Georg Haberland am 70. Geburtstag 1931. Quelle Bilfinger Berger AG

Georg Haberland (1861-1933)

 

Bekannt war, dass der Bauunternehmer Georg Haberland und seine „Berlinische Boden-Gesellschaft“ am 22. September 1904 von der Gemeinde Friedenau das Sportparkgelände zwischen Handjerystraße und Kaiserallee (Bundesallee) für knapp drei Millionen Mark erworben hatten. Bekannt war auch, dass dort mit dem „Wagnerviertel" ein Quartier mit dem „fortgeschrittensten Stand des großbürgerlichen Mietwohnungsbaus am Ende des Kaiserreichs" entstanden ist. Nicht bekannt war bisher, dass die „Berlinische Boden-Gesellschaft“ im Februar 1890 von den aus Wittstock an der Dosse stammenden Salomon (Vater) und Georg (Sohn) Haberland zusammen mit dem Hamburger Kaufmann Arthur Booth und unter Beteiligung des Berliner Bankhauses Delbrück, Leo & Co. gegründet worden war und eigentlich bis heute „besteht“. Wie das?

 

Im Herbst 1975 entstand die „Bilfinger + Berger Bauaktiengesellschaft“ durch Zusammenschluss der „Grün & Bilfinger AG“ in Mannheim mit der Wiesbadener „Julius Berger-Bauboag AG“, die 1969 aus der Fusion der Julius Berger AG und der BAUBOAG in Düsseldorf hervorgegangen, die wiederrum bis 1954 als „Berlinische Boden-Gesellschaft“ firmierte. Die Geschichte der heutigen „Bilfinger Berger AG“ erstreckt sich daher, vermittelt durch die Vorläuferunternehmen, über einen Zeitraum von mehr als 137 Jahren.

 

Unter dem Titel „Drei Wurzeln – Ein Unternehmen“ haben die Historiker Bernhard Stier und Martin Krauß ausführliches Material über Ursprünge und Geschichte dieser Unternehmen zusammengetragen. Mit freundlicher Genehmigung der „Bilfinger Berger AG“ veröffentlichen wir daraus auszugsweise die wesentlichen Beiträge zur „Berlinischen Boden-Gesellschaft“ und Georg Haberland. 

 

Den ausführlichen Text finden Sie auf der untenstehenden PDF.

 

 

Sportpark wird Wagnerviertel

 

Anfang des 19. Jahrhunderts war Berlin wegen leerer Haushaltskasse nicht in der Lage, selbst für Gaswerke und Stadtbeleuchtung zu sorgen. So musste das Königlich-Preußische Ministerium des Innern 1825 mit der englischen Firma Imperial Continental Gas Association (I.C.G.A.) einen Vertrag abschließen, der ihr bis 1918 das Monopol für die Errichtung von Gasanstalten und die Beleuchtung der Berliner Straßen sicherte. Nach der Eingemeindung von Schöneberg und Tempelhof und der Gründung von Friedenau wurde für das Gelände zwischen Kaiserallee (Bundesallee), Varziner-, Handjery- und Bismarckstraße (Sarrazinstraße) – unmittelbar an der Ringbahnstation Wilmersdorf-Friedenau – um 1880 der Bau einer Gasanstalt geplant. Der Gemeindevorstand von Friedenau, der Landerwerb- und Bauverein auf Aktien und der Gemeindekirchenrat erhoben im August 1883 Einspruch bei Landrat Ernst von Stubenrauch (1853-1909), der am 20. November 1883 abgewiesen wurde. Die Anlage wurde genehmigt. Im Januar 1884 reichten die Beteiligten ihre Beschwerde beim preußischen Minister für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten ein. Handelsminister Otto von Bismarck – in Personalunion Ministerpräsident und Reichskanzler – erteilte am 17. Juni 1884 den Bescheid, dass der Unternehmerin die nachgesuchte Genehmigung zu versagen sei. Nach Vorlage neuer Pläne mit zwei Gasbehältern von 47 und 56,5 Meter Durchmesser im Oktober 1885 legte Friedenau wiederum beim Landrat Einspruch ein, dem der Kreisausschuss am 10. Dezember 1884 mit der Begründung stattgab, dass der besondere Charakter des Vorortes Friedenau, die Bestimmung desselben als Villenanlage und als ein für Sommerwohnungen von Kranken etc. gesuchter Ort, eine gewerbliche Anlage, wie die hier projektierte Gasanstalt, ohne sanitäre Belästigungen und Nachteile für die einen gesunden Aufenthalt Suchenden nicht zulasse und deshalb die Genehmigung zu versagen sei. Durch die Anlage einer umfangreichen Gasfabrik würden sämtliche wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen für die weitere Entwicklung des Ortes Friedenau und seiner nun einmal gegebenen Grundlage verschoben werden.

 

So entstand auf dem Gelände der Sportpark Friedenau mit einer 500 Meter langen ovalen Radrennbahn, die 1897 mit dem Rennen Großer Preis von Berlin eröffnet wurde. Zusätzlich gab es Schießstände, Tennis- und Turnplätze, Fechthalle, Restaurant und Tribünen für 20.000 Zuschauer und im Winter eine Eisbahn.

 

Am 22. September 1904 erwarb der Bauunternehmer Georg Haberland von der Gemeinde das Gelände für knapp drei Millionen Mark. Zuvor hatte er allerdings dafür gesorgt, dass Friedenau die Berliner Traufhöhe von 22 Metern in den Bebauungsplan aufgenommen hatte. Ab 1906 wurde das Wagner-Viertel mit vierstöckigen Mietshäusern von gehobenem Standard verwirklicht. Das Gebiet rund um den quadratischen Cosimaplatz umfasst die Straßen mit den Namen Brünnhilde, Elsa, Eva, Isolde, Kundry, Ortrud, Senta und Sieglinde – Erinnerungen an die Frauengestalten diverser Opern von Richard Wagner.

 

Georg Haberland und die Berlinische Boden Gesellschaft

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