Gegen das Hineinwachsen der Stadt Berlin in das Schöneberger Gebiet war die Gemeinde machtlos. Nach der Reichsgründung im Jahr 1871 stieg die Einwohnerzahl Schönebergs rasant an. In Anzeigen warb die „Schöneberger-Friedenauer Terraingesellschaft“ für ihr Verkaufsbüro am Dürerplatz Nr. 1 und offerierte „Bauparzellen auch mit Bauerlaubnis in Schöneberg am Bahnhof Friedenau“. Zuvor hatte die Gemeindevertretung dem Bebauungsplan zugestimmt. Nicht eindeutig wird, ob sie oder aber die Terraingesellschaft die Straßennamen festlegte. Die Benennung nach renommierten und angesehenen Malern für die Gegend „Hinter der Wannseebahn“ war jedenfalls verkaufsfördernd. So gab es ab 12. Januar 1892 Straßen mit den Namen Carl Becker, Reinhold Begas, Antonio Canova, Lucas Cranach, Albrecht Dürer, Ludwig Knaus, Adolf von Menzel, Peter Vischer, Rembrandt van Rijn, Peter Paul Rubens und Bertel Thorwaldsen. Vorheriger Name der Knausstraße „Straße Nr. 46“. Zu Schöneberg gehören die Häuser Nr. 9 bis 14, Nr. 1 bis 8 zu Steglitz.

 

 

Ludwig Knaus, Selbstporträt mit Malerpalette, 1890

Ludwig Knaus (1829-1910)

 

Kein Geringerer als Max Liebermann prophezeite 1930 in der Berliner Akademie der Künste: „Die Werke von Ludwig Knaus werden bleiben!“ Heute jedoch können Kunstfreunde wie auch Bewohner der Knausstraße mit dem Namen Knaus nur mehr wenig anfangen.

 

Ludwig Knaus war einer der berühmtesten Porträtmaler. Für Meyers Großes Konversations-Lexikon in der Ausgabe von 1900 hatten seine Gemälde mit der Verbreitung durch Kunstdrucke, Photographien und die „Stollwerckbilder“ des Kölner Schokoladeproduzenten Ludwig Stollwerck eine große Popularität erreicht.

 

Der in Wiesbaden geborene Maler hatte schon in der Schule einen „Drang zum Abmalen“ gezeigt. 1874 wurde er an die Berliner Akademie berufen. 1879 zog er mit Familie in das neuerbaute Haus in der Hildebrandstraße 17 am Tiergarten. Kaum war er hier, beauftragte ihn die Nationalgalerie, Bildnisse des Historiker Theodor Mommsen und des Physikers Hermann von Helmholtz zu malen. Mit einzigartiger Beobachtungsgabe und großer Nähe zu den Dargestellten schaffte er eine differenzierte Charakterisierung. Kurios ist, dass seine Werke bereits zu seinen Lebzeiten im In- und Ausland hoch geschätzt waren – sich heute allerdings noch großer Beliebtheit in französischen und amerikanischen Museen erfreuen. Das mag wohl vor allem an seinem „Malen-Können“ liegen. Keiner seiner Zeitgenossen hat in der technischen, rein malerischen Könnerschaft Knaus übertroffen.

 

 

 

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
© friedenau-aktuell, 2017