Fünfzehn Autoren und ein Roman

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Name seit 1906, vorher Straße D. Benannt nach Brünnhilde, eine Figur aus Richard Wagners Oper „Die Walküre“. Die Straße entstand 1906 durch die Anlage des Wagnerviertels auf dem Gelände des ehemaligen Sportparks Friedenau.

 

 

 

 

Die Straße müsste getreu der „Nibelungensage“ eigentlich „Brunhildstraße“ heißen, aber da mit den Straßenbenennungen rund um den Cosimaplatz Richard Wagner gewürdigt werden sollte, musste sich die Gemeinde Friedenau für die Wagnersche Schreibweise des Namens entscheiden. Also nicht das nordische Brynhild oder Brünhild, sondern Brünnhilde, die Frau mit dem Körperpanzer. Mit dem Kompositum Brünne und Hilde hatte Wagner seine Walküre, eine schöne und kraftstrotzende Frau, die ihre Jungfräulichkeit verteidigt.

 

Die Königliche Residenz in Berlin hatte keine große Wahl. Wegen leerer Haushaltskasse konnte sie noch nicht einmal selbst für Gaswerke und Stadtbeleuchtung sorgen. 1825 war das Königlich-Preußische Ministerium des Innern gezwungen, mit der englischen Firma „Imperial Continental Gas Association“ (ICGA) einen Vertrag abzuschließen, der der ICGA (eigentlich bis zur Liquidation im Jahr 1918) das Monopol für die Errichtung von Gasanstalten und die Gasbeleuchtung der Berliner Straßen sicherte.

 

Nach der Eingemeindung von Schöneberg und Tempelhof und der Gründung von Friedenau wurde für das Gelände zwischen Kaiserallee (Bundesallee), Varziner-, Handjery- und Bismarckstraße (Sarrazinstraße) – unmittelbar an der Ringbahnstation Wilmersdorf-Friedenau – um 1880 der Bau einer Gasanstalt geplant. Der Gemeindevorstand von Friedenau, der „Landerwerb- und Bauverein auf Actien“ und der Gemeindekirchenrat erhoben im August 1883 Einspruch bei Ernst von Stubenrauch (1853-1909), dem zuständigen Landrat des Kreises Teltow. Der Einspruch wurde am 20. November 1883 abgewiesen. Die Anlage wurde genehmigt. Im Januar 1884 reichten die Beteiligten ihre Beschwerde beim preußischen „Minister für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten“ ein. Handelsminister Otto von Bismarck – in Personalunion mit seinen Ämtern als Ministerpräsident und Reichskanzler – erteilte am 17.Juni 1884 den Bescheid, dass „der Unternehmerin die nachgesuchte Genehmigung zu versagen sei“.

 

Nach Vorlage von überarbeiteten Plänen mit zwei Gasbehältern von 47 und 56,5 Meter Durchmesser im Oktober 1885 legte Friedenau wiederum beim Landrat Einspruch ein, dem der Kreisausschuss am 10. Dezember 1884 mit der Begründung stattgab, „dass der besondere Charakter des Vorortes Friedenau, die Bestimmung desselben als Villenanlage und als ein für Sommerwohnungen von Kranken etc. gesuchter Ort, eine gewerbliche Anlage, wie die hier projektierte Gasanstalt, ohne sanitäre Belästigungen und Nachteile für die einen gesunden Aufenthalt Suchenden nicht zulasse und deshalb die Genehmigung zu versagen sei. Durch die Anlage einer umfangreichen Gasfabrik würden sämtliche wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen für die weitere Entwicklung des Ortes Friedenau und seiner nun einmal gegebenen Grundlage verschoben werden.“

 

Stattdessen entstand um 1890 auf dem Gelände der Sportpark Friedenau mit einer mit einer 500 Meter langen ovalen Radrennbahn. Am 22. September 1904 erwarb der Bauunternehmer Georg Haberland (1861-1933) für seine „Berlinische Boden-Gesellschaft“ von der Gemeinde Friedenau das Gelände für knapp drei Millionen Mark. Zuvor hatte er allerdings dafür gesorgt, dass die Landgemeinde Friedenau die Berliner Traufhöhe von 22 Metern in den Bebauungsplan aufgenommen hatte. So entstand ab 1906 das „Wagner-Viertel“ mit vierstöckigen Mietshäusern von gehobenem Standard.

