Name seit 1870, benannt nach Kronprinz Friedrich Wilhelm, der nach dem Tod seines Vaters Kaiser Wilhelm I. (1797-1888) im sogenannten Drei-Kaiser-Jahr zum Kaiser Friedrich III. (1831-1888) gekrönt wurde und nach 99 Tagen starb. Nachfolger wurde sein Sohn Kaiser Wilhelm II. (1859-1941).

 

 

 

Friedrich-Wilhelm-Platz, 1955

Mittelpunkt von Friedenau

 

Am Friedrich-Wilhelm-Platz haben Anwohner einen Wegweiser angebracht. Auf diesem weisen sie darauf hin, dass es unmittelbar an der Kirche zum guten Hirten mit der Bundesallee nicht geradeaus, sondern nach einem Knick rechts weiter zu den Häusern Nr. 76 bis Nr. 130 geht. Das Schild macht mehr als nur die Misere einer absurden Planung deutlich.

Das Problem entstand in den 1960er Jahren mit dem Ausbau der Kaiserallee zu einer Schnellstraße unter dem neuen Namen Bundesallee. Bäume und Vorgärten verschwanden. Tunnel und Straße rückten an die Wohnhäuser. Mit dem Bau von Bundesallee und U 9 wurde das Gleichgewicht des Platzes erheblich gestört: Sechs Fahrspuren nebst Mittelstreifen auf der Ostseite der Kirche, und alles, was sonst noch untergebracht werden musste auf der Westseite: U-Bahn-Eingang, Parkplätze, Bushaltestelle, Taxistand und Trinkhalle. Friedenau wurde in Ost und West geteilt.

 

 

 

Es ist nicht zu bestreiten, dass diese Lösung damals für den zwischen Nord und Süd ausgerichteten West-Berliner Verkehr eine Berechtigung hatte. Zwei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung der beiden Stadthälften ist dieses Argument hinfällig. Die Verkehrsströme haben sich verändert. Es ist Zeit, über Rückbau und Wiedergewinnung von historischen Strukturen nicht nur für die Berliner Mitte, sondern auch für den Vorort nachzudenken.

 

Der Friedrich-Wilhelm-Platz geht auf den am 25. Juli 1874 veröffentlichten Plan von Johann Anton Wilhelm Carstenn (1822-1896) und Johannes Otzen (1839-1911) zurück. Angedacht war eine breite Mittelallee, die den Platz in seiner gesamten Länge durchziehen und beiderseits von Grünflächen und schmalen Seitenstraßen flankieren sollte – ein Anger, ein Dorfplatz in Gemeinbesitz, der von allen Bewohnern genutzt werden konnte. Als die Protestanten eine Kirche forderten, und sich dafür den Friedrich-Wilhelm-Platz ausgedacht hatten, kam Friedenau in die Bredouille. Der Bau von Gotteshäusern gehörte schließlich zu den Lieblingsprojekten von Kaiser Wilhelm II. Nach einigem Hin und Her war die Gemeinde nur bereit, einen Bauplatz am südlichen Platzrand zur Verfügung zu stellen. Errichtet wurde eine Langhauskirche mit Seitenschiffen und einem 70 Meter hohen Turm. Das neogotische Bauwerk hatte Karl Doflein (1852-1944) entworfen, allerdings ursprünglich für eine Kirche im Invalidenpark. Obwohl dieser Entwurf den besonderen Beifall Ihrer Majestät der Kaiserin Auguste Viktoria (1858-1921) erhalten hatte, wurde er dort nicht realisiert. Kirchenbauverein und Gemeinde nutzten das aus. Die Kaiserin übernahm die Schirmherrschaft, Friedenau gab das Grundstück und der Kaiser beteiligte sich an den Baukosten. Die Grundsteinlegung erfolgte 1891, die Einweihung 1893. Ein Großteil der Grünfläche blieb erhalten. Die weitere Platzgestaltung wurde schwierig.

 

Als der Kriegerverein auf die Idee kam, der jährlichen Feier zum Sedantag auch in Friedenau einen würdigen Rahmen zu schaffen, schließlich musste an die Kapitulation der französischen Armee von 1870 immer wieder erinnert werden, viel der Vorschlag selbstverständlich auf fruchtbaren Boden. Der ortsansässige Regierungs-Baumeister Ludwig Dihm (1849-1928) erbot sich umgehend für Entwurf und Ausführung des Denkmals. Natürlich fand man dafür keinen geeigneteren Standort als den Friedrich-Wilhelm-Platz. Im Süden die Kirche Zum guten Hirten, im Norden das Denkmal für Verehrung und Dank für unseren Kaiser als den Begründer des Deutschen Reiches.

 

Dem Centralblatt der Bauverwaltung vom 12. Oktober 1901 schien der Platz weniger geeignet: Hätte man seinerzeit die Anlage eines Denkmals schon berücksichtigen können und eine wirkliche, geschlossene Platzgestaltung erstrebt, und hätte man dazu die Kirche auf der Mitte des Platzes oder besser noch weiter zurück errichtet, so würde dies die höchst erwünschte Folge gehabt haben, dass das Denkmal vor der Haupteingangsseite der Kirche errichtet werden konnte. Nunmehr musste es im Rücken der Kirche aufgebaut werden, und wenn die gewählte Anordnung auch den besten Zustand darstellt, der nach Lage der Dinge erreicht werden konnte, so kann doch von der Schaffung eines schönen, einheitlichen Platzbildes leider nicht die Rede sein.

