Name seit 19.8.1909, zuvor Straße Am Friedhof. Benannt nach Offenbach am Main. Zu Friedenau gehören die Häuser Nr. 1-6 und Nr. 25-31. Der westliche Straßenteil gehört zu Wilmersdorf.

 

 

 

III. Gemeindeschule Friedenau, 1913-1914

III. Gemeindeschule Friedenau (Doppelschule)

Laubacher Straße 22-27/Offenbacher Straße 5A

Architekt Hans Altmann

1913/14

(heute Ruppin-Grundschule)

 

Die Doppelschule auf dem Grundstück Laubacher Straße 22-27 und Offenbacher Straße 5 A wurde 1913/14 als III. Gemeindeschule Friedenau für Knaben und Mädchen nach Plänen von Hans Altmann erbaut. An der Ecke Laubacher und Fehlerstraße entstand das Turngerätehaus. Die Gebäude waren die letzten Schulbauten von Altmann für die Gemeinde Friedenau. Unmittelbar nach der Fertigstellung begann der Erste Weltkrieg. Aus dem Haus wurde ab Dezember 1914 ein Lazarett. Erst ab Ostern 1919 konnte es als Schule genutzt werden.

 

 

 

 

Die Anlage aus rotem Sichtziegelmauerwerk und reichlichem Terrakotta-Bauschmuck besteht aus zwei dreigeschossigen, winkelförmig zueinander angeordneten Baukörpern, die durch ein Brückenbauwerk miteinander verbunden sind. Der Südflügel an der Offenbacher Straße ist im Grundriss zweibündig; nach Süden orientiert sind die Klassenräume sowie die beiden Treppenhäuser an den Giebeln im Westen und im Osten, nach Norden die beiden Turnhallen sowie die Aula, die alle übereinander angeordnet sind. Eine Segmentbogentonne überwölbt die mit einer Bühne und einer Empore ausgestattete Aula. Diese ist weitgehend original erhalten, die Tonnendecke und die Emporenbrüstung sind reich dekoriert. Im ersten Obergeschoss schwingt sich das Brückenbauwerk auf einem Rundbogen vom Süd- zum Nordflügel und verbindet im ersten und zweiten Obergeschoss - sowie im dritten Obergeschoss als Terrasse - die beiden Flügel. Auch der Nordflügel ist im Grundriss zweibündig angelegt, die Klassenräume sind nach Westen zum Sportplatz und nach Osten zum Friedhof an der Stubenrauchstraße orientiert. Auch in diesem Flügel sind zwei Treppenhäuser an den Giebeln im Norden und im Süden angeordnet.

 

Im Nordflügel befindet sich im dritten Obergeschoss eine weitere, kleine Aula. Die beiden dreigeschossigen Bauten auf hohem Souterrain mit steilen Walmdächern sind als Pfeilerbauten ausgeführt. Je drei Fensterachsen belichten einen Klassenraum, je drei Achsen sind zu einem Risalit oder zu einer Rücklage zusammengefasst. Die Hauptfassaden des Nordflügels werden durch drei um ein Geschoss überhöhte Risalite gegliedert, die mit steilen Giebeln bekrönt sind, und die Schmalseiten durch einen überhöhten Risalit und Giebel betont.

 

Die Hauptfassaden des Südflügels werden ebenfalls durch Eckrisalite gegliedert. Die Nordfassade wird durch sechs Giebel, hinter denen die Aula liegt, rhythmisiert, die Südfassade jedoch nur durch zwei Giebel bekrönt und durch zwei Erker belebt. Im Erdgeschoss befinden sich neben den Treppen zwei rundbogige Eingangsportale mit Kindergruppen aus Terrakotta an den Portalgewänden sowie mit Kinderköpfen aus Terrakotta an den Archivolten. Die Terrakotten stammen von dem Bildhauer Bernhard Butzke. An der Ostseite des Südflügels ist eine halbrunde Terrakotta-Platte mit der Inschrift "Erbaut im Jahre 1913" eingelassen.

