Die Grünanlage wurde bereits vom Koloniegründer Johann Anton Wilhelm Carstenn (1822-1896) und seinem Stadtplaner Johannes Otzen (1839-1911) als eine von fünf Friedenauer Schmuckplätzen konzipiert. In der sogenannten Carstenn-Figur ist der Platz 1873 als Berliner Platz eingetragen. 1884 erhielt er den Namen Maybachplatz, benannt nach Minister Albert von Maybach (1822-1904), der mit Bismarck (1815-1898) in Preußen die Verstaatlichung der privaten Eisenbahngesellschaften betrieb. 1890 gehörte den Preußischen Staatseisenbahnen ein Netz mit über 14.000 km Bahnstrecken.

Der Platz erhielt am 1. Oktober 1961 den Namen Perelsplatz, benannt nach Friedrich Justus Leopold Perels (1910-1945), dessen Elternhaus sich in der Stubenrauchstraße Nr. 3 befand. Er besuchte von 1920 bis 1929 das Friedenauer Gymnasium (heute Friedrich-Bergius-Schule). Der Jurist wurde 1936 Rechtsberater der „Bekennenden Kirche“. Am 2. Februar 1945 wurde er vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und am 23. April 1945 von der SS erschossen. Am Schulgebäude wurde eine Gedenktafel angebracht, auf der es u.a. heißt: „Er half vielen Juden, Verfolgten und Angehörigen von KZ-Gefangenen.“

Die Parkanlage wurde 1907 vom Steglitzer Gartenbaudirektor und Landschaftsarchitekt Fritz Zahn (1872-1942) gestaltet. Er setzte eine Bepflanzung mit Birken nebst einem Pavillon aus Birkenstämmen durch. Deshalb wurde die Anlage lange Zeit auch „Birkenwäldchen“ genannt. Das Typische dieser Bepflanzung ist nicht mehr wahrnehmbar. Es gibt Anzeichen, dem Platz wieder vermehrt Birken zuzugestehen.

Mit dem Bau von über 940 Wohnungen auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs Wilmersdorf wird die „Idylle“ Veränderungen erfahren, da die „Sackgasse Lauterstraße“ aufgegeben wird und ein Zugang zum dem 7 m höher liegenden Gelände geplant ist.

Bemerkenswertes: Gymnasium & Schuldirektorenvilla (1903), Kriegerdenkmal (für die im Ersten Weltkrieg Gefallenen von Friedenau, 1923), Bedürfnisanstalt (1909), Sintflutbrunnen (1909/1931), Landhäuser Nr. 12 (Max Nagel, 1886) und Nr. 13 (H. Franzke, 1888), Mietshäuser Nr. 16 (Carl Sack, 1893) und Nr. 17 (H. Pählchen, 1890).

 

Gymnasium Friedenau um 1908

Gymnasium Friedenau

Wie die Saat, so die Ernte

 

Das Gymnasium Friedenau, heute Friedrich-Bergius-Schule, benannt nach dem Chemie-Nobelpreisträger Friedrich Bergius (1884-1949), wurde am 18. April 1903 eingeweiht.

 

Zu den berühmtesten Schülern gehörten der Jurist Friedrich Justus Leopold Perels (1910-1945), der Theaterkritiker Friedrich Luft (1911-1990), der Journalist Karl-Eduard von Schnitzler (1918-2001), Bundesminister Egon Bahr (1922-2015) und der CDU-Politiker Peter Lorenz (1922-1987).

 

Der Bau ist ein Werk des Architekten Erich Blunck (1872-1950). Das „Zentralblatt der Bauverwaltung“ veröffentlichte am 27. Juni 1903 einen ausführlichen Bericht:

 

 

