Name seit 1.10.1964, vorher seit 1875 Lauterplatz, benannt nach der Lauter, einem Fluss in der Pfalz

Lauterplatz, 1907

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Nachdem während des Kalten Krieges der Schlesische Bahnhof zum Ostbahnhof (1950), die Straße Am Schlesischen Bahnhof zu Am Ostbahnhof (1951) wurde und schließlich in Friedrichshain der Name Breslauer Straße (1964) aus dem Stadtplan verschwand, war das zu viel für jene, denen die Erinnerung an die deutschen Ostgebiete am Herzen lag. So beriet das Abgeordnetenhaus am 3. Juli 1964 über den Antrag der CDU-Fraktion: Wir sind der Meinung, dass wir alles tun müssen, um die ostdeutschen Straßennamen in Berlin zu erhalten. Sie sind nicht nur eine Erinnerung für uns, sondern auch Mahnung und Verpflichtung.

Aus dem seit 1875 bekannten Lauterplatz wurde der Breslauer Platz, ignoriert, dass die Hauptstadt des zweifellos von Deutschen geprägten Schlesiens seit 1945 zu Polen gehört und Wroclaw heißt. Lauterstraße und Lauterplatz erhielten ein Jahr nach der Gründung von Friedenau am 22. Oktober 1875 ihre Namen. Der Platz wurde in den letzten Jahren vom Bezirksamt Schöneberg unter Mitwirkung der Bürgerinitiative Breslauer Platz (BI) zu einem Aufmarschplatz umgestaltet.

 

Von Anfang an war die Lauterstraße bis Ecke Schmargendorfer Straße beidseitig von Bäumen flankiert. Nun gibt es ab Ecke Niedstraße nur noch einseitig Bäume, so dass die Pflasterfläche an den marktfreien und menschenleeren Tagen unwirtlicher nicht sein kann. Um dem vom Naturschutz geforderten Ausgleich nachzukommen, wurden dafür Bäume direkt vor das Rathaus gesetzt. Aus der Historie heraus gibt es dafür keine Begründung – im Gegenteil, die damals vor Stolz strotzende Gemeinde wollte ihr Rathaus unverdeckt präsentieren.

 

Zum Lauterplatz gehört seit 1929 der vom Schöneberger Stadtbaurat Heinrich Lassen (1864-1953) errichtete Pavillon mit Kiosk, Wartehalle und unterirdischer Bedürfnisanstalt. Der Bau steht unter Denkmalschutz, was zu akzeptieren ist, weil Lassen in Friedenau sonst nichts Bemerkenswertes hinterlassen hat. Probleme bereitet die Anlage seit langem, deshalb soll ein Café über dem Pissoir eingerichtet werden. Da dieses wohl so bald nicht sein wird, wurden jetzt erst einmal an den mit der Bürgerinitiative verabredeten Bodenstellen Bänke aufgestellt, wodurch in der Platzmitte ein harmonischer Gesamtklang erzeugt wird. Diese Harmonie besteht im Wesentlichen darin, dass die Nutzer auf die unansehnliche Rückseite des Pavillons bzw. auf die lichtdurchlässigen Glasbausteine blicken, die seinerzeit für Tageslicht im darunterliegenden Pissoir sorgten. Verzichtet hat die BI inzwischen auf den angedachten Schmuckbrunnen, weil eingesehen wurde, dass das Bezirksamt schon mit den vorhandenen Brunnenanlagen überfordert ist. Aufgegeben wurden von der BI auch die Idee, die Laternen mit Blumenampeln zu verzieren, weil (Zitat) das in Tirol so schön aussieht.

 

Mit Dekorationen ist dem Lauterplatz nicht geholfen. Ein wirkliches Marktgeschehen anno dunnemals wird nicht mehr sein. Was jetzt immer noch nach der Friedenauer Polizei-Verordnung von 1909 stattfindet, hat nichts mit einem Wochenmarkt zu tun. Was bleibt – ist der Platz. Schon für Cicero (106-43 v. Chr.) sollte der Stadtplatz jener Ort sein, auf dem sich die zusammengelaufene Stadtgesellschaft zusammenrauft – Voraussetzung für den gemeinsamen Kult, für das Verbindende, für gesellschaftliche Übereinstimmung. Eine große Aufgabe. Die Rückbenennung in Lauterplatz wäre ein Anfang.

 

 

Vom Marktplatz zum Aufmarschplatz

 

Der komplette Beitrag aus dem Buch FRIEDENAU

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