Der dreieckige Platz am Südwestkorso zwischen Laubacher und Wilhelmshöher Straße erhielt am 30. August 1990 den Namen Adam-Kuckhoff-Platz, benannt nach dem Schriftsteller und Widerstandskämpfer Adam Kuckhoff (1887-1943). Ursprünglich sollte der Platz „Adam und Greta Kuckhoff-Platz“ benannt werden, was aus zeitgeschichtlicher Sicht und im Zusammenhang mit der beabsichtigten „Erinnerung“ sinnvoll gewesen wäre. Das Ehepaar Kuckhoff wohnte von 1936 bis zur Verhaftung durch die Gestapo im Jahr 1942 gleich nebenan in der Wilhelmshöher Straße Nr. 18. Mit der höchst fadenscheinigen Begründung, es gäbe bereits in Ost-Berlin eine Kuckhoff-Straße, entschied sich die Schöneberger Bezirksverordnetenversammlung für die Benennung „Adam-Kuckhoff-Platz“.

 

Noch ärgerlicher ist allerdings die Gedenktafel, die am 30. August 1990 von Michael Barthel (SPD), dem damaligen Schöneberger Bezirksbürgermeister, am Haus Wilhelmshöher Straße Nr. 18 enthüllt wurde. Der vom Historiker Klaus Zernack (1931-2017) entworfene Text hätte nicht gebilligt werden dürfen, weil darauf wiederum nur Adam Kuckhoff und nicht seine Frau Greta Kuckhoff (1902-1981) genannt wird. Erst 26 Jahre später gesteht die Historische Kommission zu Berlin (auf Nachfrage) ein: „Dass Greta Kuckhoff auf der Tafel nicht erwähnt wird, ist in der Tat ein Versäumnis.“ Es muss also davon ausgegangen werden, dass sowohl mit der Benennung „Adam-Kuckhoff-Platz“ als auch mit der Gedenktafelinschrift jeglicher Zusammenhang mit der in der DDR geehrten „roten Greta“ vermieden werden sollte.

 

Eine Würdigung von Adam und Greta Kuckhoff finden Sie unter Wilhelmshöher Straße Nr. 18.

 

 

Erikabrunnen und/oder Kinderbrunnen

 

Verwechslung und Irritation sind irgendwie begründet. Auf dem Adam-Kuckhoff-Platz und auf dem Barbarossaplatz stehen Brunnen mit Kinderfiguren. Den am Südwestkorso schuf 1911 der Bildhauer Emil Cauer (1867-1946) unter dem Namen „Erikabrunnen“, den anderen unter dem Namen „Kinderbrunnen“ gestaltete der Bildhauer Constantin Starck (1866-1939) im Jahr 1913. Es mag dahingestellt bleiben, ob die Bronzefiguren während des Krieges eingeschmolzen oder zerstört wurden, danach waren sie jedenfalls nicht mehr da.

 

Der Bildhauer Heinz Spilker (geb. 1927), Meisterschüler von Renée Sintenis an der Berliner Hochschule für Bildende Künste, erhielt jedenfalls den Auftrag, beide Anlagen zu rekonstruieren. Die auf dem Beckenrand des Kinderbrunnens am Barbarossaplatz sitzen Kinderfiguren soll Spilker nach Fotos wieder hergestellt haben. (Maße: Ø 6,00 m, Höhe der Figuren 0,60 m, Gesamthöhe 2,00 m, Becken aus Muschelkalk, Figuren aus Bronze, Sanierung und Wiederherstellung 1989).

 

Der „Erikabrunnen“ entstand in der Amtszeit von Bürgermeister Erich Walger (1867-1945). Als Nachfolger von Bernhard Schnackenburgs (1867-1924) trat er 1910 sein Amt an. Er blieb es bis zum Zusammenschluss mit Schöneberg im Jahre 1920 – Friedenaus letzter Bürgermeister. Laut „Archiv zur Geschichte von Tempelhof und Schöneberg“ soll Walger eine Tochter mit Vornamen Erika gehabt haben. Zwischen Erich Walger, dessen Vater Heinrich (1829-1909) Bildhauer war, und Emil Cauer müssen persönliche Verbindungen bestanden haben. Es liegt daher ziemlich nahe, dass der Name des Brunnens tatsächlich auf Erika Walger zurückgeht.

 

Der „Erikabrunnen“ mit den bis zu 1,20m hohen bronzenen Putten entstand 1911 nach einem Entwurf von Emil Cauer. Der Brunnen wurde 1943 zerstört. Nach Plänen des Bildhauers Heinz Spilker (geb. 1927) wurde die Anlage 1982 restauriert: „Auf einem zweigestuften Sockel steht eine Schale mit vier vorgelagerten Podesten. An gegenüberliegenden Seiten sitzen zwei gleiche Putten (Bronze) mit dem Rücken zum Becken (Sandstein) und halten eine Schale über den Kopf, aus der sie Wasser schütten. Auf den anderen beiden Podesten stehen sich Gruppenplastiken gegenüber: zwei spielende Putten mit einer Gans bzw. einem Fisch als Wasserspeier im Arm. Im Becken ist eine Sprudelfontäne installiert.“ In den Akten der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung heißt es: „Zwei Figuren wurden von Heinz Spilker frei nachgestaltet.“ Eine Bestätigung von Herrn Spilker war 2016 nicht zu erhalten. (Maße: Sockel Ø 5,70 m, Schale Ø 3,00 m, Schale Höhe 0,70 m, Höhe der Putten 1,10m und 1,20m, Sockel aus Sandstein, Putten aus Bronze).

 

 

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