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Kurt Hilscher

Der Werbedesigner Kurt Hilscher wurde am 15. Mai 1904 in Dresden geboren. Nach der Schulzeit bei der Franckeschen Stiftung in Halle an der Saale absolvierte er ab 1922 eine kaufmännische Lehre in den Farbenfabriken Otto Baer Radebeul. Es folgten ab 1924 Studienjahre an der Dresdner Kunstgewerbeakademie bei den Professoren Paul Hermann und Max Adolf Peter Frey sowie in München bei Prof. Franz von Stuck. 1927 zog Hilscher nach Paris und arbeitete dort als freier Grafiker in Werbeagenturen. 1929 heiratete er die Französin Andree Thomas. 1931 wurde Sohn Jean-Claude geboren. Da er als Deutscher in Frankreich nur noch wenige Aufträge bekam, kehrte Hilscher 1934 mit Familie nach Berlin zurück. Der Gebrauchsgrafiker war nun für verschiedene Unternehmen und Theater tätig. Da es in den Kriegs- und Nachkriegsjahre keine Produkte gab, für die geworben werden musste, entstanden etwa 220 Radierungen mit Motiven aus dem Mode-, Variete- und Ballettbereich, die er über den von ihm gründeten „Kunstverlag Studio“ vertrieb. Nach der Währungsreform und in den Wirtschaftswunderjahren sprudelten die Aufträge. Es entstanden eine große Anzahl von Plakaten, Werbebeilagen, Anzeigen und Verpackungen für fast alle Branchen – Druckfarbenfabriken, Verpackungsindustrie, Theater, Tabak und Kosmetik. Kurt Hilscher, der Südwestkorso Nr. 18 wohnte, verstarb am 31. Oktober 1980 in Berlin. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof an der Stubenrauchstraße (Grablage 24/22).

30.08.2016

 

Jean-Claude Hilscher ist der Sohn des Malers und Gebrauchtgrafikers Kurt Hilscher. Er wurde 1931 in Paris geboren, besuchte die Grundschule in Berlin Friedenau, Offenbacher Straße, und bestand am 1951 das Abitur. Danach studierte er in Berlin und Tübingen Chemie. An der Freien Universität Berlin promovierte er zum Dr. rer. nat. und arbeitete anschließend 33 Jahre als Chemiker bei Schering. Dort forschte er „Zur Chemie des Hexachlorbicyclohepten-bis-hydroxymethylens und seiner cyclischen Sulfite“ und sicherte sich 1981 das Europäische Patent Nr. EP0056358 „2-(Haloergolinyl)-N'N'-diäthylharnstoff-Derivate, Verfahren zu ihrer Herstellung und ihre Verwendung als Arzneimittel“. Nach seiner Pensionierung begann er 1994 an der FU ein Studium in Kunstgeschichte, das er mit der Magisterarbeit „Über Varieté und Zirkus im Werk Kurt Hilschers“ abschloss. Nach anderthalb Jahren beschloss er in diesem Fach ebenfalls zu promovieren und bestand 2009 die Prüfung zum Dr. phil. Mit dieser Arbeit stellt Jean-Claude Hilscher seinen Vater als einen Menschen vor, der Werbung zeitlebens als ein Bindeglied zwischen Kunst und Wirtschaft betrachtete, und bestrebt war, den Raum für Kunst, der bei derartigen Auftragsprodukten übrig bleibt, ganz selbstverständlich voll auszufüllen. Davon zeugen die Arbeiten von Kurt Hilscher für Berliner Firmen, deren Namen heute nur noch Schall und Rauch sind, Frau Elise Bock GmbH, Leichner Kosmetik oder Paicos Cigarettenfabrik. Diese Dissertation ist nicht nur ein mehrere Jahrzehnte umfassendes Zeitdokument zur Gebrauchsgrafik, sie ist zugleich eine kulturhistorische Zeitreise. 30.08.2016

Arbeiten von Kurt Hilscher (Auswahl)

Kurt Hilscher (1904-1980)

 

Am 15. Mai 1904 wurde Kurt Hilscher in Dresden geboren. Sein Vater, der Kaufmann Alfred Hilscher, war der Sohn des Eigentümers der Wirkmaschinenfabrik Gottfried M. Hilscher in Chemnitz. Die Familie zog später nach Halle an der Saale, wo Kurt Hilscher bis 1917 die Schulen der Franckeschen Stiftung absolvierte. Im März 1917 übersiedelte die Familie nach Radebeul. Nach dem Realgymnasium folgte eine kaufmännische Lehre in der Farbenfabrik Otto Baer Radebeul. Gegen den Willen seiner Eltern studierte er ab 1924 an der Dresdner Kunstgewerbeakademie bei den Professoren Paul Herrmann und Max Frey. 1926 ging er nach München, um sein Studium bei Franz von Stuck fortzusetzen.

