Plan Friedenau Hinter der Wannseebahn, 1912

Gegen das Hineinwachsen der Stadt Berlin in das Schöneberger Gebiet war die Gemeinde machtlos. Nach der Reichsgründung im Jahr 1871 stieg die Einwohnerzahl Schönebergs rasant an. In Anzeigen warb die „Schöneberger-Friedenauer Terraingesellschaft“ für ihr Verkaufsbüro am Dürerplatz Nr. 1 und offerierte „Bauparzellen auch mit Bauerlaubnis in Schöneberg am Bahnhof Friedenau“. Zuvor hatte die Gemeindevertretung dem Bebauungsplan zugestimmt. Nicht eindeutig wird, ob sie oder aber die Terraingesellschaft die Straßennamen festlegte. Die Benennung nach renommierten und angesehenen Malern für die Gegend „Hinter der Wannseebahn“ war jedenfalls verkaufsfördernd. So gab es ab 12. Januar 1892 Straßen mit den Namen Carl Becker, Reinhold Begas, Antonio Canova, Lucas Cranach, Albrecht Dürer, Ludwig Knaus, Adolf von Menzel, Peter Vischer, Rembrandt van Rijn, Peter Paul Rubens und Bertel Thorwaldsen.

 

Vorheriger Name der Begasstraße „Straße Nr. 6“. Der Straßenabschnitt östlich der Rubensstraße wurde am 27. März 1939 der Begasstraße zugeschlagen, seitdem besteht auch die heutige Nummerierung. Bis dahin zählte der nördliche Straßenteil, beginnend an der Rubensstraße, die Nummern 1 bis 5, der südliche, am Dürerplatz anfangend, die Nummern 6 bis 9.

 

 

 

Die monumentalen Arbeiten von Reinhold Begas (1831-1911) waren charakteristisch für das preußische Berlin der Kaiserzeit. Kaiser Wilhelm II. schätzte das Pathos seiner Arbeiten. Obwohl sein „Nationaldenkmal für Kaiser Wilhelm I.“ von 1897 auf der Schlossfreiheit 1950 von der DDR demontiert und eingeschmolzen wurde – bis auf zwei Löwengruppen, die in den Tierpark Berlin versetzt wurden, ist es immer noch sein bekanntestes Werk. Das kommt wohl auch daher, dass an dieser Stelle am Spreekanal ein „Einheitsdenkmal“ vorgesehen ist, das „kunstgewerblicher“ nicht hätte ausfallen können. Von ihm geblieben sind immerhin das „Schillerdenkmal“ auf dem Gendarmenmarkt (1871), das Sitzbild von „Alexander von Humboldt“ vor der Humboldt-Universität (1883), der Neptunbrunnen (1891) vor dem Roten Rathaus und das „Bismarck-Nationaldenkmal“ (1901) am Großen Stern.

 

Als ihm Kaiser Wilhelm II. 1895 die künstlerische Oberleitung für den Prachtboulevard „Siegesallee“ im Tiergarten übertrug, für den 27 Bildhauer 32 Standbilder der Brandenburger und preußischen Herrscher fertigen sollten, warnte Reinhold Begas: „Sie haben ja von der handwerksmäßigen Technik kaum eine Ahnung. Sie sind ja nur Modelleure, und so wandert Modell auf Modell zum Steinmetz. Es ist doch ein ganz gewaltiger Unterschied zwischen dem Modelliren und dem Meißeln. Zwei ganz verschiedene Principien: dort das des Auflegens, hier das des Abnehmens; dort die weiche Masse, wo sich immer wieder umformen, verbessern läßt, und hier ein Centimeter, oft nur ein Millimeter zu viel fortgeschlagen oder gebosselt, und die Arbeit ist verdorben!“

 

Er sollte Recht behalten. Zehn Bildhauer hatten nichts Eiligeres zu tun, als ihre Gipsentwürfe im Friedenauer „Atelier für Marmor-Ausführungen, Monumentalbauten und Grabdenkmäler“ von Valentino Casal anzugeben und mit der Umsetzung von Gips auf Marmor zu beauftragen. So entstanden im Bildhauerhof zwischen Görres- und Bachestraße die marmornen Denkmäler für die „Siegesallee“. Reinhold Begas, der das „Bildhauern“ von der Pike auf gelernt hatte, sorgte selbst für die Umsetzung seiner Entwürfe „Gruppe 8 Markgraf Waldemar Reinhold Begas“ (1900) und „Gruppe 32 Kaiser Wilhelm I.“ (1901).

 

Die 750 Meter lange Siegesallee war 1901 vollendet – und von den Berlinern als „Puppenallee“ belächelt. Im Zweiten Weltkrieg wurden viele Figuren geschädigt. Später wurde die Allee eingeebnet. Was nicht verschollen war oder an anderen Plätzen aufgestellt wurde, kam ab Mai 2009 in die Zitadelle Spandau. Seit April 2016 gibt es dort die Dauerausstellung „Enthüllt. Berlin und seine Denkmäler“.

 

Reinhold Begas wurde auf dem Alten Kirchhof der Zwölf-Apostel-Gemeinde an der Kolonnenstraße beigesetzt. Das Grab Abt. 2-7-13/14 ist eine Ehrengrabstätte der Stadt Berlin.

 

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