Das rasche Anwachsen des erst seit etwa 30 Jahren bestehenden Ortes Friedenau hatte im Jahre 1897 die Gründung eines Gymnasiums veranlaßt. Es wurden zunächst nur vier Klassen eröffnet; der Aufbau nach oben wurde allmählich derart durchgeführt, daß jedes Jahr eine weitere Klasse angegliedert wurde. Die Räume wurden vorläufig in der Gemeindeschule mit untergebracht. Die schnelle Bevölkerungszunahme brachte aber ein ebenso schnelles Anwachsen von Gemeindeschulklassen und so wäre im Jahre 1902 die Notwendigkeit vorhanden gewesen, das Gymnasium in Mieträumen unterzubringen. Um dies zu vermeiden, wurde der Neubau eines Gymnasiums beschlossen und die Gemeinde schrieb im Frühjahr 1900 einen engeren Wettbewerb unter drei in Vororten Berlins seßhaften Architekten aus. Der aus diesem Preisausschreiben hervorgegangene gemeinsame Entwurf der Architekten Landbauinspektor Paul Engelmann und Regierungs-Baumeister Erich Blunck in Berlin wurde alsdann im Herbst 1900 der Weiterbearbeitung und Bauausführung durch die genannten Architekten zugrunde gelegt. Die Anordnung der Gebäude auf dem in der Nähe des Bahnhofes Wilmersdorf-Friedenau gelegenen Bauplatze zeigt Abbildung 1. Während das Schulhaus am Maybachplatz in die Bauflucht gerückt ist, ist die Front in der Handjerystraße 6 m hinter die Bauflucht zurückgeschoben, um den an dieser Seite sehr günstig inbezug auf die Himmelsrichtung (Westen) liegenden Klassen jederzeit eine gute Beleuchtung zu sichern und um sie ferner auch etwas entfernter vom Straßengeräusch zu legen ...

 

Den kompletten Text finden Sie auf nachfolgender PDF. Die historischen Aufnahmen wurden dem „Zentralblatt der Bauverwaltung“ vom 27.6.1903 entnommen.

 

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Birkenwäldchen mit Blick auf Pavillon, Bedürfnisanstalt und Lauterstraße, 1910. Archiv Barasch

 

Bedürfnisanstalt

Eine Drama in 5 Akten

 

1. Akt

 

Da es auf dem beliebten Platz mitunter dringende Bedürfnisse gab, ließ die Gemeinde Friedenau 1909 von ihrem Gemeindebaurat Hans Altmann (1871-1965) am östlichen Rand eine eingeschossige Bedürfnisanstalt errichten. Er entwarf einen Fachwerkpavillon mit geschwungenem und schiefergedecktem Bohlenbinderdach. Dieser bekam zwei Zugänge, zur Lauterstraße hin der wenig erhebende Eingang zum Pissoir für die Männer, zum Park hin eine halboffene Laube als Vorraum für die Damen-Toilette.

 

Ende der 1980er Jahre wurde die „Bedürfnisanstalt“ geschlossen, das Häuschen aber unter Denkmalschutz gestellt. Irgendwann danach fand sich ein Betreiber, dem es mit Engagement und Improvisation gelang, das Café „Park-Oase“ zu einen Treffpunkt zu machen. Unübersehbar war, dass das Bezirksamt in sein Eigentum investieren musste. Dafür sollte aber kein Geld ausgegeben werden. So kam es nach dem Frost im März 2011 zu einem Rohrbruch. Er legte die Park-Oase lahm.

 

Pächter Werner gab die Hoffnung auf eine Einigung mit dem Bezirksamt nicht auf: „Bald ist es hoffentlich soweit und der Frühling kommt! Sobald die Tagestemperaturen über +12 Grad erreichen und es keinen Nachtfrost mehr gibt, wird erstmal wieder an den Wochenenden für Sie geöffnet sein. Spätestens bei Tagestemperaturen über +15 Grad und freundlichem Wetter wird auch der tägliche Betrieb wieder aufgenommen. Die Öffnungszeiten sind wie gewohnt samstags und sonntags ab 11 h bis voraussichtlich gegen 17 h, montags bis freitags ab 11 h mit Schluss gegen 18 h. Hoffentlich bis bald und auf Wiedersehen in der Park-Oase. Werner, Anfang März 2011.“

 

Das Bezirksamt hätte begreifen müssen, dass Pächter Werner ein „Glücksfall“ war, der unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen ein Kleinod am Leben erhielt, und dass Bezirksamt hätte auch erkennen müssen, dass mit geringfügigen Investitionen ein Weiterbetrieb der Park-Oase möglich gewesen wäre. Eine Einigung kam nicht zustande. Im Mai 2013 gab Werner auf. Zurück blieb ein herrenloses Häuschen, das in den folgenden drei Jahren zum Schandfleck wurde.

