Name seit 1910, vorher Straße 12, benannt nach dem Friedenauer Kommunalpolitiker Friedrich Bache (1841-1917).

Bachestraße, 1910

Ein Venezianer in Friedenau

 

Am 27. Januar 1895 verkündete Kaiser Wilhelm II., dass im Tiergarten eine Siegesallee mit 32 Marmor-Standbildern der Fürsten Brandenburgs und Preußens geschaffen werden sollte. Das war die Stunde von Valentino Casal (1867-1951): „Im Januar 1899 kaufte ich mir ein großes Grundstück in Friedenau für ein Haus für meine Familie und eine Reihe von Ateliers.“ In den folgenden Jahren „werkelte“ die deutsche Bildhauerelite in Friedenau: Max Unger, Joseph Uphues, Johannes Boese, Ludwig Cauer, Max Baumbach, Gustav Eberlein, Johannes Götz, Ludwig Manzel, Reinhold Begas. Kaiser Wilhelm II. nannte den Bildhauerhof „Klein-Carrara“. Dort schuf Casal auch das Grabmal für den Apotheker Albert Hirt (1905) und die Skulptur für das von Oscar Haustein ausgeführte Wandgrab Prowe (1908) auf dem Friedhof Stubenrauchstraße.

Damals existierte lediglich die Wilhelmstraße (heute Görresstraße). Die Grundstücke Nr. 1-6, 8-14 und 17-24 waren als Bau- bzw. Lagerplätze der Baugesellschaft Bellevue ausgewiesen. Gebaut waren vier Wohnhäuser, darunter das Haus Nr. 7 von Bildhauer Valentino Casal mit einem weit in die Tiefe reichenden Grundstück.

 

 

Als die Gemeinde Friedenau den Bebauungsplan änderte und die Straße 12 (ab 1910 Bachestraße) angelegte, reichte der Atelierbau samt Schuppen bis in die Straßenmitte. Auf dem Foto von 1910 wird die Situation deutlich: Gebaut waren die vierstöckigen Häuser Nr. 1-13. Auf dem Grundstück Bachestraße Nr. 10 stand ein Flachbau, an dessen Außenwand in Versalien der Schriftzug ATELIER V. CASAL prangte. In den Verzeichnissen der Straßen mit sämtlichen Häusern und Bauplätzen nebst Angabe der Eigentümer, Verwalter und Mieter heißt es bis Anfang der 1920er Jahre: Zu Wilhelmstraße Nr. 7 gehört Bachestraße Nr. 10.

Es kam der Erste Weltkrieg. Am 28. August 1916 erklärte Italien Deutschland den Krieg. Das Eigentum des Italieners wurde beschlagnahmt und ging 1917 in den Besitz der Gemeinde Friedenau über. Frau und Kinder durften im Haus bleiben. Im Jahr 1921 kam das gesamte Anwesen zwischen Bachestraße Nr. 10 und Wilhelmstraße Nr. 7 in die Hände der Grundstücksverwaltungsgesellschaft Schöneberg. Laut Baubuch waren die auf die Bachestraße ragenden Bauteile bereits am 22. März 1922 entfernt worden. 1925 ging das gesamte Grundstück an das Bezirksamt XI. (Schöneberg) der Stadt Berlin. Am 18. Juni 1934 erklärte sich das Bezirksamt Schöneberg mit dem Abriss sämtlicher Gebäude auf dem Grundstück Wilhelmstraße Nr. 7/Bachestraße Nr. 10 und der Schaffung einer Parkanlage einverstanden. Die Abrissarbeiten auf dem städtischen Grundstück wurden im Jahr 1935 ausgeführt.

 

Der komplette Beitrag aus dem Buch FRIEDENAU

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