Name seit dem 1. November 1962, vorher ab 1872 Ringstraße. Benannt nach Konrad Dickhardt (1899-1961), seit 1946 Schöneberger Bezirksverordneter der SPD, von 1947 bis 1959 Bezirksstadtrat für Finanzen, von 1955 bis 1957 zugleich stellvertretender Bürgermeister. Seit Dezember 1958 bis zu seinem Tode Bezirksbürgermeister von Schöneberg. Dickhardt wurde 1962 ein Ehrengrab der Stadt Berlin auf dem Friedhof Schöneberg II in der Eythstraße (Grabstelle 42-65) zugestanden. Durch einen weiteren Senatsbeschluss vom 23. Januar 1990 wurde die Laufzeit des Ehrengrabs verlängert. Über seine „Verdienste“ ist nur so viel bekannt, dass er nach dem Zweiten Weltkrieg in Schöneberg die SPD aufbaute, und als Finanzstadtrat wohl dafür sorgte, dass die „Schöneberger Sängerknaben“ für ihre erste Chorreise nach Westdeutschland mit den weißen Kniestrümpfen, kurzen schwarzen Hosen und dunkler Weste mit dem Berliner-Bären-Emblem auf der Brust ausgestattet wurden.

 

In der Dickhardtstraße wohnten u. a. die Schriftsteller Nicolas Born und Hans Christoph Buch (beide Nr. 48) sowie der Komponist Friedrich Hollaender mit seiner Ehefrau, der Schauspielerin und Diseuse Blandine Ebinger (Nr. 44). Im Berliner Adressbuch von 1932 wird der Medienunternehmer und Politiker Dr. Alfred Hugenberg als Eigentümer des Hauses aufgeführt.

 

Blandine Ebinger & Friedrich Hollaender, um 1920. Archiv Helwig Hassenpflug

Blandine Ebinger & Friedrich Hollaender

Jonny, wenn du Geburtstag hast

 

Viele haben diesem Chanson ihren Stempel aufgedrückt: Voran Marlene Dietrich, auch Claire Waldoff, Greta Keller, Eartha Kitt, Milva, Daliah Lavi. Nichts gegen die Damen, nichts gegen ihre erotischen Interpretationen, aber einiges gegen ihre Eingriffe in den Text. Aus Neger wurde Geiger, aus brauner Haut blasse, aus schwarzem Haar schönes und auf die Pointe mit dem verlassenen (schwangeren) Liebchen wurde ganz und gar verzichtet.

 

Friedrich Hollaender hatte Jonny, wenn du Geburtstag hast für Blandine Ebinger geschrieben. Das Lied entstand 1920 in der Dickhardtstraße Nr. 44, die damals noch Ringstraße hieß. Ein Jahr zuvor hatten sie geheiratet. Da sie noch keine eigene Wohnung gefunden hatten, wohnten sie in der Wohnung von Tante Doni in Friedenau. Ganz in der Nähe am Lauterplatz wohnten in der Niedstraße Nr. 40/41 auch die Wezels, Blandines Großeltern.

 

Eines Tages war das Ehepaar zu einer Gesellschaft eingeladen. Blandine wurde und wurde mit dem Anziehen nicht fertig. Ich stand, eine Stunde, glaube ich, in Mantel und Hut, mit Handschuhen. Um mit meiner Ungeduld fertig zu werden, trat ich ans Klavier. Mit Handschuhen schlug ich den Deckel auf, mit Handschuhen legte ich die Hände auf die Tasten. Und so, in Hut und Mantel, mit Handschuhen und stehend, spielte ich den Jonny von A bis Z herunter, ohne nachzudenken und ohne anzuhalten. – Das Thema eben war sehr hübsch. – Nein, es war nicht hübsch, und wir kommen zu spät. – Das war Jonny:

Jonny, wenn du Geburtstag hast

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Nicolas Born 1972 in Friedenau. Quelle: Irmgard Born

Nicolas Born (1937-1979)

 

Ich gebe zu, daß ich schöne Gedichte schreiben wollte, und einige sind zu meiner größten Überraschung schön geworden. Nicolas Born

 

Die ersten Gedichte von Nicolas Born erschienen 1960-1962 in den Zeitschriften „Fliegende Blätter“ und „Neues Rheinland“. Unmittelbar nach der Gründung des „Literarischen Colloquiums Berlin“ lud dessen Initiator, der Schriftsteller und Literaturwissenschaftler Walter Höllerer (1922-2003), Nicolas Born 1963 in die Arbeitsstätte für Autoren am Wannsee ein. Dort entstand 1965 „Das Gästehaus“, ein Gemeinschaftsroman von Peter Bichsel, Walter Höllerer, Klaus Stiller, Peter Heyer, Hubert Fichte, Wolf Simeret, Elfriede Gerstl, Jan Huber, Hans Christoph Buch, Wolf D. Rogosky, Martin Doehlemann, Corinna Schnabel, Nicolas Born, Joachim Neugröschel und Hermann Peter Piwitt.

 

In den folgenden Jahren lebte Nicolas Born in der Souterrain-Wohnung in der Fredericiastraße in Charlottenburg (1966), in der Wohnung von Peter O. Chotjewitz in der Leibnizstraße (1967), in Nürtingen bei Stuttgart (1968) und in Gailingen bei Konstanz (1970). 1971 zog er in die Friedenauer Dickhardtstraße Nr. 48. Nach einem Studienaufenthalt in der Villa Massimo in Rom zieht er sich ins niedersächsische Wendland zurück. Dort stirbt er am 7. Dezember 1979.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nicolas Born, Gedichte. Wallstein Verlag

Drei Wünsche

Sind Tatsachen nicht quälend und langweilig?

Ist es nicht besser drei Wünsche zu haben

unter der Bedingung daß sie allen erfüllt werden?

Ich wünsche ein Leben ohne große Pausen

in denen die Wände nach Projektilen abgesucht werden

ein Leben daß nicht heruntergeblättert wird

             von Kassieren

Ich wünsche Briefe zu schreiben in denen ich

             ganz enthalten bin-.

Ich wünsche ein Buch in das ihr alle vorn hineingehen

             und hinten herauskommen könnt.

Und ich möchte nicht vergessen daß es schöner ist

dich zu lieben als dich nicht zu lieben

Eine zu Tode erschrockene Gesellschaft

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fünfzehn Autoren und ein Roman

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