Name seit etwa 1890, benannt nach dem Mittelgebirge Odenwald. Der Norden und der Westen des Odenwaldes gehören zum südlichen Hessen, im Nordosten liegt ein kleiner Teil im bayerischen Unterfranken, im Süden erstreckt er sich nach Baden hinein. Der Odenwald wird je nach seiner zum Bundesland zugehörigen Region, als Hessischer Odenwald, Badischer Odenwald und Fränkischer Odenwald bezeichnet.

 

 

 

Rummel um die Odenwaldstraße 1

 

 

Wir haben Zweifel, ob der entfachte Rummel um das Haus an der Ecke Odenwaldstraße 1 und Stubenrauchstraße 69 zu einem guten Ergebnis führen wird. Zugegeben, der Anblick ist nicht gerade erbaulich, das aber trifft auch auf das Friedenauer Rathaus zu. Natürlich ist es unverständlich, wenn 16 Wohnungen und ein Laden in ruhiger Lage seit langem nicht genutzt werden. Das aber ist eine Angelegenheit des Eigentümers. Anwohner sollen angeblich empört sein. Öffentlich in Erscheinung getreten ist bisher nur ein Nachbar von gegenüber. Er hat sogar ein Video über das Haus gedreht. Das Werk ist unter dem Titel „Ein Haus stirbt“ bei YouTube anzuschauen, unterlegt mit Chopin. Video und Musik haben es einer pensionierten Lehrerin so angetan, dass sie eine „Leerstandsgruppe“ gründete, die – wohl auch mit vorhandenem Eigennutz – inzwischen Ideen für die Rettung entwickelt hat: „Wohnprojekt, begrüntes Dach, Fahrradwerkstatt im Keller, Kinderladen und Seniorentreff“ – nichts Neues im Westen.

 

Wie üblich melden sich zuerst die GRÜNEN zu Wort, voran Annabelle Wolfsturm. Da es für sie bei den Wahlen fürs Abgeordnetenhaus nicht gereicht hat, sitzt sie jetzt in der BVV von Tempelhof-Schöneberg und knöpft sich das Bezirksamt vor. In der „Berliner Woche“ ist von ihr zu lesen, dass sich „die bisherigen Maßnahmen der Verwaltung als zahnloser Tiger erwiesen hätten“. Sie vergisst, dass diese doch seit 2011 von Rot und Grün dominiert wird. Diese Zählgemeinschaft hatte lange Gelegenheit, gegen den Leerstand in der Odenwaldstraße 1 vorzugehen. Geschehen ist nichts, da Maßnahmen „aufgrund der nicht vorhandenen Wohnraummangellage nicht opportun erschienen“. Jetzt besteht (angeblich) Mangel, jedenfalls posaunt das tagtäglich die Baumafia hinaus. Annabelle Wolfsturm setzt eine Stufe höher an und fordert die Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (DIE LINKE) zum Handeln auf.

 

Für Stadträtin Christiane Heiß (GRÜNE), deren Statements sprachlich stets verquast daherkommen, verhält sich der Eigentümer „nicht so ökonomisch rational wie die Öffentlichkeit oder die Rechtssetzung das erwarten“. Auch Stadtrat Jörn Oltmann (GRÜNE) will das Wohnhaus aus der Gründerzeit wieder „dem Wohnen zuführen“. Gegenüber den Medien erklärte er, dass die Bausubstanz schlecht sei und dass Balkonteile in den vermüllten und verwilderten Vorgarten fallen. Seine eigene Bauaufsicht stellt den Fall sachlicher dar: „Für Passanten bestehe keine unmittelbare Gefahr, da das Haus unzugänglich und Rattenbefall nicht aktenkundig sei.“

 

Das Bezirksamt soll inzwischen wegen des Leerstands einen Bußgeldbescheid erteilt haben. Der Streit wird viele Euros kosten und – wie üblich enden. Dem ehemaligen Immobilienhändler Jörn Oltmann müsste bekannt sein, dass das Bezirksamt für eine zwangsweise Instandsetzung kaum rechtlichen Spielraum hat. Sollte das Bezirksamt dies durchsetzen wollen, ob mit oder ohne Zustimmung des Eigentümers, müsste Tempelhof-Schöneberg die teure Instandsetzung vorfinanzieren und bis zum Sanktnimmerleinstag auf das Geld warten.

 

Mit dem Rummel um die Odenwaldstraße wurde erreicht, dass sich auf der Website www.leerstandsanzeiger.de nun Leute melden, die „etwas Näheres erfahren möchten und sehr daran interessiert sind, dass dieses Gebäude wieder genutzt wird“. Oder: „Ein wunderbares Objekt für eine Genossenschaftsgründung. Falls jemand Interesse am Kauf hat, oder weiteres über die Optionen kennt, bitte melden!“ Oder: „Ich interessiere mich dafür, es eventuell zu kaufen und zu modernisieren. Für einen Hinweis wäre ich sehr dankbar.“ Und im „Deutschen Architektur Forum“ ist zu lesen: „In der Stubenrauchstr. 69, Ecke Odenwaldstr. 1 gibt es ein dem Verfall preisgegebenes Wohnhaus. Eine Anfrage bei der Senatsverwaltung ergab nur den Hinweis, „Für Auszüge aus dem Liegenschaftskataster sind die bezirklichen Vermessungsstellen zuständig.“ Da weiß ich jedoch keinen passenden Ansprechpartner. Hat jemand Informationen zu der Liegenschaft?“

 

Genau das hatten die Initiatoren wohl nicht im Sinn. Obwohl man davon ausgehen muss, dass nicht jedes alte Haus unter Denkmalschutz gestellt wird, hätten Anwohner und Denkmalbehörde von Tempelhof-Schöneberg zumindest einen Antrag auf Unterschutzstellung stellen können – und wenn man sich nur auf die Giebel, Balkongitter, Ornamente und das Umfeld gestützt hätte. Das ist nicht geschehen. Und so ist erst einmal Grundgesetz Artikel 14 zu beachten: „(1) Das Eigentum und das Erbrecht werden gewährleistet. Inhalt und Schranken werden durch die Gesetze bestimmt. (2) Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen. (3) Eine Enteignung ist nur zum Wohle der Allgemeinheit zulässig. Sie darf nur durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes erfolgen, das Art und Ausmaß der Entschädigung regelt. Die Entschädigung ist unter gerechter Abwägung der Interessen der Allgemeinheit und der Beteiligten zu bestimmen. Wegen der Höhe der Entschädigung steht im Streitfalle der Rechtsweg vor den ordentlichen Gerichten offen.“

 

Wir sind optimistisch und gehen davon aus, dass der Eigentümer eigene Pläne hat, dass das über einhundert Jahre alte Haus mit seinen verspielten Jugendstilornamenten nicht abgerissen wird und eines Tages auch saniert wird. Zweifel haben wir allerdings, dass für die 16 Wohnungen „sozialverträgliche Mieten“ offeriert werden.

 

https://www.youtube.com/watch?v=zTtzUW5zCAY

 

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