Atelierhaus Görresstraße 21. Foto Hahn & Stich, 2019

Atelierhaus Görresstraße Nr. 21

(vorher Wilhelmstraße Nr. 16)

 

Die Wilhelmstraße taucht erstmals 1894 ohne Hausnummern mit dem Eintrag Pählchen’sches Haus auf. Auf dem Areal etabliert Hermann Pählchen (1861-1895) ein Fuhrunternehmen mit Stall, Speicher und Remise. Neben dem Fuhrhof entsteht ein Landhaus. 1900 verkauft Witwe Johanna Pählchen das Haus an den Bildhauer Otto Wesche (1840-1914). Das Grundstück wird geteilt. Die Wilhelmstraße erhält eine Numerierung. Fortan ist Nr. 15 Fuhrhof Pählchen und Nr. 16 Haus Wesche, der dazu einen 6 m breiten Landstreifen erwirbt und sich von Architekt Otto Rehnig (1864-1925) darauf ein Atelierhaus errichten lässt.

 

Im EG entstehen zwei 6 m hohe Bildhauerateliers, im OG zwei Malerateliers mit 5 m Höhe. Die Fensterfront ist nach Norden ausgerichtet. Durch das Einfügen in das spitzwinklige hintere Grundstückseck um einen kleinen Hof ergibt sich ein reizvoller Grundriss mit geräumigem freizügigem Treppenhaus im Inneren, das die Ateliers in den Hauptebenen und die Nebenräume in den Zwischenebenen erschließt, die in Höhe der Galerien der Ateliers liegen. Im Hof entsteht ein Schuppen zur Unterstellung von Gerüsten, die beim Modellieren in Ton verwendet werden, ferner zur Unterbringung von Abgüssen der von den Künstlern geschaffenen Modelle und des Modelliertons (LDA, 2019).

 

Das Anwesen mit Land- und Atelierhaus bleibt bis nach dem Zweiten Weltkrieg im Besitz der Familie Wesche. Um 1950 erwirbt der Fliesenhändler Paul Gielsdorf das Grundstück. Mit dem Bau einer Garage entfällt der Eingang zum hinteren Atelier. Die beiden Ateliers im EG werden zusammengelegt. Aus den Ateliers im OG werden Wohnungen.

 

Zwischen 1900 und 1945 arbeiten dort die Bildhauer Johannes Hoffart (1851-1921), Edmund Gomansky (1854-1930), Max Levi (1863-1912), Paul Hamann (1891-1973) sowie die Maler Vital Schmitt (1858-1935) und Leonhard Sandrock (1867-1945). Den Angaben des 1940 geborenen Bildhauers Otmar Alt ist zu entnehmen, dass er 1964 mit Waldemar Grzimek (1918-1984) ein Atelier in der Görresstraße bezog, das zuvor dem Bildhauer Richard Scheibe (1879-1964) gehört hatte. Bisher letzter Nutzer des Ateliers war der am 30. September 2019 verstorbene Steinbildhauer Michael Schoenholtz (1937-2019).