 

An der Ecke Offenbacher/Laubacher Straße befindet sich ein Hofbereich der Schule, der von einer erhöhten, winkelförmigen Ziegelmauer eingefriedet ist.

 

Das Turngerätehaus an der Ecke Laubacher Straße/Fehlerstraße ist ein eingeschossiger, winkelförmiger Bau nach Plänen von Altmann. An der Ecke erhebt sich auf einem hohen Souterrain ein eingeschossiger Rundbau auf ovalem Grundriss aus rotem Sichtziegelmauerwerk, zu dem eine leicht gebogene Freitreppe hinaufführt und der mit einem Mansarddach gedeckt ist. Zur Ecke hin ist dem Mansarddach ein gebogener Quergiebel mit zwei Fenstern vorgesetzt. In beiden Straßen schließen sich walmdachgedeckte Holzbau-Seitenflügel mit vertikaler Holzverschalung an, die sich ursprünglich als Veranden zum Sportplatz hin öffneten und heute verglast sind. Quelle: Erwin Ehrenberg: Hans Altmann, Berlin 1927

 

Das Charakteristische ist die Klinkerbauweise mit glasierter Keramik, wie sie in Berlin selten zu finden ist. Der angesehene Architekt und Baumeister hatte damals nur drei Bauten in dieser Weise verwirklicht. Eine Besonderheit ist der aus Keramik gefertigte Bogenpfeiler am Haupteingang. Zu dem gesamten Gebäudekomplex gehört auch die Urnenhalle des angrenzenden Friedhofes. Die an den Fassaden befindlichen Keramikarbeiten sind in Handarbeit von den Bildhauern Kuhl und Butzke angefertigt worden. Ein Gedenkstein befindet sich im Seiteneingang der Schule.

 

Kurz nachdem das Gebäude 1913 fertiggestellt wurde, brach der Erste Weltkrieg aus. So konnte die 3. Volksschule, für die der Bau geplant war, nicht einziehen. Das Haus wurde als Reserve-Lazarett für verwundete Soldaten und Kriegsopfer verwendet. Vermutlich wurde erst im März 1919 der Schulbetrieb aufgenommen Die 3. Friedenauer Gemeindeschule zog ein und konnte wie ursprünglich geplant den Unterrichtsbetrieb aufnehmen. Auch im 2. Weltkrieg wurde das Schulgebäude vom deutschen Militär, und nach der Kapitulation erst von russischen und dann von amerikanischen Besatzungstruppen genutzt.

 

Der äußere Zustand des Gebäudes ist bis heute im wesentlichen unverändert und ohne gravierende Schäden durch die Kriegseinwirkungen des 2. Weltkrieges.

Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, am 15. April 1947, wurde die 19. Volksschule mit über 1000 Schülern (514 Mädchen und 509 Jungen) und 6 Lehrkräften wiedereröffnet. Beide Gebäudeteile sind durch einen Übergang verbunden, auf dem sich eine Dachterrasse befindet.

 

Anmerkung: Die Schulen im Bezirk Schöneberg wurden 1956 mit Namen nach Landschaften jenseits des „Eisernen Vorhangs“ bedacht. Die Doppelschule bekam gleich zwei Namen: Ruppin-Grundschule und Bobertal-Oberschule. „Ruppin“ bezog sich auf die Mark Brandenburg und die Ruppiner Schweiz. Mit dem Namen „Bobertal“ wurde an den Fluss Bober (polnisch Bóbr) im ehemaligen Schlesien erinnert. Irgendwann war es genug mit dem „Kalten Krieg“. Seit 2009 ist Bobertal verschwunden. Beide Gebäudeteile firmieren nun unter Ruppin-Grundschule. Geblieben sind Turngerätehaus, das der TSC Friedenau als Vereinshaus und Casino nutzt, und der Sportplatz gehört, der von Schule und Verein genutzt wird.

 

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