 

 

2. Akt

 

Im September 2016 wurde ein Bauschild installiert: „Fachwerkpavillon am Perelsplatz. Denkmalgerechte Sanierung und Umbau. Bauzeit: September 2016 bis Oktober 2017. Bauherr Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg. Planung und Bauleitung Hagemann+Liss Architekten. Außenanlagenplanung Dr.- Ing. Anke Werner.“ So weit, so gut. Aber, und damit begann das Dilemma, es konnte nicht nur um das „Häuschen“, sondern um ein eng verzahntes historisches Areal gehen, zu dem neben dem Fachwerkpavillon auch der stillgelegte Sintflutbrunnen, arg vernachlässigte Grünanlagen, marode Wege und ein Spielplatz gehören, dessen zu niedrige Einzäunung Hunde dazu animieren, ihre Geschäfte im Sand zu erledigen.

 

Dies haben weder die Abteilung Stadtentwicklung, zuständig Bezirksstadtrat Jörn Oltmann (Bündnis `90/Grüne), Dienstsitz Rathaus Schöneberg, noch die Abteilung Straßen- und Grünflächenamt, zuständig Bezirksstadträtin Christiane Heiß (Bündnis `90/Grüne), Dienstsitz Rathaus Tempelhof, geschweige denn das mit der „Projektsteuerung“ betraute „Facilitymanagement“ des Bezirksamts bedacht.

 

Das Projekt wurde nach Schema F betrieben. Die einen saßen im Rathaus Schöneberg, die anderen im Rathaus Tempelhof. Wirklich zusammen kamen sie nicht, offensichtlich auch nicht zu einer Ortsbesichtigung, die ohne Zweifel zu einer Änderung der Planung geführt hätte. Nach über zwei Jahren Bauzeit ist der gegenwärtige Zustand nicht anders zu erklären.

 

Im und am Häuschen wurde eifrig „gewerkelt“: Fundament, Versorgungsrohre, Mauerwerk, Fachwerk, Dach, Fenster, Türen – eine dem Denkmal würdige akribische Arbeit. Der Gehweg von der Lauterstraße wurde gepflastert, eine Terrasse mit Kleinpflaster bedacht und Pflanzrabatten mit festen Beetkanten eingefasst – alles nur im Umkreis des Häuschens von zehn Metern. Dem Bezirksamt hätte allerdings bekannt sein müssen, dass der Weg zwischen den Bushaltestellen M48 und M85 an der Hähnelstraße über Sintflutbrunnen, Spielplatz und Friedrich-Bergius-Schule zum Bahnhof Bundesplatz zu den stark frequentierten Fußgängerrouten gehört und seit langem dringend sanierungsbedürftig ist. Seit Monaten ist erst einmal Stillstand. Dem Bezirksamt ist wohl klargeworden, das es so nicht gehen wird und weitere Mittel für die gesamte Sanierung des Areals ausgegeben werden müssen. Während am Häuschen fein gestylt genossen werden kann, waten einige Meter nach Regentagen tagtäglich viele Menschen durch Löcher und Pfützen oder schieben die Kinderwagen durch den Schlamm.

 

 

3. Akt

 

Für den 31.08.2017 lud die Abteilung Stadtentwicklung zu einer „Objektbesichtigung“ ein – offiziell genannt „Interessenbekundungsverfahren zur Nutzung des denkmalgeschützten Fachwerkpavillons als gastronomische Einrichtung“. Dazu gab es auch eine Anzeige: „Pavillon auf dem Perelsplatz soll vermietet werden. Das Straßen- und Grünflächenamt sucht mit einem Interessenbekundungsverfahren zum 1. Januar 2018 einen engagierten und zuverlässigen Mieter für den denkmaigeschützten Fachwerkpavillon auf dem Perelsplatz. Erwecken Sie ein denkmalgeschütztes Kleinod aus dem Dornröschenschlaf und verhelfen Sie dieser Ecke Friedenaus zu noch mehr Attraktivität. Die erforderlichen Unterlagen können Bewerber ab sofort bei der Serviceeinheit Facility Management unter Tel. (030) 90277-4237 oder -4236 abfordern. Die Nutzungskonzepte sind bis zum 30.09.2017 einzureichen. Die nicht öffentliche Öffnung und zunächst interne Auswertung der Konzepte erfolgt am 08.10.2017.“

 