 

Das 15 Meter hohe Denkmal aus rotem Sandstein für Kronprinz Friedrich Wilhelm, der 1888 als Kaiser Friedrich III. in die Geschichte eingegangen ist und im sogenannten Drei-Kaiser-Jahr nach nur 99 Tagen Regierungszeit starb, wurde am 18. Oktober 1901 eingeweiht.

 

Bis in die 1960er Jahre hinein war der Friedrich-Wilhelm-Platz Mittelpunkt von Friedenau – mit Grünanlagen, Spielplatz, Brunnen, ein beliebter Ort zur Erholung für Groß und Klein. Ringsherum auch etwas fürs Auge: Malerische Architektur aus märkischem Backstein wie das Landhaus von 1884, das sich der Architekt Otto Hoffmann (1853-1930) als Wohnhaus mit neogotischen Türmchen und Zinnen gebaut hatte, und daher noch heute Burg genannt wird. Autoverkehr und Straßenbahn umschlossen den Platz auf beiden Seiten, vorbei an exemplarischen Wohnungsbauten von der späten Gründerzeit bis zum Ersten Weltkrieg. Dann kam in den Jahren von 1966 bis 1970 der Bau von U 9 und U-Bahnhof Friedrich-Wilhelm-Platz. Wiederum bereitete der Platz Schwierigkeiten. Die U-Bahn-Trasse musste so angeordnet werden, dass die Kirche zum guten Hirten auf der östlichen Seite umfahren wird – daher auch der gekrümmte Bahnsteig.

 

Nach dem Mauerbau wurden zwischen Nord und Süd die Entlastungsstraße durch den Tiergarten (1961) und zur Umfahrung von Rhein- und Schloßstraße die Westtangente (1968) gebaut. Der U-Bahn-Bau bot nun die Gelegenheit, die Bundesallee gradlinig in die Schmiljanstraße und weiter zur AS Saarstraße zu führen. Viel Mühe mit einer neuen Platzgestaltung hat sich der Senat schon damals nicht gegeben. Zerstört wurde die symmetrische Angerform des Platzes, hinterlassen wurden Brandwände an der Schmiljanstraße, eine heute irrwitzige Verkehrsführung der Bundesallee und Grünanlagen, die nur noch unter Straßenbegleitgrün firmieren. Vom heute zuständigen Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg ist nichts zu erwarten.

 

 

Die Kirche Zum guten Hirten. Foto H&S, 2006

Die Kirche „Zum guten Hirten" in Friedenau bei Berlin

Centralblatt der Bauverwaltung, 11. November 1893

 

Der Eifer, mit dem man in Berlin auf kirchenbaulichem Gebiete bemüht ist, die Versäumnisse früherer Jahrzehnte nachzuholen, ist auch auf die Vororte der Hauptstadt nicht ohne Einfluß geblieben. So regte sich vor einigen Jahren in Friedenau der lebhafte Wunsch, ein eigenes, der Größe des Ortes angemessenes protestantisches Gotteshaus zu besitzen. Unter den aus einem engeren Wettbewerb hervorgegangenen Entwürfen für die Gnadenkirche im Berliner Invalidenpark hatte der Plan des Architekten Carl Doflein, den besonderen Beifall Ihrer Majestät der Kaiserin gefunden, und es war, nachdem die Entscheidung in dieser Wettbewerbung zu Gunsten eines anderen, des Spittaschen Entwurfes, gefallen war, der Allerhöchste Wunsch ausgesprochen worden, jenen Dofleinschen Plan an anderer Stelle zur Ausführung gebracht zu sehen.

 

 

 

 

 

Die Gemeinde Friedenau sah sich damals genötigt, für ihren beabsichtigten Kirchenbau ein kaiserliches Gnadengeschenk zu erbitten, und so lag es nahe, dass sich das Augenmerk auf den sich des Beifalls der Kaiserin erfreuenden Entwurf richtete. Freilich konnte dieser Entwurf aus Kostenrücksichten in seiner ursprünglichen Fassung nicht zur Ausführung gelangen; die Verhandlungen führten vielmehr zu einer Umarbeitung, die auf eine den bescheideneren Verhältnissen entsprechende Vereinfachung hinauslief.

 

Am 21. Oktober 1891, am Geburtsfest Ihrer Majestät der Kaiserin, der Protektorin der Kirche, wurde feierlich der Grundstein gelegt. Im März 1892 begann die Ausführung, und es ist als eine außerordentliche Leistung aller Beteiligten, vornehmlich des leitenden Architekten zu bezeichnen, dass bereits am gestrigen Luthertag das vollständig fertiggestellte Gotteshaus eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben werden konnte.

 

Als einfacher, vollständig symmetrischer Langbau fügt sich die Friedenauer Kirche ihrer Umgebung sehr gut ein. Sie ist auf dem sich lang von Norden nach Süden erstreckenden Friedrich-Wilhelm-Platz so angeordnet, dass ihr über dem Haupteingange an der Südfront errichteter Glockenturm im Schnittpunkte der Achsen von fünf strahlenförmig auf den Platz mündenden Straßen steht. Für alle diese bildet er somit den wirkungsvollen Abschluß und trägt zum Zurechtfinden in dem der öffentlichen Gebäude noch so gut wie ganz entbehrenden Orte in willkommener Weise bei.

