Anzeige im Teltower Kreisblatt, 1889

Name seit 1895, vorher Bischofstraße, benannt nach Louis Carl Ernst Blankenberg (1821-1889). Die Kriterien für diese Benennung sind nicht mehr genau zu recherchieren. Blankenberg, am 3. Dezember 1821 geboren, muss mit etwa 25 Jahren in den Staatsdienst gefunden haben. In den diversen Kriegen des 19. Jahrhunderts hatte er es bis zum Hauptmann gebracht, dekoriert mit Roter Adler-Orden, Kronen-Orden und Eisernem Kreuz. Noch bevor der Geheime Kanzleirat im preußischen Kriegsministerium das Pensionsalter erreicht hatte, erwarb er 1871 Anteile beim „Landerwerb- und Bauverein auf Aktien“ und wurde in dessen Aufsichtsrat gewählt. Spätestens 1875 war er Eigentümer des Anwesens Nr. 4 in der Bahnstraße, die 1875 in Saarstraße umbenannt wurde. Als er endlich Pensionär war, wurde Louis Blankenberg Schöffe und Mitglied des Gemeindevorstandes. Nach seinem Tod am 22. Dezember 1889 dankte ihm Gemeindevorsteher Roenneberg in einem Nachruf für „Eifer und Pflichttreue bei Verwaltung seiner communalen Ämter, die Schärfe seines Urteils und die unabhängige Vertretung der gewonnenen Überzeugung bei den Beratungen der Gemeindebehörden“. Das Anwesen in der Saarstraße übernahm Witwe F. Blankenberg geb. Pfuhle und von 1897 bis 1904 eine Blankenberg’sche Erbengemeinschaft. Danach gab es einen neuen Eigentümer. Louis Blankenberg wurde auf dem Friedhof Stubenrachstraße beerdigt. Das Grab existiert nicht mehr. Die Blankenbergstraße, die früher von der Ecke Fröauf-/Hackerstraße bis zur Laubacher Straße reichte, wurde um 1900 ab Ecke Goßlerstraße in Hertelstraße umbenannt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In der Blankenbergstraße lebten der Lyriker Detlev Meyer (Nr. 1), der Maler Georg Lebrecht und der Sprachforscher Lutz Mackensen (beide Nr. 9).

 

Detlev Meyer (1948-1999)

 

Die Veröffentlichung seiner 50 Gedichte „Heute Nacht im Dschungel“ 1981 im Berliner Oberbaumverlag war für uns Anlass, den Schriftsteller Detlev Meyer zu einer Lesung im Rahmen des Projekts „Sternzeichen – Homosexualität und Theater“ in das Theater am Turm in Frankfurt am Main einzuladen. Mit seiner Performance „Vier Nächte Status“ am 27. Dezember 1982 behauptete er sich souverän neben den Darbietungen der populären Szenekünstler Georgette Dee, Mathilde Santing, Familie Schmidt, Arnie Reinhardt, Corny Littmann, Dieter Heitkamp, Helge Musial, Guido Bachmann und Christoph Eichhorn – mit seiner Lyrik.

Detlev Meyer, geboren am 12. Februar 1948 in Berlin, gehört zu jenen „Friedenauer Autoren“, die in den Auflistungen der Friedenauer Berühmtheiten erst einmal gar nicht erwähnt werden. Er war bis zu seinem frühen Tod am 30. Oktober 1999 immer unter der Adresse Blankenbergstraße Nr. 1 zu erreichen. Er war einer, der sich im Leben wie im Werk offen zu seiner Homosexualität bekannte, vor allem aber war er ein Dichter, für DIE ZEIT sogar „einziger Dandy der deutschen Gegenwartsliteratur“. Meyers Thema war das Leben in und mit der Szene – betörend, witzig, erotisch, traurig, alltäglich. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof Stubenrauchstraße (Grablage 20/21). Und noch immer, so scheint es, stellt er seine Fragen: „Wäre es eigentlich schade um uns? Wäre es eigentlich ein Verlust für die Menschheit, wenn es uns alle dahinraffte? Was fehlte der Welt, wenn es uns eines Tages nicht mehr gäbe?“

 

 

 

Georg Lebrecht, Bomben über Engeland. GDK 1941

Georg Lebrecht (1875-1945)

 

