Liegenschaftsbuch von 1875. Archiv Lutz Sponholz
Johann Christian August Sponholz. Archiv Lutz Sponholz

Johann Christian August Sponholz (1827-1907)

 

Namensgeber der Straße ist Johann Christian August Sponholz (1827-1907). Nachdem Johann Anton Wilhelm Carstenn 1871 mit Genehmigung des damals zuständigen Kreises Teltow dem Rittergut Deutsch-Wilmersdorf einige Hundert Morgen abgekauft hatte und über den „Landerwerb- und Bauverein auf Actien“ einen Bebauungsplan für eine Siedlung Friedenau hatte erstellen lassen, kam auch der August Sponholz auf die Idee, am östlichen Rand und schon auf der Gemarkung Schöneberg Grundstücke zu erwerben.

Auf dem Plan von 1876 ist „seine“ Straße bereits eingezeichnet – namenlos. Bereits ab 1873 ließ er das Land parzellieren. Für beide Straßenseiten wurden Mietshäuser mit zwei und drei Geschossen konzipiert, großzügige Wohnungen zwischen 130 und 230 Quadratmetern, Parkett, Flügeltüren, Balkone, Vorgärten und immer mit einem Stückchen Grün hinter den Häusern. Die Entwürfe stammen durchweg von Maurermeistern, die zugleich als Bauherrn fungierten. Dafür stehen die unter Denkmalschutz stehenden Häuser mit den Nummern 4a, 4b, 8, 23, 24, 31 und 49 aus den Jahren 1885 bis 1891. Eine Ausnahme bildet das aus gelb-roten Sichtziegeln erstellte Landhaus Sponholzstraße 33 Ecke Semperstraße 1, das der Architekt Max Nagel 1885 für die Besitzer der Tapetenfabrik, Glasmalerei und Kunstglaserei Gebrüder Hildebrandt geschaffen hatte. Am 29. April 1884 erhielt die etwa einen Kilometer lange Straße den amtlichen Namen Sponholzstraße.

In der Nähe fuhren auf den Gleisen der Stammbahn seit 1838 die Züge zwischen Berlin und Zehlendorf – ohne Halt in dieser Gegend. August Sponholz verbündete sich mit den Friedenauer Terraingesellschaften. Sie sammelten Geld für den Bau eines Stationsgebäudes und Sponholz schenkte der Berlin-Potsdam-Magdeburger Eisenbahngesellschaft obendrein noch 200 Quadratmeter Land für die Station. Am 1. November 1874 wurde ein erster Bahnhof „Friedenau“ in Betrieb genommen..

 

 

Sponholzstraße zwischen 1875 und 2006

 

Der Borstenviehhändler

 

Der Name Sponholz taucht erstmals 1403 in einer Urkunde des Klosters Broda am Tollensesee auf. Im Laufe der Jahrhunderte gerät der Stammbaum aus den Fugen. Für das „gefühlte Friedenau“ ist die Linie des Hofmeisters und Holzwärters Christian Friedrich Sponholz (1791-1864) von Bedeutung. Aus seiner Ehe mit Henriette Charlotte geborene Liebenow gingen drei Söhne hervor: Friedrich Wilhelm (1817-1899), Carl Ludwig (1839-1910) und eben jener Johann Christian August, Sponholz, nach dem 1884 die Straße benannt wurde.

Er wurde am 25. Dezember 1827 in Zadtkow geboren. Der Ort im Kreis Belgard in der Provinz Pommern war einst im Besitz der Familie von Kleist. Es gab ein Gut, vier Vorwerke, eine Mühle, ein Dutzend Wohnhäuser und etwa 100 Einwohner. Mehr als Ackerbau und Viehzucht war da nicht. Das änderte sich nach 1843 mit der Inbetriebnahme der Bahnstrecken Berlin-Stettin und Neustettin-Belgard-Kolberg. Bis nach Pommern hatte es sich herumgesprochen, dass das ständig wachsende Berlin immer mehr Schlachtvieh brauchte. Damit kannten sich die Sponholz-Brüder aus. Als dann die preußische Gemeindeordnung im Jahre 1850 allen über 24 Jahre alten männlichen Einwohnern, „die Steuern zahlen, ein Gewerbe betreiben oder über Einkünfte verfügen“, das „Berliner Bürgerrecht“ garantierte, zog es Friedrich Wilhelm und Johann Christian August an die Spree. Sie wurden Viehhändler, „die“ Einkäufer für den Berliner Fleischhandel überhaupt und beherrschten zwischen 1855 und 1900 den Viehhandelsmarkt weit über die Grenzen von Preußen hinaus bis in das Land der Ungarn.

Mit den Viehmärkten und Schlachthäusern gab es in Berlin allzeit Probleme. Bereits 1591 wurde angeordnet, dass alles Vieh nur noch in öffentlichen Schlachthäusern gekillt werden dürfe. Der älteste Viehhof lag an der Jägerstraße – in der Mitte von Berlin. Da der Ort mit „Gerüchen“ verbunden war, wurde der Viehhandel an den Wollplatz verlegt, dem späteren Alexanderplatz. Nach 1661 kamen weitere Schlachthäuser hinzu. 1827 wurde der Klägersche Viehhof am Büschingplatz in der Nähe des Landsberger Tores als Sehenswürdigkeit gefeiert. Er wurde 1871 geschlossen, nachdem die Rinderpest ausgebrochen war.

