Die Schnackenburgstraße hatte ab 1872 den Namen Querstraße I. Am 5. September 1885 erhielt sie den Namen Feurigstraße, benannt nach Feurig, Johann Adolph Albert Friedrich (1830-1890), dem Amts- und Gemeindevorsteher von Schöneberg. Er war für den Kreis Teltow Leiter der Amtsbezirke Schöneberg, Wilmersdorf und Friedenau. Unter seinem Vorsitz fand 1875 die erste Wahl der Gemeindeverordneten von Friedenau statt, in der Georg Roenneberg (1834-1895) zum ersten ehrenamtlichen Gemeindevorsteher von Friedenau gewählt wurde.

Das Amtsbüro befand sich damals in der Albestraße Nr. 32/33. Sein Nachfolger im Amt, nun als hauptamtlicher Gemeindevorsteher, war von 1892 bis 1902 sein Bruder, der Major a. D. Albert Roenneberg (1842-1906). In seiner Amtszeit zog die Amts- und Gemeindeverwaltung 1896 mit dem gesamten Büro als Mieter in das Haus Feurigstraße Nr. 8 Ecke Handjerystraße Nr. 91-92. Eigentümer beider Häuser war der Maurermeister Ch. Binternagel, wohnhaft Wilmersdorf, Bernhardstraße Nr. 3-4. aus der Bernhard. Verwalter für beide Anwesen war Gärtner F. Hinz. Außerdem gab es im Haus noch die Mieter A. Lämmer (Rentiere), C. Lehmann (Kaufmann) und M. Semf (Eisenbahnbeamter). Im Eckladen präsentierte Fleischermeister O. Bork im Schaufenster seine frischen Schlachtungen. Am Hauseigang ein Briefkasten für Post an die Gemeinde, am Gartenzaun Schaukästen mit den Bekanntmachungen der Gemeinde.

1904 holte sich die Gemeinde mit dem Juristen Bernhard Schnackenburg (1867-1924) endlich einen erfahrenen Verwaltungsfachmann – der erste Bürgermeister von Friedenau. 1909 wurde Schnackenburg Oberbürgermeister von Altona. Mit der Eröffnung des Rathauses Friedenau am Lauterplatz 1917 wurde das Amtsbüro in der Feurigstraße Nr. 8 aufgegeben. Schöneberg hatte am 9. Februar 1895 den „Weg hinter den Dorfgärten“ in Feurigstraße umbenannt. Mit der Bildung von Groß-Berlin am 1. Oktober 1920 wurde die Stadt Schöneberg und die Gemeinde Friedenau Teil von Berlin und bildeten den 11. Berliner Verwaltungsbezirk, so dass es nun eine Feurigstraße in Friedenau und eine Feurigstraße in Schöneberg gab. Am 9. September 1931 wurde die Friedenauer Feurigstraße in Schnackenburgstraße umbenannt. 

 

Bernard Schnackenburg, nach 1909

Bernhard Schnackenburg (1867-1924)

 

Mit dem Erlass von Kaiser Wilhelm I. vom 9. November 1874 wurde „die Abtrennung der Kolonie Friedenau mit einem Flächeninhalt von 141,3516 Hektaren von dem Kommunalverbande des Gutsbezirks Deutsch-Wilmersdorf, Kreis Teltow, und ihre Erhebung zu einer Landgemeinde unter dem Namen Friedenau“ genehmigt. Gut 25 Jahre später war die Landhaussiedlung Geschichte. Friedenau war Vorort geworden. Mit der Bauordnung von 1903 setzte in einer dritten Phase eine rasante Bautätigkeit ein. Inzwischen machte sich bemerkbar, dass die Infrastruktur nicht im gleichen Maß wie die Siedlung mitgewachsen war. Nach 28 Jahren war es höchste Zeit, dass die „ungelernten“ Gemeindevorsteher, Rechnungsrat Georg Roenneberg und sein  Bruder Major a. D. Albert Roenneberg, durch einen erfahrenen Verwaltungsfachmann abgelöst wurden. Gewaltige kommunale Aufgaben standen an: Es fehlten Bebauungsplan, Schulen, Sportplätze, Straßen, Beleuchtung, Elektrizitätswerk, Gemeindehaus, Begräbnisplätze.

 

Am 1. April 1903 wählte die Gemeindevertretung Bernhard Schnackenburg (1867-1924) zum ersten hauptamtlichen Bürgermeister von Friedenau.