Es kamen nicht nur jene, die dort als Pächter ein Geschäft witterten, sondern auch die Nachbarschaft, denen das Kleinod am Herzen liegt. Bei offiziell angekündigten jährlichen Betriebskosten von 2.300 €, erforderlichen privaten Investitionen von ca. 10.000 Euro und einer in der Höhe noch nicht definierten monatlichen Miete hielt sich das Interesse in Grenzen. Einige erinnerten sich daran, dass das Bezirksamt zuvor mit enormem Aufwand Altmanns zweite Bedürfnisanstalt mit Kiosk und Gärtchen aus dem Jahre 1920 am Südwestkorso rekonstruiert hatte, in dem dann eine „Kaiserdiele“ die Gastronomie übernahm. Drinnen 20, draußen 40 Plätze. Nach kurzer Pachtzeit musste der Wirt wohl erkennen, dass „die Winter wirtschaftlich schwierig sind“. Das Etablissement hat längst wieder dicht gemacht.

 

Eher skeptisch waren denn auch die Kommentare während der Besichtigung auf dem Perelsplatz. Die Auflagen und Beschränkungen für Häuschen und Anlagen seien „sehr gravierend“. Einige Beispiele zu den Pächterpflichten seien genannt:

 

„Fachgerechte Pflege und Unterhaltung der zur Pachtfläche gehörenden Außenflächen einschließlich definierter Teilflächen des öffentlichen Straßenlandes sowie der öffentlichen Grünanlage

Übernahme sämtlicher Genehmigungs-, Anschaffungs- sowie Rückbaukosten

Fachgerechte Instandhaltung/Instandsetzung des Gebäudes, der Außenflächen und technischen Anlagen

Bereitstellung des Gäste-WC's für die Allgemeinheit während der Öffnungszeiten, angemessene Benutzungsentgelte dürfen erhoben werden, die Reinigung der WC's obliegt dem Pächter

Übernahme aller laufenden und einmaligen Betriebskosten, z.B. Strom, Gas, Wasser, Abwasser, Telefon, Einbruchmeldeanlage, Wartungskosten für Heizung, Schornsteinfeger etc. Übernahme sonstiger Betriebskosten die im Zusammenhang mit der Pachtfläche regelmäßig anfallen (Gebühren und Steuern), z.B. Straßenreinigung, Grundsteuer, Feuerversicherung,

Abschluss aller mit dem Betrieb des Objektes erforderlicher Versicherungen, z.B. Gebäude- und Haftpflichtversicherung einschl. Vandalismus- und Einbruchschäden

Und: Die Räume sind ganzjährig zu beheizen, auch bei Abwesenheit.“ – Was schließlich Energieverbrauch von Oktober bis April bedeutet. Da ticken die GRÜNEN wohl nicht richtig!

 

Wir formulierten wir unsere Bedenken: „Wer auch immer den Versuch startet, Altmanns Bedürfnisanstalt mit Leben zu erfüllen – das Risiko des Scheiterns dürfte sehr hoch sein. Bei diesen gewaltigen Investitionen für Häuschen und Anlagen wird sich das Bezirksamt über einen noch so ausgeklügelten Pachtvertrag nicht aus der Verantwortung ziehen können. Ein aufwändig sanierter Leerstand ist das Letzte, was am bislang arg vernachlässigten Perelsplatz gebraucht wird.“

 

Auf der nachfolgenden PDF finden Sie den kompletten Text des Interessenbekundungsverfahrens, veröffentlicht vom Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg, 2017..

 

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4. Akt

 

Am 19.09.2017 teilte das Bezirksamt mit, „dass die Frist zur Abgabe eines Angebotes bzw. Konzeptes bis zum 31.12.2017 verlängert worden und ein neuer Besichtigungstermin für den 05.12.2017 angesetzt ist“.

 

Was war inzwischen geschehen? Bisher war nur die unmittelbar am Häuschen liegende Grünfläche „beackert“ worden. Nun wurde das Projekt „erweitert“ und der gesamte Grünstreifen bis hin zum „Pestalozzi-Fröbel-Haus“ in der ehemaligen Schuldirektorenvilla des Friedenauer Gymnasiums „bearbeitet“. Plötzlich wurden vier Birken gesetzt, weil sich im Rathaus Schöneberg jemand daran erinnerte, dass die Anlage doch einst „Birkenwäldchen“ genannt wurde. Rasen wurde gesät, massive Zäune mit Eingangstoren parallel zur Turnhalle gesetzt, und wo einst ein luftiger Pavillon stand, gabs nun einen mit Brettern verschlagenen Geräteschuppen.