1868 erwarb der Eisenbahnkönig Bethel Henry Strousberg (1823-1884) ein 30 Hektar großes Areal zwischen der Brunnen- und Ackerstraße in Gesundbrunnen, um einen privaten Viehhof mit Schlachthaus zu errichten. Dafür gründete er eine Viehmarkt-Kommandit-Gesellschaft auf Aktien, in die er die Konzession für einen Gleisanschluss an die Berliner Verbindungsbahn und damit den Anschluss an die Fernbahngleise einbrachte. Nach Plänen des Architekten August Friedrich Wilhelm Orth (1828-1901) entstand ab 1869 auf einem 30 Hektar großen Areal zwischen der Brunnen- und Ackerstraße in Gesundbrunnen der „Neue Berliner Viehmarkt“ (später AEG-Areal).

Am 19. Juli 1870 erfolgte die Kriegserklärung Frankreichs an Preußen – der Beginn des Deutsch-Französische Krieges. Eine Woche später saß Sponholz am 27. Juli im Zug nach Koblenz. Dort traf er General Albrecht von Stosch (1818-1896), den Besitzer des Weinguts von Stosch in Mittelheim und Generalintendanten der Armee. Diese militärische Verwaltungsbehörde hatte die Truppe vor allem mit Essen und Trinken zu versorgen. Die Sponholz-Brüder waren im Geschäft.

1872 ging die Strousbergsche „Viehmarkt-Kommandit-Gesellschaft auf Aktien“ an die „Sponholz & Co. Viehmarkts-Aktiengesellschaft“ über. 1884 schuf Sponholz mit dem „Kreditinstitut Sponholz, Ehestädt & Schröder, Bank Kommandit Gesellschaft“ die einflussreiche Vieh- und Fleischmarktbank der Reichshauptstadt. Dazu kam das Verlagshaus „Sponholz GmbH Berlin-Schöneberg“ für den Vertrieb von Fachliteratur für Fleischereien, in dem auch die „Allgemeine Fleischer Zeitung“ erschien. Zwei Jahre später verhandelte Sponholz mit dem Berliner Magistrat über einen Verkauf. Die hohen Preisforderungen veranlassten den Magistrat, den „Zentralvieh- und Schlachthof“ an der Landsberger Allee zu errichten. Das war das Ende des Viehhofs an der Brunnenstraße.

 

Neuer Berliner Viehmark. Entwurf August Orth
Neuer Berliner Viehmarkt. Quelle Baedeker's, 1878

 

August und Auguste Sponholz

 

Der 29jährige Johann Christian August Sponholz hatte 1856 zwischen Januar und März in Berlin die 24jährige Caroline Auguste Louise Herrmann (01.08.1832 - 16.04.1908) kennengelernt. Es war Liebe auf den ersten Blick. Doch er musste im April nach Ungarn zum Viehkauf. Während der monatelangen Trennung entstanden mehr als ein Dutzend Briefe, die uns Urenkel Lutz Sponholz aus Bad Münder für diese Website zur Veröffentlichung stellte.

 

Am 4. September 1856 fand die Trauung in der St. Matthäus Kirche im Tiergarten statt. Schon Mitte September 1956 zogen die Eheleute nach Pesth. Dort wurde 1858 Sohn August Junior geboren. Nach drei Jahren ging es nach Berlin zurück. Dort kamen die ihre Kinder Paul (1862), Alfred (1864), Gertrud (1865) und Walter (1867) zur Welt.

 

 

Der Briefwechsel

 

August und Auguste Sponholz. Archiv Lutz Sponholz

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Das Ende

 

Johann Christian August Sponholz starb am 16. Januar 1907 um 19.15 Uhr in seiner Wohnung Mariendorf-Südende, Wilhelmstraße 10 (heute Briesingstraße). Beerdigt wurde er am 20. Januar auf dem St. Matthäus Friedhof. Seine Auguste folgte ihm am 16. September 1908. Die letzte Ruhe haben beide dort nicht gefunden.

„Auf Grund der Dritten Verordnung über die Neugestaltung der Reichshauptstadt Berlin vom 23. April 1938 wurde im Einvernehmen mit dem Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt die Zweckbestimmung des aus anliegendem Plan ersichtlichen, rund 15.000 qm großen Teiles des alten Friedhofs der St. Matthäus Kirchengemeinde in Berlin-Schöneberg, Großgörschenstraße, mit sofortiger Wirkung aufgehoben. Die Umbettungen haben nach dem Südwestkirchhof der Berliner Stadtsynode in Stahnsdorf zu erfolgen.“

Albert Speer brauchte Platz für die „Reichshauptstadt Germania“ mit der 40 Kilometer langen und 100 Meter breiten Nord-Süd-Achse. Die Mausoleen, Wandgräber und Grabmale wurden vermessen und kartiert, abgetragen und nach Stahnsdorf gebracht – rund 15.000 Särge und Urnen. Auf der Nordseite des Südwestkirchhofs fand ein Drittel der Gräber des „Alten St.-Matthäus-Kirchhof“ unter dem Namen „Alte Umbettung“ einen neuen Platz – mitten in der Landschaft. Das Stahnsdorfer Arrangement auf der etwa einen Kilometer langen „Grabstraße“ hat keinerlei Bezug zum ehemaligen Standort in Schöneberg. Das monumentale Wandgrab von August und Auguste Sponholz hat heute die Bezeichnung „Alte Umbettung, Abteilung A, Erbbegräbnis 15“.

 

 

Weiteres in Vorbereitung

 

 

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