wir für unnötig zu sagen, indem Sie einen zu echten christlichen Grundsatz in sich tragen.

Wie Ihr sehnlicher Wunsch sich ausspricht, ist auch der unsrige, Sie theure Tochter persönlich kennen zu lernen und wenn Sie theure Tochter dieß Opfer bringen uns zu besuchen, so bitten wir nicht allein herzlich darum, sondern wir freuen uns schon sehr im Voraus und fühlen uns glücklich, dieß zu wissen, daß wir Sie in unsere Arme schließen können, nur bitten wir uns gütigst uns wissen zu lassen, wann der Zeitpunkt sein kann, daß wir Ihnen entgegen sehen und gehen können. Diese Schritte werden für uns sehr glücklich sein. Kommen Sie nun, möchten wir Ihnen den Vorschlag machen mit dem Eisenbahnzuge nach Stettin, nachmittags abzufahren, dann haben Sie weniger Umstände. Sie fahren dann von Stettin gleich mit der Post nach Körlin und von dort hierher ohne warten zu dürfen, nicht ist es so mit der Eisenbahn nach Stargard. Befolgen Sie gütigst den ersten Rath, sind Sie den folgenden Tag hier, wo wir, die wir nicht weit von dem Posthause wohnen, um 2 Uhr warten.

So viel in unseren Kräften steht, werden wir gewiß dazu beitragen Ihnen die Zeit angenehm in unsern kleinen Städtchen zu machen, Ihnen den Krötensteig etc. zeigen, der sich eine Viertelmeile am Bache entlang zieht. - Nun fügen wir noch die herzliche Bitte hinzu uns Ihren lieben und theuern Eltern und andern Geschwistern angelegentlich zu empfehlen. Sie aber seien von uns im Geiste aufs herzlichste gegrüßt und umarmt von Ihren Sie liebenden und hoch schätzenden Eltern Sponholz und Frau.

 

Berlin d. 22/6. 1856

Mein guter lieber August!

Deinen Brief erhielt ich erst am Donnerstag in einer etwas bösen Stimmung, welche sich in den Morten ausdrückte: na endlich! Ich konnte mir garnicht enträthseln, weshalb Du nicht schreibst. Am Montag schon hoffte ich einen Brief von Dir zu erhalten, aber nein! Dienstag erwartete ich_Einen, Mittwoch glaubte ich aber ganz fest, Einen zu bekommen, aber fehlgeschossen, länger konnte ich meine Geduld nicht zügeln, in aller Disperation setzte ich mich Donnerstag hin, um Dir eine kleine Predigt über die Nachlässigkeit zu halten. Da endlich kam der langersehnte Brief, las ihn, und alles war vergeben und vergessen - mein Brief ward zerrissen und der Deinige ein paar mal gelesen!

Glaube nur, mein Liebchen, daß es einem verlassenen Herzen sehr wohl thut, wenn es etwas von dem weitentfernten Theuersten hört und sieht, aber es ist auch traurig und wird schmerzlich berührt, wenn es sich immer getäuscht sieht, also, mein guter, lieber August, zögere nicht so lange mit dem Schreiben denn ich harre immer schon mit Sehnsucht auf Deine theuren Briefe, es ist mir immer als ob sie Balsam in mein wundes Herz gießen und der Tag, wo ich einen Brief bekomme, ist für mich ein Freudentag!

Daß Du schon eine Wohnung inne hast, ist mir sehr erfreut, wird sie aber nicht zu groß und in Folge dessen, nicht auch zu theuer sein? Daß Du für mich so besorgt bist, dafür danke ich Dir aufrichtig, und die Wohnung in Umgebung Deiner Freunde gewählt hast, um mir mehr Unterhaltung zu verschaffen, Du hoffest und glaubst daß ich mich dort gefallen werde? Oh! mein guter lieber August! wie könnte es mir wohl nicht gefallen? wenn Du bei mir bist. Dann habe ich ja Alles was nur mein Herz wünscht, ich frage weder nach Gesellschaft noch Vergnügen wenn ich nur Dich habe und nur langweilig wird es für mich sein, wenn Du entfernt bist. Liebes Schätzchen! eine Bitte gewähre mir nur: ziehe Dich nicht von Alles zurück, gehe aus, um Dich zu zerstreuen, unterdrücke den Schmerz Deiner Sehnsucht, hänge nicht den Kopf, laß nicht Deine Gefühle und Gedanken freien Lauf, sonst körnst Du vielleicht als ein melancolischer Bräutigam hier an. Weshalb willst Du schon im July nach Berlin kommen, kannst Du denn garnicht mehr warten?

Gedenkst Du dann schon zu heirathen, oder willst Du mir das Herzleid nochmals anthun und mich verlassen, nicht wahr, dies thust Du nicht? es würde auch unnützerweise Geld weggeworfen werden, und zum heirathen ist es wohl noch zu früh? indem Vater erst seine Reise anfangs July antreten und Ende July wiederkommen wird. Also gedulde Dich doch nur noch etwas länger.

Was meine Gesundheit anbetrifft, bin ich ganz wohl und munter, ich trinke jetzt tapfer Molken mit Eger Salzbrunnen und hilft dies nicht, so muß ich jetzt schon immer anfangen mich der Pesther Mode zu unterwerfen und rothe Schminke auf meine Backen legen, gräme Dich aber deshalb nicht, sie fangen schon wieder an zu röthen, und der Brief, worin die Bestimmung Deiner Ankunft gemeldet wird, wird ihnen das alte Roth wiedergeben. Ich habe gehört: daß die Wohnung, welche Du für uns gemiethet hast, schräg über Deiner jetzigen Wohnung liegt. Hast Du Dich vielleicht schon wegen dem Aufbieten, der Scheine, der Steuer und etc: erkundigt? Nun lebe recht wohl, und bleibe mir recht gesund, viele Grüße von den Meinen und vergiß das Schreiben nicht, hörst Du mein Vielgeliebter? Es grüßt und umarmt Dich herzlich Deine Dich treu liebende Auguste

 

Pesth d 27t Juni 1856

Meine liebe Auguste!

Schon wieder sind drei Tage vergangen seit dem ich Deinen lieben Brief vom 22t d.M. erhielt. Ich habe mich deshalb schon wieder bei Dir eines Vorwurfs schuldig gemacht, es war mir aber nicht eher möglich mein liebes Kind, indem ich zu sehr beschäftigt gewesen bin. Und dann liegt auch etwas anderes zu Grunde, weshalb ich gezögert habe. Warum hast Du mir denn nicht den Brief geschickt worin Du mich recht tüchtig ausgescholten hast, wegen meiner Unschlüssigkeit sei aber nicht böse meine gute verlaßene Auguste nein? Du weißt ja, daß man im Geschäft mitunter recht viel zu thun hat, und die Gedanken und auch die Zeit in Anspruch nimmt. Ich werde mich aber in Zukunft bessern.

Der Grund, weshalb ich mit diesem Schreiben bis heute gewartet habe, ist der, weil ich eine andere Wohnung aufgenommen habe, und die erstere wo ich Dir schon Anzeige von machte, habe ich aus dem Grunde nicht behalten, weil es zwei Treppen hoch ist, ich behielt mir daher noch 14 Tage Bedenkzeit vor. Jetzt habe ich eine kleinere Wohnung, ganz vis a vis demselben Hause aber nur eine Treppe hoch, bestehend aus 3 Zimmer, Speisekammer, Küche, Keller und Boden und nun 100 fl. billiger. Auch kann ich sie gleich an Jacobi beziehen. Nun habe ich auch wieder einen ganz anderen Plan gemacht, liebe Auguste, ich bitte mir daher Dein Gutachten darüber aus.

