Friedrich Justus Perels (1910-1945)

Friedrich Justus Perels (1910-1945)

 

Zu den bekannten Schülern des Friedenauer Gymnasiusm gehören der Jurist Friedrich Justus Leopold Perels (1910-1945) und der Theaterkritiker Friedrich Luft (1911-1990). Perels wohnte in der Stubenrauchstraße Nr. 3, Luft in der Kaiserallee Nr. 74. Der eine begann 1922, der andere ein Jahr später. Täglich der Blick auf die Stele mit den Bildnissen und Sprüchen von Luther, Eine feste Burg ist unser Gott, und Bismarck, In Trinitate Robur (In der Dreiheit liegt die Kraft), täglich die Ecke, auf der noch heute Handjerystraße und Maybachplatz eingemeißelt sind, täglich auch das Portal mit dem Cicero-Spruch Wie die Saat, so die Ernte.

 

Nach dem Abitur trennten sich die Wege. Perels studierte Jura und wurde 1936 Justitiar der oppositionellen Bekennenden Kirche. Dort traf er auf den Juristen Friedrich Weißler (1891-1937), der wegen eines Urteils gegen einen SA-Mann – und seiner jüdischen Herkunft – 1933 als Landgerichtsdirektor in Magdeburg entlassen worden und nun als Kirchenkanzleichef tätig war. Weißler war Mitverfasser einer an Adolf Hitler gerichteten Denkschrift der „Bekennenden Kirche“, in welcher die nationalsozialistische Rassenideologie und der Terror gegen Andersdenkende kritisiert wurden. 1936 wurde er verhaftet und gefoltert, bis er am 19. Februar 1937 im KZ Sachsenhausen seinen Verletzungen erlag.

 

 

 

Bischof Wolfgang Huber bekannte jedenfalls erst im Jahr 2005, dass die Evangelische Kirche Friedrich Weißlers in Scham und Dankbarkeit gedenkt. Verlassen war er nicht nur von der nationalsozialistischen Reichskirche, sondern auch von der Bekennenden Kirche, die ihm nicht zur Seite stand. Perels warnte vor der Reichskirche, deren theologische Ausführungen schlechterdings untragbar sind. Wir haben die Aufgabe, auch formell Distanz zu dieser Glaubenslehre zu halten und den neutestamentlichen Angriff seinem Wesen gemäß vorzutragen. Jahre später wurde auch er von seiner Kirche verlassen. Am 5. Oktober 1944 wurde er wegen Nichtanzeige ihm bekannter Umsturzpläne und wegen illegaler Tätigkeit für die Bekennende Kirche verhaftet, am 2. Februar 1945 vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und in der Nacht vom 22. zum 23. April am Lehrter Bahnhof von einem SS-Kommando ohne Vollstreckungsbefehl erschossen und verscharrt.

 

Der Platz vor seinem Gymnasiums heißt seit 1. Oktober 1961 Perelsplatz. Am Gebäude wurde eine Gedenktafel angebracht: Friedrich Justus Perels, geb. 13.1.1910, Jurist.Von 1922 bis 1929 Schüler des 1. Friedenauer Gymnasiums (jetzt Friedrich-Bergius-Schule). Mitglied der Bekennenden Kirche. Er half vielen Juden, Verfolgten und Angehörigen von KZ-Gefangenen. Am 23.4.1945 wurde er von der SS erschossen.

 

Jahrelang hat das Schöneberger Bezirksamt den Platz vor der Gedenktafel verwahrlosen lassen - trotz wiederholter Mahnungen auch der Schulleitung. Im Herbst 2019 ist wieder ein würdiger Gedenkort entstanden.

 

Die Stimme der Kritik Friedrich Luft. Quelle RIAS Berlin

Friedrich Luft (1911-1990)

 

Friedrich Luft wuchs in der Friedenauer Kaiserallee 74 (heute: Bundesallee) auf. Der Sohn eines deutschen Studienrates und einer schottischen Mutter besuchte das Gymnasium am Maybachplatz (heute Friedrich-Bergius-Schule). Er studierte Germanistik, Anglistik und Geschichte in Berlin und Königsberg. Mit Vorliebe hörte er beim Theaterwissenschaftler Max Herrmann (1865-1942) an der Berliner Universität die Vorlesungen über Theatergeschichte. 1936 entschied er sich für den freien Autor und schrieb Feuilletons für das Berliner Tageblatt und die Deutsche Allgemeine Zeitung. Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete er zunächst für den Tagesspiegel. Nachdem die amerikanische Besatzungsbehörde die Neue Zeitung gegründet hatte, eine amerikanische Zeitung für die deutsche Bevölkerung, wurde er Leiter der Feuilleton-Redaktion. Es konnte nicht ausbleiben, dass sich der von den Amerikanern initiierte RIAS (Rundfunk im amerikanischen Sektor) in der Kufsteiner Straße die Mitarbeit von Friedrich Luft sicherte. Dort war er von der Erstsendung am 9. Februar 1946 bis zum 28. Oktober 1990 kurz vor seinem Tod jeden Sonntagmittag die Stimme der Kritik.

