Name seit 1906, benannt nach Elsa von Brabant, einer Figur aus Richard Wagners romantischer Oper „Lohengrin“, die am 28. August 1850 im Hoftheater zu Weimar unter der Leitung von Franz Liszt uraufgeführt wurde. Die Straße entstand 1906 durch die Anlage des Wagnerviertels auf dem Gelände des Sportparks Friedenau.

 

 

 

Die mittelalterliche Geschichte von Lohengrin, Elsa und dem sagenhaften Schwan basiert auf dem Versepos „Parzival“ von Wolfram von Eschenbachs. Dort wird die junge Elsa von Brabant des Mordes an ihren Bruder Gottfried angeklagt. Als keiner Elsa verteidigen will, naht Lohengrin, besiegt den Ankläger und erklärt Elsa für unschuldig. Sie gestehen sich ihre Liebe und heiraten. Lohengrin erklärt Elsa sein Gelöbnis, an das er als Ritter gebunden ist: „Niemals darfst du mich nach meiner Herkunft fragen, Elsa, niemals. Brichst du dieses Gelöbnis, so bin ich dir auf immer verloren!“ Elsa stellt die Frage aber doch. Der Schwan kehrt zurück und nimmt Lohengrin mit sich. Trotz Elsas Flehen kann er nicht bleiben. Der Kahn, in dem Lohengrin unendlich traurig scheidet (so Wagners Regieanweisung), entfernt sich. Elsa stirbt an psychischer Erschöpfung.

 

Nicht ganz so traurig war es um das Wagner-Viertel bestellt. Bereits 1880 wurde für das Gelände zwischen Kaiserallee (Bundesallee), Varziner-, Handjery- und Bismarckstraße (Sarrazinstraße) unmittelbar an der Ringbahnstation Wilmersdorf-Friedenau der Bau einer Gasanstalt geplant. Gemeindevorstand von Friedenau, „Landerwerb- und Bauverein auf Actien“ und Gemeindekirchenrat erhoben Einspruch beim zuständigen Teltower Landrat Ernst von Stubenrauch (1853-1909). Der Einspruch wurde abgewiesen und die Anlage genehmigt. 1884 reichten die Beteiligten ihre Beschwerde beim „Minister für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten“ ein. Otto von Bismarck, in Personalunion auch Ministerpräsident und Reichskanzler, verfügte, dass „dass der besondere Charakter des Vorortes Friedenau, die Bestimmung desselben als Villenanlage und als ein für Sommerwohnungen gesuchter Ort, eine gewerbliche Anlage, wie die hier projektierte Gasanstalt, ohne sanitäre Belästigungen und Nachteile für die einen gesunden Aufenthalt Suchenden nicht zulasse und deshalb die Genehmigung zu versagen sei. Durch die Anlage würden sämtliche wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen für die weitere Entwicklung des Ortes Friedenau und seiner nun einmal gegebenen Grundlage verschoben werden“.

 

So entstand um 1890 auf dem Gelände der Sportpark Friedenau mit einer mit einer 500 Meter langen ovalen Radrennbahn. Am 22. September 1904 erwarb der Bauunternehmer Georg Haberland von der Gemeinde Friedenau das Gelände für knapp drei Millionen Mark. Zuvor hatte er allerdings dafür gesorgt, dass die Landgemeinde Friedenau die Berliner Traufhöhe von 22 Metern in den Bebauungsplan aufgenommen hatte. So entstand ab 1906 das „Wagner-Viertel“ mit vierstöckigen Mietshäusern von gehobenem Standard und den Straßen mit den Namen Brünnhilde, Elsa, Eva, Isolde, Kundry, Ortrud, Senta und Sieglinde.

 

Sportpark Friedenau vor 1906. Archiv Barasch
Erich Kästner, Emil und die Detektive. Titelgestaltung Walter Trier, 1929

Elsastraße Nr. 2

 

Eine gelbe Fläche, ein Eckladen und eine Litfaßsäule, hinter der zwei Jungen einen Mann angespannt beobachten. Das ist seit 1929 Emil und die Detektive. Natürlich steht auf dem Buchcover in Versalien VON ERICH KÄSTNER, aber in der rechten unteren Ecke ganz bescheiden Trier. So ging es Buch um Buch weiter. Erich Kästner (1899-1974) und Walter Trier (1890-1951) wanderten als Paar durch die Literatur. Die Jahre, in denen der Jude ins Exil musste, vermochten die beiden nicht zu trennen.