 

Ihrer Grundrissbildung nach ist die Kirche eine Saalanlage mit schmalen, gangartigen Seitenschiffen, die durch teilweises Hereinziehen des Strebesystems in das Kircheninnere gewonnen sind. Das Mittelschiff hat die für derartige einfache Saalkirchen stattliche Breite von 12 m erhalten. Seine Länge beträgt, von der inneren Turmwand bis zum Chorbogen gemessen, 29 m. Um den kleinen, rechteckigen Chor, der als einfachste Umschließung des Altartisches gedacht ist, im Innern stattlicher wirken zu lassen, ist zwischen ihm und den regelmäßig entwickelten vier Kreuzgewölbejochen des Mittelschiffes noch ein schmales Halbjoch mit abgeschrägten Ecken und entsprechendem oborartigen Rippengewölbe eingeschoben worden. In diesem Halbjoche stehen links die vom Altarplatz aus zugängliche Kanzel, rechts der Taufstein. Oben gab die Abschrägung Veranlassung, die Emporen als Logen ausgebildet durchzuführen, eine Anordnung, die allerdings, wenigstens auf der Kanzelseite, mehr künstlerischen als praktischen Werth hat. Denn während die durchbrochenen Schrägen eine wirkungsvolle Gliederung und hübsche Durchblicke geben, würden links die Logenbesucher der Kanzel doch näher gerückt sein, als zulässig erscheint. An der Turmseite ist die Einfügung des abgeschrägten Halbjoches wiederholt. Hier gab sie Gelegenheit, die Doppel-Empore stattlicher auszubilden, und er möglichte die Gewinnung genügender Widerlager für die Arkadenbögen des Langhauses. Durch beide Halbjoche erfährt der Kirchenraum eine Art Endabrundung, die zu seiner Geschlossenheit und der für die evangelische Predigtkirche erwünschten Einheitlichkeit beiträgt.

 

Zu Seiten des Chores sind westlich ein Sitzungszimmer, östlich die Sakristei angebaut, für welche die Zugänge von außen unter den vorerwähnten Emporenlogen gewonnen sind. Links und rechts vom Turm sind Treppenhäuser angeordnet, durch deren geschickte Ausbildung den baupolizeilichen Vorschriften für Ausgänge und Treppen in knapper und einfacher weise entsprochen ist. Eine kleine Wendelstiege macht den Turm bis ins oberste Geschoss, also bis zum Umgange unter dem Helmansatz zugänglich. Sie ist in der Südwestecke des Turmes ausgekragt und zu ihrer Erhellung und Entlastung durchbrochen, aus 1 Stein starken Backsteinpfeilerchen mit überdeckenden sandsteinernen Bogenstücken gebildet.

 

In konstruktiver Beziehung ist zu erwähnen, dass der Architekt überall mit den kleinsten Abmessungen von Pfeilern, Mauern usw. auszukommen versucht hat. Dabei ist überall noch Luftisolierung durchgeführt. Die Grundmauern sind auf gleichmäßige Bodenbeanspruchung (2,36 kg auf 1 qcm) berechnet. Die sparsam konstruierten Dachbinder, ebenso der Glockenstuhl bestehen aus Schmiedeeisen, der Turmhelm ganz aus Holz.

 

Über den äußeren Aufbau der Kirche gibt die Ostansicht (Abb. 2) Aufschluss. Die Formgebung ist frühgothisch und steht zwischen der geschichtlichen Frühgothik und der durch die hannoversche, insbesondere Otzensche Schule gepflegten neugothischen Backsteinbauweise. Der Turm namentlich hat viel von letztgenannter Art. Um das schlichte Langhaus zu bereichern, sind über den einzelnen Seitenschiffjochen kurze Satteldächer errichtet, die in das Hauptdach der Kirche einschneiden, ein stets dankbares Motiv, durch welches hier der mittlere Baukörper mit den an und für sich reicher entwickelten Süd- und Nordteilen des Gebäudes gut in Einklang gebracht worden ist. Die Entwässerung der Dachflächen gab dabei Gelegenheit zur Ausbildung von Terracotta-Kesseln, an welche die oben in den Strebepfeilern, weiter unten seitlich derselben herabgeführten Abfallrohre anschließen. Db vorhandenen Wasserspeier haben somit, ebenso wie die am Turm, wo ähnliche Abfallrohr-Einrichtungen getroffen sind, keine praktische Bedeutung, sind aber ihres großen formalen Wertes wegen doch vom Architekten für unentbehrlich gehalten worden. Der Sockel des Bauwerkes besteht aus rotem Alvenslebener Sandstein. Das aufgehende Backsteinmauerwerk ist mit kräftig fleischroten Voll- und Viertelsteinen aus den Ziegeleien von Bienwald u. Rother in Liegnitz verblendet und mit gewöhnlichem Mauermörtel voll gefugt. Dazu treten geputzte Zwickelflächen und braune, gelbe und hellgrüne Glasuren in sehr mäßiger Verwendung. Die Verteilung insbesondere des letztgenannten Schmuckmittels, durch dessen zu mannigfaltige und gleichwertige Anwendung die ruhige, monumentale Würde des Backsteinbauwerkes so leicht verloren geht, ist überaus wohlgelungen. Auch bei den mit rheinischem (Cauber) Schiefer gedeckten Dächern ist schädliche Buntheit weise vermieden. Mit um so mehr Recht ist dagegen reicher Formen- und Farbenschmuck an einzelnen bevorzugten Stellen zusammengehalten. So besonders an der Haupteinangspforte des Gotteshauses. Hier tritt zu den farbigen Glasuren noch Sgraffitoschmuck hinzu. Die geschützte Lage des Einanges in tiefer Spitzbogennische gestattete auch die glatten Putzflächen mit ruhigen Farben zu bemalen. Inmitten des Türogenfeldes ist das in Sandstein gemeißelte Bild Christi, des guten Hirten, angebracht, und darunter - in alter Technik jeder einzelne Buchstabe auf einem besonderen Tonplättchen - der von der hohen Protektorin angegebene Spruch, unter dessen Zeichen die Kirche erbaut ist: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln".