 

 

 

So ist er in Erinnerung geblieben, seine rhetorischen Eigenheiten, sein schnelles, atemloses, abgehacktes Sprechen, seine mitunter drastische Ausdrucksweise und am Schluß immer wieder der Abschied: Wir sprechen uns wieder, in einer Woche. Wie immer – gleiche Zeit, gleiche Stelle, gleiche Welle. Ihr Friedrich Luft. Begonnen hat Friedrich Luft mit einem PROLOG, gesprochen am 7. Februar 1946: Wir werden an den Sonntagen der kommenden Wochen um diese Stunde wieder zusammentreffen. Wir werden öfter miteinander reden. Wir werden uns aneinander gewöhnen müssen. Vielleicht ist es gut, dass ich mich Ihnen da vorstelle:

 

Luft ist mein Name. Friedrich Luft. Ich bin 1,86 groß, dunkelblond, wiege 122 Pfund, habe Deutsch, Englisch, Geschichte und Kunst studiert, bin geboren im Jahre 1911, bin theaterbesessen und kinofreudig und beziehe die Lebensmittel der Stufe II. Zu allem trage ich neben dem letzten Anzug, den ich aus dem Krieg gerettet habe, eine Hornbrille auf der Nase. Wozu bin ich da? - Ich soll mich für Sie plagen. Diese Stadt Berlin ist von einer ununterdrückbaren Regsamkeit. Was die Theater, die Kinos zudem betrifft, so kann ein einzelner schon jetzt nicht mehr übersehen, was sich auf den Brettern und den Projektionsflächen unserer Stadt tut. Wer hätte Zeit, die vielen Kunstausstellungen zu besuchen? Wer könnte entscheiden, welcher Opernabend einen Besuch wert ist?

Sehen Sie - da komme ich nun in den Lautsprecher, etwas atemlos vielleicht von dem letzten künstlerischen Erlebnis, etwas ausgekühlt vielleicht in dieser Jahreszeit. Aber das ist meine Aufgabe: für Sie sozusagen der Vorreiter und Kundschafter zu sein. Ich stürze mich von Beruf und Leidenschaft in den Strudel der Künste und Vergnügungen und gebe Ihnen Rapport und Bericht. Jede Woche. Um diese Zeit.

Ich erzähle Ihnen, was ich gesehen habe. Und da Kunst erregbar machen soll und mitteilsam: nehmen Sie es mir nicht übel, wenn ich es auf meine Art tue. Wenn ich mit meinen Augen sehe. - Kein akademischer Vortrag. Das kann ich nicht. Der Himmel behüte! - Kein leidenschaftsloser Bericht - damit wäre niemand geholfen. Sondern: ich komme aus dem Theater, dem Kino, der Ausstellung, der Oper. Und ich berichte meinen Eindruck. Es gibt keine absolut treffsichere Kritik. Aber es gibt auch hier ein sauberes Handwerk und einen Willen zur Redlichkeit und zum Wahren. Das wollen wir treffen.

Gestern hatte ich Gelegenheit, einmal im Wagen durch die ganze Breite dieser Stadt zu fahren. Es war gespenstisch. Man ist an die Trümmer seiner Umwelt, seines Weges zur Arbeit, seines Bezirkes gewöhnt. Aber da wurde mir einmal bewusst, wie wenig von Berlin noch da ist. Ich fragte mich, ob wir uns nicht eigentlich nur etwas vormachen. Ich fuhr an einer Litfaßsäule vorbei, die beklebt war mit unzähligen Ankündigungen von Theatern, Opern, Konzerten. Ich sah nachher im Inseratenteil der Zeitung: an fast 200 Stellen wird Theater gespielt. Tatsächlich. Überall. In allen Bezirken. Täglich finden mindestens ein halbes Dutzend Konzerte statt. In allen Bezirken. Zwei Opernhäuser spielen ständig - welche Stadt der Welt hat das noch? Ob da nicht eine ungesunde Hausse in Kunst ausgebrochen ist - ob es nicht nötiger ist, Handfestes zu tun -, ob der Drang vor die Bühnen und in die Lichtspielhäuser nicht etwas Leichtfertiges und Frivoles an sich hat? Ich habe es mich gefragt. Und ich habe geantwortet: Nein! Wir sind tatsächlich durch ein Tal von Schweiß und Tränen gegangen, und zu Übermut, weiß Gott, ist auch heute kein Anlass.

Die Nöte stehen dicht an unserer Schulter. Die Arbeit bleibt zu tun. Aber gesegnet die Stunden, die uns über uns hinausführen. Die Stunden, die wieder Musik in unser Leben bringen und die Töne der großen Meister. Gesegnet die Stunden, die uns nachdenken lassen, die uns Ideen zeigen, die uns die Welt öffnen und uns über unseren kleinen, staubigen Alltag hinausführen in die Welt. Die Dichter - lasst jetzt endlich hören, was sie uns zu sagen haben! Der Krieg hat uns geschlagen zurückgelassen, in einer geistigen Dürre, voll Hungers nach guten und füllenden Gedanken und voller Neugier in die Welt hinaus, voll Aufhorchens nach dem neuen Ton der Güte, der unerbittlichen Liebe zum Nächsten, nach dem neuen Ton einer Menschlichkeit, die nun endlich laut werden muß, nachdem die Luft verzerrt war von Hassgesängen - zwölf lange Jahre hindurch.