 

Wieder war ein Dutzend Bewerber gekommen. Ihnen wurde schnell klar, dass es mit der geplanten Eröffnung im Frühjahr 2018 nichts werden und die Fertigstellung dauern würde. Dazu kamen weitere Hiobsbotschaften. Obwohl das Bezirksamt von Anfang an eine Nutzung als „Café oder kleine Gastronomie mit kulturellen Nebenangeboten“ propagierte, der Einbau eines „Fettabscheiders“ für den Bauherrn also ziemlich nahelag, sollen dem zukünftigen Pächter neben den Verhandlungen mit den Berliner Wasserbetrieben auch noch die Einbaukosten in Höhe bis zu 3.800 € überlassen werden.

 

Wir hatten bereits befürchtet, dass es bei den vom Bezirksamt errechneten Kosten von jährlich 5.590 Euro zuzüglich der Ausgaben für die Möblierung der Terrasse, des Innenraums, Küche und Grünflächenpflege – sowie der Verpflichtung, das Kleinod ganzjährig zu heizen – einem Pächter wohl kaum möglich sein wird, bei einem (wetterabhängigen) maximal halbjährigen Betrieb halbwegs wirtschaftlich über die Runden zu kommen.

 

Im Innern war inzwischen einiges geschehen. Deutlich wurde aber, dass auf den 22 Quadratmetern Innenraum keine 15 Sitzplätze unterzubringen sind. Zu berücksichtigen ist nämlich, dass auf dieser Fläche noch Platz für eine Theke und obendrein für die Einstiegsluke in den Keller von 0,80m x 1,80m freigehalten werden muss. Und da war auch noch das Dachgeschoss, einzige Möglichkeit für ein Warenlager. Da die Deckenluke nur über eine angelegte Leiter im Innern zugänglich ist, müssten dort jeweils Tische, Stühle und Gäste „beiseite geräumt“ werden.

 

 

5. Akt

 

Im August 2017 wurden die Ausgaben für das Projekt Perelsplatz mit über 500.000 € beziffert. Diese Summe dürfte im April 2018 um einiges überschritten sein. Genaue Zahlen sind vom Bezirksamt nicht zu erhalten, auch nicht über die „Opposition“ in der BVV, die sich darum bemüht haben soll.

 

In den Monaten Januar bis April 2018 ist auf der Baustelle nicht viel passiert. Der berühmte Abzug auf dem Dach bekam eine kupferne Haube, die nichts mehr mit der „Eleganz“ von 1909 zu tun hat, eine Rabatte bekam eine Stromverteilersäule für Außen, die nicht ungünstiger platziert werden konnte, die Laterne für die Wegbeleuchtung, im Herbst 2017 gesetzt, hat noch immer keine Lampe bekommen. Nach wie vor schirmen die Bauzäune das Areal von der Lauterstraße bis zur Kita „Pestalozzi-Fröbel-Haus“ ab. Was auf diesem Grünstreifen abgeholzt wurde, lagert seit Monaten in den Anlagen des Perelsplatzes. Stillstand ringsherum.

 

Gutes Zeichen, schlechtes Zeichen? Könnte es sein, dass im Bezirksamt darüber nachgedacht wird, wenigstens den angrenzenden Anlagenteil nebst Spazierwegen auch zu sanieren?

 

Das Projekt „Fachwerkpavillon am Perelsplatz“ wurde ideologisch „überfrachtet“. Er sollte alles sein, Café, kultureller Treffpunkt, öffentliches WC, Parkanlage – eine Idylle, von Privat betreut, mit der sich das Bezirksamt im Grunde genommen aus der Verantwortung stehlen wollte. Das kann nicht funktionieren. Wer für diese Sanierung über eine halbe Million Euro ausgibt, bei denen es nicht bleiben wird, hätte auch über „Subventionen“ nachdenken müssen – ohne die ein zukunftsträchtiger Erhalt nicht möglich ist. Das Häuschen auf dem Perelsplatz ist ein „Schön-Wetter-Projekt“. Bei 36,5 Sonnen- und 46,2 Regenstunden von Mai bis Oktober sind das keine guten Aussichten für ein Terrassengeschäft.

