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Erwin Magnus, der erste Übersetzer von Jack London

Erwin Magnus

Kurier des Geistes

 

Übersetzer kennt man nicht. Sie arbeiten im Schatten. Wenn es diese Kuriere des Geistes aber nicht gäbe, hätten wir noch weniger Leser. Aus dem Französischen ohne Walter Benjamin keine Suche nach der verlorenen Zeit, aus dem Italienischen ohne Burkhart Kroeber kein Name der Rose, aus dem Polnischen ohne Henryk Bereska keine Asche und Diamant, aus dem Spanischen ohne Curt Meyer-Clason keine Hundert Jahre Einsamkeit oder aus dem Englischen ohne Klaus Fritz schließlich auch kein Harry Potter.

Übersetzer sind keine Dolmetscher. Dolmetscher übertragen Worte. Übersetzer übertragen Texte. Natürlich sind beide Tätigkeiten miteinander verwandt, aber sie erfordern unterschiedliche Fertigkeiten. Der Übersetzer eines literarischen Textes ist vor allem Rechercheur. Er muss sich einarbeiten, er muss Details auf all jenen Gebieten kennen, die der Autor in seinem Werk behandelt, er muss Bedeutungen und Nuancen in beiden Sprachen erfassen, er muss ein Gespür für die Mentalitäten der Länder haben.

Erwin Magnus (1881-1947) konnte das. Er übersetzte Jack London. In der Isoldestraße Nr. 1 wurde zwischen 1925 und 1930 aus „Adventure“ „Die Insel Berande“, aus „Burning Daylight“ „Lockruf des Goldes“, aus „The Call of the Wild“ „Ruf der Wildnis“, aus „White Fang“ „Wolfsblut“ und aus „The Sea-Wolf“ „Der Seewolf“.

Jack London (1876-1916), das gehört zur Lebensgeschichte, war zweimal verheiratet, und wie das manchmal so ist, streiten sich zwei Parteien noch heute um das Erbe. Weitaus schlechter sind die Erben des Übersetzers Erwin Magnus gestellt. Magnus war Jude, konnte Hitlerdeutschland rechtzeitig verlassen, erhielt aber im Exil in Dänemark und Schweden keine Arbeitserlaubnis. Die Tantiemen aus den in Deutschland erschienenen Übersetzungen wurden nicht überwiesen. So starb Magnus 1947 in bitterer Armut in Kopenhagen.

 

 

Seit den Übersetzungen von Erwin Magnus sind fast einhundert Jahre vergangen. Und so war es für den Rezensenten, den Philologen Werner von Koppenfels, „höchste Zeit also für einen neuen deutschen Jack London. Lutz-W. Wolff hat seit 2013 mit „Wolfsblut“, „Ruf der Wildnis“, „König Alkohol“, „Seewolf“ und „Lockruf des Goldes“ wichtige London-Titel neu übertragen, annotiert und mit einem gehaltvollen Nachwort versehen (erschienen bei dtv).

 

Wir veröffentlichen den Artikel "Unter Wölfen" von Werner von Koppenfels mit freundlicher Genehmigung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (19.11.2016).

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© Peter Hahn