Nein, Kunst ist nicht Sonntagsspaß und Schnörkel am Alltag, kein Nippes auf dem Vertiko. Kunst ist notwendig, gerade jetzt in der Not. Erst der Geist füllt das Leben, und ich will in keiner Welt leben, die ohne Musik ist. Was nutzt es, wenn wir uns nun das neue Haus bauen, und siehe: wir haben den Inhalt vergessen, den Geist, der in ihm wohnen soll. Nein, Kunst ist notwendig. Und kein Gedanke an sie, kein wirkliches Bemühen um sie ist zuviel.

 

Jeden Sonntagmittag, von der Erstsendung am 7. Februar 1946 bis zur letzten am 28. Oktober 1990, fast 45 Jahre lang, kam die Stimme der Kritik aus dem RIAS-Funkhaus in der Kufsteiner Straße. Friedrich Luft starb am 24. Dezember 1990. Er wurde auf dem Waldfriedhof Dahlem beigesetzt. Sein Grab in der Abt. 8U-43 ist als Ehrengrab der Stadt Berlin gewidmet.

 

Nachfolgend als PDF zwei Originaltexte von Friedrich Luft:

ePaper
Günter Weisenborn „Die Illegalen“, Hebbel- Theater
Friedrich Luft: Die Stimme der Kritik. RIAS Berlin, 23. März 1946


Teilen:

ePaper
Es liegt in der Luft
Auftritt Margo Lion und Mischa Spoliansky
Friedrich Luft: Die Stimme der Kritik, 11. September 1977

Teilen:
Peter Lorenz, Gefangener der Bewegung 2. Juni

Peter Lorenz (1922-1987)

 

Am 27. Februar 1975, drei Tage vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus, zwangen Terroristen der Bewegung 2. Juni, den Dienstwagen des Spitzenkandidaten der Berliner CDU Peter Lorenz an der Ecke Quermatenweg und Ithweg in Zehlendorf zum Halten. Der Chauffeur Werner Sowa wurde niedergeschlagen, Lorenz entführt und in einem Volksgefängnis in der Schenkendorfstraße Nr. 7 in Kreuzberg festgehalten. Am nächsten Tag erhielt die Deutsche Presse-Agentur ein Polaroid-Foto, das Lorenz mit einem Plakat zeigt: Gefangener der Bewegung 2. Juni. Die Entführer verlangten die Freilassung und Ausreise von sechs inhaftierten Terroristen der Roten Armee Fraktion und der Bewegung 2. Juni in ein Land ihrer Wahl: Horst Mahler, Verena Becker, Gabriele Kröcher-Tiedemann, Ingrid Siepmann, Rolf Heißler und Rolf Pohle.

 

Die Bundesregierung unter Bundeskanzler Helmut Schmidt entschloss sich schließlich, auf die Forderung einzugehen. Am 3. März besteigen fünf der Inhaftierten (ohne Horst Mahler, der sich weigerte) in Begleitung des ehemaligen Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Pfarrer Heinrich Albertz, eine Lufthansa-Maschine. Sie landet nach über zehnstündigem Irrflug in Aden, dem damals sozialistischen Südjemen. Albertz kehrt am nächsten Tag nach Berlin zurück und verliest im Fernsehen eine Botschaft der Freigelassenen, in der die Worte So ein Tag, so wunderschön wie heute enthalten sind - das Signal für die Freilassung von Peter Lorenz. Kurz vor Mitternacht meldet sich Lorenz aus einer Telefonzelle bei seiner Frau.

 

Die Entführung von Peter Lorenz war der einzige erfolgreiche Versuch der Bewegung 2. Juni, Strafgefangene für eine Geisel auszutauschen. Als Täter verurteilt wurden Ralf Reinders, Ronald Fritzsch, Gerald Klöpper, Andreas Vogel und Till Meyer. Die Tatsache, dass einige der freigelassenen Gefangenen später wieder terroristisch aktiv waren und Menschen ermordeten, bestärkte die Bundesregierungen, nicht noch einmal den Forderungen von Entführern bedingungslos nachzugeben.

 

 

Peter Lorenz war Schüler des Gymnasiums am Maybachplatz. Nach dem Abitur 1941 leistete er Reichsarbeitsdienst und Kriegsdienst. Als Soldat überlebte er die Schlacht von Stalingrad. Nach Kriegsende arbeitete er zunächst als Sachbearbeiter beim Magistrat von Berlin und dann ab 1947 als freier Journalist. Er absolvierte schließlich ein Studium der Rechtswissenschaft an der Humboldt-Universität und der Freien Universität Berlin, das er 1952 mit dem ersten und 1956 mit dem zweiten juristischen Staatsexamen beendete. Ab 1945 war er Mitglied der CDU. Von 1954 bis 1980 gehörte er dem Abgeordnetenhaus von Berlin an. Von 1976 bis 1977 sowie von 1980 bis zu seinem Tod war er als Berliner Abgeordneter Mitglied des Deutschen Bundestages. Von 1969 bis 1981 war er Landesvorsitzender der Berliner CDU und von 1982 bis 1987 Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundeskanzler und Bevollmächtigter der Bundesregierung in Berlin. Peter Lorenz starb 1987. Sein Grab befindet sich auf dem Evangelischen Friedhof Nikolassee (Abt. PI-1/2). Das Grab ist seit 1997 als Berliner Ehrengrab gewidmet.