 

Nachdem der deutsche Kleinmeister aus Prag, wie Kästner den gebürtigen Tschechen später nannte, 1909 Zeichnungen im Simplicissimus veröffentlicht hatte, konnte er sich vor Angeboten nicht retten. Fortan zeichnete er für Lustige Blätter, Berliner Illustrirte Zeitung, UHU und Die Dame. Von 1912 bis 1916 wohnte Walter Trier in der Elsastraße Nr. 2, später im eigenen Haus in Lichterfelde. Zwischendurch hatte Edith Jacobsohn, Witwe des 1926 verstorbenen Weltbühne-Herausgebers Siegfried Jacobsohn, für die Begegnung von Autor und Illustrator gesorgt. In ihrem Kinderbuchverlag erschienen dann die bekannten Klassiker Emil und die Detektive (1929) und Pünktchen und Anton (1931).

 

Edith Jacobsohn floh im Februar 1933 nach London, Walter Trier folgte im Dezember. Erich Kästner blieb:

 

Ich bin ein Deutscher aus Dresden in Sachsen.

Mich läßt die Heimat nicht fort.

Ich bin wie ein Baum, der – in Deutschland gewachsen –

wenn’s sein muss, in Deutschland verdorrt.

 

 

 

 

 

Nach dem Krieg kommt Trier nicht zurück. Er geht nach Kanada und setzt die Arbeit mit Kästner fort. 1949 erscheint Die Konferenz der Tiere. Am 25. Juni 1950 gratuliert Erich Kästner Walter Trier zum 60. Geburtstag: Wenn ich mir überlege, wie lange wir uns schon kennen und wie manche gemeinsame Arbeit wir zu Erfolgen geführt haben, so bin ich immer wieder erstaunt, wenn ich mir nachzurechnen versuche, wie wenig und wie selten wir beide eigentlich beisammen waren. Ein paar Mal bei Edith Jacobsohn, ein paarmal in Ihrem hübschen Haus in Lichterfelde, ein paarmal in Salzburg und einmal in London. Wollte man die Stunden und Tage zusammenrechnen, so kämen, sich über mehr als 20 Jahre erstreckende, kaum vier Wochen heraus. Aber da sieht man wieder, wie wenig es auf die sogenannte ‚objektive‘ Zeit ankommt und wie entscheidend deren Gegenteil ist, nämlich das Gemeinsame, die trotz aller Verschiedenheit zusammenklingenden Charaktere und deren Resultat: die Sympathie. Weiß der Teufel, wann und ob wir einander wiedersehen werden. Womöglich wird es nicht der Fall sein. Wir werden dann einander bereits 25 Jahre kennen oder 30 Jahre und 35 Jahre, und trotz dieser geographischen Getrenntheit wird die Sympathie eher wachsen als nachlassen. Das ist schon eine recht merkwürdige und geheimnisvolle Sache, noch dazu in einer Welt, die echt Geheimnisvolles kaum noch kennt.

 

Am 8. Juli 1951 stirbt Walter Trier in Craigleith bei Collingwood, Ontario, Kanada. Erich Kästner bleibt nur noch ein Nachruf:

 

Still und viel zu früh und unerwartet hat er die Lebenstür hinter sich zugezogen, und wir blicken ungläubig auf seinen leeren Platz. Es heißt, jeder Mensch sei zu ersetzen, und nun empfinden wir, wie unsinnig dieser Satz ist. Walter Trier ist unersetzlich. Der Stollen, woraus er unermüdlich Schätze der Heiterkeit ans Licht brachte und ausbreitete, ist für immer verschüttet. Denn jener Stollen war sein Herz. Als ich ihn kennenlernte, war er längt berühmt. Es war ein seltsamer Ruhm. Er beruhte auf scheinbaren Kleinigkeiten. Auf sogenannten Witzzeichnungen, auf Buchillustrationen, auf Titelbildern bekannter Zeitschriften ... Sein Anliegen als Künstler galt seinem und unserem stillen und unstillbaren Verlangen nach ein wenig Glück. Er hütete die Heiterkeit und das Lächeln, als seien es ewige Flämmchen. Und er tat es ernsten Gesichts. Er wusste ja zur Genüge, wie schwer sein Amt war. Nichts von allem, was ihm und der Welt an Traurigem und Widerwärtigem begegnete, trieb ihn zur Anklage oder zum Weheruf. Er behielt es ‚für sich‘.

 

 

Walter Trier, 1931

Erich Kästner: Walter Trier zum Gedächtnis, 1951

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