Ich ersehe in Deinem Schreiben, daß es Dein Wunsch ist, erst zum Herbst zu heirathen, obgleich es mir je eher je lieber wär, so will ich es Dir doch ganz überlassen, und bin Willens bis Monat August hier zu bleiben. Auch habe ich mich schon wegen Möbel erkundigt. Unsere Verabredung war doch nach unserer Hochzeit hierher zu körnen und dann erst alles einzurichten, da aber die fertigen Möbel größten theils für die Dauer sehr schlecht sind, so müßte ich jetzt schon die Hauptgegenstände bestellen und machen lassen, damit wir alsdann bei unserer Ankunft diese Wohnung bewohnen können. Ich bin heute schon dieserhalb bei einem Tischler-Meister gewesen was ein guter Bekannter von mir ist und hier in Pesth zwei große Möbel-Niederlagen hat. Er hat mir aber auch gerathen, die guten Sachen extra machen zu lassen. Ich erwarte nun Deine Antwort erst, ob Du mir dies allein überlassen willst, oder bestimme mir einige Gegenstände was ich machen lassen soll.

Ich glaube liebe Auguste, es wäre doch besser wenn wir wenigstens ein Zimmer eingerichtet haben, wo wir einstweilen drin wohnen können, denn ich möchte Dich nicht gerne bei unserer Herkunft hier im Gasthaus einquartieren. Liebe Auguste! Du schreibst mir, ich soll mich nicht von Unterhaltungen zurückziehen; die interessieren mich sehr wenig denn wenn ich im Geschäft nichts zu thun habe, dann sind meine Gedanken mit unserer Zukunft beschäftigt. Ich mache alle möglichen Pläne wie wir unsere Wirthschaft führen wollen, daher möchte ich auch gerne bald zum Ziel kommen, denn das macht uns nur unnütze Kopfzerbrechen. Mein Bruder schrieb mir vor einigen Tagen, daß er es am zweckmäßigsten hielt, erst im November zu heirathen, wo ich aber entschieden dagegen bin, sey denn, daß Du es nicht eher willst. Im August oder September hoffe ich auch am ersten Zeit zu haben vom Geschäft, also warum wollen wir uns denn das Leben so langweilig machen. Du bist wohl etwas kränklich Augustchen? indem Du mir von Molken und Salzbrunn trinken schreibst, sollte es der Fall sein, was ich nicht hoffe, so soll mich nichts zurück halten, und ich eile zu Dir Theuerste. Wir sind uns gegenseitig das beste Medicament. Lebe recht wohl lieber Schatz und schreib aber gleich wieder Deinem Dich herzlich liebenden August

 

Berlin d. 29. Juni 1856

Mein theurer lieber August!

Gräme Dich doch nicht so sehr und mache Dir wegen meiner, keine Sorgen, glaubst Du etwa, daß es mir lieb ist? Dir das Viele, was Du besorgst, allein thun lasse, daß ich Dir nicht beistehen kann. Ich glaube, Du hast mit Deinen Geschäften schon genug zu thun, und mußt Dich nun noch mit Sachen, welche Dich eigentlich garnicht angehen, befassen. Ja, ja, wer eine Frau haben will, der muß auch etwas dafür thun._

Daß Du mich in keine eingerichtete Wohnung führen kannst, läßt sich doch nicht anders thun und es wäre auch sehr unrecht und unbillig von mir, wenn ich es verlangen würde. Ich freue mich eigentlich daß ich sie mir nach meinem Geschmack allein einrichten kann; also bitte ich Dich, mein einziger August, mache Dir darüber keine Gedanken ich bin ja mit alles zufrieden und wenn wir, für uns, bei unserer dortigen Ankunft, immer ein Zimmer haben. (Was braucht man denn mehr um glücklich zu sein, ein Stübchen, ein Tischchen, ein Bettchen ein Stühlchen.) Ich freue mich sehr zu der Wohnung, denn sie soll in einer sehr lebhaften Gegend, in einer schönen Straßen sein, ich bin sehr begierig sie zu sehen. Muß ich nicht sehr geduldig sein? Ich stelle sie mir, überhaupt Alles, in sehr verschiedenen Ansichten und Aussichten dar.

Daß Du mich aus dem elterlichen Hause nimmst ist doch auch mein Wille, ich bitte Dich aber, erinnere mich nicht mehr daran. Ich selbst suche mir immer diesen Gedanken zu verscheuchen. Der Tag unserer Abreise wird mir wohl etwas sehr schwer fallen, aber, mein einzigst geliebter August, ich ziehe ja doch so gerne mit Dir mit, denn hier ist es jetzt Alles so öde, so leer, überall fehlt mir etwas. Nichts ist vollständig, ich treibe Alles, damit sie hier fleißig nähen daß die Wäsche fertig wird (denn gewaschene und gezeichnete Wäsche braucht nicht versteuert zu werden.), damit ich bald, ja recht bald mit Dir, mein Theuerster, ziehen und bei Dir bleiben kann.

Daß Du Mitte July schon hierher kommen willst, ist mir eigentlich nicht recht erwünscht, indem wir hier noch nicht mit Allem fertig sind und Vater erst verreisen will, es wäre mir lieber wenn Du erst Ende July oder Anfang August körnst, dann kann ja die Hochzeit doch noch im August sein, wenn es aber Deine Umstände und Geschäfte nicht anders erlauben, so werden und müssen wir wohl auch bis dahin fertig werden.

Mutter kommt erst heut über acht Tage von ihrer Reise zurück, sie befindet sich einigermaßen besser, doch ist die Luft noch nicht, wie sie sein soll. Vater besuchte sie wieder am Donnerstag.

Mit Muttern läßt es sich eher über Alles besprechen, Vatern scheint meine Abreise weit schwerer zu werden als wie mir selbst. Bei Deinem Bruder war ich auch letzthin, welcher aber nach Dresden gereist war. Mit Deiner Schwägerin geht es ja, wie es scheint, etwas besser, wir haben Alle Hoffnung daß sie wieder recht bald gesund wird. Dein Bruder ist jetzt nach Hause gereist um dort Auction zu halten und Kinder, Wirthschaft und Alles Übrige mit zu bringen.

Wenn Du auch von mir weit entfernt bist, so habe ich Dich doch immer, wenn ich nähe und mein Auge blickt auf, dann bist Du der Gegenstand, welcher es ansieht, ich kann Dir jetzt, mein lieber August, alle Morgen einen guten Morgen, und alle Abend ein Gute Nacht wünschen. Ich küsse Dich wohl zwanzig Mal des Tages, ich werde Dir auch sagen wie und wodurch ich dies kann. Als ich neulich bei Deiner Schwägerin war, gab sie mir eine Mappe, drehte sie hin und her, enthüllte sie endlich und weit entfernt das zu finden was ich fand, meine Freude war unendlich groß, denke Dir, mein Guter, ich erblickte meinen lieben guten August. Es kostete mir nur einige Worte und Deine Schwägerin war so gut und gab mir, Dein, mir so theures Bildniß zur Borgung mit, bis ich Dich selbst habe.

Ich unterhalte mich jetzt immer mit Dir und wenn ich etwas fertig habe zeige ich es Dir und frage ob es Dir gefällt.

Nun muß ich aber schließen, mein Lieber, Gott erhalte Dich stets recht wohl und munter, viele Grüße von den lieben Meinigen, Adieu, mein August, es grüßt Dich herzlich und erwartet bald ein Brief von Dir Deine treue Braut

Auguste

 

Berlin d. 30 Juni 1856

Mein lieber August!

Deinen Brief erhielt ich, am statt Sonntag erst Montag früh, weshalb ich Dir in den gestrigen Brief keine Antwort ertheilen konnte, ich komme aber Deinem Wunsche gleich nach, ich bin nicht böse auf Dich, mein Guter, nein im Gegentheil. Du könntest es auf mich sein, da ich weiß wie sehr Dich Dein Geschäft in Anspruch nimmt und Du Dir noch unsere zukünftige Wirthschaft angelegentlich sein lassest - nun dies freut mich aber sehr, denn ich kann Dir voraus sehen und hoffen, daß ich einen häuslich liebenden Mann bekomme, nicht wahr Guter!

Daß Du die Wohnung verändert: ist mir lieb, denn wir sparen dadurch Miethe, Möbel etc., und ich werde mich nicht so graulen, wenn Du weg sein wirst als wie in der großen und hohen Wohnung, auch ist diese für uns noch hinreichend groß genug.