 

Heinz-Dieter Koch, 1942. Archiv Koch

Heinz-Dieter Koch (* 1923)

 

Drei Tage vor Einberufung des 18-jährigen Heinz-Dieter Koch zur Wehrmacht gab die Schüler-Combo der Klasse U III des Gymnasiums am Maybachplatz am 23. Januar 1942 ein Abschiedskonzert im Friedenauer Ratskeller. Unter den Zuhörern im vollbesetzten Saal Lehrer, Eltern, Schüler und auch Schulkameraden in Wehrmachtsuniform. Auf dem Foto von links Heinz-Dieter Koch als Band-Leader, Akkordeonist und Sänger, Hans-Ernst Benckendorff (Klarinette), Rolf Rabald (Saxophon), Johann-Georg Kleist (Klavier), Wolfgang Mäder (Trompete), Wilfried Schultze (Bass), Wolfgang Arendt (Gitarre), Karl-Theodor Menzel (Gitarre) und Hans-Wilhelm Schröder (Schlagzeug).

 

Swing war ihr Leben, ein Stil, der im nationalsozialistischen Deutschland nicht in die Landschaft passte, auch nicht ins Friedenauer Gymnasium, wo der Oberlehrer Martin Iskraut (1886-1958) nach der Machtergreifung zum Oberstudienrat und Direktor gemacht wurde. Damit würdigte die NSDAP seine Verdienste als Mitherausgeber der Schriften des Führers Adolf Hitler und seiner Mitkämpfer, die ab 1933 unter dem Titel Die Grundgedanken der nationalsozialistischen Weltanschauung auf die einzelnen Lebensgebiete erschienen. Mit seinem Missfallen gegenüber den swing-begeisterten Gymnasiasten konnte sich Schuldirektor Iskraut nicht wirklich durchsetzen. Vielleicht kommt daher heute Kochs vages Mitgefühl für den strammen Nazi: Iskraut hatte dafür schwer büßen müssen: 1946 Hilfsarbeiter in einer Holzfabrik in Schwäbisch-Hall, 1947 Arbeiter in einer Mostfabrik in Walsrode, 1949 Lehrer an einer Walddorfschule, bis ein Schlaganfall seinem Berufsleben ein Ende machte.

 

Heinz-Dieter Koch war beim Swing ganz wesentlich auf das Hören angewiesen. Einige original-amerikanische Noten konnte man seinerzeit noch in der Berliner Filiale von Francis Day & Hunter kaufen, zum Beispiel den St. Louis Blues. Die übrigen Titel musste ich nach Gehör aufzeichnen, von amerikanischen Schalplatten, die gewitzte Händler über Schweden bezogen. Das arrangierte er dann für seine mühsam zusammengestoppelte Combo-Besetzung. Immer wieder betont Koch, dass er ein reiner Autodidakt war und keine Musikausbildung vorzuweisen hatte. Jener Studienrat, der ihm im Abiturzeugnis für das Fach Musik ein Befriedigend gegeben hat, im Jahr zuvor sogar nur eine Vier, hatte weder einen Draht zu Heinz-Dieter Koch noch zum amerikanischen Swing. Der Musiklehrer wollte mich wegen meiner nicht zu verheimlichenden Vorliebe für Jazz und Swing abstrafen, obwohl ich nach meinem Klassenkameraden Hans-Ernst Benckendorff wohl der Beste in Musik war (auch in der Klassik!).

 

Drei Tage später war er beim Flak-Lehr-Regiment im Seefliegerhorst Stralsund. Von dort ging es zur Rekrutenausbildung ins norwegische Eidsvoll und weiter zum Einsatz in Nordfinnland. Koch wurde krank und kam in ein Wehrmachtslazarett in Finnland. Dort erfuhr er, dass sein Gitarrist Karl-Theodor Menzel bei einem Übungsflug über Fürstenwalde abgestürzt und am 8. April 1942 im Feldlazarett Fürstenwalde verstorben ist. Was von  dem 18-jährigen noch übriggeblieben ist, kam nicht in ein Grab in Wilmersdorf, wo seine Eltern lebten, sondern auf den Neuen Friedhof in Fürstenwalde. Ob Menzel wie Koch sein am 24. März 1942 vom Bezirksamt Schöneberg ausgestelltes Zeugnis der Reife noch vor seinem Tod in den Händen halten konnte, ist nicht bekannt.

 

***

 

Beim Abschiedskonzert der Schüler-Combo des Gymnasiums am Maybachplatz am 23. Januar 1942 im Ratskeller Friedenau wirkten mit:

 

Heinz-Dieter Koch (Band-Leader) * 21.12.1923

Hans-Ernst Benckendorff (Klarinette) * 07.09.1923; † 29,12.2016

Rolf Rabald (Saxophon) * ?; † ?