In seiner freien Zeit arbeitete er als Grafiker überwiegend für Farbenfabriken, Farbenwerke Friedr. & Carl Hessel A.-G. Nerchau und Farbenwerke Springer u. Möller Leipzig. Mit Empfehlungsschreiben des Deutschen Theaters München und der Staatlichen Akademie für Kunstgewerbe zu Dresden fuhr er 1927 nach Paris. Er wurde Mitarbeiter der Werbeagentur von Rossigny und Lavignac, die auch für die „Folies Bergère" tätig war. Nach einer Anstellung bei der Werbeagentur Etienne Damuor (DAM) gründete er 1932 das „STUDIO H“ und machte sich selbstständig. Zu seinen Auftraggebern gehörten u.a. die Firmen Peugeot, Ford, Dunlop, Mobiloil, Shell Huile, Osram, aber auch Nestlé, die Spirituosenfirma L’Amourette, Decca und Hotels.

Nachdem Kurt Hilscher erst in einem Pariser Vorort gewohnt hatte, nahm er nun eine Wohnung im 12. Arrondissement in der Avenue Daumesnil 54, zwischen Gare de Lyon und Bois de Vincennes. Am 30. September 1929 heiratete er die Französin Andrée Thomas. Am 27. Mai 1931 wurde Sohn Jean-Claude geboren.

1934 folgte der Umzug nach Berlin, zuerst in die Kastanienallee Nr. 29 in Charlottenburg, ab 1935 zum Südwestkorso Nr. 18, Wilmersdorfer und Friedenauer. Da er den Kontakt mit einigen Firmen aufrechterhalten hatte, erhielt er auch wieder Aufträge, von Zeitschriften und Zeitungen, darunter „Jugend“, „Der lustige Sachse“, „Lustigen Blätter“ und der Modezeitschrift „Elegante Welt“. Es entstanden Filmplakate für „Sechs Frauen und ein König“ (1934) mit Charles Laughten, „Die vier Musketiere“ (1934) mit Käthe Haack und „Die Pompadour“ (1935) mit Leo Slezak.

Industrie und Handel kamen dazu: Zeiss Ikon, Siemens & Halske, Wanderer Werke, Ford, Springer & Möller, Bewag, Leiser Schuhe, Elbeo Strümpfe, AGB-Stoffe, Rodenstock Optik, Sporthaus Rochlitz, Feinkost Meyer, KaDeWe, Kempinski, Krafts Knäckebrot sowie die Kosmetikfirmen Leichner, 4711, Elisabeth Arden, L'Oreal, Schwarzlose. In die Zeit von 1936 bis 1943 Zeit fallen auch die meisten Arbeiten für den Bereich Operetten, Varieté und Zirkus.

In den letzten Kriegsjahren wurde Kurt Hilscher für die Truppenbetreuung in Polen eingesetzt. Das Ende erlebte die Familie in Radebeul. Bis hin zur Währungsreform entstanden überwiegend Radierungen, die er über seinen 1947 gegründeten „Kunstverlag Studio“ verkaufte. Der „Säuberungsausschusses für das Bücherwesen“ hatte zuvor am 27.08.1947 bestätigt, dass der Eröffnung des Kunstverlages Studio „nichts im Wege steht, sobald die Gewerbegenehmigung von der zuständigen Behörde erteilt ist“

Nach 1949 gingen wieder Aufträge ein: Friedrichstadtpalast und Metropoltheater bestellten Plakate und Programmtitelblätter, die Berolina-Filmproduktion GmbH die Werbung für den Film „Eine Nacht im Separée" mit Olga Tschechowa, Paul Hörbiger und Sonja Ziemann. Alte Auftraggeber wie die Firmen Leichner Kosmetik, 4711 und Max Schwarzlose kamen in den 1950er Jahren dazu. Aber auch weitere Unternehmen bestellten Entwürfe für Plakate, Ladensteller, Anzeigen oder Packungen. Von der Sektfirma Nymphenburg über AEG, Pfaff Nähmaschinen, Felina und Helfrich (Damenwäsche), Chr. Hostmann-Steinberg'sche Farbenfabriken Celle, Etikettenfabrik Berlin Engelmann & Lauritzen, Hormocenta, Farina und Guhl (Kosmetik), Lysoform (Hygieneartikel) oder Schildkröt Kammkarten spannte sich der Bogen. Ab 1954 übernahm er die gesamte graphische Werbung (Plakate, Anzeigen, Packungen, Briefköpfe) der Berliner Cigaretten- und Tabakfabrik Paicos. Ab Anfang der 1960er Jahre war Hilscher überwiegend für die Firma Nord-West-Papierwerke beschäftigt, wenig spektakulär, aber einträglich. Für „Europas größter Hersteller von Tragetaschen“ gestaltete er die Eigenwerbung und entwarf für ihre Kunden Packungen (Sarotti), Kaffeebeutel, Tragetaschen, besonders für die Lebensmittelindustrie. Notentitelblätter für Apollo-Verlag, Matth. Hohner Musikverlag und Ralph Maria Siegel-Musikeditionen kamen ebenso hinzu wie die Umschläge für „Bürgers Taschenbücher“ und Titel für kleinere Zeitschriften der Nachkriegszeit wie PAN.

1978 wurde bei Hilscher Krebs diagnostiziert. Am 31.10.1980 verstarb Kurt Hilscher an den Folgen einer Lungenkrebsoperation in Berlin.

Das Grab von Kurt Hilscher auf dem Friedhof an der Stubenrauchstraße

Weiteres in Vorbereitung

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© Peter Hahn