Wegen der Möbel, läßt Dir Vater sagen, daß man sie in den Magazinen ebenso bekommt, als wenn man sie bestellt, denn man hat doch darin gute und schlechte Möbel und Du kannst sie Dir nach Deinem Geschmack aussuchen und wenn Du einen guten Bekannten hast, wird er Dich auch wohl nicht betrügen. Es ist doch wohl besser wenn Du fertige Möbel kaufst, indem sie der Tischler-Meister bis dahin nicht fertig wird bekommen, doch ist es uns ganz gleich wie Du es willst und wie Du es am besten hältst, nur wenn Du welche bestellst dann empfehle mich nur dem Tischler-Meister und ich ließe ihm sagen: daß er nicht fuschen und ja kein nasses Holz nehmen soll, denn sonst haben wir nach einer Weile geplatzte Möbel und die Politur auch hübsch ordentlich, daß sie nicht so bald blind und streifig wird, sonst, hat er es mit mir zu thun. Die Gegenstände überlasse ich Dir, die kannst Du nach Deinem Gefallen und Geschmack aussuchen, dann gefallen sie mir auch.

Dein Bruder ist recht unbarmherzig indem er von uns verlangt daß wir erst im November Hochzeit: halten sollen, ach! bis dahin halte ich nicht mehr aus, Ich würde vor Sehnsucht vergehen, und dann ist es ja auch schon zu kalt, nein, Ende August oder längsten anfangs September, nicht: wahr, mein Theurer dann holst: Du mich? Daß ich jetzt Dein Bildnis habe ist ein großer Trost: für mich, denn ich wüßte garnicht mehr wie Du aussiehst. Nun, mein lieber August, lebe recht wohl, strenge Dich nicht zu sehr an, damit: ich auch noch etwas zu thun habe, lausend Grüße und Küße von Deiner Dich herzliebenden August

 

Pesth den 5 ten July 56.

Meine theuerste Auguste!

Deine beiden lieben Briefe vom 29 u. 30t d. M. habe ich beide erhalten. Wie ich den ersten am Dienstag erhielt, so ersah ich gleich in dem Inhalt, daß Du meinen letzten Brief noch nicht erhalten hattest, was mir unbegreiflich ist warum daß der Brief einen Tag länger gegangen ist. Es freut mich nun aber um so mehr, daß ich doch 2 Briefe von Dir bekommen habe.

In Deinem ersten Brief ersehe ich, daß Du es für besser hältst wenn ich erst Ende July oder Anfang August nach Berlin käme, was nun auch mein Wille ist und habe es Dir ja auch schon angedeutet. Obgleich es mir lieber wäre, wenn ich bald zu Dir könnte. Aber jetzt will ich Mitte d. Monats eine Reise nach Unter-Ungarn unternehmen, wozu ich 8 Tage brauche und dann bei meiner Rückkehr nach Pesth habe ich dann wieder vollkommen bis Ende d. M. hier zu thun. Also ist es jetzt schon unmöglich vor Anfang August von hier abzureisen. Ich habe dieserhalb auch schon an meinen Bruder geschrieben, daß er das nöthige veranlassen soll, daß ich zu der gedachten Zeit hier abgelöst werde.

Sorge nur dafür, liebe Auguste, daß Du dann mit allem fertig bist, damit uns dann nichts mehr an unserem Vorhaben hindert, denn es ist jedenfalls sehr nachtheilig für unser Geschäft, wenn ich hier abwesend bin, zumal in Zukunft, indem ich hier auf ein zweites Geschäft reflectire, was auch eigentlich der Zweck meiner bevorstehenden Reise ist. Mache davon keinen Gebrauch, das Nähere werde ich Dir schon mündlich mittheilen.

Ja, ja, meine einzige Auguste, das freie Jung-Gesellen-Leben hat nun ein Ende, nun muß man in die Zukunft blicken und sich schon um so manches bekümmern und erkundigen, wo man früher gar nicht dran gedacht hat. In der ersten Zeit, als ich hier wieder her kam, war ich ganz verzagt und mißgestimmt, weil ich mir die Sache viel schwieriger vorstellte wie es eigentlich ist. Alle Tage habe ich mich um eine Wohnung gekümmert, und hätte dieses gleich alles gern mit einem mal gehabt. Nun ich aber schon eine Wohnung habe, wo ich einstens Dich, mein Engel, aufnehmen kann, nun ist mir nicht mehr so weh und bange ums Herz. Ich werde für uns nun ein Zimmer mit dem aller nothwendigsten einrichten, damit ich Dich nicht in ein Gasthaus einquartieren brauche.

Dies war meine größte Sorge welche mich mißgestimmt hatte, nun haben wir für weiter nichts zu sorgen um glücklich zu sein, als Gott zu bitten, daß er uns beiderseits gesund und wohl erhält, und für besondere Unglücksfälle bewahrt. Dann wollen wir schon alles überwinden, auch das Heimweh wird bald vergehen.

Liebes Augustchen, ich schreibe diesen Brief in der größten Eile indem ich zu wenig Zeit habe, entschuldige daher meine schlechte Schrift, ich schließe daher unter den herzlichsten Grüßen und bin Dein ewig treuliebender August

 

Berlin d. 6 t. July 1856

Mein theurer August!

Deinen lieben Brief vom 5th d.M. habe ich schon Sonntag d. 6ten, ich weiß nicht was es jetzt mit den Briefen ist, der Eine geht drei Tage, der Andere einen Tag, oder hat Herr Sponholz mit dem Datum verrechnet? Nun es schadet aber nicht, je eher, je lieber, es ist immer eine große Freude und auch Balsam in mein wundes verlassenes Herz, wenn ich etwas von Dir höre. Du sagst mir immer daß Du keine Zeit hast zum Schreiben und vertröstest mich immer auf ein Andermal daß ich mehr hören soll. Sieh einmal, lieber August, ich habe jetzt auch sehr viel zu thun, aber des Sonntags Nachmittags wenn alles ausgefahren und ausgegangen ist, dann bin ich froh, denn ich bin ganz allein und widtme Dir dann diesen Nachmittag um mich mit Dir unterhalten zu können. Du schreibst mir das Heimweh wird bald vorübergehen, ich gestehe, mein Theuerster, daß ich jeztz schon sehr wohl fühle was Heimweh ist und glaube mir, daß es nicht größer sein kann als es jetzt, nach meine neue Heimath, ist, oder vielmehr meine Sehnsucht nach Dir, mein lieber, guter August. Des Tages bin ich sehr beschäftigt, wenn ich des Abends aber mit Allem fertig bin, dann denke ich, Oh! warum ist er nicht hier, weshalb kann ich mich nicht in meinen Mußestunden mit ihm unterhalten, der Schmerz der Trennung muß sich dann meinem Herzen Luft (machen) und ich bin oft kindisch genug und fange an zu weinen, ja, mein Guter, die Sehnsucht greift mich wirklich sehr an, ich hole mir dann Dein, mir so theures Bild und küsse es recht, recht sehr. Leider kann ich nur diese Küße auf Glas thun, aber in Gedanken bist Du es doch,, welcher sie haben soll und nach einigem Nachdenken werde ich ruhiger, denn ich habe ja das Bewußtsein von Dir aufrichtig und innig geliebt zu werden, nicht wahr, mein Guschen?

Du schreibst mir, daß Du eine Reise nach dem unteren Ungarn unternehmen willst und auf ein zweites Geschäft reflektirst. Zu der Ersteren wünsche ich Dir eine glückliche Reise und einen guten Erfolg, nimm Dich nur ja vor aller Gefahr in Acht. Zudem Zweiten muß ich Dich bitten, mach Dir keine unnützlichen Kopfschmerzen, bedenke ja erst nach, fange Nichts an was Du nicht vollenden noch bestreiten kannst.

Was meine Sachen anbelangen, so thue ich nach Kräften daß sie so bald als möglich fertig werden. Nun habe ich Dir, wenn Du es noch nicht wissen solltest, noch mitzutheilen, daß Herr Tietz neun Mann Einquartierung bekommen hat, nämlich:

Dein Bruder ist nach Hause gereist und dort Alles verkauft hat und mit seinen beiden Schwieger-Eltern, seiner Familie und Dienerschaft hierhergezogen ist, dieses glaube ich, ist eine sehr gute Medezin für Deine gute Schwägerin mit welcher es, Gott sei es gedankt, zur Besserung zu gehen scheint.