 

Das Bezirksamt Zehlendorf war klüger. Man übergab den Kiosk an der alten Dorfaue dem Verein „Kultur in Steglitz-Zehlendorf“, der sich seit 1996 erfolgreich um die Belebung kümmert. Eine Möglichkeit, aber immerhin eine Idee. Das Scheitern am Perelsplatz ist vorprogrammiert – für den Pächter und das Bezirksamt.

 

 

Am 23.07.2018 erhielten wir von Frau Bezirksstadträtin Christiane Heiß auf unsere Frage „Was ist mit dem für viel Geld sanierten Pavillon auf dem Perelsplatz?“ folgende Antwort:

 

„Das Bezirksamt beabsichtigt weiterhin eine Vermietung des Objekts. Die für alle etwaigen Mieter gleichen Bedingungen sind schon frühzeitig ausführlich dargestellt worden, damit sich sämtliche Interessenten bereits vorab ein realistisches Bild machen können. Die Rahmenbedingungen resultieren u.a. aus Denkmalschutz für Gebäude und Fläche und auch aus der Verantwortung für den mit erheblichem Mitteleinsatz sanierten Fachwerkpavillon. Diese Rahmenbedingungen für die Vermietung stehen daher nicht zur Diskussion.

 

Trotz der bekannten Pflichten haben sich einige Interessenten mit realistischen Nutzungskonzepten gefunden, die eine Bereicherung für diese Ecke Friedenaus sein könnten. Die Phase der Auswertung der im Rahmen des Interessenbekundungsverfahrens eingegangenen Bewerbungen ist so weit gediehen, dass mit einer Entscheidung im Herbst gerechnet wird. Ein genauer Zeitpunkt kann aktuell leider noch nicht benannt werden.

 

Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen, den Vorhang zu und alle Fragen offen. (Bertolt Brecht)

 

Sintflutbrunnen

 

Der Sintflutbrunnen war eine„Gabe“ des Bauunternehmers Georg Haberland, dessen „Terrain-Gesellschaft Berlin-Südwesten“ große Teile des damals noch unbebauten Areals am Südwestkorso erworben und den Bau vierstöckiger Mietshäuser durchgesetzt hatte. Das kleidete er in schöne Worte:

 

„Im Herbst des Jahres 1906 ist die Anlage des Südwestkorsos von der Gemeinde Friedenau beschlossen worden, ein neuer Straßenzug, der den Südwesten Berlins durchschneidet und von der aufblühenden Kolonie Dahlem eine direkte Verkehrsstraße durch die Kaiserallee mit der Stadt bildet. Wie zweckmäßig diese Maßnahme war, ersehen Sie aus dem Umstande, dass kaum zwei Jahre nach seiner Anlage ein großer Teil des Korsos bereits der Bebauung erschlossen worden ist. Diese Allee bedarf einer Unterbrechung, eines Ruhepunktes, auf dem das Auge mit Wohlgefallen ruht und kein anderer Ort scheint geeigneter für einen solchen, als dieser Platz, auf welchem sich der Brunnen erhebt, den ich heute Ihnen, meine Herren übergeben will.“

 

In seiner Entgegnung verkündete Friedenaus Bürgermeister Bernhard Schnackenburg (1867-1924) am 4. Juli 1909 auf dem Hamburger Platz im Beisein des Brunnenschöpfers mit Stolz, dass das Kunstwerk von einem Friedenauer Künstler geschaffen wurde. Gemeint war der im badischen Markdorf geborene Paul Aichele (1859-1924) mit Wohnungen in der Kaiserallee Nr. 97 und Hackerstraße Nr. 2/3.

 

Ende der zwanziger Jahre wurde deutlich, dass Straßenbahn und Autoverkehr einen Umbau des Südwestkorsos und einen Verzicht auf den Hamburger Platz erforderlich machen. Der 4,50 Meter hohe „Sintflutbrunnen“ wurde abgebaut und 1931 auf dem Maybachplatz (heute Perelsplatz) installiert. Aus einem Becken von 7,00 Meter Durchmesser ragt ein Felsen heraus, auf dessen Spitze sich eine nackte Frau gerettet hat, die ihren Arm schützend über ein Kind ausbreitet.