 

Der Sohn eines Mühlengutsbesitzers studierte Rechtswissenschaft. Nach dem Examina und der Referendarausbildung schlug er eine kommunale Verwaltungslaufbahn im Königreich Preußen ein. Er wurde Stadtrat in Posen (1886), danach in Halle (1899) und schließlich Bürgermeister von Friedenau. Es ist davon auszugehen, dass sich Schnackenburg vor seinem Amtsantritt ziemlich ausführlich mit den Problemen von Friedenau als Vorort von Berlin beschäftigt und sich auch nach möglichen Mitarbeitern umgesehen hat. Der 35-jährige Regierungsbaumeister Hans Altmann (1871-1965), seit 1903 „im deutschen Manchester“ Elberfeld als Stadtbauinspektor für Straßen und Verkehr zuständig, konnte keine schlechte Wahl sein.

 

 

Schnackenburgs großzügig betriebene Ausgabenpolitik, eingeschlossen auch die Bereitschaft zur öffentlichen Verschuldung, kam Altmann mehr als gelegen: Es muss „rückhaltlos anerkannt werden, dass die Gemeinde stets opferwillig Mittel zu einer würdigen Ausgestaltung der Bauten bewilligt hat. Dies zeigt sich nicht zuletzt auch in der Ausgestaltung des Rathauses. Nicht unerwähnt bleibe, dass in dem Gesellschaftszimmer des Ratskellers Bilder von Stätten Alt-Friedenaus, welche älteren Mitbürgern in lieber Erinnerung geblieben sein dürften, der Nachwelt als Wandschmuck überliefert werden, und einst, wenn diejenigen, die die Entwicklung Friedenaus miterlebt haben, schon lange der Rasen deckt, wird ein späteres Geschlecht an diesen Bildern die schnelle Entwicklung Friedenaus noch nacherleben können“. Schnackenburg und Altmann haben in wenigen Jahren einiges von dem geschaffen, wovon Friedenau noch heute lebt. Als bekannt wurde, dass Schnackenburg am 16. Juni 1909 zum Oberbürgermeister von Altona gewählt worden war, hat „unsere Gemeindevertretung beschlossen, Herrn Schnackenburg als Ehrengabe eine Statue zu widmen.

 

Nachdem die Gemeindevertretung am letzten Sonntag einige Bildwerke in verschiedenen hiesigen Bildhauerateliers besichtigt hatte, entschloss sie sich gestern für den Ankauf der Statue „Abschied", von Herrn Bildhauer Heinrich Mißfeldt. Wir müssen bekennen, dass die Gemeindevertretung damit eine glückliche Wahl getroffen hat. Die Auffassung des Künstlers ist eine ganz wunderbare. Den letzten Gruß bringt eine edle Frauengestalt dar. Schöne Linien zeichnen das Kunstwerk aus. Der Ausdruck des Abschieds tritt wirksam hervor und spricht zum Herzen. Das Original dieses Bildwerks in etwa 1,20 m Größe fand auf der deutschen Kunstausstellung 1907 auch die Bewunderung unseres Kaisers, der es ankaufte und im Wiesbadener Schlosse aufstellen ließ. Die Figur als Ehrengabe für Bürgermeister Schnackenburg wird 60 cm hoch und in heller Bronze in der Bildgießerei unseres Mitbürgers Herrn Hermann Noack, Fehlerstraße, gegossen; sie erhält einen Marmorsockel mit Widmung. Dass gerade Herrn Mißfeldt die Lieferung der Ehrengabe übergeben wurde, ist insofern noch interessant und wird auch Herrn Bürgermeister Schnackenburg besonders freuen, als dieser Künstler Schleswig-Holsteiner ist. — Sobald die Statue fertig gestellt ist, etwa Mitte Dezember, wird sie im Atelier des Künstlers ausgestellt. Unsere Bürgerschaft wird dann noch besonders zur Besichtigung eingeladen werden. — Wir haben im Schaufenster unserer Geschäftsstelle, Rheinstr. 15, zwei Photographien der Statue ausgestellt“.

 

 

Schnackenburgstraße Nr. 3. H&S 2019

Schnackenburgstraße Nr. 3

Baudenkmal Mietshaus

Entwurf Maurermeister A. Westphal

Ausführung E. Kramer

Bauherr Glasermeister Carl Barth

1888-1889

 