In der Blankenbergstraße Nr. 9 lebte auch einmal der Maler und Illustrator Georg Lebrecht (1875-1945). Der Mann war stets mit der Zeit, Frontsoldat, Freikorps, NSDAP. Kaum hatten die Nazis 1933 die Macht übernommen, erschien im Berliner Traditions-Verlag Kolk „Die Uniformen und Abzeichen der SA, SS und des Stahlhelm, Brigade Ehrhardt (Freikorps), Hitler-Jugend, Amtswalter (Amtsträger der NSDAP), Abgeordnete, NSBO (Nationalsozialistische Betriebszellenorganisation) und NSKK (Nationalsozialistisches Kraftfahrkorps)“ – insgesamt „20 Tafeln in Mehrfarbendruck nach Originalen der Kunstmaler Georg Lebrecht und Günther Vogler mit 24 Seiten begleitendem Text“. Vier Jahre später verkündete Hitler am 18. Juli 1937 zur Eröffnung der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ in München „einen unerbittlichen Säuberungskrieg gegen die letzten Elemente unserer Kulturzersetzung. Nun aber werden – das will ich Ihnen hier versichern – alle die sich gegenseitig unterstützenden und damit haltenden Cliquen von Schwätzern, Dilettanten und Kunstbetrügern ausgehoben und beseitigt“. Einen Tag später wurden diese Cliquen in den Hofgartenarkaden mit ihrer Kunst präsentiert. Der vom Regime geförderten Deutschen Kunst wurde die „Entartete Kunst“ gegenübergestellt.

 

Achtmal gab es die „Große Deutsche Kunstausstellung“, achtmal zwischen 1937 und 1944 war Georg Lebrecht mit Ölgemälden dabei – 1937 mit den Bildern „Komitadschi“, „Hinter den Hunden“, „Grüne Husaren“, „Straßenbau“, „Reiterleskapelle und Kameraden“. 1938: „Ums Morgenrot“, „Das rote Feld“. 1939: „Der Hochblauen im Schwarzwald“, „Am Belchen im Schwarzwald“, „Nach Ostland woll’n wir reiten“. 1940: „Vom Schwarzwald zu den Vogesen“, „In der Tucheler Heide“, „Übergang über die Weichsel“. 1941: „Pferdetränke in der Pußta“, „Übergang über den Oberrhein“, „Bomben über Engeland“. 1942: „Eingekesselt“, „Märzenritt“. 1943: „Reiter nach vorn“. 1944: „Herbstallee“.

 

 

Die Partei und ihre getreuen Helfershelfer sorgten für ihre Künstler. An vorderster Front der parteilose Staatsbeamte Otto Meissner, erst Staatssekretär des sozialdemokratischen Reichspräsidenten Friedrich Ebert, dann des monarchistischen Paul von Hindenburg und schließlich im nahtlosen Übergang Chef der Präsidialkanzlei des nationalsozialistischen Führers Adolf Hitler. Er kaufte 1938 das Gemälde „Ums Morgenrot“ für 5.000 RM. Hitler folgte mit dem Ankauf von „Nach Ostland woll’n wir reiten“. 1940 kamen „In der Tucheler Heide“ für 5.000 RM und 1941 „Übergang über den Oberrhein“ für 8.000 RM hinzu. Da aber war Georg Lebrecht zum „Jahrestag der nationalen Erhebung“ am 30. Januar 1938 vom Führer höchstpersönlich zum Professor und zum Leiter der Abteilung Malerei, Graphik und Bildhauerei an der Reichskammer der Bildenden Künste ernannt worden.

 

Während Lebrecht sich einst um Landschaft, Jagd und Pferde bemühte, konzentrierte er sich nach den Überfällen auf Polen und die Sowjetunion verstärkt auf Darstellungen des Krieges. Anfangs der Krieg als ganz gewöhnliches Männerabenteuer, später läßt er Soldat und Mensch einfach weg. Auf dem Gemälde „Bomben über Engeland“ sind es nur noch die „Stukas“, die aus einem impressionistisch angehauchten Himmel auf die ebenso impressionistisch gemalten Ruinen von Londons stürzen. Lieblicher lässt sich „The Blitz“, die Angriffe der deutschen Luftwaffe auf London zwischen dem 7. September 1940 und dem 16. Mai 1941, bei dem 43.000 Menschen den Tod fanden und über eine Million Häuser beschädigt und zerstört wurden, kaum darstellen.

 

Nachdem Lebrecht durch seine Bildverkäufe an nationalsozialistische Amtsträger und Museen einiges an Kapital zusammen hatte, tauschte er die Friedenauer Mietwohnung gegen ein Landhaus in Zehlendorf aus. Panik muss ihn dort überfallen haben, als er hörte, dass die Rote Armee den Teltowkanal überquert und die vom Volkssturm besetzten Stellungen überrannt hatte. Im April 1945 begangen Georg Lebrecht und seine Frau Suizide.

 

 

Lutz Mackensen, Großes Deutsches Wörterbuch

Lutz Mackensen (1901-1992)

 

In Vorbereitung

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