 

Das Innere der Kirche, in dem 945 feste Sitzplätze gewonnen sind, ist von überraschender, weiträumiger Wirkung und entspricht in jeder Beziehung den an das evangelische Predigthaus billigerweise zu stellenden Anforderungen. Dabei sind nirgends die künstlerischen Rücksichten außer Auge gelassen. Das Strukturgerüst, von dem der Querschnitt (Abb. 1) eine Vorstellung gibt, ist in tiefrotem Backstein durchgeführt, womit der Ausgangspunkt für die farbige Behandlung gewonnen wurde. Diese, wie schon bei früheren Bauten Dofleins (z. B. beim Kreishause in Prenzlau und beim Mausoleum in Boitzenburg) von dem Architekten selbst entworfen und im einzelnen angegeben, steht, ähnlich wie die Formgebung, in der Mitte zwischen der geschichtlichen und der neugothischen Richtung. Obwohl mit zum Teil ziemlich stark gebrochenen und ineinandergestimmten Tönen gearbeitet wurde, ist doch auf die Wirkung mit Gegensätzen nicht verzichtet. In den unteren Bauteilen, namentlich an den Wänden unter den flachbogig zwischen die Arkadenpfeiler gespannten Emporen beginnt die Ausmalung mit vorsichtigen Erdfarben. Braun und stumpfes Grün, dazu ein wenig Braunrot und Weiß sind noch ziemlich gleichwertig neben den satten Steinton gesetzt. Weiter oben, an und über den Emporen, herrscht zwar bis zu den Wölbanfängen im allgemeinen noch die gleiche Farbenhaltung, doch sind die Töne hier schon lebendiger, die Gegensätze schärfer. Das rote, durch Glasuren belebte Pfeiler- und Bogenwerk hebt sich von dem bräunlich-gelben Grundton der mit hübschen Friesen geschmückten Wände bestimmter ab. An den gelblich-weißen Gewölbekappen setzt dann aber die reime gothische Farbenscala ein. In den Begleitfriesen der Rippen, den Schlußsteinstücken usw. haben lebhaftere Töne, Blau, Rot. usw., passend gestimmt: und geschickt durch Gold belebt, Anwendung gefunden. Kräftiger und in- reineren Farben kehrt diese Farbenstellung an dem braunroten Holzwerk der Orgel wieder, während Altar, Kanzel und Taufstein ihren, Farbenschmuck durch die Heranziehung verschiedener edler Steinsorten und Metalle erhalten haben. Nach der Chornische hin und in dieser selbst ist die Bemalung sowohl in ihrem Reichtum wie in ihrer Bedeutung gesteigert. Die Farben der dekorativen Malerei gewinnen an Fülle und Schönheit, und die Kunst des Historienmalers ist herangezogen, um diese Teile des Baus mit biblischen Wandbildern zu schmücken. Von H. Saffer. ans Hamburg sind in den Spitzbogenfeldern des Halbjoches vor der Chornische zur rechten Seite des Triumphbogens Christi Taufe durch Johannes, zur Linken des Bogens Christus am Ölberg in überlebensgroßen Gestalten gemalt. Die Chornische selbst schmückt über der dort befindlichen vielfarbigen Fensterrose eine Darstellung der Auferstehung, und unter der Rose, über dem Altar, soll eine dort ausgesparte Fläche später mit einer Einsetzung des Abendmahles bemalt werden. Wird hierfür die Frescotechnik zur Anwendung gelangen, so wurden die erstgenannten Bilder in Temperafarben ausgeführt. Die Darstellungen sind in Flächenmalerei mit kräftig gezeichneten Umrissen teils auf grünblauem, teils auf gemustertem Gold-Grunde gehalten und dem Baustil, besonders der ornamentalen Ausmalung der Kirche verständnifsvoll angepaßt. Vollendet wird die vorstehend in flüchtigen Umrissen geschilderte Farbenschöpfung Dofleins durch die ruhigen braunen Töne des Gestühls und sonstigen Holzwerks, durch den bunten Fliesenboden und durch die lichten Fensterverglasungen, welche das Tageslicht voll und ruhig einströmen lassen und darauf verzichten, in dunklem Glühen „mystische Dämmerung" zu erzeugen. Die Fliesenböden und die Tischlerarbeiten sind dadurch interessant, dass jene in mittelalterlicher Tonintarsia-Technik hergestellt sind, während bei diesen das umrissene, schräg eingesetzte Flachornament Verwendung fand, wie es die Tyroler Schreinerarbeiten in der bekannten reizvollen Weise zeigen.