Meine Mutter ist gestern auch von ihrer Reise zurückgekehrt welche wohl etwas besser ist aber doch noch nicht ganz gesund, sie muß sich doch noch vom Ladengeschäft zurück halten sonst geht die alte Litanei von vorn los. Vater wird auch im Laufe dieser Woche seine Reise nach Marien-Bad antreten. Daß Dir das fade junggesellen Leben über ist, dies glaube ich sehr gern, indem Du bald zum Ziel einer selbst eingerichteten häuslichen Wirthschaft bist und bald als Hausherr auftreten wirst und Dir bei dieser Einrichtung Dinge vorkommen welche zu der Häuslichkeit gehören, wovon diese Herren Garcon gar keine Idee haben, denn diese leben nur immer für den heutigen Tag.

Nun mein lieber guter August, harre nur aus, wenn wir uns recht hübsch und ordentlich eingerichtet haben werden und mit Allem fertig werden dann sollst Du es auch recht gut haben. Nun lebe recht, recht wohl mein Guter, viele Grüße von den liebenden Meinigen grüßt und küßt Dich vieltausende Mal Deine an Dich stets denkende Auguste

 

Pesth den 11t July 1856

Meine theuerste Auguste!

Deinen sehr werthen Brief vom 6t d.M. habe ich erhalten, worin Du mir die unrichtige Datirung meiner Briefe erwägst, was jedenfalls der Fall sein wird. Du wirst mich aber schon entschuldigen, denn ein Liebesbrief ist ja kein Wechsel. Obgleich Du auch recht viel zu thun hast, liebe Auguste, so ist es aber doch immer nur eine körperliche Arbeit, während bei mir im Geschäft immer beides in Anspruch genommen wird: Körper und Geist. Deshalb komme ich so selten dazu, Dir, meine Gute, eine Stunde widmen zu können, um Dir einen Brief zu schreiben. So groß auch meine Sehnsucht und Verlangen nach Dir, mein liebes Kind ist, so fühle ich mich doch auch verpflichtet, die Interessen meines Geschäfts aufs pünktlichste wahrzunehmen.

Es ist in diesen Tagen wieder eine besondere Epoche in unserm Geschäft hier in Pesth eingetreten, nämlich größere Concurrentz im Einkauf. Aber es ist mir gelungen noch recht vortheilhafte Einkäufe zu machen, und zwar so daß ich die ganze gute Waare, welche am hiesigen Platz ist, allein in der Hand habe. Deshalb bin ich jetzt auch recht froh, und theile es Dir, meine Theuerste mit, denn ich weiß, Du freust Dich auch wenn ich gute Geschäfte mache. Wie gerne möchte ich Dir alles mittheilen wenn Du bei mir wärst, und Du könntest mir mit so manches unterstützen.

Du schreibst mir daß Du mein Portre hast, was mich sehr freut, aber ich bin immer schlechter dran wie Du, indem ich gar nichts von Dir habe als Deine lieben Briefe, ich muß nun schon zufrieden sein bis daß ich Dich selbst habe.

Für unsere häusliche Einrichtung, habe ich bis jetzt noch keine Zeit gehabt etwas zu thun. Vor 14 Tagen war ich schon beim Tischler und wollte gleich den andern Tag wiederkommen, bin aber bis heute noch nicht dagewesen; ich bin recht unschlüssig, nicht wahr? Aber ich denke immer es hat noch Zeit genug. Wenn ich keine fertigen Sachen kaufe, so kann ich selbige noch immer bestellen, welche während meiner Abwesenheit nach Berlin, gemacht werden können. Die Wohnung wird schon am 16t d.M. geräumt. Ich will dann gleich die Maler und Maurer Arbeit machen lassen. Am künftigen Mittwoch werde ich wahrscheinlich von hier abreisen, bin aber innerhalb 5 Tagen wieder zurück, ich schreibe Dir vor meiner Abreise noch einen Brief.

Nun lebe recht wohl liebe Gustchen, viele Grüße an Deine lieben Angehörigen aber besonders herzlich grüßt und küßt Dich Dein August

 

Berlin d. 13 ten July 1856

Mein guter theurer August!

Deinen lieben Brief vom 11ten d.M. habe ich erhalten worin Du mir einige Vorwürfe über meinen Egoismus und Eigennutz magst, aber ich glaubte berechtigt zu sein von Dir zu verlangen daß Du in einer ganzen Woche oder von hundertachtundsechzig Stunden eine einzige für mich übrig hättest, wo Du mir ganz angehören kannst, aber ich werde mich mehr zusammen nehmen, ich werde meiner Sehnsucht ein Zügel anlegen, mein armes Herz einen Schleier Überwerfen und meine Gedanken und Gefühle einähtern auf das sie schlafen sollen, daß die Zeit des freudigen Brieftages nicht zu lange erscheint, ich bin etwas zu streng, nicht wahr? aber ich habe es einmal geschrieben und möchte es nicht gern wieder streichen.

Glaubst Du etwa? das meine Briefe voller Ironie sind, oh nein, mein guter, theuerster Geliebter, meine Liebe zu Dir ist eine wahre und aufrichtige und zweifele sehr: daß je eine Liebe größer und inniger sein kann als die meinige zu Dir, denn ich liebe Dich mit der ganzen Kraft meines Glaubens, und der ganzen Stärke meines Gemüthes, ich wünsche mir das diese Liebe nicht geläutert noch getäuscht wird, glaube nur mein Lieber, daß das weibliche Herz gefühlvoller und weicher ist als das Eurige, so auch das meine, und es fühlt sich etwas verletzt, wenn Du in Deinem Briefe ein wenig kalt bist, kalt ist etwas zu hart, ich fühle es selbst aber ich weiß im Augenblick keinen anderen Ausdruck.

Daß Du so viel zu thun hast ist mir sehr lieb aber auch nicht erfreulich, oh! wie gerne möchte ich zu Dir eilen da ich weiß daß ich Dich unterstützen kann, um mit Dir gemeinschaftlich zu arbeiten. Mein theuerster August thue mir den einzigen Gefallen, strenge Dich nicht zu sehr an es könnte Dir sonst schaden und schlimme Folgen bringen, mache nicht mehr Geschäfte als Du mit Ruhe vollbringen kannst, strenge Deinen Geist und Kopf nicht zu sehr an, gewähre mir diese Bitte thue sie mir zur Liebe, hörst Du! Gehe nur Deinen Geschäften nach, in der Wirthschaft richte nur das Allernothwendigste ein.

Vater tritt am Mittwoch seine Reise an, aber er bürdet Dir, trotz Deinen vielen Geschäften noch etwas auf, nämlich ob Du nicht wolltest so gut sein und Dich auf Eurem Steueramt erkundigen, ob die Sachen überhaupt eine Ausstattung versteuert braucht zu werden.

Nun mein Guter, schließe ich mit den aufrichtigsten Wünschen auf eine glückliche Reise, daß Du gesund und mit den besten Erfolgen zurückkehren mögest.

Viele Grüße von den lieben Meinigen grüße auch ich Dich recht herzlich, lebe recht wohl und gedenke auch öfters Deiner Dich aufrichtig liebenden Auguste

 

Pest den 15ten July 56

Liebes Augusteben!

Deinen mir sehr werthen Brief vom 13th d.M. habe ich soeben erhalten und es freut mich sehr daß ich noch vor meiner Abreise so glücklich bin von Dir Nachricht zu erhalten. Aber dennoch ist Dein lieber Brief sehr kränkend für mich, indem ich darin ersehe, daß Du mir nicht Dein volles Vertrauen schenkst, und beschuldigst mich, daß ich Dein gutes Herz beleidigt und gekränkt habe, weil meine Briefe an Dich ein wenig kalt sind. Auch sagst Du in Deinem werthen Briefe, ob ich etwa glaube, daß Deine Briefe ironisch abgefaßt sind, und gibst mir zugleich die Versicherung Deiner aufrichtigen und treuen Liebe zu mir. Oh liebe Auguste, warum bist Du so schwach und wie ist es möglich, daß Dir so ein Gedanke einkommen kam wie Du Dich äußerst. Du wünscht nur daß Deine Liebe nicht getäuscht werden möchte. Habe ich mich denn soviel bei Dir zu Schulden kommen lassen? daß Du diesen fürchterlichen Verdacht gegen mich hegst. Ich bitte Dich, meine gute liebe Auguste, in dieser Hinsicht Nachsicht mit mir zu haben, denn Du weißt ja, daß mein Temprament nicht von der Art ist, viel schmeicheln zu können. Ich hoffe daher, daß Du mich entschuldigen wirst, denn ich bin Dir ganz ergeben, und liebe Dich von ganzem Herzen und bedarf auch Deiner Betheurung nicht weiter, daß ich von Dir innig geliebt werde, denn das Zutrauen habe ich schon bei unserer ersten Bekanntschaft zu Dir gehabt, un es würden Tausende nicht im Stande sein, meine Gesinnung gegen Dich zu ändern oder Dich etwa einen Vorwurf zu machen.

