Name seit 1912, vorher Straße 43. Benannt nach dem Stadtplaner Reinhard Baumeister (1833-1917). Die Baumeisterstraße liegt nach den festgelegten Grenzen von 1874 nicht in Friedenau, sondern auf dem Gebiet des Ortsteils Schöneberg. Die Gegend wird mitunter auch als „Gefühltes Friedenau“ bzw. „Neu-Friedenau“ bezeichnet. Sie beginnt an der Rubensstraße und mündet kurz vor dem Wannseebahnhof in die Sponholzstraße. Das um die Jahrhundertwende noch unbebaute Gebiet lag im Schöneberger Westen, hart an der Grenze zur Landgemeinde Friedenau und verkehrsgünstig zwischen Hauptstraße und Wannseebahn mit der Station Friedenau. Den Bebauungsplan für das ehemalige „Willmann’sche Gelände“ zwischen Haupt-, Rubens-, Baumeister- und Sponholzstraße hatte der Schöneberger Stadtbauinspektor Paul Wolf (1879-1957) vor dem Ersten Weltkrieg entwickelt. Da Schöneberg nach dem Weltkrieg fast 15.000 Wohnungssuchende zu versorgen hatte, stürzte sich Stadtbaurat Heinrich Lassen (1864-1953) auf das vorhandene Material. Als Bauherr fungierte die „Wohnstätten-Gesellschaft mbH“. Das Bezirksamt übernahm Entwurf, Bauleitung und Ausführung. 1922 begannen die Bauarbeiten, zwei Jahre später konnten die ersten Wohnungen bezogen werden.

 

 

Stadtplaner Reinhard Baumeister (1833-1917)

Reinhard Baumeister (1833-1917)

 

 

Der Mann fehlt! Er wäre in der Lage gewesen, dem derzeit gängigen Berliner Dilettantismus von Senatsstadtentwicklung und Bezirksbaustadträten Einhalt zu gebieten. Es muss leider davon ausgegangen werden, dass keiner dieser politisch orientierten „Macher“ jemals sein fundamentales Standardwerk „Stadterweiterungen in technischen, baupolizeilichen und wirtschaftlichen Beziehungen“ in den Händen, geschweige denn studiert haben. Der Stadtplaner Reinhard Baumeister (1833-1917) gilt noch heute als Begründer des wissenschaftlichen Städtebaus in Deutschland.

 

Wohl nicht umsonst verleiht die Fakultät für Architektur der TU München den „Reinhard-Baumeister-Preis“, wohl nicht umsonst stellen zahlreiche Technische Universitäten den kompletten Text von Baumeisters „Stadterweiterungen“ auf ihre Websiten. Prämiert werden herausragende Arbeiten im Bereich von Regional- und Landschaftsplanung nebst verwandter Disziplinen, in denen aufgezeigt wird, dass "es möglich ist, eine tragfähige Stadt- und Landschaftsstruktur zu planen, in deren Gestaltung die Stadtbevölkerung aktiv einbezogen werden kann“.

 

Baumeister wurde am 19. März 1833 in Hamburg geboren. Er studierte ab 1849 am Polytechnikum Hannover und ab 1851 am Polytechnikum Karlsruhe Bauingenieurwesen. Danach war er im badischen Staatsdienst tätig. 1862 wurde er als Professor an das Polytechnikum Karlsruhe berufen. Nach der Veröffentlichung seines Werkes „Stadterweiterungen“ 1876 im Berliner „Verlag von Ernst & Korn“ Berlin hatte er sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts als führender Theoretiker der Stadtplanung durchgesetzt. Als einer der ersten forderte er „die Trennung von City, Wohn- und Industriegebieten, soweit sie sich gegenseitig störten, die Gestaltung von städtischen Grünflächen, Plätzen und Alleen und die Beachtung lokaler Besonderheiten bei der Stadtplanung“. Die Technische Hochschule Charlottenburg würdigte ihn 1906 mit dem Ehrendoktortitel. Reinhard Baumeister starb am 11. Februar 1917 in Karlsruhe.

 

 

In seinem Vorwort zu „Stadt-Erweiterungen in technischer, baupolizeilicher und wirthschaftlicher Beziehung“ schreibt Reinhard Baumeister im April 1876:

 

Die Erweiterung der Städte erfolgt gegenwärtig nicht mehr so rasch, ja überstürzend, wie vor einigen Jahren. Umso eher ist ein planmäßiges Verfahren möglich und ratsam, durch welches die ferner zu erwartende Entwickelung zum allgemeinen Besten geleitet werden kann. Gute Pläne, richtige Grundsätze zur Wahrung der öffentlichen Interessen, im Übrigen freie Entfaltung der privaten Kräfte und Neigungen: auf diesen Wegen mag eine Stadterweiterung wohl glücklicher fortschreiten, als bisher mehrfach der Fall gewesen.

 

Das vorliegende Buch macht den Versuch, diesen Gegenstand nach den genannten Richtungen systematisch zu behandeln. Es will teils Bestehendes schildern, Bauten und Entwürfe, Meinungen und Verordnungen, teils mit Hülfe der Kritik und der Wissenschaft Gutes für die Zukunft vorbereiten helfen. Dass dabei die technischen, die baupolizeilichen und die wirtschaftlichen Beziehungen nicht immer streng aus einander gehalten, dass unter diesen Namen auch noch sonstige Gebiete berührt wurden, liegt in der Natur der Sache, und wird daher wohl Entschuldigung finden. Die Darstellung ist durch mehrere Rücksichten eingeschränkt worden. Einmal sind bei jeder Stadterweiterung örtliche Verhältnisse von so großem Einfluß, dass allgemein passende Regeln weniger als auf anderen technischen und wirtschaftlichen Gebieten aufgestellt werden können. Sodann sind die zahlreichen Baustatuten, Enteignungs-Gesetze, gesundheitlichen Verordnungen usw. keineswegs erschöpft, sondern nur in charakteristischen Beispielen vorgeführt. Vielleicht ist auch aus Unkenntnis Etliches vernachlässigt, was Erwähnung verdient hätte. Endlich hoffte der Verfasser, das Buch für alle die verschiedenartigen Kreise, welche mit Stadterweiterungen zu tun haben, eigentlich für jeden gebildeten Bürger, nützlich und verständlich zu machen, und musste deshalb namentlich in technischen Dingen sich entsprechend zurückhalten.

 

 

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