 

Als technische Einzelheit ist noch erwähnenswert, dass die auf der zweiten Empore in die Turmnische eingebaute Orgel 27 klingende Stimmen besitzt und pneumatische Verbindung. mit einem Spieltisch hat, der so vor den Sängern aufgestellt ist, dass diese vom selben Platze, einer kanzelartigen Vorkragung der ersten Empore aus dirigiert werden können. Die Orgelschauseite ist mit tönenden Pfeifen unter tunlichster Vermeidung des so häufigen hochaltarähnlichen Aussehens entworfen. Das Geläut besteht aus drei bronzenen Glocken. Die Kirche wird mit einer Heißwaseerheizung erwärmt und durch Gas mittels zweier schmiedeeiserner Radkronen sowie mehrerer Wandarme und Standleuchter, alles teilweis vergoldet, erhellt. Die mit 264.000 Mark veranschlagten Kosten des Baues sind eingehalten worden. Allerdings sind neben dem in dieser Summe einbegriffenen Allerhöchsten Gnadengeschenke von 68.000 Mark der Kirche noch mehrere nicht unerhebliche Stiftungen zugewendet worden. So hat vor allem die hohe Protektorin die Mittel zu dem Glasgemälde in der Chorrose und zu der Portalfigur hergegeben. Die Orgel hat der Friedenauer Kirchenbauverein geschenkt, und durch weitere Zuwendungen konnten im Innern und Äußeren erwünschte Bereicherungen, so u. a. zwei vom Bildhauer Koch in Schöneberg rasch und tüchtig gearbeitete Apostelfiguren an den Treppentüren rechtzeitig ausgeführt werden.

 

Die örtliche Bauleitung hat in den Händen des Architekten Lassen gelegen. Seiner Tätigkeit ist es neben dem rastlosen Eifer des erfindenden und oberleitenden Architekten wesentlich mit zu danken, dass die Kirche in so kurzer Zeit in solcher Vollkommenheit zur Ausführung gelangt ist. Eine wertvolle Unterstützung fanden die Erbauer dabei durch die Tüchtigkeit der beteiligten Werkmeister und Unternehmer, von denen hier nur der Maurermeister Angerer, die Steinmetzen P. Wimmel u. Co. und Körner, der Dachdecker Meier, der Kunstschlosser Puls und das Königliche Institut für Glasmalerei in Berlin, ferner die Bildhauer Pfannschmidt und Schurig in Dresden, der Tischler E. Schulz in Potsdam, der Orgelbauer Sauer in Frankfurt a./0., die Glasmalereianstalt von Oidtmann in Linnich und die Bodenfliesenfabrik Servais Servais u. Co. in Ehrang bei Trier genannt seien. Sie alle haben ihr Bestes beigetragen, den Bau zu einer Zierde des Vorortes und zu einer der schönsten unter den zahlreichen neuen Kirchen der Hauptstadt zu machen.

 

 

Friedrich III. als Kronprinz. Gemälde von Heinrich von Angeli, 1874

Das Kaiser Wilhelm-Denkmal in Friedenau

Centralblatt der Bauverwaltung, 12. Oktober 1901

 

Am 18. Oktober 1901 findet in dem Berliner Vorort Friedenau die feierliche Einweihung des dort im Laufe des verflossenen Jahres errichteten Kaiser-Wilhelm-Denkmals statt. Die Anregung zur Errichtung des Denkmals wurde vor einer Reihe von Jahren im Friedenauer Kriegerverein bei der Feier des Sedantages gegeben. Der Vorschlag fiel auf fruchtbaren Boden. Es bildete sich ein Denkmalausschuss, und durch Sammlungen in der Bürgerschaft ward alsbald eine genügend große Stimme zusammengebracht, um der Ausführung näher treten zu können. Über die Art des Denkmals hatte man sich zunächst noch keine bestimmte Meinung gebildet, aber man ging wohl von der gewohnheitsmäßigen Voraussetzung aus, dass es sich nur um das Werk eines Bildhauers handeln könne. Tatsächlich liefen denn auch mehrere Entwürfe von Bildhauern ein, welche die Aufgabe in verschiedenen Lösungen behandelten. lm Gegensatz hierzu regte der in Friedenau ansässige Regierungs-Baumeister Ludwig Dihm die Errichtung eines architektonischen Denkmals an und erbot sich zur Aufstellung des Entwurfes sowie zur Übernahme der Ausführung. Dem wurde zugestimmt, und von verschiedenen zur Wahl stehenden Plätzen, dem Wunsche des Architekten entsprechend, wurde der Friedrich Wilhelm-Platz als der geeignetste Standort gewählt. Wie dieser größte Platz Friedenaus im südlichen Teil seine Weihe durch Errichtung der Kirche Zum guten Hirten erhalten hat, so dient demnach nunmehr der nördliche Teil dazu, durch das Denkmal der Verehrung und dem Dank für unseren Kaiser Wilhelm I., als den Begründer des neuen Deutschen Reiches, Ausdruck zu geben.

 

Mit der Wahl eines architektonischen Denkmals hat man unzweifelhaft den richtigen Weg eingeschlagen, den Weg, den so mancher kleinere Ort hätte gehen sollen, anstatt über seine Verhältnisse hinaus ein kostbares oder mit unzulänglichen Mitteln ein dürftiges, des großen Gefeierten nicht würdiges figürliches Werk hinzustellen.

