Name seit 1905, vorher Straße 11, benannt nach der Erstbepflanzung der Straße mit Eschen.

 

 

Eschenstraße Ecke Stubenrauchstraße. 1910. Archiv Barasch
Paul Rosenhayn, Elf Abenteuer des Joe Jenkins. Ausgabe von 1915

Eschenstraße Nr. 3

Paul Rosenhayn (1877-1929)

 

Kennen Sie Paul Rosenhayn? Wir kannten den Autor bisher auch nicht. Das scheint eine Bildungslücke zu sein, weil die 1915 veröffentlichten und nun wieder erhältlichen Detektivgeschichten für Krimifans „eine echte Entdeckung“ sind. Sie gestehen ein, dass „die Sprache manchmal etwas antiquiert wirkt, aber dies würde durch ausgefallene Plots und Bezüge auf das Zeitgeschehen“ wettgemacht.

 

Joe Jenkins ist der Held, ein amerikanischer Privatdetektiv, der sich nach seiner Ankunft in Berlin an angeblich unlösbare Fälle macht: Ein verschollener Geheimvertrag, ein geheimnisvolles grünes Licht, ein zurückgekehrter Toter, ein hinterhältiger Mord in der Theaterszene, ein rätselhafter Flugzeugabsturz. Joe Jenkins übernimmt jeden Fall, sofern die Polizei mit ihrer Weisheit am Ende ist, und sorgt mit seinem Verstand für Aufklärung und Gerechtigkeit.

 

Dieser Paul Rosenhayn (1877-1929) wurde in Hamburg geboren, absolvierte zunächst die Schule in England, danach ein deutsches Gymnasium. Die Sprachkenntnisse, das Verständnis für die beiden Milieus, öffneten ihm die Welt. Er unternahm Reisen, Europa, Amerika, Indien, entschied sich für den Journalismus, schrieb für englische und deutsche Zeitungen und ließ sich in der Friedenauer Eschenstraße Nr. 3 nieder. Hier begann er mit Kriminalgeschichten.

 

Der weltgewandte Journalist wusste, was er dem Publikum liefern musste. Er orientierte sich an Sherlock Holmes, lieferte auf 15 bis 25 Seiten spannende Geschichte und legte 1915 die „Elf Abenteuer des Joe Jenkins“ vor:

 

 

 

 

 

 

 

 

Das grüne Licht: Über gut versteckte Geheimpapiere leuchtet ein unheimliches Licht, das Joe Jenkins einem sehr realen Verursacher zuordnen kann.

Wenn die Toten wiederkehren: Joe Jenkins sieht Zusammenhänge zwischen Spuk und Erbe.

Proszeniumsloge Nr. 1: Dass ausgerechnet ein Prominenten-Mord den erfolgreichen Start einer neuen Zeitung begleitet, ruft Joe Jenkins auf den Plan.

Der Geldbrief: Der Raum war nachweislich fest verschlossen, trotzdem verschwand der titelgebende Brief. Joe Jenkins löst das Rätsel und damit den Fall.

Ein Ruf in der Nacht: Telefonanrufe und mysteriöse Botschaften ängstigen einen Fabrikanten, bis Joe Jenkins dem Geheimnis auf den Grund geht.

Das Haus im Schatten: Was sein neuer Mieter in dem alten Gebäude treibt, dünkt den Besitzer so seltsam, dass er Joe Jenkins um Hilfe bittet.

Das Logenbillett: Der Einbruch scheint ein klarer Fall zu sein, bis Joe Jenkins entdeckt, dass der geleerte Safe von innen aufgeschweißt wurde.

Rauch im Westwind!: Die Elite der skandinavischen Flugpioniere wird durch eine Absturzserie dezimiert, der Joe Jenkins ein Ende zu bereiten gedenkt.

Der Similischmuck: Dass die junge Frau vom einem Hausierer Schmuck erwarb, kommt nicht nur dem Gatten, sondern auch Joe Jenkins verdächtig vor.

Die Amati: Der Musikus fühlt sich von einem Doppelgänger verfolgt, aber für Joe Jenkins ist es die wertvolle Geige seines Opfers.

Die Visitenkarte: Immer wieder werden dem Geschäftsmann Visitenkarten eines verstorbenen Zahnarztes zugeschickt; Joe Jenkins klärt das Rätsel auf.

 

Über Nacht wurde er berühmt. Die Filmindustrie griff zu. Zwischen 1917 und 1919 schrieb er Drehbücher für zwölf Spielfilme, die allesamt von der Zensur mit Jugendverbot belegt wurden, aber Bestseller wurden, auch in England, Frankreich und den USA. Rosenhayn war eine Größe der deutschen Unterhaltung. Nach seinem Tod geriet Paul Rosenhayn in Vergessenheit. Dabei ist es geblieben. Die Krimis verschwanden, die Filme gingen verloren – und sein Grab auf dem Neuen Zwölf-Apostel-Kirchhof in Schöneberg ist längst eingeebnet. Nun sind die „Elf Abenteuer des Joe Jenkins“ wieder da – im Original von 1915. Wohl nicht ohne Grund hat auch das Projekt Gutenberg den 1929 entstandenen Kriminalroman „Die drei aus Hollywood“ im Internet zur freien Verfügung gestellt.

 

 

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