Das dreigeschossige, vierachsige Wohnhaus mit einer Grundfläche von 13,5 x 13,0 Metern weist in jedem Geschoss nur eine 4-Zimmer-Wohnung auf, die von einer Treppe in der Nordwestecke des Hauses erschlossen wird. Der Grundriss ist deutlich dem Sechsfelderschema verpflichtet. Das Haus erhebt sich auf einem niedrigen Souterrain, das zusammen mit dem Hochparterre mit einer schweren Putzbossenquaderung versehen ist. Die Obergeschosse sind verklinkert. In der Mittelachse ist dem Haus ein Standerker vorgesetzt, der bis zum ersten Obergeschoss aufgeführt ist und einen Altan im zweiten Obergeschoss trägt. Die Klinkerfassaden sind durch Gurtgesimse und Putzstreifen sowie durch aufwendige Fenstergewände und Brüstungsfelder belebt. Das Haus wird im Bauwich durch eine seitlich angeordnete Treppe erschlossen. Topographie Friedenau, 2000

 

Weiteres in Vorbereitung

Schnackenburgstraße Nr. 4. H&S 2019

Schnackenburgstraße Nr. 4

Baudenkmal Landhaus & Werkstattgebäude

Landhaus

Ausführung Kreuschmer & Co.

Bauherr P. Heintzel

1886

 

Werkstattgebäude

Ausführung R. Lange

Bauherr G. Herholz

1901

 

 

 

 

 

Das zweigeschossige, fünfachsige Wohnhaus wurde als Landhaus auf einem Sechsfelder-Grundriss erbaut. Das hohe Souterrain des Hauses zeigt Putzquaderung, die beiden Hauptgeschosse rotes Sichtziegelmauerwerk. Vor den Baukörper des Hauses tritt eine dreiachsige, massive Veranda, die im Hochparterre aus ionischen, im Obergeschoss aus toskanischen Säulen und Eckpfeilern besteht. Der Verandavorbau ist mit Hebeschiebefenstern geschlossen und wird von einem flachen klassizistischen Quergiebel bekrönt, in dessen Giebelfeld eine Kartusche mit dem Monogramm „H“ des Bauherrn zu sehen ist. Zum Hauseingang im seitlichen Vorbau im Bauwich führt eine kleine Freitreppe hinauf. Topographie Friedenau, 2000

 

In das 1901 im Hinterhof entstandene Werkstattgebäude zog 1902 eine „Blitzableiter-Fabrik“ ein. Der Unternehmer Kirchhoff hatte wohl „den richtigen Riecher“ für das Geschäft, da in diesen Jahren die mehrstöckigen Mietswohnhäuser mit Blitzschutz versehen werden mussten. Jedenfalls konnte die Firma bis 1925 existieren. 1927 kam die „Appar. Bauanstalt H. Obel Nachf. GmbH“ und 1939 das „Chemische Laboratorium für Tonindustrie KGT“. Heute gibt es dort das „KommRum“, ein Café mit „psychosozialer Kontakt- und Beratungsstelle“ und wechselnden Ausstellungen, mit denen vor allem jungen Künstlern ein Forum gegeben wird. Zusammen mit der „Südwestpassage Kultour“ beteiligt sich das KommRum“ regelmäßig an der Veranstaltungsreihe „Offenen Ateliers in Friedenau“.

 

Handjerystraße 91-92 Ecke Schnackenburgstraße 8

Schnackenburgstraße Nr. 8

Handjerystraße Nr. 91-92

 

Die Schnackenburgstraße hatte ab 1872 den Namen Querstraße I. Am 5. September 1885 erhielt sie den Namen Feurigstraße, benannt nach Feurig, Johann Adolph Albert Friedrich (1830-1890), dem Amts- und Gemeindevorsteher von Schöneberg. Er war für den Kreis Teltow Leiter der Amtsbezirke Schöneberg, Wilmersdorf und Friedenau. Unter seinem Vorsitz fand 1875 die erste Wahl der Gemeindeverordneten von Friedenau statt, in der Georg Roenneberg (1834-1895) zum ersten ehrenamtlichen Gemeindevorsteher von Friedenau gewählt wurde.

 

Das Amtsbüro befand sich damals in der Albestraße Nr. 32/33. Sein Nachfolger im Amt, nun als hauptamtlicher Gemeindevorsteher, war von 1892 bis 1902 sein Bruder, der Major a. D. Albert Roenneberg (1842-1906). In seiner Amtszeit zog die Amts- und Gemeindeverwaltung 1896 mit dem gesamten Büro als Mieter in das Haus Feurigstraße Nr. 8 Ecke Handjerystraße Nr. 91-92. Eigentümer beider Häuser war der Maurermeister Ch. Binternagel, wohnhaft Wilmersdorf, Bernhardstraße Nr. 3-4. aus der Bernhard. Verwalter für beide Anwesen war Gärtner F. Hinz. Außerdem gab es im Haus noch die Mieter A. Lämmer (Rentiere), C. Lehmann (Kaufmann) und M. Semf (Eisenbahnbeamter). Im Eckladen präsentierte Fleischermeister O. Bork im Schaufenster seine frischen Schlachtungen. Am Hauseigang selbst ein Briefkasten für Post an die Gemeinde, am Vorgartenzaun vier Schaukästen mit den Bekanntmachungen der Gemeinde.