 

Die Rücksicht auf die den gewählten Platz beherrschende Kirche und die Absicht, in die große Zahl der sich in antiken, Renaissance- oder Barockformen bewegenden Denkmäler der Reichshauptstadt und der deutschen Lande überhaupt Abwechslung zu bringen, veranlasste den Künstler, den von ihm mit besonderer Vorliebe gepflegten, weil dem deutschen Empfinden eigentümlichen gotischen Stil für das Werk zu wählen. Leider gestattete der Platz keine dem Wesen dieser Bauweise entsprechende malerische Zusammenordnung mit den ihn umgebenden Häusern und insbesondere mit der Kirche. Hätte man seinerzeit die Anlage eines Denkmals schon berücksichtigen können und eine wirkliche, geschlossene Platzgestaltung erstrebt, und hätte man dazu die Kirche auf der Mitte des Platzes oder besser noch weiter zurück errichtet, so würde dies die höchst erwünschte Folge gehabt haben, dass das Denkmal vor der Haupteingangsseite der Kirche errichtet werden konnte. Nunmehr musste es im Rücken der Kirche aufgebaut werden, und wenn die gewählte Anordnung auch den besten Zustand darstellt, der nach Lage der Dinge erreicht werden konnte, so kann doch von der Schaffung eines schönen, einheitlichen Platzbildes leider nicht die Rede sein.

 

Die Mittelachse des Bauwerks geht durch den Mittelpunkt des den Platz nach Norden abschließenden Halbkreises. Da sich das Denkmal in Anlagen befindet, welche im Sommer in Friedenau fast den einzigen größeren Platz zur Erholung für Groß und Klein bieten, so bildete es der Künstler als zur Belebung des Ganzen dienende Brunnenanlage aus. Auf einer kreisrunden zweistufigen Plattform erhebt sich das gleichfalls kreisrunde Brunnenbecken. Aus diesem sich breit hinlagernden Fuße steigt der schlanke, in seinem Hauptteil dreiseitige, in der oberen Endigung sechsseitige Aufbau in die Hölle. Die dreiseitige Form wurde mit Rücksicht auf die Richtung der in den Platz einmündenden Straßen gewählt. Der untere, breitere Teil des Aufbaues enthält auf jeder Seite ein größeres halbrundes und darüber ein kleines aus dem halben Sechseck entwickeltes Wasserbecken, in das ein Löwenkopf Wasser speit. Auf der der Kirche zugewandten Seite ist über dem Löwen in Höhe von etwa 6 m die Bronzetafel mit dem Brustbildnis des Kaisers in doppelter Lebensgröße angebracht. Das untere Drittel der Tafel trägt in passender Umrahmung die Inschrift: „Wilhelm der Große" und die Jahreszahlen 1797 und 1888. Die Hauptseite des Denkmals wurde nach dem Innern des Platzes, also nach Süden gelegt, um für das Relief eine möglichst günstige Beleuchtung zu erhalten und die ungestörte Betrachtung des Kaiserbildnisses zu ermöglichen. Über den mit Spitzbögen und drei Fialen endigenden Mittelbau erhebt sich bis zu einer Gesamthöhe von 15 in der sechseckige Oberbau mit dem goldenen Adler auf der Spitze. Die Fialen endigen in schmiedeeisernen vergoldeten Sternen. Auf dem Mittelpfeiler der Rückseite, ungefähr in Höhe der Löwenköpfe, wurde in Sandstein das gotisch stilisierte Wappen des Ortes Friedenau angebracht. Das Bild stellt einen schwebenden Engel mit einem Palmenzweig in der Rechten dar. Über dem Wappen ist das Wort „Friedenau", unter ihm die Jahreszahl der Errichtung, 1901, ausgemeißelt.

 

Das auf einer Betonsohle aus Backsteinen hergestellte Fundament und der Unterbau des Denkmals bis an die Löwenköpfe umschließen einen besteigbaren Hohlraum, der unterirdisch zugänglich ist und die zu den wasserspeienden Löwenköpfen führenden Rohre usw. in sich aufnimmt. Der Aufbau ist geschichteter massiver Quaderbau von rotem Schlegeler Sandstein aus der Grafschaft Glatz in Schlesien, einem in Berlin bis dahin noch nicht verwendeten Stein, der sich durch außerordentliche Härte und Wasserundurchlässigkeit, sowie durch seine sehr angenehme ins Gelbliche fallende rote Farbe auszeichnet. Die Flächen wie die Gliederungen sind scharriert, die Kalkmörtelfugen voll gehalten. An den Löwenköpfen sind die Augäpfel durch 4 cm lange zylinderförmige schwarze Granitstückchen hergestellt, die in Kitt eingesetzt und auf der Außenfläche bündig in der natürlichen Wölbung des Auges abgearbeitet sind; ein Verfahren, durch welches den Köpfen ein lebendiger Ausdruck verliehen ist, ohne dass sie an stilistisch ernster Haltung eingebüßt haben.

 

Bei der Aufstellung des endgültigen Entwurfes hat dem Erfinder des Denkmals der Architekt W. Blaue wesentliche Dienste geleistet. Die Steinmetz- und Bildhauerarbeiten wurden vom Hofsteinmetzmeister Schilling in Berlin ausgeführt, die Mauerarbeiten besorgte Architekt H. Leist in Friedenau, die trefflichen bildnerischen Modelle fertigte der Bildhauer Balthasar Schöneseiffer in Marburg. Der Entwurf für das Flachbild des Kaisers ist das Werk des Bildhauers P. v. Woedtke in Berlin. Der Kaiser ist mit dem Hermelin und einem Lorbeerkranz auf dem unbedeckten Haupt dargestellt. Den Bronzeguss übernahm die Gießerei Lauchhammer.

