Name laut „Friedenauer Lokal-Anzeiger“ vom 26. Mai 1898 seit 1897. Auf Beschluss der Friedenauer Gemeindevertretung wurde die Straße bereits 6 Jahre vor dem Tod des Kommunalpolitikers Adolf Fehler (1828-1903) von „Straße am Friedhof“ in Fehlerstraße umbenannt. Das Grab der Familie befindet sich auf dem Friedhof Stubenrauchstraße, Grablage 18/1-1.

 

 

Grabstätte Fehler. Foto H&S, 2016

Adolf Fehler (1828-1903)

 

So ganz korrekt war die Sache mit den Baugenehmigungen in der Fehlerstraße wohl nicht gelaufen. Gemeindevertreter Kunow erlaubte sich während der Gemeindevertretersitzung am 17. März 1899 die Bemerkung, es handelt sich hier um eine Straße, „welche noch nicht definitiv gepflastert und kanalisirt ist, weshalb ortsstatutarisch bei Bauten die Gemeindevertretung ihre Genehmigung zu ertheilen hat“. Nun aber sei „das Haus schon halb heraus. Der Fall liege ähnlich wie damals in der Kasselerstraße“.

 

Gemeindevorsteher Herr Major Albert Roenneberg erwiderte, „die Sache datire weiter zurück als der Fall in der Kasselerstraße. In Verfolg des damaligen Beschlusses ersuche er jetzt um die Genehmigung für diesen Bau“. Herr Schöffe Fehler ergänzte, „der Gemeindevorstand habe geglaubt, die im Villenterrain liegende Straße sei bebauungsfähig, da sie doch gepflastert sei. Der Gemeindevorstand werde sorgen, daß nicht wieder ohne Genehmigung gebaut werde“.

 

Gemeindevertreter Wille betonte „die Nothwendigkeit, daß nach gleichen Grundsätzen verfahren werden müsse. Bei Neubauten sei an den 30 M. pro laufenden Meter Straßenfront für die Kanalisation festzuhalten und die Pflasterkosten für definitives Pflaster seien zu bezahlen oder zu hinterlegen“. Andere Herren erklärten, daß „die Fehlerstraße ihres provisorischen Pflasters wegen als eine ,Fehler’straße“ zu bezeichnen sei und daß dies Pflaster nicht „als definitives zu betrachten sei“. Unter diesen Bedingungen wurde die Genehmigung für beide Bauten ertheilt.

 

Albert Roenneberg (1842-1906) war 1892 als Amtsnachfolger für seinen Bruder Georg Roenneberg (1834-1895) zum Gemeindevorsteher von Friedenau gewählt worden. An seine Seite holte er sich als stellvertretenden Amts- und Gemeindevorsteher den Schöffen Adolf Fehler (1828-1903). Beide Herren unterzeichneten 1899 den „nicht wirksam gewordenen Vereinigungsvertrag von Schöneberg und Friedenau“. Als Albert Roenneberg aus gesundheitlichen Gründen den Posten aufgab, übernahm Fehler im Juli 1902 vorübergehend das Amt als Gemeindevorsteher. Da den Gemeindevertretern längst klar geworden war, dass die Geschicke des Ortes nicht länger im „Vereinsstil“ zu bewältigen waren, Verwaltung und Infrastruktur nicht im gleichen Maß wie die Siedlung mitgewachsen waren, holten sie zum 1. April 1903 den Juristen und erfahrenen Verwaltungsfachmann Bernhard Schnackenburg (1867-1924) als besoldeten „Bürgermeister“ nach Friedenau.