Du kennst mich zu wenig, liebes Kind, wenn meine Briefe nach Deiner Ansicht auch etwas kalt sind, so ist das Herz und meine Liebe aber um so heißer. Sehr viel möchte ich für diese Stunde geben, wenn es möglich wäre mit Dir zu sprechen, vielleicht würdest Du dann nicht mehr zweifeln, an meiner wahrhaft treuen Liebe. Sey daher getrost, meine theuerste Geliebte, und nimm es nicht so auf von mir, wenn ich in Zukunft so ungeschickt bin, und Dich durch mein schlechtes stilisirtes Schreiben verletzen sollte.

Ich bleibe nur noch 2 Stunden in Pesth, es ist schon Nachmittag und um halb 4 Uhr reise ich ab, und gedenke spätestens Sonnabend wieder zurück zu kommen, ich erwarte bis dahin eine Antwort von Dir.

Lebe also recht wohl meine liebe strenge mißtrauische Auguste. Wenn ich wieder zurück bin von meiner Reise, werde ich Dir sogleich schreiben und Dir mehreres erzählen.

Schließlich grüße ich Dich recht herzlich. Gott erhalte Dich gesund und wohl, damit Dich einst mit Freude und Liebe umarmen kann, Dein

Dich treuliebender August

 

Berlin d. 17t July 1856

Guten Tag, mein innigst geliebter August,

oh! mein Guter kannst Du mir wohl verzeihen? Du hast den Inhalt meines Briefes während Deiner Reise vergessen, nicht wahr? Du grollst mir nicht mehr über meinen Brief, ich weiß nicht mehr recht was ich in diesen Brief geschrieben habe und glaube aber daß Du etwas zu stark beurtheilt hast indem Du mir einen solchen Verweis giebst, ich habe diesen Brief zwar in einer recht wehmüthigen und sonderbaren Stimmung geschrieben mir war bange und weh' um das Herz, ich fühle mich so sehr verlassen und glaube nur, mein guter August, daß es mir immer sehr weh thut wenn Du schreibst: Du körnst so selten dazu und hast garkeine Zeit mir ein paar Zeilen zu schreiben.

Da Du so weit, so sehr weit von mir entfernt bist (ich leugne es nicht) kömmt mir öfters der Gedanke ein, daß Du Dich für irgend etwas Anders, außer Deinem Geschäfte, mehr interessirst als wie für mich. Du schreibst: Dich beschuldigt zu haben, daß Du mich gekränkt hast, dies habe ich nicht geschrieben, denn dazu halte ich Dich für zu edel und Deine Liebe zu mir, für zu groß als daß Du dieß thun könntest. Oh, mein theuerster guter August, ich habe Deinen Brief hier vor mir liegen, es ist mir gerade als ob ein schweres Verbrechen auf mich lastet und in Deinem Briefe das Urtheil lese, dieses Schreiben hat mich geweckt, es ist eine Zurechtweisung, ich werde mich aber bessern und stärker sein.

Oh! mein lieber August, es thut mir weh, so sehr leid, daß ich Dich so gekränkt habe, o, kannst Du mir verzeihen, nein, nein, ich bitte Dich verzeihe nicht nur, sondern vergesse auch den Inhalt des Briefes, nicht wahr, mein Lieber, das thust Du: Oh! mein Gott, wenn doch nur erst die Verbannungs- und Prüfungs-Zeit vorüber wäre! Wie ging es Dir auf Deiner Reise? Ich begleitete Dich immer in Gedanken und habe Gott nur gebeten daß es Dich vor aller Gefahr behüten möge- und Dein Zweck gut ausführen möge. Schließlich grüße ich Dich recht herzlich, hoffe und wünsche, daß Du recht bald mit einem langen verzeihlichen Briefe erfreust Deine Dich innigst treuliebenden Auguste

NB. wie steht es mit unserer Wohnung? Deinen Bruder scheint es ja nicht recht zu sein das wir so bald Hochzeit halten.

 

Pesth den 20t July 1856

Meine liebe bedauernswerthe Auguste!

Die traurige Nachricht über das Hinscheiden Deiner lieben Tante, habe ich heute bei meiner Ankunft erhalten und fühle den Schmerz der Dich und Deine lieben Angehörigen betroffen hat und an welchen auch ich den aufrichtigen Antheil nehme. Es giebt nur einen Trost dafür: fromme Ergebung in den Rathschluß Gottes! Du hättest Dich länger einer so würdigen Tante erfreuen sollen. Ihr edles menschenfreundliches Herz hätte mehr Ruhe und Freude von der Vorsehung auf dieser irdischen Welt erwarten können. Da sie ihr aber versagt wurden, so harren ihrer jentseits höhere und dauerhaftere Belohnungen.

Oh, liebe Auguste, ich bedaure Dich recht sehr, indem Du so schon verlassen da stehst, und nun muß dieser Schmerz und Gram auch noch dazu kommen. Ach wäre ich doch bei Dir um Dir Ersatz zu geben für diesen schmerzlichen Verlust und Dich zu trösten. Wir leben in einer Welt voll Widerwärtigkeiten und Leiden. Der scheinbar Glücklichste hat mit Leiden und Sorgen zu kämpfen und das beste Mittel sich aufzurichten besteht darin, sich durch den Gedanken, daß es besser werden wird, zu trösten, bis diese Hoffnung Wirklichkeit wird.

Warum verliehrst Du denn schon ganz den Muth ? meine liebe gute Auguste. Zeit und Stunde rollen durch den rauhesten Tag, sagt Shakespeare, und ich wünsche, daß dieser Spruch Dir den Trost gewähren mag, den ich schon oft darin gefunden habe. In keinem vorher gehenden Briefe ersehe ich wiederum daß Du Dich so sehr verlassen fühlst. Ich bitte Dich recht sehr, bekämpfe Dich, und vertraue auf Gott der uns beiderseits gesund erhält, und der uns auch bald mit unveränderter Liebe und Treue zusammenführen wird. Wir sind zwar weit entfernt von einander, aber das Bewußtsein von Dir treu geliebt zu werden, macht mich dennoch glücklich. Ich gehe alsdann mit Freude an mein Geschäft mit dem Gedanken, daß ich es für unser beiderseitiges zukünftiges Wohl thue. Du gestehst es, daß Dir öfter der Gedanke einkömmt, daß ich mich vielleicht für etwas anders - außer meinem Geschäft mehr interessire wie für Dich. Oh nein meine Theuerste, da kannst Du unbesorgt sein, ich nehme es Dir aber dennoch nicht übel, denn ich kann es mir denken, daß es sehr schwer für Dich, mein liebes Kind, ist, indem Du sonst keine Zerstreuung hast, während meine Gedanken bald Gesellschaft oder Geschäftsangelegenheiten beschäftigen.

Daher wäre es ja sehr hart von mir, wenn ich Dir einen Verweis hierüber geben wollte, denn ein jedes Wort Deines mir sehr werthen Briefes giebt mir Beweise von Deiner heißen und treuen Liebe. Ich dagegen bedaure es sehr, daß ich Dir bis jetzt noch so wenig Beweise liefern konnte wodurch Du zu der festen Überzeugung gelangst, von mir treu geliebt zu werden. Ich vertraue aber Deinem guten Herzen, und hoffe, daß Du meiner früheren wie auch meiner jetzigen Versicherung treuer Liebe und Achtung Glauben und Vertrauen schencken wirst, bis daß uns einst der Himmel durch das heilige Band der Ehe, die festeste Überzeugung verschaffen wird.

