Name seit 1883, benannt nach Prinz Nicolaus Handjery (1836-1900), Landrat des Kreises Teltow. Er förderte die Gründung von Friedenau. Sein Grab befindet sich auf dem Alten St.-Matthäus-Kirchhof in Schöneberg.

 

 

Flugzeugabsturz in der Handjerystraße

 

Robert W. Stuber (1920-1948) & Charles H. King (1923-1948)

Am 25. Juli 1948 starben die US-amerikanischen Piloten Robert W. Stuber und Charles H. King vor dem Haus Handjerystraße Nr. 2. in den Trümmern ihrer abgestürzten „Douglas C-47 Skytrain“. Eine schwarze Granittafel am Wohnhaus erinnert an das Unglück. Die Umstände des Absturzes sind bis heute unklar. Auch nach 69 Jahren hält sich die US-Air Force noch immer bedeckt. Die Friedenauer müssen sich mit einer vagen Mitteilung begnügen: „At about 01.00 hours, the aircraft struck the top of a building and crashed into the street in front of an apartment building“.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nachdem die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) am 24. Juni 1948 alle Land-, Schienen- und Wasserwege von den westlichen Besatzungszonen nach Berlin blockiert hatte, ordnete US-General Lucius Clay die Errichtung einer Luftbrücke an. Vorbereitet waren die Alliierten auf diese Aktion der Sowjets nicht. Den USA standen anfangs 32 zweimotorige „Douglas C-47 Skytrain“ zur Verfügung, relativ langsame Maschinen mit einer Höchstgeschwindigkeit von 370 km/h, die mit maximal 12 Flügen täglich nicht genug Güter heranschaffen konnten.

 

Am 26. Juni flogen die ersten „Skytrains“ der US Air Force von Frankfurt-Rhein-Main Airbase und Wiesbaden-Erbenheim zum Flughafen Tempelhof. Die Royal Air Force ließ erstmals am 28. Juni vom Fliegerhorst Wunstorf Airfield B.116 „Dakotas“ zum Flugplatz Gatow fliegen. Ab Juli nutzten die Briten auch Flugboote zwischen Hamburg-Finkenwerder und Berlin-Wannsee.

 

Am 23. Juli 1948 wurde Generalleutnant William Henry Tunner Befehlshaber der „Combined Airlift Task Force“ von US- und Royal Air Force. Er optimierte Flugzeugtypen, Landebahnen, Wartung, Entladung und Flugrouten. Die drei Luftkorridore wurden zu Einbahnstraßen, wobei im nördlichen (von Hamburg nach Berlin) und im südlichen (von Frankfurt und Erbenheim nach Berlin) die Hinflüge abliefen und im mittleren Korridor (von Berlin nach Hannover) die Rückflüge stattfanden. In den Korridoren flogen sie entsprechend ihrer unterschiedlichen Geschwindigkeiten in fünf Ebenen mit einem Höhenabstand von 500 Fuß.

 

Immer wieder kam es im Luftraum über Berlin zu massiven Staus von Frachtflugzeugen, weil diese wegen schlechter Sicht nicht wie geplant in Abständen von drei Minuten in Tempelhof landen konnten. Die nachkommenden Flugzeuge mussten in Höhen von 3.000 bis 11.000 Fuß geparkt werden. Erst Ende 1948 konnte die US Air Force für Tempelhof einen Instrumentenflug durch GCA (Ground Controlled Approach) ermöglichen. Mit diesem Radar und den Anweisungen aus dem Kontrollturm über Sprechfunk konnten die Flugzeuge auf einem virtuellen Gleitpfad ohne Sicht auf die Landebahn geleitet werden. Die Tempelhofer Start- und Landebahn war dem Dauerbetrieb nicht gewachsen. Am 8. Juli 1948 wurde mit dem Bau der südlichen Start- und Landebahn „Runway B“ begonnen.

 

Ein zweimotoriges Transportflugzeug der US-Air Force war am späten Abend des 24. Juli in Wiesbaden-Erbenheim Airfield gestartet und befand sich im Anflug auf die Nordbahn 09L / 27R der Tempelhof Air Base. Die von der Handjerystraße etwa 5 Kilometer entfernte 2094 Meter lange und 43 Meter breite Piste verfügte damals nur über eine einfache Landebahnbeleuchtung. Im Spätherbst 1948 erhielt Tempelhof eine vollständige Befeuerung für den Betrieb bei Nebel und Dunkelheit.

 

Zu den gesicherten Fakten gehört, dass die aus Richtung Westen kommende C-47 mit einer Geschwindigkeit von etwa 300 km/h gegen den Turm des Friedenauer Gymnasiums am Maybachplatz prallte. Der Aufprall muss so stark gewesen sein, dass die Maschine zurückgeschlagen wurde und schließlich frontal auf die dahinterliegende Fassade des vierstöckigen Wohnhauses Handjerystraße Nr. 2 aufschlug. Das Kerosin explodierte und setzte das Haus in Brand. Die Balkons der ersten Stockwerke wurden zerstört. Auf der Straße wurden drei Passanten verletzt. Die Hausbewohner kamen mit dem Schrecken davon.

 

Nicht überprüfbar ist die Vermutung, dass die beiden Piloten völlig übermüdet waren, als sie zu ihrem (zweiten) Versorgungsflug der Luftbrücke von Erbenheim nach Tempelhof gestartet waren. Bekannt war allerdings, dass es Engpässe beim Personal gab. Um die Flüge nach Plan durchzuführen, mussten die Schichten drastisch verlängert werden. Einsätze von 36 Stunden und mehr waren keine Seltenheit.

 

Bei den knapp 280.000 Flügen über die drei Flugkorridore zwischen Frankfurt, Hamburg, Hannover und Berlin gab es mehrere Unfälle. Genauere Angaben sind nicht möglich, da der Zugang zu den militärischen Unterlagen bis heute eingeschränkt ist. Normalerweise sind die Unfälle des Flugzeugtyps „Douglas“ anhand der einzelnen Fabriknummern bei „Aviation Safety Network“ komplett aufgelistet. Den Absturz vom 28. Juli 1948 in Friedenau sucht man vergeblich. Insgesamt sollen 39 Briten, 31 Amerikaner und 13 Deutsche während der Blockade tödlich verunglückt sein.

 

Oberleutnant Robert W. Stuber wurde 1920 in St. Joseph Arlington (California) geboren. Sein Grab befindet sich auf dem Fort Rosecrans National Cemetery San Diego (California). Leutnant Charles H. King wurde 1923 in 1923 Britton (South Dakota) geboren. Beerdigt wurde er auf dem Britton Cemetery, Britton, Marshall County, South Dakota.

 

General William H. Tunner zog nach Beendigung der Luftbrücke Bilanz: „Die Zahl der Unfälle betrug weniger als 50 Prozent dessen, was für dieselbe Zahl von Flugstunden damals bei der US Air Force zu erwarten war.“ Ein schwacher Trost für die Hinterbliebenen.

 

Originalbeitrag aus "Friedenau - Geschichte & Geschichten" von Peter Hahn & Jürgen Stich

ePaper
Teilen:

 

Weiteres in Vorbereitung

Druckversion Druckversion | Sitemap
      Twitter & Facebook      © friedenau-aktuell, 2017