 

1904 holte sich die Gemeinde mit dem Juristen Bernhard Schnackenburg (1867-1924) endlich einen erfahrenen Verwaltungsfachmann – der erste Bürgermeister von Friedenau. Er blieb bis 1909, dann wurde er zum Oberbürgermeister von Altona gewählt. Mit der Eröffnung des Rathauses Friedenau am Lauterplatz 1917 wurde das Amtsbüro in der Feurigstraße Nr. 8 aufgegeben. Schöneberg hatte am 9. Februar 1895 den „Weg hinter den Dorfgärten“ in Feurigstraße umbenannt. Mit der Bildung von Groß-Berlin am 1. Oktober 1920 wurde die Stadt Schöneberg und die Gemeinde Friedenau Teil von Berlin und bildeten den 11. Berliner Verwaltungsbezirk, so dass es nun eine Feurigstraße in Friedenau und eine Feurigstraße in Schöneberg gab. Am 9. September 1931 wurde die Friedenauer Feurigstraße in Schnackenburgstraße umbenannt.

 

Schnackenburgstraße Nr. 10 H&S 2019

Schnackenburgstraße Nr. 9-10

Handjerystraße Nr. 90

Baudenkmal Mietshaus

Ausführung Maurer- und Zimmermeister Heindorf

Bauherr Otto Bauer

1890-1892

 

In der nördlichen Handjerystraße finden sich auf der westlichen und der östlichen Straßenseite Landhäuser der ersten Bauphase zusammen mit frühen Mietwohnhäusern der neunziger Jahre des 19. Jahrhunderts und großen Mietwohnhäusern der Zeit um 1910 in der für Friedenau typischen Mischung. Auf der westlichen Straßenseite sind interessante Beispiele aus allen drei Bauphasen überliefert.

 

 

 

 

Eine Art Höhepunkt im Norden an der Ostseite der Straße bildet das viergeschossige Mietwohnhaus an der Ecke Schnackenburgstraße Nr. 9-10/Handjerystraße Nr. 90. Das Eckhaus besteht aus zwei Häusern mit separaten Aufgängen und ist als roter Ziegelbau mit abgeschrägter Ecke ausgeführt. In der Schnackenburgstraße ist die Fassade durch Balkons mit einem flachen Seitenrisalit gegliedert, in der Handjerystraße durch einen Standerker mit seitlichen Balkons. Topographie Friedenau, 2000

 

Beim Anblick dieser Hausfassade fragt man sich schon, ob Denkmalschutz überhaupt noch stattfindet. Den Politikern aller Parteien und der Unteren Denkmalschutzbehörde von Schöneberg macht es offensichtlich nichts mehr aus, den die Silhouette zerstörenden Dachausbau zu genehmigen. Unterstützung findet ROT-GRÜN nun auch bei der Schöneberger CDU-Fraktion, die dafür plädiert, „mehr Dachgeschosse auszubauen, um dem Wohnungsmangel des Bezirks entgegenzuwirken. Das Bezirksamt soll sich für die Jahre 2019-2021 eine Zielzahl von jährlich 150 fertiggestellten Wohnungen durch ausgebaute Dachgeschosse setzen. Für die Jahre 2022-2023 sollen es jährlich 200 fertiggestellte Dachgeschosswohnungen sein“.

 

Schnackenburgstraße Nr. 11. H&S 2019

Schnackenburgstraße Nr. 11

Baudenkmal Mietshaus

Entwurf Otto Haustein

Bauehrr Rechnungsrat Otto Bauer

1896

 

In der nördlichen Handjerystraße finden sich auf der westlichen und der östlichen Straßenseite Landhäuser der ersten Bauphase zusammen mit frühen Mietwohnhäusern der neunziger Jahre des 19. Jahrhunderts und großen Mietwohnhäusern der Zeit um 1910 in der für Friedenau typischen Mischung. Auf der westlichen Straßenseite sind interessante Beispiele aus allen drei Bauphasen überliefert. Das Zweispänner-Mietshaus ist ein siebenachsiger, viergeschossiger, gelblich-roter Ziegelbau. Die symmetrische Fassade zeigt einen Erker mit seitlichen Balkons. Das Erdgeschoß ist in Putzrustika ausgeführt. Die Fassade wird mit einem reichen Konsolgesims abgeschlossen.

Topographie Friedenau, 2000

 

Weiteres in Vorbereitung

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