 

Die Kosten des Denkmals würden sich nach mittleren Preisen berechnet auf etwa 30000 Mark stellen. Tatsächlich betrugen sie dank dem weitgehenden selbstlosen Entgegenkommen der Hauptbeteiligten bei der Ausführung des Werkes nur rund 25000 Mark, wovon 10000 Mark durch Sammlungen im Ort, 7000 Mark aus der Gemeindekasse, das Übrige durch Einzelstiftungen aufgebracht wurden.

 

Wie vorauszusehen war, tummeln sich an schönen Tagen fröhliche Kinderscharen um den schon einige Zeit fertig und uneingezäunt dastehenden Brunnenbau. Bei hellem Sonnenschein gibt das hübsche bunte Bilder. Freilich bleiben, nach Kinderart, auch gelegentliche Ungezogenheiten nicht aus. Es werden daher im Ort schon Stimmen laut, die eine Umgitterung des Baues verlangen. Mit dem Architekten würden wir das sehr bedauern, weil damit das beste Mittel, das Werk wirklich volkstümlich zu machen, verloren gehen würde. Mit dem Umgittern von öffentlichen Bauwerken, Denkmälern usw. gibt sich eine Bevölkerung immer das Zeugnis, dass sie dieser Werke nicht wert ist. In einem anderen Wunsche aber möchten wir hier zum Schluss den Erbauer unterstützen, dass nämlich recht bald sich Mittel und Wege fänden, um auf den beiden leeren Seiten des Mittelbaues die Bronzebildnisse der beiden großen Mitarbeiter des Kaisers, Bismarck und Moltke, anzubringen. In dem Bauwerk würde dann noch klarer der Gedanke zum Ausdruck kommen, dass es neben dem Kaiserdenkmal ein Erinnerungsmal sein soll an die große Zeit, der auch der Ort, in dem es errichtet ist, seine Entstehung und sein Aufblühen verdankt.

 

 

 

In den 1960er Jahren wurde die Bundesallee unter Herausnahme der Straßenbahn in Abschnitten autobahnähnlich ausgebaut. In diesem Zusammenhang wurde die Straßenführung der Bundesallee am Friedrich-Wilhelm-Platz so umgestaltet, dass die ursprüngliche Angerform des Platzes durch die tangentiale Verlegung der Bundesallee mit einem „Knick“ am südlichen Ende vor dem Portal der Kirche „Zum guten Hirten“) verlorengegangen ist. Im Rahmen dieser Baumaßnahmen wurde das am 18. Oktober 1901 eingeweihte Denkmals für Kaiser Friedrich III. (1831-188, Kronprinz Friedrich Wilhelm) abgerissen. Nachfolgende Fotos wurden uns für diese Website zur Verfügung gestellt. Danke!

 

 

Die Burg. Foto H&S, 2006

Die Burg

 

So also sah vor knapp 130 Jahren das Mittelalter aus. Beziehungsweise die Vorstellung, die sich die Baumeister der Zeit davon machten. Die Landhausanlage die sich der Architekt und königliche Baurat Otto Hoffmann (1853-1930) an der Ecke Friedrich-Wilhelm-Platz und Schmargendorfer Straße ab 1884 als eigenes Wohnhaus errichtete, trägt den Spitznamen „Burg“ nicht aus Zufall. Mit zahlreichen Ziertürmen, Zinnen, gotisch anmutenden Fensterformen, Kreuzgewölben und glasierten Ziegeln nimmt sie Anleihe bei der Märkischen Backsteingotik. Bei der Gruppierung der drei ursprünglich freistehenden Gebäude orientierte sich Hoffmann vor allem am englischen Landhausstil.

 

 

 

 

 

Kaum vorstellbar ist heute, dass das Anwesen am Rand der Bundesallee früher inmitten einer großzügigen Gartenanlage lag. In der nordwestlichen Ecke des Grundstücks entstand 1884 die eigentliche „Burg“, ein eingeschossiges Landhaus auf hohem Souterrain mit drei großen, gestaffelten Giebeln. In der nordwestlichen Ecke wurde ein Kutscherhaus errichtet. Im südöstlichen Bereich steht ein zweistöckiges Landhaus, an das sich die Brandwand des Nachbarhauses anschließt. Hier steht an einem hohen Staffelgiebel ein Vers aus Goethes Faust geschrieben: „Was Du ererbt von Deinen Vätern hast/ Erwirb es, um es zu besitzen.“

 

Besonders sinnfällig erscheint dieser Spruch, weil der Gebäudekomplex in den Jahrzehnten nach seiner Erbauung tatsächlich von mehreren unterschiedlichen Mitgliedern der Familie Hoffmann bewohnt wurde. In der eigentlichen „Burg“ zum Platz hin lebte der Architekt selbst, in dem zweiten Wohnhaus später sein ältester Sohn Ernst. In den Jahren 1911/12 wurde der Komplex im Norden um ein Seitenflügelgebäude erweitert.