 

 

 

 

Dem „Friedenauer Lokal-Anzeiger“ war zu entnehmen, dass Adolf Fehler bereits 1898 für eine weitere sechsjährige Amtsperiode als Schöffe einstimmig wiedergewählt wurde. „Seine Verdienste um unseren Ort sind in allen Kreisen der Bürgerschaft bekannt. Ungetheilte Anerkennung findet besonders seine rege Thätigkeit, die er für das äußere Aussehen Friedenaus stets entfaltet hat und auch zur Zeit entwickelt. Die Schmuckanlagen und Plätze unseres Ortes sind denn auch unter dieser Pflege vortrefflich gediehen und das grüne stille Friedenau verdankt seine Berühmtheit nicht zum wenigsten seinem verdienstvollen Schöffen. Auch für die Verschönerung unseres Friedhofs hat Herr Fehler alles Erdenkliche gethan und ihm zu Ehren wurde im vergangenen Jahre (1897) die neu hergestellte, am Friedhof entlang führende Straße ‚Fehlerstraße‘ getauft.

 

Begonnen hatte die „Ära Fehler“ mit Max Fehler. Der 1861 in Magdeburg geborene Sohn von Adolf Fehler kam 1880 nach Berlin und fand eine Anstellung in der Schreibstube des Polizeipräsidiums. 1885 zog er in den I. Stock Schmargendorfer Straße Nr. 11. Eigentümer war Otto Bauer, Geheimer Sekretär im Schatzamt. Er war mit Fehlers Schwester Emma verheiratet. Der inzwischen als Geheimer Registrator im Auswärtigen Amt tätige Max Fehler heiratete 1891 Clara Löbner (1867-1949). Das Ehepaar zog in die Ringstraße Nr. 19, wo 1894 Tochter Hildegard geboren wurde. 1901 vermerkt das Adressbuch unter Niedstraße Nr. 4: „Eigentümer L. Löbner, Rentier, Mieter Fehler, Max.“

 

Sein Vater Adolf hatte sich 1886 als Königlicher Eichmeister pensionieren lassen und war mit Ehefrau Doris (1823-1899) von Magdeburg nach Friedenau in die 1. Etage der Villa seines Schwiegersohnes Otto Bauer in die Schmargendorfer Straße Nr. 11. gezogen. Bald saß er im Vorstand des Verschönerungsvereins, wurde 1889 Mitglied der Kirchenvertretung und schließlich ab 1892 als Gemeindeschöffe zuständig für Grünanlagen und Friedhof. Der weitere Weg ist bekannt.

 

Adolf Fehler verstarb am 27. März 1903 an den Folgen einer Blinddarmentzündung. Sohn Max Fehler wurde am 4. Dezember 1926 am Lauterplatz von der Elektrischen überfahren. Die Fehlers gehören zur Geschichte von Friedenau, gut, dass das Grab auf dem Friedhof Stubenrauchstraße erhalten ist.

 

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Gemeindevorsteher Major a.D, Albert Roenneberg und Schöffe Adolf Fehler, Königl. Eichmeister a.D., hatten 1899 den Einigungsvertrag zwischen Schöneberg und Friedenau unterzeichnet, der letztendlich nicht wirksam wurde. Wir veröffentlichen das Original aus dem Friedenauer Lokal-Anzeiger vom 09.02.1899. 

 

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Die Mitarbeiter der Bildgießerei Noack präsentieren die wiederhergestellte Quadriga im Hof Fehlerstraße. Foto Bildgießerei Noack, 1958

Bildgießerei Hermann Nock

Fehlerstraße Nr. 8

 

Am 3. August 1958 um sechs Uhr morgens klingelte Werkmeister Schenk seinen Chef aus dem Bett: Die Quadriga ist weg! Der 26-jährige hatte gerade erst die Leitung der Bildgießerei Hermann Noack von seinem Vater übernommen. Nun war er verantwortlich für die Fertigstellung der Schadowschen Figurengruppe auf dem Brandenburger Tor. Am Vortag hatte er die in seiner Werkstatt rekonstruierte – immerhin fünf Meter hohe und in Kupfer getriebene – Skulptur auf dem Pariser Platz abgestellt. Und nun sollte sie verschwunden sein? Ich hab mich sofort angezogen und bin dann mit dem Auto dahin gefahren. Und die Quadriga war wirklich weg! In der Nacht hatte die DDR die Einzelteile zusammengepackt und heimlich in den Neuen Marstall verfrachtet.

