Name seit dem 12. Februar 1935, vorher ab 1905 Wagnerplatz. Benannt nach Cosima Wagner (1837-1930), der Tochter von Franz Liszt, die in erster Ehe mit dem Dirigenten Hans von Bülow und ab 1870 mit Richard Wagner verheiratet war. Sie übernahm nach dem Tod von Richard Wagner im Jahr 1883 bis 1906 die Leitung der Bayreuther Festspiele.

Cosima Wagner, 1905. Foto Jacob Hilsdorf

Der quadratische Platz bildet den Mittelpunkt des sogenannten „Wagner-Viertels“, das zwischen 1904 und 1906 von Georg Haberland und seiner „Berlinischen Boden-Gesellschaft“ angelegt wurde. 1905 ernannte die Gemeinde Friedenau die Grünanlage zum Wagnerplatz. Irgendwann gab es in der Reichshauptstadt Berlin zu viele Plätze und Straßen mit dem Namen des Komponisten Wagner. So erhielt der Friedenauer Wagnerplatz am 12. Februar 1935 den Namen Cosimaplatz, benannt nach Cosima Wagner (1837-1930).

 

Ihre Lebensgeschichte ist – wie auch jene von Richard Wagner – etwas kompliziert. Sie wurde als nichteheliche Tochter von Franz Liszt (1811-1886) und Gräfin Marie d’Agoult (1805-1876) in Bellagio am Comersee geboren. Getreu der Bedeutung ihres italienischen Vornamens, die Ordnungsliebende, die Sittsame, die Schöne, nannte sie sich erst ab 1844 nach der Legitimierung durch ihren Vater nicht mehr länger Cosima d’Agoult, sondern Cosima Liszt. 1857 heiratete sie den Kapellmeister Hans von Bülow (1830-1894).

 

Cosima Francesca Gaetana d’Agoult (1837-1930) wurde die zweite Ehefrau von Richard Wagner (1813-1883). Getreu zur Bedeutung ihres italienischen Vornamens, die Ordnungsliebende, die Sittsame, die Schöne, trug sie 1844 nach der Legitimierung durch ihren Vater nicht mehr länger den Geburtsnamen ihrer Mutter d’Agoult, sondern den Namen Liszt.

 

Nach dem Tod von Wagners erster Ehefrau Wilhelmine geb. Planer (1809-1866) heirateten 1870 die inzwischen geschiedene Cosima von Bülow und Richard Wagner. Sechs Jahre später fanden die ersten Bayreuther Festspiele mit der Uraufführung des kompletten „Rings des Nibelungen“ statt. Nach Wagners Tod übernahm 1883 seine Witwe die Leitung der Bayreuther Festspiele – bis 1906.

 

 

 

 

 

 

Bereits 1880 wurde für das Gelände zwischen Kaiserallee (Bundesallee), Varziner-, Handjery- und Bismarckstraße (Sarrazinstraße) unmittelbar an der Ringbahnstation Wilmersdorf-Friedenau der Bau einer Gasanstalt geplant. Gemeindevorstand von Friedenau, „Landerwerb- und Bauverein auf Actien“ und Gemeindekirchenrat erhoben Einspruch beim zuständigen Teltower Landrat Ernst von Stubenrauch (1853-1909). Der Einspruch wurde abgewiesen und die Anlage genehmigt. 1884 reichten die Beteiligten ihre Beschwerde beim „Minister für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten“ ein. Otto von Bismarck, in Personalunion auch Ministerpräsident und Reichskanzler, verfügte, dass „dass der besondere Charakter des Vorortes Friedenau, die Bestimmung desselben als Villenanlage und als ein für Sommerwohnungen gesuchter Ort, eine gewerbliche Anlage, wie die hier projektierte Gasanstalt, ohne sanitäre Belästigungen und Nachteile für die einen gesunden Aufenthalt Suchenden nicht zulasse und deshalb die Genehmigung zu versagen sei. Durch die Anlage würden sämtliche wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen für die weitere Entwicklung des Ortes Friedenau und seiner nun einmal gegebenen Grundlage verschoben werden“.

 

So entstand um 1890 auf dem Gelände der Sportpark Friedenau mit einer mit einer 500 Meter langen ovalen Radrennbahn. Am 22. September 1904 erwarb der Bauunternehmer Georg Haberland von der Gemeinde Friedenau das Gelände für knapp drei Millionen Mark. Zuvor hatte er allerdings dafür gesorgt, dass die Landgemeinde Friedenau die Berliner Traufhöhe von 22 Metern in den Bebauungsplan aufgenommen hatte. So entstand ab 1906 das „Wagner-Viertel“ mit vierstöckigen Mietshäusern von gehobenem Standard und den Straßen mit den Namen Brünnhilde, Elsa, Eva, Isolde, Kundry, Ortrud, Senta und Sieglinde.

 

 

 

Wagner-Platz nach 1906. Archiv Barasch
Franz Doelle

Cosimaplatz Nr. 8

 

Im Haus Cosimaplatz Nr. 8 lebte der Komponist Franz Doelle (1883-1965). Dem Hauskomponisten von „Apollo“ und „Metropol“ gelang 1928 an der alten Komischen Oper an der Weidendammer Brücke mit der Revue „Donnerwetter - tausend Frauen“ der Durchbruch mit Hans Albers und dem die Zeiten überdauernden Ohrwurm „Wenn der weiße Flieder wieder blüht“. Es folgten weitere Evergreens: „An einem Tag im Frühling“ aus dem Film „Viktor und Viktoria“ (1933), „Liebe ist ein Geheimnis“ aus „Die englische Heirat“ (1934) sowie „Wie ein Wunder kam die Liebe“ aus „Königswalzer“ (1935).

 

1936 zog Doelle nach Hoppegarten und 1946 nach Warbende an die Mecklenburgische Seenplatte. Dort bewirtschaftete er ein Landgut, dessen Wurzeln bis in das 14. Jahrhundert zurückreichen, war zunächst im Besitz des Landesherrn, danach der Familie von Warburg und schließlich des Klosters Himmelpfort. Bereits 1920 wurde es als Pachtgut bezeichnet. Der Komponist als Landwirt erlebte im Sommer 1945 die Bodenreform und den vollständigen Austausch der Bevölkerung. Mitte 1946 erfolgte die Umbenennung in Volksgut Warbende und schließlich 1949 die Enteignung. Über West-Berlin kehrte er in seine Geburtsstadt Mönchengladbach zurück. Von hier zog er nach Uppersberg bei Leverkusen und betrieb dort mit seiner Else die „Geflügelfarm Uppersberg - Inhaberin Elsa Doelle“. Franz Doelle starb 1965. Sein Grab befindet sich auf dem Waldfriedhof Scherfenbrand in Leverkusen.

 

PS Einige Berliner haben nach der Wiedervereinigung Warbende (wieder) für sich entdeckt. In die alten Häuser ist neues Leben eingezogen - allerdings meistens fürs Wochenende und die Ferienzeit.

 

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