 

Die Gebäude Friedrich-Wilhelm-Platz 11 und Schmargendorfer Straße 18 wurden 1954 bzw. 1967 vom Bezirk Schöneberg übernommen. Zehn Jahre später sollte der marode Bau 1975 abgerissen und an dieser Stelle ein neuzeitliches Jugendfreizeitheim gebaut werden. Das konnte verhindert werden. Nach Instandsetzung und Renovierung wird das Anwesen heute vom Kinder- und Jugendzentrum „Burg“ genutzt. Das mag für Kinder und Jugendliche eventuell „romantisch“ sein, ob diesem herausragenden Friedenauer Baudenkmal damit einen Gefallen getan wird, ist eine andere Frage.

 

 

Kirchturmblick. Quelle Initiative Friedrich-Wilhelm-Platz

 

 

Initiative Friedrich-Wilhelm Platz

 

Wir setzen uns für eine Verschönerung des Friedrich-Wilhelm-Platzes ein und orientieren uns dabei an dem Aussehen und den Funktionen, die der Platz früher einmal gehabt hat. Wir streben eine Neugestaltung an, die den Bedürfnissen und Interessen der hier lebenden Bürgerinnen und Bürger besser entspricht. Wir wollen, dass der Friedrich-Wilhelm-Platz wieder ein Ort wird, in dem wir alle uns gerne treffen und aufhalten und der vielfältig genutzt werden kann. Es gibt Beispiele erfolgreicher Initiativen in unserer Stadt, die uns dazu Mut machen!

 

Das derzeitige Aussehen des Platzes ist bestimmt durch die Verkehrswege, die den Platz kreuzen. Die vielspurige Bundesallee zerschneidet den Platz in eine West- und eine Osthälfte und erschwert das Überqueren sowie die Verbindung zwischen beiden Seiten. Fußgänger und Radfahrer müssen Umwege und Wartezeiten in Kauf nehmen oder die Tunnel der U-Bahn im Untergrund benutzen. Die Grünanlagen sind wenig attraktiv und gelten bei der Stadtverwaltung nur noch als »Straßenbegleitgrün«. Sie dienen dem Auslauf von Hunden und als »öffentliche Toilette« und haben wenig mit dem zu tun, was wir uns unter einem »Platz« vorstellen. „Unser Platz“, so wie wir ihn uns wünschen, verbindet die anliegenden Quartiere und bietet Dienstleistungen vielfältiger Art, die von allen Seiten leicht zu erreichen sind, eröffnet Räume zum Treffen und zum Austausch, zum Verweilen und zum bequemen Erreichen von Wohnungen, Geschäften und Büros.

 

Unsere Ziele

 

Noch in den sechziger Jahren hat der Friedrich-Wilhelm-Platz die Funktionen erfüllt, die wir uns wünschen. Der verkehrsgerechte Ausbau hat die Gestaltung des Platzes in den siebziger Jahren den Erfordernissen des Durchgangsverkehrs unterworfen. Viele der Begründungen dafür sind inzwischen überholt. Die Stadt ist wieder zusammengewachsen, neue Verkehrsströme und –wege sind entstanden, das Verkehrsaufkommen entlang der Achse Bundesallee hat sich verringert, Konzepte einer für Autofahrer, Fußgänger und Radfahrer gleichberechtigten Gestaltung der Verkehrswege sind inzwischen eingeführt, die Beteiligung der Bürger an der Stadtentwicklung hat eine höhere gesellschaftspolitische Priorität erhalten.

 

Diese Entwicklungen eröffnen Chancen, die wir im Interesse einer Verschönerung des Platzes nutzen wollen. Die von der BVG geplante Sanierung des U-Bahnhofs „Friedrich-Wilhelm-Platz“ wollen wir als Gelegenheit ergreifen, um unsere Ideen und Vorschläge einzubringen und umzusetzen. Unter anderem schlagen wir vor, dass die südlichen Ein/Ausgänge der U-Bahn zugunsten eines zentral gelegenen Ausgangs aufgegeben werden. Von/zu diesem zentralen Ein/Ausgang sollten die Nutzer der U-Bahn dann bequem und sicher zu/von ihren Zielen auf dem Platz und in den Seitenstraßen gelangen können. Die derzeitig vom Kfz-Verkehr genutzte Fläche kann zugunsten anderer Verkehrsteilnehmer reduziert werden. Fußgänger und Fahrradfahrer erhalten mehr Platz und bessere Möglichkeiten zur Querung des Platzes und der Straßen. Die Kirche und ihr Vorplatz gewinnen ein Stück ihrer zentralen und leicht zugänglichen Funktion zurück. Darüber hinaus planen wir den Bau einer Bühne hinter der Kirche, auf der in regelmäßigen Abständen Veranstaltungen stattfinden können, sowie eine Veränderung der Mauern, die den Platz von der Bundesallee trennen, und damit eine Wiederherstellung der alten Sichtachsen.

 

Die Realisierung unserer Vorschläge soll ein erster Schritt sein auf dem Weg zu einer menschenfreundlichen Gestaltung des gesamten Friedrich-Wilhelm-Platzes. Das kann nur gelingen, wenn sich möglichst viele Bürgerinnen und Bürger an der Diskussion über die Zukunft des Platzes beteiligen, und sich für die Verwirklichung entsprechender Vorschläge einsetzen. Die Bürgerinitiative Friedrich-Wilhelm-Platz will dazu ein Forum und eine Plattform bieten.

 

Die Website der Initiative Friedrich-Wilhelm-Platz:

 

http://friedrich-wilhelm-platz.com/

 

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