Gedenktafel am Haus Wilhelmshöher Straße 18

Dass Greta Kuckhoff auf der Tafel nicht erwähnt wird, ist in der Tat ein Versäumnis. Wir werden auf einer der nächsten Sitzungen des Historischen Beirats der Kulturverwaltung über die Möglichkeiten einer Erneuerung der Tafel sprechen.

 

Prof. Dr. Michael Wildt am 26.02.2016, Inhaber des Lehrstuhls für Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert an der Humboldt-Universität und seit 2013 Vorsitzender der „Historischen Kommission zu Berlin".

 

Am 30. August 1990 erhielt der Platz an der Kreuzung Südwestkorso und Laubacher Straße den Namen "Adam-Kuckhoff-Platz". Zeitgleich wurde am Haus Wilhelmshöher Straße 18 die Gedenktafel enthüllt. Nach einem Voschlag der Historischen Kommission (Vorsitzender von 1984-1999 Prof. Dr. Klaus Zernack, FU Berlin) sollte der Platz nach Adam und Greta Kuckhoff benannt werden. Nach jahrelangen Diskussionen lehnte die von der CDU dominierte Schöneberger BVV diese Umbenennung ab, da in Ost-Berlin bereits eine Kuckhoffstraße bestehe.

 

Nein, ich hab dich nicht besungen, nur geliebt

 

Die Benennung kam spät – und doch zu früh – weil kurz vor der Wiedervereinigung damit noch einmal die unterschiedlichen Darstellungen von Ost und West über die Widerstandskämpfer während der nationalsozialistischen Jahre manifestiert wurden. Drüben die Heroisierung als antifaschistische Helden im kommunistischen Kundschafterdienst, hier Missachtung und Verteufelung der Kommunisten über den ideologisch verblendeten Landesverrat.

Nein, Adam und Greta Kuckhoff sind nicht zu trennen. Auf dem IV. internationalen Theaterkongress in Hamburg lernten sie sich 1930 kennen. Ihm war gerade mit seinem Roman „Scherry“ der Durchbruch als Schriftsteller gelungen. Für Adolf Grimme (1889-1963) „gehörte er zu den Naturen, denen der Erfolg erst gekommen sein würde“.

Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten engagierte er sich mehr und mehr in linken Widerstandskreisen. Greta Kuckhoff arbeitete bis 1942 als Übersetzerin für das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda. In ihrem 1972 in der DDR erschienenen Lebensbericht schreibt sie: „1937 hatten wir uns vorgenommen, den Sommer einmal richtig zu genießen. Adam war endgültig zu mir in die Wilhelmshöher Straße 18 gezogen. Es hatte mir Freude gemacht, sein Arbeitszimmer mit den Büchern und Möbeln einzurichten, die er selbst mitbrachte. Mir war sofort so heimisch zumute, als hätten seine und meine immer beieinander gestanden. Das aufregendste war: Wir erwarteten ein Kind. Ein paar Tage lang hatte der Gedanke meinen Mann beunruhigt, nicht, weil wir nicht verheiratet waren. Die unsichere Zukunft gab Anlass zu Bedenken. Können wir die Verantwortung übernehmen in einem Leben so voller Gefahren? Das Kind wird dich auf Jahre hinaus brauchen - und wenn was passiert? Für mich gab es keine Entscheidungsfreiheit. Das Kind war von dem Mann, den ich mit vollem Herzen liebte. Sein 50. und mein 35. Geburtstag standen bevor. Soll man da die Hoffnung in eine angemessenere Zukunft setzen? So sagte ich seelenruhig: Ich trage das Kind aus.“ Am 28. August 1937 heiraten sie, am 8. Januar 1938 wird Sohn Ule (1938-1989) geboren ...

 

Weiteres in Vorbereitung

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