Johann-Georg Kleist (Klavier) * 05.10.1923; † ?

Wolfgang Mäder (Trompete) * 10.01.1924; † 28.09.2018

Wilfried Schulte (Bass) * ?; † ?

Wolfgang Arendt (Gitarre) * 13.04.1924; † ?

Karl-Theodor Menzel (Gitarre) * 26.09.1923; † 08.04.1942 (Beim Übungsflug abgestürzt, im Feldlazarett verstorben und in Fürstenwalde beigesetzt.)

Hans-Wilhelm Schröder (Schlagzeug) * 09.07.1924; † ?

 

Karl-Eduard von Schnitzler, 1988

Karl-Eduard von Schnitzler (1918-2001)

 

Karl-Eduard von Schnitzler wurde am 28. April 1918 geboren war nach Eduard (1905) und Hans (1908) der dritte Sohn des Diplomaten Eduard Schnitzler (1863-1934) und seiner Ehefrau Margarethe geb. Gillet, der 1913 – wohl für die Bearbeitung der Entschädigungsansprüche von Reichsdeutschen wegen Verlusten durch die chinesischen Wirren – von Kaiser Wilhelm II. in den Adelsstand erhoben wurde, sich „von Schnitzler“ nennen durfte und 1914 in den einstweiligen Ruhestand versetzt wurde. Während der Weimarer Republik wurde der Legationsrat von 1919 bis 1924 noch einmal vom Auswärtigen Amt für die Abteilungen West-, Süd- und Südosteuropa aktiviert.

 

Karl-Eduard von Schnitzler wuchs im Elternhaus Hohe Ähren Nr. 7 in Dahlem auf, ging auf das Friedenauer Gymnasium am Maybachplatz und trat noch vor dem Abitur in die Sozialistische Arbeiter-Jugend ein. Nach zwei Semestern brach er das Medizinstudium ab und absolvierte eine kaufmännische Lehre. Es kam der Zweite Weltkrieg und im Juni 1944 die britische Kriegsgefangenschaft. Er wurde Mitarbeiter der BBC. Im Oktober 1945 war er in der britischen Besatzungszone beim Nordwestdeutschen Rundfunk (NWDR) in Hamburg. Ende 1947 ging Schnitzler in die Sowjetische Besatzungszone. Er trat 1948 in die SED ein, wurde Kommentator beim Berliner Rundfunk, beim Deutschlandsender und schließlich Chefkommentator des DDR-Fernsehens. Ab 21. März 1960 moderierte er den Schwarzen Kanal. Nach 1519 Folgen stellte das Fernsehen der DDR die Propagandasendung am 30. Oktober 1989 ein. Im Januar 1990 leitete die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands – Partei des Demokratischen Sozialismus (SED-PDS) gegen Schnitzler ein Parteiausschlussverfahren ein, dem er mit seinem eigenen Austritt zuvor kam.

 

Karl-Eduard von Schnitzler war vier Mal verheiratet, darunter von 1952 bis 1956 mit der in der  Goßlerstraße in Friedenau geborenen Schauspielerin Inge Keller (1923-2017). Er starb im Alter von 83 Jahren in Zeuthen und wurde in einem Urnengrab auf dem Friedhof von Eichwalde bestattet.

 

Egon Bahr. Quelle Bundesarchiv

Egon Bahr (1922-2015)

 

Egon Bahr wird am 18. März 1922 als Sohn des aus Schlesien stammenden Studienrates Karl Bahr und seiner Ehefrau Hedwig im thüringischen Treffurt geboren. 1928 zieht die Familie nach Torgau. Als die Nationalsozialisten von seinem Vater verlangen, sich von seiner Frau, deren Mutter Jüdin war, zu trennen, gibt er den Schuldienst auf und zieht 1938 mit Familie nach Friedenau. Egon Bahr geht auf das Gymnasium am Maybachplatz, dessen Leitung Studienrat Martin Iskraut (1886-1958) übernommen und Anfang Mai 1933 den Nationalpolitischen Unterricht in den Unterklassen eingeführt hatte. Als das nicht fruchtete, legte Iskraut nach. 1938, als Bahr in die Obersekunda eintrat, publizierte Iskraut die Grundgedanken der nationalsozialistischen Weltanschauung mit ausgewählten Schriften und Reden des Führers Adolf Hitler und seiner Mitkämpfer Alfred Rosenberg und Joseph Goebbels. Ihm ging es im Geschichtsunterricht um den deutschen Kampf um Selbstbehauptung.

 

An diese Zeit mag sich 2013 der inzwischen über 90-jährige Egon Bahr erinnert haben, als er Schülern einen Rat gab: In der internationalen Politik geht es nie um Demokratie oder Menschenrechte. Es geht um die Interessen von Staaten. Merken Sie sich das, egal, was man Ihnen im Geschichtsunterricht erzählt.