Heute Nachmittag bin ich gesund und wohl von meiner Reise zurück gekehrt. Ich habe eine recht schöne romantische Gegend kennen gelernt und habe mich auch dadurch wieder mehr in meinem Geschäft vervollkomnet. Du frägst (lies?) Augustchen wie es mit unserer Wohnung steht. Ich bin deshalb heute gleich nach meiner Ankunft dort gewesen und erkundigte mich ob dieselbe schon geräumt ist, was nun schon der Fall war. Ich werde morgen schon einen Maler accordiren und die Zimmer in Ordnung bringen lassen und werde morgen auch mit dem Tischler hinein gehen, indem ich noch immer im Zweifel bin welches Zimmer ich zu meinem Arbeitszimmer wählen soll. Ich hoffe daher innerhalb 14 Tagen mit dem Nöthigen fertig zu sein. Schließlich grüße und küsse ich Dich recht herzlich wie auch alle Deine werthen lieben Angehörigen, lebe recht recht wohl und kränke Dich nicht so sehr, wir sind ja doch glücklich, denn mein Herz schlägt für Dich und verbleibe für immer Dein Dich ewig treuliebender August

Diesen Brief kann ich erst morgen zur Post geben weil es schon zu spät ist.

 

Berlin, d. 23/7.56.

Mein innigstgeliebter August!

Deinen lieben Brief vom 10. d.M. habe ich erhalten, worin ich ersehe, mich sehr freue und Dir herzlich danke daß Du auch einen Innigen Antheil nimmst an unserem großen Schmerze. Unsere gute Tante ist aber wohl aufgehoben, sie ist glücklicher als wir Alle, denn wer sie in der letzten Zeit hat leiden sehen, der hat auch zu Gott gebeten, daß er sie von ihren Qualen und Leiden erlöse. Die Todesstunde hat einen großen Eindruck auf mich gemacht, denn meine gute Tante ist die Erste gewesen, welche ich habe sterben sehen. - Gott habe sie gnädig! -Lieber August, Dein mir so theurer Brief hat mich wieder aufgerichtet, ich war bisher still, ich möchte fast sagen: mißmüthig, aber daran bist Du schuld; z.B. wenn ich andere Bräute mit ihren Geliebten Vorbeigehen oder sich herzen sehe, dann ist mein Herz traurig und fragt sich selbst: weshalb mußt du es grade sein welche getrennt und verlassen bist, ich bin zwar glücklich, ja sehr glücklich, aber ich fühle mich aber auch zuweilen recht unglücklich, wenn auch die Zeit und Stunden durch den rauhesten Tag wollen, aber sie gehen sehr, sehr lang sam, dauern hundertmal länger, als die glücklichen Stunden und Du weißt, mein Theuerster, daß ich etwas ungeduldig bin. Du aber mein Guter hast mich getröstet, ich werde mich bekämpfen werde Muth fassen und hoffen, daß mein Traum sich bald, ja recht bald in Wirklichkeit umwandelt.

Nicht wahr, Du bist nicht mehr böse auf mich, lieber August? daß ich immer so mißtrauisch bin; ich habe von meiner Mutter einen Verweis bekommen daß ich Dich immer so quäle, Dein liebes Schreiben hat mich etwas umgekehrt, der Zweifel und Mißtrauen ist weg, wenn Du jetzt bei mir wärest dann würdest Du sehen, wie betrübt mein Gesicht aussieht wie sehr leid und wehe es mir thut, daß ich Dich gekränkt habe, Du würdest mir, ohne daß ich darum bitten würde, den Verzeihungs-Kuß geben, (ich weiß übrigens garnicht mehr wie ein Kuß schmeckt.) Obgleich das Hinscheiden unserer geliebten Tante recht sehr schmerzt, so ist uns doch leichter um das Herz, denn wir können eher von meiner Angelegenheit reden und werde Dir jetzt, meine Eltern und auch meine Idee vorschlagen, wenn Du und Deine Familie damit einverstanden bist, dann sollt es mir recht erfreut sein.

Vater ist doch jetzt verreist. Mutter wird den 4ten August hinreisen acht bis zehn Tage dort bleiben und dan^mit Vater zurückkehren. Dann wünschte Mutter, daß wir d. 10. August zum erstenmale auf geboten würden und in den letzten Tagen des August sollte dann unsere Hochzeit sein, dann müßtest Du am 8 oder 9 August hier eintreffen daß wir beide zum Prediger gehen können. Deinen Taufschein, lieber August, welchen Du brauchst, haben wir noch nicht, die Bewilligung Deiner lieben Eltern befindet sich schon in meiner Aufbewahrung, wenn Du noch etwas einzuwenden hast, dann bitte ich, schreibe mir hierüber Bescheid, schreibe auch Deinen werthen Eltern und bitte sie, in meinem Namen, doch recht sehr, daß sie mir die Ehre nicht verweigern und Zeuge unserer Trauung sein. Deinem Bruder scheint diese frühe Hochzeit nicht recht zu gefallen - er meint immer daß wir bis zum Herbst warten sollten, was aber für mich, ohne Dich zu sehen, sehr schwer sein würde, sprich mit ihm doch hierüber. Daß Du in unserer Wohnung schon arbeiten läßt, freut mich sehr, ich bin sehr begierig sie zu sehen wie sie ist, oh, wäre ich doch jetzt bei Dir, Du solltest gewiß nicht im Zweifel sein, welches Zimmer für Dich sein soll.

Noch etwas habe ich Dir mitzutheilen, daß ich am Sonntag d. 20. den kleinen Sohn des Herrn Balan über Taufe gehalten habe, ich habe also zwei Pathengeschenke zu machen, muß deshalb sehr sparsam sein. Nun muß ich aber schließen, mein Geliebter, lebe recht, recht wohl, viele Grüße von den Meinigen wie auch von allen unseren Verwandten und Bekannten mit den aufrichtigsten Wünschen, daß Dir Deine Reise mag gut bekommen sein, grüße und küsse ich Dich tausendmal und verbleibe als Deine Dich treuliebende und stets an Dich denkende Auguste

NB. Morgen wird die Brautwäsche gewaschen, dann werde ich sehen, ob schönes Wetter ist, denn das ist, bei solchen Gelegenheiten das Zeichen, Deiner wahren Treue und Liebe zu mir. -

 

Marienbad, d. 23. Juli 1856

Der Schwiegervater in spe unseres August Sponholz, Wilhelm Herrmann schreibt aus seinem Kurort Marienbad an August Sponholz:

Lieber Herr Sohn in Hoffnung,

ja Hoffnung, dies ist das Wort worauf auch wir unser Vertrauen zu Ihnen gesetzt haben, als wir Sie zum ersten male bei uns sahen und bei Ihrer näheren Bekanntschaft später fanden, das Sie gewiß der Mann währen welcher Edel und rechtdenkend ist, und sich gewiß bestreben wird, meine Tochter glücklich zu machen; denken Sie das Gefühl für uns, unser Kind 140 Meilen von uns entfernt zu wissen, wenn wir nicht die Überzeugung hätten, sie bekömmt einen guten Mann und wird gewiß mit Ihnen glücklich leben, auch wollen wir wünschen, das auch Ihr Geschäft immer in diesem Flor bleibt, wie bisher, denn dies ist auch wesentlich von Bedeutung und viel zum glücklichen leben beiträgt, also lieber Sponholz, Glaube, Liebe, Hoffnung, darauf wollen wir unser Vertrauen setzen.

Sie werden sich wundern nun erst einen Brief von Marienbad von mir zu erhalten. Es war aber erst nicht mein Wille noch so spät hierher zu reisen und früher ging dies nicht an, weil meine Frau 4 Wochen in Neustadt (an der Dosse) war, welches ihr auch gut bekommen ist. Auf vieles Zureden meiner Familie habe ich mich doch entschlossen, und bin jetzt nun seit dem 18. d.M. hier. Es gefällt mich auch noch so ziemlich, bis auf die lange Weile abgerechnet, welche man hier hat, fasten und Trinken (ausgenommen Wasser), besonders bei Tage schlafen, wozu man so viel Zeit hat, soll man auch nicht, dies gefällt einem nicht, und die Zeit wird auch vergehen und werde geduldig aushalten, wenn nur mein Wunsch erfüllt wird, das mein Uebel nur nicht wiederkehrte. Ich denke 4 Wochen hier zu bleiben und dann vielleicht über Carlsbad, Teplitz und Dresden nach Berlin zu reisen.