 

Mit der „Berlinischen Boden-Gesellschaft“ begann das Terraingeschäft im großen Stil, darunter das Bayerische Viertel und das Rheingau-Viertel in Schönberg. Der Grundgedanke war laut Haberland „die Erschließung unbebauter Ländereien und der Verkauf baureifer Parzellen an die Baugewerbetreibenden. Diese errichteten auf den von ihnen erworbenen Bauparzellen Häuser, um sie alsdann an Leute zu verkaufen, die ihre Ersparnisse in Hausbesitz anlegen wollten. Wir richteten selbst ein technisches Büro ein, das die Grundrisse für die einzelnen Häuser aufstellte. An Hand dieser Grundrisse fertigten wir die Rentabilitätsberechnungen an und setzten die Preise der Bauparzellen derart fest, dass für den Unternehmer ein nutzbringendes Geschäft herauskam“.

 

Mit der „Machtergreifung“ geriet das Unternehmen Haberlands unter Druck, weil es als „nichtarisch“ galt. Vorstand und Aufsichtsrat wurden neu besetzt. Georg Haberland starb am 17. November 1933. Das Aktienkapital der „Berlinischen Boden-Gesellschaft“ wurde „arisiert“. Haberlands Söhne emigrierten. Die „Berlinische Boden-Gesellschaft“ ging 1975 mit der Fusion diverser Bauunternehmen in der Bilfinger SE auf.

 

 

Sportpark Friedenau, vor 1906. Archiv Barasch

Brünnhildestraße Nr. 2 - Simmels Sammel Surium


Der Karikaturist Paul Simmel (1887-1933) war neben Heinrich Zille (1858-1929) der bekannteste Schilderer Berliner Lebens. Beide gelten als Ur-Berliner. Geboren wurden sie woanders, Zille in Sachsen, Simmel in Spandau. Während Zille sein Milljöh in den Gassen, Kaschemmen und Hinterhöfen suchte, mit seinen Zeichnungen und Photographien letztendlich auch Anklage erhob, verzichtete Simmel auf diese grausamen Nuancen und setzte auf Humor und Herz. Studiert hatte er ab 1909 an der Berliner Kunstakademie, später auch noch in München und Paris. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs kehrte er nach Berlin zurück, wohnte zuerst in der Brünnhildestraße Nr. 2, dann auch in der Handjerystraße Nr. 17. Seine Karikaturen erschienen allwöchentlich in dem vom Ullstein Verlag herausgegebenen Massenblatt Berliner Illustrirte Zeitung, aber auch in Morgenpost, Lustige Blätter – schönstes buntes Witzblatt Deutschlands und ULK – ein illustriertes Wochenblatt für Unsinn, Leichtsinn und Kneipsinn. Am 3. Dezember 1956 erhob der Senat die Grabstätte von Paul Simmel auf dem Neuen Zwölf-Apostel-Friedhof zum Ehrengrab. Offensichtlich brauchte es nach seinem Tod 23 Jahre, bis geklärt war, dass er zu jenen Persönlichkeiten gehört, die hervorragende Leistungen mit engem Bezug zu Berlin vollbracht oder die sich durch ihr überragendes Lebenswerk um Berlin verdient gemacht haben. Simmels Witz kann man, muss man nicht mögen. Seine zumeist mit knappen Sprüchen garnierten Karikaturen waren leichtfüßig und beliebt, nicht unbedingt jedermanns Sache:


Die Ehefrau: Also der Arzt sagt, mein Stoffwechsel müßte besser werden! Der Ehemann: Ich kaufe Dir also noch nicht genug Kostüme??


Der Fahrlehrer: Ist Ihnen jetzt klar, wie die Kerze zündet? Der Fahrschüler: Ja, aber wenn nun starker Wind ist?


Der Clochard: Benvenuto, lass‘ mal einen, ick will die Geige stimmen!
 

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