 

In Friedenau absolviert Bahr die Tanzschule am Südwestkorso, lernt Foxtrott, spielt Klavier und lernt den späteren Althistoriker und Publizist Peter Bender (1923-2008) kennen, mit dem ihn eine lebenslange ungebrochene Freundschaft verband. Wir waren bis zum Abitur in derselben Klasse. Aus welchen Gründen Bahr und Bender den Wechsel in das Schöneberger Helmholtz-Gymnasium vollzogen haben, kann heute nicht mehr nachvollzogen werden. Jedenfalls: Weder Peter noch ich waren in der Hitlerjugend, und deshalb mussten wir am Sonnabend nachsitzen, während die anderen beim Wehrdienst waren.

 

 

Egon Bahr will Musik machen. Das Studium wird ihm wegen seiner jüdischen Großmutter verweigert. Stattdessen macht er eine Ausbildung zum Industriekaufmann bei Borsig. 1942 wird er Soldat. Nach dem Krieg arbeitet er in West-Berlin als Journalist bei der Berliner Zeitung, der Allgemeinen Zeitung und dem Tagesspiegel. Von 1950 bis 1960 ist er Chefkommentator und Leiter des Bonner Büros des RIAS. 1956 tritt er in die SPD ein, ein Jahr darauf wird Willy Brandt Regierender Bürgermeister von Berlin und Egon Bahr sein Sprecher. Brandt wird Außenminister und schließlich 1969 Bundeskanzler. Das Gespann Brandt & Bahr verabschieden sich von der Hallstein-Doktrin und leiten mit einer neuen Ostpolitik die Abkehr vom Kalten Krieg ein. Mit ihrer Politik der kleinen Schritte leiten sie nach dem Motto Wandel durch Annäherung einen Kurs der Entspannung und des Ausgleichs mit der Sowjetunion, der DDR, Polen und den übrigen Ostblockstaaten ein. Egon Bahr wird Unterhändler in Moskau und Ost-Berlin. Die Verträge von Moskau und Warschau, das Transitabkommen sowie der Grundlagenvertrag werden maßgeblich von ihm geprägt. Selbstkritisch kommentiert er: Die Nicht-Beziehungen zwischen den beiden deutschen Staaten werden nun durch schlechte Beziehungen abgelöst.

 

Bahr, bisweilen als Architekt der Ostverträge bezeichnet, wird einer der wichtigsten und einflussreichsten Berater Brandts, einer der entscheidenden Vordenker und führender Mitgestalter der Ost- und Deutschlandpolitik. Darum ist es derzeit nicht gut bestellt. Für Egon Bahr gibt es keine Stabilität in Europa ohne die Beteiligung und Einbindung Russlands. Ich warne davor, ein großes stolzes Volk zu demütigen (1999). Und 2014 ergänzte er: Für Deutschland ist Amerika unverzichtbar, aber Russland ist unverrückbar. Egon Bahr, Ehrenbürger der Stadt Berlin, starb am 19. August 2015 im Alter von 93 Jahren. Sein Grab befindet sich auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof.

 

Peter Bender

Peter Bender (1923-2008)

 

Peter Bender gehört zu den unbekannten Schülern des Gymnasiums am Maybachplatz in Friedenau, obwohl er später einer der interessantesten Kommentatoren der deutschen Zeitgeschichte wurde. Hier hatte er 1938 in der Obersekunda Egor Bahr kennengelernt. Sie waren bis zum Abitur in derselben Klasse. Weder Peter noch ich waren in der Hitlerjugend, und deshalb mussten wir am Sonnabend nachsitzen, während die anderen beim Wehrdienst waren. Beide verband eine jahrzehntelange ungebrochene Freundschaft. Der Althistoriker gilt laut Spiegel als publizistischer Wegbereiter der Ostpolitik von Willy Brandt.

 

Nach dem Studium der Alten Geschichte arbeitete Peter Bender seit 1954 als Journalist, beim SFB, beim WDR und als ARD-Korrespondent in Warschau. Seit 1963 war er zudem Autor der Zeit, seit 1966 ebenfalls des Merkur sowie der Zeitschrift Der Monat. In den scharfen publizistischen Auseinandersetzungen dieser Zeit unterstützte er die „Neue Ostpolitik“ der sozialliberalen Koalition, und in den späteren außenpolitischen Debatten avancierte er zu einer von allen Seiten respektierten Stimme der Vernunft und der Verständigung. Politisch eher linksliberal, war er ein deutscher Patriot auch dann, wenn diese Haltung dem Zeitgeist zuwiderlief.

 

Während der Schulfreund Egon Bahr an der Seite Willy Brandts aktiv in die Politik eingriff und mit den Schlagworten Wandel durch Annäherung und Politik der kleinen Schritte sein Programm umriss, flankierte Peter Bender diese Politik bereits 1968 ein Buch mit dem provokanten Titel: Zehn Gründe für die Anerkennung der DDR. Wie sein Freund Bahr stritt Bender zeitlebens für die Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten, beide sahen als Voraussetzung dafür aber zunächst einmal die Anerkennung des Status quo. Am Ende sollten sie Recht behalten.