Ihre Frau Schwägerin scheint die Kur welche sie gebraucht, recht gut zu bekommen ihr Befinden ist jetzt bedeutend besser. Sämtliche Familie wohnt jetzt bei Herrn Tietz, auch waren die Eltern der Madame Sponholz hier dessen Bekanntschaft ich gemacht habe, es sind recht biedere Leute und recht gesund bis auf den schlimmen Fuß des Vaters welches ein alter Schaden ist. Wenn ich zurück nach Berlin komme, denke ich Sie dort zu finden, wenn es Ihre Geschäfte schon erlauben.

Den Wein habe ich erhalten und auch schon abgezogen. Derselbe ist sehr schön, und findet viel Beifall, ich danke Ihnen für Ihre Gefälligkeit, die Rechnung hierüber habe ich an Ihren Herrn Bruder entrichtet.

Soeben kömmt der Briefträger und bringt mir einen Brief von den Meinigen mit der Anzeige, das meine Schwägerin Auguste am 18. d.M. Nachmittag mit Tode abgegangen ist; es thut mir daher sehr leid, das ich nicht in Berlin sein konnte. Als ich abreiste, und von ihr Abschid nahm, frug ich ihr, ob ich lieber zu Hause bleiben sollte da sie doch krank sei; da war ihre Antwort, ich sollte ja doch reisen, sie würde sich recht freuen wen ich recht gesund wieder kehrte und am andern Tag war sie schon nicht mehr. Der Doktor hat es aber schon lange gesagt, das sie bald enden würde. Die Meinigen haben doch nur große Last gehabt.

Mit meiner Gesundheit scheint es gut zu gehen und der Brunnen gut zu bekommen. Mein Schmerz und übele Laune hat sich so ziemlich verlaufen und habe gute Hoffnung das die Kur mich gute Dienste leisten wird. In Berlin sind sie alle gesund, in der Hofnung, das wir uns in 4 Wochen dort gesund und munter sehen werden, bin ich Ihr Schwiegervater in Hoffnung Wilhelm Herrmann

NB. Hier ist alles sehr theuer, namentlich die Miethe; ich und der Schlächter Mstr. Hoefft aus Berlin welcher mit mir hierher gereist ist, bewohnen 2 Stuben u. zahlen wöchentlich 24 Gulden Miethe; Lebensmittel sind auch theuer.

 

Pesth d. 27- July 1856

Meine liebe Auguste!

Deinen mir sehr werthen Brief vom 23ten d.M. erhielt ich gestern und ersehe, daß es Dein Wunsch ist, schon in dem kommenden Monat unsere Hochzeit zu halten, und müßte also dann schon innerhalb 8 Tagen von hier abreisen, was mir nicht möglich sein wird. Jedoch kann ich Dir mittheilen, daß ich soeben einen Brief von meinem Bruder erhielt und mir anzeigt, daß Herr Heinrich Wilde innerhalb 8 Tagen hier eintreffen wird, um meine Stelle zu vertreten. Ich würde also längstens bis um 14 Tagen von hier abreisen können, aber um 8 Tage kann ich Dir schon nähere Mittheilungen machen. Ich hatte mir schon die Idee gemacht auf den ganzen Monat August hier zu bleiben, indem unser Geschäft jetzt wieder sehr lebhaft geht und meine Mitwirkung unentbehrlich erschien. Da ich jetzt aber bedeutende Einkäufe gemacht habe, und daher auf 5 Wochen Vieh in Vorrath habe, so ist es mir hierdurch schon möglich geworden abzukommen und ist mein sehnlichster Wunsch zu Dir zu kommen. Mit der Wohnung bin ich auch noch nicht ganz fertig, sondern wird erst innerhalb 8 Tagen alles in Ordnung sein, und die Möbel werden vielleicht erst in 10 bis 12 Tagen fertig sein. Von Deinem lieben Herrn Vater erhielt ich gestern auch einen Brief aus Marienbad, ebenfalls datiert vom 23th d.M. Ich habe mich sehr gefreut über diese mir erwiesene Ehre und Freundschaft. Dein lieber Vater hat Hoffnung seinen Gesundheitszustand durch diese Badekur zu verbessern, jedoch klagt er sehr über Langeweile. Liebe Auguste, es wundert mich sehr, daß mein Taufschein noch nicht angekommen ist, indem ich schon vor 4 Wochen darum angesucht habe; ich glaube aber, daß derselbe bald eintreffen wird. Du schreibst daß es meinem Bruder nicht recht ist, daß wir schon so früh heirathen wollen; er glaubt, daß ich in dieser Perjode zu viel versäume im Geschäft. Er machte mir auch den Vorschlag erst im Oktober oder November, stellte es mir jedoch frei, und ich halte es daher auch in Bezug auf unser Geschäft ganz gleich, denn man kann nicht wissen ob ich zu der Zeit nicht mehr zu thun haben werde wie jetzt; Du kannst daher darauf rechnen daß ich zu der schon vorher erwähnten Zeit in Berlin eintreffe.

Gestern abend bin ich sehr spät zuhause gekommen, liebe Auguste. Ich war im Stadtwäldchen auf der sogenannten Pfauen-Insel wo ein brillantes Feuerwerk abgebrannt wurde und Concert war, was von einem sehr schönem heitern Abend begünstigt war. Obgleich alles sehr schön war, so habe ich mich dennoch nicht amüsirt, denn ich fühle mich immer verlassen. Schließlich grüße und küsse ich Dich recht herzlich, so wie auch alle Deins lieben Angehörigen, lebe recht, recht wohl und rechne damit bald zu sehen Deinen Dich liebenden August

NB. Was hat das Wetter vom 24t August (Sponholz) für ein Resultat geliefert? - oh, Du kleines abergläubisches Wesen, glaubst Du daß ein trüber Tag meine Gefühle und Gesinnungen zu ändern im Stande ist? -

 

Pesth d. 28/7 1856

Innigst geliebte Auguste!

Wie könnte ich es unterlassen, Dir an dem festlichen Tage, der Dich, meine Theuerste, in das Leben rief, die Empfindungen meines Herzens auszusprechen, das nur für Dich schlägt und nur in Deiner Liebe lebt! Es ist mir süße Pflicht, mich Dir an diesem Tage im Geiste zu nahen und Dir die glühendsten Wünsche darzubringen. Ich brauche Dir weiter nicht zu betheuren daß ich nur für Dich lebe und athme, und hoffe daß Du auch nicht mehr an der Wahrheit zweifeln wirst.

Wie glücklich schätze ich mich aber auch, daß diese Empfindungen in Deiner fühlenden Seele steten zartesten Widerklang finden. Wie so reizender erscheint mir die Aussicht, die künftigen Jahre in schöner Harmonie, auch in dem entfernten Ungarland miteinander verleben zu können! Ach schlüge doch schon die Stunde wo wir dem Altäre nahend die heilige Weihe unseres Liebes-Bundes empfangen werden. Doch wenn wir gesund bleiben und das Schicksal günstig ist, so führt die Sonne bald den langersehnten Tag herauf.

Was der Himmel edlen und reizenden Seelen, nur Gutes und Schönes schenken kann, das wünsche ich Dir, theuerste Auguste, an dem heutigen Tage. Ferne bleibe Dir jeder Kummer und Deine Brust sei die Wohnung des Friedens. Dies sind meine aufrichtigsten Wünsche - und sei versichert, daß ich in keiner Lage meines Lebens aufhören werde mit der heißesten Liebe und Treue zu sein Dein August

 

 

August Sponholz, Archiv: Lutz Sponholz
Trauschein vom 4.9.1856, Archiv: Lutz Sponholz
Auguste geborene Herrmann, Archiv: Lutz Sponholz

Am 19. Juli 1870 erklärte der französische Kaiser Napoleon III. Preußen den Krieg. Wenige Tage später machte sich August Sponholz auf die Reise nach Koblenz, um mit General Albrecht von Stosch über die Versorgung der preußischen Truppen mit Fleisch zu verhandeln.

