Name seit 1905, benannt nach dem Architekten und Bauingenieur Friedrich Wilhelm Büsing (1834-1904). Er war von 1873 bis 1891 Redakteur der „Deutschen Bauzeitung“ und ab 1876 Professor an der Berliner Bauakademie, der späteren Technischen Hochschule Charlottenburg. Von 1888 bis 1892 sowie von 1902 bis 1904 war Büsing Gemeindevertreter in Friedenau.

 

 

Als wir Hannah Höch einluden, während der Berliner Festwochen 1977 im Gespräch mit der Journalistin Gabriele Tergit, dem Texter Max Colpet, der Tänzerin Valeska Gert, dem Kritiker H. H. Stuckenschmidt, dem Kabarettisten Werner Finck, der Schauspielerin Käte Haack, dem Komponisten Mischa Spoliansky, dem Schriftsteller Axel Eggebrecht und dem Comedian Harmonist Erwin Bootz über das Berlin der zwanziger Jahre Auskunft zu geben, bekamen wir einen Brief, geschrieben am 10. März 1977 in Berlin-Heiligensee: Leider muss ich Ihnen sagen, dass ich, aus gesundheitlichen Gründen, Ihrem interessanten Anerbieten, an der geplanten Diskussionsveranstaltung anlässlich der Berliner Festwochen 1977, teilzunehmen, nicht Folge leisten kann. Ich bedauere dies sehr und bin mit vorzüglicher Hochachtung Ihre Hannah Höch. Neun Monate später war sie nicht mehr.

 

 

 

Ich habe alles gemacht

 

Als sich die 23-jährige Anna Therese Johanne Hoech 1912 von Gotha nach Berlin aufmachte, um bei Professor Emil Orlik an der Kunstgewerbeschule in Charlottenburg Grafik zu studieren, nannte sie sich Hanna Hoech. Sie lernte den Initiator der Berliner Dada-Bewegung Raoul Hausmann kennen. Er war verheiratet und nicht bereit, das eine oder das andere Verhältnis aufzugeben. Immerhin war sie finanziell einigermaßen unabhängig. Seit 1916 hatte sie eine Halbtagsstelle als Entwurfszeichnerin in der Redaktion für Handarbeiten bei Ullstein – nebst Wohnung und Atelier in der Friedenauer Büsingstraße Nr. 16. In diesen Jahren entwickelte sie ihre Collagen und Fotomontagen.

 

Obwohl George Grosz und John Heartfield ihre Arbeiten zunächst ablehnten, sie nicht als eigenständige Künstlerin anerkannten, gar als Hannchen Höch und tüchtiges Mädchen auf die Schippe nahmen, sorgte der wortgewaltige Hausmann wohl dafür, dass seine Freundin 1920 an der ersten internationalen Dada-Messe teilnehmen konnte – als einzige Frau.

 

Mit Kurt Schwitters, dem MERZ-Künstler aus Hannover, trat der nächste Besserwisser in das Leben von Hanna. Er schlug ihr das zweite H vor. Ab sofort galt – wie für Schwitters’ Dichterliebe Anna Blume – Du bist von hinten und von vorne – HANNAH. Für Hannah Höch war Schwitters ein sehr fantasievoller Mensch, er war auch ein guter Mensch. Aber maßgeblich ist auch die armselige Zeit, unser Material, weil: Wir hatten ja nix. Jede Verlobungskarte war Luxussache, edles Papier waren alles Kostbarkeiten. Schwitters hatte gefunden, dass man das auch verwerten könne, wie man alles machen kann, wenn man‘s kann.

 

Schwitters inspirierte sie schließlich zu ihrer berühmten Foto-Collage Schnitt mit dem Küchenmesser. Dada durch die letzte Weimarer Bierbauchkulturepoche Deutschlands –  im Besitz der Neuen Nationalgalerie Berlin.

 

Im Sommer 1926 verliebte sich Hannah Höch in die holländische Schriftstellerin Til Brugman (1888-1958). Mit ihr lebte sie in Den Haag und dann ab 1929 in Berlin-Friedenau zusammen.

 

Ich möchte die festen Grenzen auswischen, die wir Menschen mit einer eigensinnigen Sicherheit um alles, was in unseren Bereich kam, gezogen haben. Ich will aufzeigen, dass klein auch groß sein kann und groß auch klein ist; allein der Standpunkt, bei dem wir bei unserem Urteil ausgehen, muss anders gewählt werden. Ich würde heute die Welt aus der Sicht einer Ameise wiedergeben und morgen so, wie der Mond sie vielleicht sieht. Das Verhältnis mit Til Brugman stieß bei den Freunden auf Ablehnung. Selbst für Kurt Schwitters war die gleichgeschlechtliche Beziehung zu avantgardistisch. Ungeachtet dessen vollzogen die beiden 1936 ihre Trennung. Die inzwischen sechsundvierzigjährige Höch hatte den fünfundzwanzigjährigen Handelsvertreter Kurt Heinz Matthies kennengelernt. Später erklärt sie: Ich brauchte ein Kind, er brauchte eine Mutter. Ganz so einfach war es nicht.

 

Matthies reiste von Messe zu Messe, bis er am 7. November 1937 verhaftet wurde: Bei Matthies handelt es sich um einen gewohnheitsmäßigen Exhibitionisten, der wiederholt einschlägig vorbestraft ist. Außerdem ist durch die hier vorliegende Münchner Anzeige erwiesen, dass er auf der Geschäftsreise sein Betreiben fortsetzt. Matthies war geständig, wurde verurteilt und kam ins Gefängnis. All das hielt Hannah Höch nicht davon ab, Matthies im August 1938 zu heiraten. Im folgenden Jahr erwarb sie das Haus an der Wildbahn 33 und zog mit ihm von Friedenau nach Heiligensee. Vier Jahre später verließ er sie. Wieder einmal war eine Beziehung zu Ende gegangen. Geblieben war ihr der wuchernde Garten. Niemand vermisste sie, auch nicht die Akademie der Künste. Ihre Berufung zum Akademiemitglied erfolgte erst 1965.

 

Ich habe alles gemacht und mich um Handschrift und Merkmal nie gekümmert. Hannah Höch, 1968.

 

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