 

Als die Quadriga nach Monaten wieder auftauchte und auf dem Brandenburger Tor installiert wurde, fehlten der wagenlenkenden Siegesgöttin Viktoria das Eiserne Kreuz und der Preußenadler. Man hätte es sich denken können, dass Ost-Berlin die originalgetreue Rekonstruktion nicht so ohne weiteres hinnehmen würde. Als der Ost-Berliner Magistrat am 21. September 1956 beschlossen hatte, das im Zweiten Weltkrieg beschädigte Brandenburger Tor zu erneuern, musste auch die Quadriga vollständig neugeschaffen werden – allerdings ohne die Embleme des preußisch-deutschen Militarismus.

 

 

 

 

 

 

 

 

Den Auftrag erhielt die West-Berliner Bildgießerei Hermann Noack. Die Firma hatte im Osten einen guten Ruf. Bereits 1945 hatte sie die von Bildhauer Lew E. Kerbel (1971-2003) geschaffene überlebensgroße Bronzefigur des Sowjetsoldaten für das Sowjetische Ehrenmal im Tiergarten gegossen. 1949 wurde Noack wieder gerufen, als es galt, den Entwurf des Schöpferkollektives unter der Leitung des Architekten Jakow S. Belopolski, des Bildhauers Jewgeni W. Wutschetitsch, des Malers Alexander A. Gorpenko und der Ingenieurin Sarra S. Walerius für das Sowjetisches Ehrenmal im Treptower Park in Bronze umzusetzen.

 

Das Familienunternehmen wurde 1897 gegründet. Zwei Jahre später entstand in der Fehlerstraße Nr. 8 die Werkstatt der Bildgießerei Hermann Noack, inzwischen die bedeutendste Bronzegießerei in Deutschland. Zur Geschichte des Hauses gehört, dass über mittlerweile vier Generationen der jeweilige Chef des Hauses den gleichen Vornamen trägt: Von Hermann I. (1867–1941) ging es zu Hermann II. (1895–1958). Gegenwärtig leitet Hermann III. (geboren 1931) zusammen mit seinem Sohn Hermann IV. (geboren 1966) die Firma.

 

Zur Tradition gehört aber wohl auch, dass gute Handwerker von je her ein gutes Verhältnis zu Künstlern, Kunsthändlern, Architekten, Galerien und Museen haben. Das begann mit dem  Tierbildhauer August Gaul (1869-1921), von dem 1899 (nicht nur) die Bronze der Stehenden Löwin gegossen wurde (heute im Museum Hanau-Großauheim), sondern nahezu sein gesamtes Lebenswerk – bis hin zur Skulptur Löwe im Kolonnadenhof der Alten Nationalgalerie auf der Museumsinsel. Oder Wilhelm Lehmbruck (1881-1919), dessen Kniende sich heute im Museum of Modern Art in New York befindet. Wer ging in der Fehlerstraße nicht alles ein und aus: Reinhold Begas, Ernst Barlach, Georg Kolbe, Käthe Kollwitz, Bernhard Heiliger, Henry Moore, Anselm Kiefer, Joseph Beuys, Georg Baselitz und viele andere.

 

Noack hat mit seiner Handwerkskunst das Berlin-Bild geprägt: Die Goldelse auf der Siegessäule, der Große Kurfürst am Charlottenburger Schloss, Henry Moores Big Butterfly vor dem Haus der Kulturen der Welt, die Plastik Pieta von Käthe Kollwitz, 1937 erstmals in Bronze gegossen, dann 1993 als vergrößerte Kopie aufgestellt in der Neuen Wache, Rainer Fettings Willy Brandt im SPD-Haus an der Wilhelmstraße.

 

Nicht zu vergessen Renée Sintenis. Aus ihrer bereits 1932 geschaffenen Bronze Junger Bär wurde der Goldene Bär der Berliner Filmfestspiele. Hunderte Berlinale-Bären hat die Bildgießerei Hermann Noack in der Fehlerstraße Nr. 8 bisher gegossen. Weitere werden folgen, allerdings nicht mehr aus Friedenau, sondern vom neuen Standort Skulpturenzentrum am Spreebord in Charlottenburg.

 

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