 

Coblenz, den 30 t July 1870

Mein liebes Augustchen!

Erst jetzt komme ich zur Besinnung und kann mich endlich hinsetzen um mich mit Dir ein wenig zu unterhalten. Ich habe drei schwere Tage zu überstehen gehabt: Mittwoch früh von Berlin und erst Freitag früh hier angekommen, als fast 48 Stunden ununterbrochen bei der fürchterlichen Sonnengluth im Eisenbahn-Wagon sitzen müssen, und dabei kaum etwas zu Essen noch zu Trinken zu haben, das erinnerte mich wieder recht lebhaft an meine früheren Strapazen. Am Freitag früh hielt ich mich nur 3 Stunden hier auf, welche ich zu verschiedenen Laufereien und Besorgungen benutzte und dann wieder aufbrach, um nach Mainz zum General von Stosch zu fahren von wo ich erst gestern Abend 10 Uhr retournirte, wobei ich aber soviel geschwitzt habe wie in 10 Böhmischen Bädern.

Wenn dies nun auch alles so sehr furchtbar klingt, so hast Du, mein liebes Kind doch viel weniger Ursache um mich besorgt zu sein, wie ich Ursache habe um Dich und unsere Kinderchen in steter Angst zu leben. Ich habe Dir bei meiner Abreise Muth und Geduld anempfohlen, womit man alle Schicksale überwindet. Du schienst auch sehr resignirt zu sein, aber ich weiß wie schwach Du bist und wie leicht Du geneigt bist, Dich bei den geringsten Widerwärtigkeiten unglücklich zu fühlen. Es ist ein großer Fehler von Dir, mein Kind, Du schadest dadurch Deiner Gesundheit sehr, ich verkenne durchaus nicht, daß ich Dich in einer großen Last zurückgelassen habe, zumal der Fall mit August noch hinzukam. Aber es ist doch nichts von alledem was hoffnungslos ist, unser sanfte Alfred und der ewig mobile Walter werden bald gesund sein, und der unbändige August wird sich doch nicht zimperlicher haben wie der simple Paul. Du siehst also mein Herzchen, daß Geduld die Hauptsache ist, man muß die Verhältnisse so hinnehmen wie sie sind und stets Vertrauen zu der Zukunft haben: Deine Kinderchen werden wieder gesund und Dein abgereistes Kind kommt wieder zuhause, welcher von Herzen wünscht und hofft, Dich dann recht gesund und wohl anzutreffen. Also nicht wahr, Deine schlechte Laune ist wieder fort und hat einem vergnügten und frohen Gesicht Platz gemacht.

Nun kommt aber die formelle Gratulation zu Deinem Geburtstage, da muß ich nun aber an Deine gütige Nachsicht appeliren, wenn meine Wünsche für Dich hier nicht alle verzeichnet stehen, so gebe ich Dir aber die Versicherung, daß sie Deine phantasiereichsten Illusionen noch übertreffen. Ich fasse dies daher in ein Wort zusammen und sage auf Wiedersehen, dann ein Blick, ein Kuß wodrin alle Simpathie enthalten ist. Nicht wahr mein Kind, Du verstehst mich und wenn Du mich verstehst, dann liebst Du mich und wankst nicht in Deinem Vertrauen zu Deinem Augustchen.

Wie lange ich hier noch bleiben muß kann ich Dir noch nicht angeben, hoffentlich nur noch 8 Tage. Gestern traf ich Dr. Dziekansky in Mainz, er läßt grüßen. Auch mehrere alte Bekannte lassen grüßen, nämlich Königswinter, die alte Tante Lorelei, Rolandseck, Siebengebirge etc. Die haben alle ihre fesselnde Physignomie trotz des Kriegstaumels nicht geändert. Nun lebe recht wohl, grüße und küsse unsere lieben Kinder recht herzlich von mir, auch alle Verwandte und Bekannte grüße, Dir aber sende ich die besten Grüße und Wünsche indem ich verbleibe Dein treuer und sorgsamer Gatte August

 

Coblenz den 4t August: 1870

Mein liebes Frauchen!

Täglich und stündlich erwarte ich einen Brief von Dir, denn ich hoffe doch daß Du meinen Brief, worin ich Dir meine Adresse angab erhalten hast, aber leider immer vergebens, es beunruhigt mich deshalb sehr und fürchte sehr, daß die Kinder oder was noch schlimmer wäre, Du gefährlicher erkrankt seid.

Wenn Du also diese Zeilen erhältst schreib mir umgehend wieder, denn ich bleibe diese Woche noch hier; gedenke jedoch, nächste Woche in den ersten Tagen von hier nach Berlin zu reisen.

Nun herzlichen Gruß und Kuß an Euch Alle von Deinem stets an Dich denkenden August

 

Coblenz, d. 4t August 70

Mein gutes Weibchen!

Wie Du aus meinem heute vormittag zur Post gegebenen Briefe ersehen wirst, war ich recht aufgeregt und unglücklich weil ich von Dir gar keine Nachricht hatte. Um 3 Uhr nachmittag mußte ich nach dem Proviantamt um 108 Stück Ochsen zu übergeben, kehrte um 7 Uhr zurück und fand endlich einen Brief von Dir, worüber ich sehr erfreut war. Du bist darin aber so geschwätzig, daß ich zuletzt wirklich schwach wurde und mich kaum der Trähnen erwähren konnte. - Ich kenne Dich mein Kind, und weiß wie sehr Du Dich immer unnützen und ängstlichen Phantasien und Träumereien hingiebst. Wie oft habe ich Dich schon dieserhalb ausgescholten und doch verfällst Du immer wieder in diesen alten Fehler was Deiner Gesundheit so sehr schädlich ist.

Ich muß Dir gestehen, daß bei mir ganz das selbe Verhältnis war, auch ich habe nicht geschlafen, bin stets unruhig und denke an Dich und unsere Kinder. Ich habe aber Ursache dazu wie Dein Brief ja beweist.

Du aber hast das Bewustsein daß Du einen Mann hast, der sich in alle Verhältnisse des Lebens zu fügen versteht, der an Entbehrungen aller Art gewöhnt ist und Muth und Ausdauer besitzt - kurz ein Subjekt um den Du Dich nicht zu ängstigen brauchst, warum also diese Träume? Sei stark und denke Dein Mann geht mit Muth und Entschlossenheit trotz dieser bewegten Zeit in die weite Ferne, in seinem und im Intresse seiner Familie. Hier mußt Du also auch muthig sein und Dich nicht durch phantastische Schreckbilder ängstigen lassen. Du sagst, Du bist jetzt eine gute Mutter und Hausfrau und hast viel mit Deinen Kindern zu thun-. Das weiß ich, mein Kind daß das so ist; damit thust Du noch lange nicht Deine Schuldigkeit! Es mag dies für Dich meinerseits sehr hart klingen, aber ich bin nun mal aus solchem harten unveränderlichem Material. Deshalb halte ich es auch für nothwendig Dich hier auch ganz besonders darauf aufmerksam zu machen, daß es sehr schön und edel von Dir ist, wenn Du Deine Kinder pflegst und mit Liebe und Sehnsucht an Deinen Mann denkst, aber ebenso leichtsinnig und schwach ist es von Dir, wenn Du dabei nicht die Grenze, innezuhalten, verstehst, welche zur Erhaltung Deiner eigenen werthvollen Gesundheit erforderlich ist.

Na, nun will ich abbrechen sonst wirst Du mir böse und das will ich nicht, ich will ja das Gegentheil. Du sollst froh und zufrieden sein wie ich, was ich immer bin, wenn Du es bist. -Wie ich Dir schon in meinem heutigen Briefe sagte, werde ich wahrscheinlich Sonntag oder Montag nun hier abreisen können; bis dahin lebe nun recht wohl mein Herzchen und so Gott will, umarme ich dann mein unartiges Weibchen. Nun gute Nacht, die Uhr ist 11. Dein August

NB. Daß Du mir aber nicht zu mager wirst.

Grabkarte August Sponholz, Archiv Südwestkirchhof
Grabkarte Auguste Sponholz, Archiv Südwestkirchhof
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© Peter Hahn