 

Nach der Wiedervereinigung blieb die Deutsche Frage für den Publizisten Peter Bender beherrschendes Thema. In seinem letzten Werk aus dem Jahr 2007 Deutschlands Wiederkehr. Eine ungeteilte Nachkriegsgeschichte 1945–1990 wagte er die These, dass es trotz aller Unterschiede und Eigenstaatlichkeit seit 1945 dennoch eine gemeinsame deutsche Geschichte gegeben habe. In diesem Grundgedanken ist sich Peter Bender bis zum Schluss treu geblieben.

 

Walter Hoffmann-Axthelm. Archiv Stefan Paprotka

Walter Hoffmann-Axthelm (1908- 2001)

 

Wenn von bekannten Schülern des Friedenauer Gymnasiums am Maybachplatz die Rede ist, wird mitunter auch Professor Dr. med. und Dr. med. dent. Walter Hoffmann-Axthelm genannt. Näheres war allerdings bisher nicht zu erfahren. Das änderte sich, als der Medizinhistoriker und Zahnarzt Dr. Stefan Paprotka 2018 im LIT Verlag die Monographie Walter Hoffmann-Axthelm. Vom NSKK Standartenzahnarzt zum Medizinhistoriker veröffentlichte.

 

Die Eltern von Walter Hoffmann-Axthelm waren der aus dem böhmischen Reichenberg stammende Kaufmann Karl Hoffmann (1870-1933) und die im thüringischen Kölleda geborene Anna geb. Axthelm (1878-1972). Sie hatten 1907 in Berlin geheiratet und waren danach in das neue Mietshaus Bismarckstraße Nr. 1 (Sarrazinstraße) gezogen. Am 29. April 1908 wurde in Berlin Sohn Walter als österreichischer Staatsbürger geboren. Im Herbst 1914 wurde er mit sechs Jahren in die Vorschule des Friedenauer Gymnasiums eingeschult. Die Schulzeit wurde vom Ersten Weltkrieg überschattet, zumal der aus Böhmen stammende Vater ab 1916 den Kriegsdienst in der österreichischen Armee absolvieren musste. 1920 wurden Vater und Sohn deutsche Staatsangehörige, so dass Walter Hoffmann 1920 im Alter von zwölf Jahren als ordentlicher deutscher Staatsangehöriger dem Deutschen Pfadfinderbund beitreten konnte.

 

 

 

Nach dem sogenannten Einjährigen besuchte Hoffmann ab 1924 das Helmholtz-Realgymnasium in Schöneberg, das er 1927 mit einem nicht gerade glanzvollen Abitur beendete. Auf Wunsch der Familie schrieb er sich 1927 für ein Studium der Zahnmedizin an der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin ein und beendete das Studium 1929/1930 in Freiburg im Breisgau. Am 15. Mai 1931 promovierte er an der Universitäts-Hautklinik zu Berlin mit einer Arbeit Über die Beteiligung der Schleimhaut an der Hauttuberkulose zum Dr. med. dent. 1933 übernahm er eine Zahnarztpraxis in Perleberg, die nach seinen Angaben durch Tod freigeworden war.

 

Nach dem frühen Tod seiner ersten Ehefrau heiratete Walter Hoffmann am 17. Mai 1939 die Zahnärztin Irmtraut Milisch. Nachdem eine Postsendung für ihn an einen der vielen Hoffmanns im Ort fehlgeleitet worden war, nahm er 1939 eigenständig eine Änderung seines Nachnamens vor. Um sich von anderen Trägern des Namens zu unterscheiden, erweiterte er seinen Nachnamen um den Mädchennamen seiner Mutter und nannte sich Walter Hoffmann-Axthelm. Offiziell genehmigt wurde die Namensänderung durch den Magistrat von Groß-Berlin erst am 30. Juni 1952, so dass sein 1940 geborener Sohn Dieter dann auch diesen Namen führen konnte.

 

Walter Hoffmann-Axthelm hat 1990 unter dem Titel Chronik zwischen Ost und West zugleich der Bericht vom eigenen Leben 1908–1989 veröffentlicht. 1993 publizierte er in den Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins, dessen Vorsitz er ab 1967 innehatte, Zwischen Stasi und CIA. Aus den Memoiren eines Charité-Professors. Diese Rückblicke waren für Medizinhistoriker Stefan Paprotka Anstoß, einen differenziert-kritischen Blick auf den Kieferchirurgen und seine Rolle im Dritten Reich zu werfen.

 

Wie alle anderen war auch Hoffmann-Axthelm Mitglied im Reichsverband der Zahnärzte Deutschlands. Freiwillig trat er dem Nationalsozialistischen Kraftfahrkorps (NSKK) bei, der paramilitärischen Unterorganisation der NSDAP, und wurde mit der Stelle eines Standartenzahnarztes beliehen. Man kann es sich ersparen, alle Stationen von Walter Hoffmann-Axthelm in den Jahren 1940 bis 1945 aufzulisten, es reicht eigentlich der Hinweis, dass der Mediziner im Kriegslazarett Berlin-Tempelhof tätig war und er zum Kriegsende nicht wenige in die Landesanstalt Görden verlegte. Noch zu Beginn des Jahres 1945 verlegte Hoffmann-Axthelm pflichtbewusst verletzte Soldaten aus dem Tempelhofer Lazarett nach Görden und sogar an die Front zurück. Bekannt ist längst, dass Görden zwischen 1933 und 1945 ein Ort nationalsozialistischer Justiz-Verbrechen war. Hoffmann Axthelms Sohn Dieter bestätigte auf Nachfragen von Stefan Paprotka, dass sein Vater sehr wohl gewusst habe, was in Görden geschehen war.

 

Von Bedeutung ist das Résumé des Medizinhistorikers Stefan Paprotka: Walter Hoffmann-Axthelm hat es geschafft, seine Karriere in der Zahnmedizin sowohl vor, während und nach dem Nationalsozialismus kontinuierlich voranzutreiben. In der Tat war er schon kurz nach Kriegsende Assistenzarzt in den ehemaligen Lazarettabteilungen Hamburg und Lübeck. 1950 wurde er Oberarzt an der Universitätsklinik und Poliklinik für Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten der Charité. Umsichtig plante er für sich und seine Familie die Übersiedlung aus dem ‚System des Zwangs, der Angst und der Lüge‘ nach Westberlin. Er kehrte nach dem 13. August 1961 nicht mehr nach Ost-Berlin zurück. 1964 war er Assistent und Dozent am Institut für Geschichte der Medizin an der Freien Universität Berlin. 1970 habilitierte er sich im Fach Geschichte der Medizin. 1971 folgte seine Ernennung zum Professor und er wurde geschäftsführender Direktor des Instituts für Geschichte der Medizin. 1973 folgte seine Emeritierung. Walter Hoffmann-Axthelm starb am 3. August 2001 in Berlin.

 

Günther Smend

Günther Smend (1912-1944)

 

Günther Smend wurde am 29. November 1912 in Trier geboren, wo sein Vater Julius Smend als Hauptmann im Infanterie-Regiment 69 diente. Nach einer Kriegsverletzung - einem schweren Halsschuss - wurde der Vater aus dem Felddienst entlassen und ins Kriegsministerium nach Berlin versetzt. Hier kamen Günthers jüngere Geschwister zur Welt: 1917 sein Bruder Rolf, 1920 seine Schwester Hella. Von 1921 bis 1924 besuchte er das Gymnasium am Maybachplatz in Friedenau.

 

1924 zog die Familie nach Mülheim an der Ruhr. Am Staatlichen Gymnasium verbrachte Günther Smend seine restliche Schulzeit. Er war ein außerordentlich guter Sportler, nahm für seine Schule erfolgreich an Ruderwettkämpfen teil und wechselte in den letzten Jahren vor dem Abitur zur Leichtathletik. Auch hier erzielte er beachtliche Erfolge, wurde 1930 Stadtmeister im 5000-Meter-Lauf sowie im Waldlauf. Der früh gefasste Entschluss, nach dem Abitur die Laufbahn eines Berufsoffiziers einzuschlagen, spornte ihn auch in den akademischen Fächern an. Es galt, ein gutes Abitur abzulegen und zudem die Zulassungsprüfung der Reichswehr zu bestehen. Beides gelang ihm glänzend. Als Vertrauensmann seiner Klasse fiel Smend die Aufgabe zu, die Festrede auf der Abiturientenfeier im Februar 1932 zu halten.

 

Am 31. März 1932 trat Günther Smend als Offiziersanwärter in das Infanterie-Regiment 18 zu Detmold ein. Auf einem Hofball des lippischen Fürsten, zu dem er als Tänzer abkommandiert war, lernte er Renate von Cossel, seine spätere Ehefrau kennen. Sie heirateten im März 1939, woraufhin Renate Smend von Düsseldorf nach Detmold umzog. Der Beginn des Zweiten Weltkriegs führte zu einer längeren Trennung des Ehepaares. Günther Smend nahm mit seiner Einheit erst am Frankreichfeldzug teil, später am Russlandfeldzug, besuchte anschließend die Kriegsakademie in Berlin und wurde am 1. April 1943 zum Generalstab versetzt.

 

Am 15. Juli 1943 folgte dann ein weiterer Karrieresprung: Smend wurde zum Adjutanten von Generaloberst Zeitzler, dem Generalstabschef des Heeres, ernannt. Durch sein neues Amt kam er in Kontakt mit Widerstandskreisen innerhalb des Generalstabs, erfuhr von den Attentatsplänen auf Hitler und wurde gedrängt, seinen Vorgesetzten Zeitzler zur Teilnahme an der Verschwörung zu bewegen. Dieser Versuch scheiterte: der Generaloberst erwies sich als dem Führer ergeben.

 

Nach dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli sollte diese missglückte Anwerbeaktion Günther Smend zum Verhängnis werden. Am 1. August wurde er auf dem Lehrter Bahnhof in Berlin verhaftet, kam ins Gefängnis des Reichssicherheitshauptamtes, wurde Mitte August aus der Wehrmacht ausgestoßen und unterstand nun dem Volksgerichtshof und dessen Präsidenten Roland Freisler. Als Mitwisser des Attentats wurde Günther Smend am 30. August zum Tode durch Erhängen verurteilt. Die Hinrichtung erfolgte am 8. September 1944 im Gefängnis Plötzensee. Er hinterließ eine Ehefrau und drei Kinder.