 

Über die Brunnengeschichte gibt es kuriose Angaben. Für das Landesdenkmalamt Berlin war der Brunnen im deutschen Pavillon der Pariser Weltausstellung von 1896 zu sehen, obwohl es dort 1896 keine Weltausstellung gab, sondern eine Gewerbeausstellung in Treptow als „verhinderte Weltausstellung“ – ohne Sintflutbrunnen. Aicheles Brunnen taucht erstmals 1908 während der Großen Berliner Kunstausstellung auf: „Saal 3, Nr. 65. Aichele, Paul: Sintflut. Fragment. Das Kunstwerk ist verkäuflich. Paul Aichele, Charlottenburg, Eosanderstraße Nr. 14.“ Bei diesem Fragment kann es sich nur um jene Skulptur gehandelt haben, die am 14. Mai 2010 unter Los 43, Paul Aichele: Mutter mit Kind. Alabaster. Bezeichnet rückseitig: Aichele. Höhe: 43 cm. Marmorsockel vom Kölner „Auktionshaus Van Ham“ für 2.250 Euro versteigert wurde. Unklar bleibt, ob dieses Bildwerk identisch ist mit jenem Angebot der Kunstausstellung von 1906: Aichele, Paul, Berlin, Fichtestraße 20, Nr. 1253 Mutter mit Kind, Marmor.

 

Jahrzehnte hat sich niemand um das Schmuckstück Sintflutbrunnen gekümmert. Felsen und Figuren aus Kalkstein haben Patina angelegt. Das Becken aus Naturstein kann das Wasser nicht mehr halten. Eine Sanierung ist dringend geboten. Für die SPD gehören die öffentlichen Brunnen neuerdings wieder zur „Lebensqualität im öffentlichen Raum“. Vorbei ist die Zeit, da es für die Übernahme des Brunnenbetriebs die Werbeerlaubnis gab. Vor den Berliner Wahlen ließ Senator Andreas Geisel (SPD) am 7. September 2016 verlauten, dass „die Berliner Wasserbetriebe schrittweise alle 270 öffentlichen Brunnen in ihre technische Betreuung übernehmen. Bereits ab 2017 sollen die Brunnen in Friedrichshain-Kreuzberg übernommen werden. 2019 sollen sieben weitere Bezirke dazukommen, bis 2026 die verbleibenden vier. Am Erhalt und dem Betrieb der Brunnen besteht daher ein erhebliches öffentliches Interesse“. Eine Absichtserklärung - weiter nichts.

 

In Berlin ist des Bürgers Unmut derzeit deutlich zu spüren. Viele Kleinigkeiten gerinnen zum großen Ärgernis. „Ist Rot-Rot-Grün die Stadt eigentlich egal?“ In Schöneberg gibt es „nur“ Rot-Grün“, aber das reicht auch schon dem sozialdemokratischen Kampfblatt „Paperpress“. In dem Beitrag über den G20-Afrika-Gipfel heißt es: „Und während auf dem Campus rund um den Schöneberger Gasometer die Entwicklung voranschreitet, verkommt die Grünfläche davor. Die Welt schaut auf den Campus, der Bezirk schaut weg.“

 

Mehrmals hatten wir das Bezirksamt dazu um Auskunft gebeten. Bezirksverordnete von CDU und AfD haben dem Bezirksamt „Kleine Anfragen“ zum Zustand gestellt. Das Bezirksamt schwieg. Am 23.07.2018 haben wir von Frau Bezirksstadträtin Christiane Heiß (Grüne) eine Antwort erhalten:

 

Der Sintflutbrunnen war im vergangen Jahr auf Grund von Bautätigkeiten u.a. an der Wasserversorgung im Zusammenhang mit der Pavilloinstandsetzung nicht in Betreib. Erst zum Herbst konnte durch die BWB der Hausanschluss wieder geöffnet werden. In diesem Jahr ist der Brunnen mit Beginn der Brunnensaison in Betrieb gegangen. Nach Bekanntwerden von mehreren Störungen, die zeitnahe behoben werden konnten, ist der Brunnen wieder funktionsfähig.

 

Es leuchtet uns auch nach dieser Erklärung nicht ein, dass der Sintflutbrunnen für die Bautätigkeit am Pavillon über ein Jahr außer Betrieb war. Hätte der Brunnen in dieser Zeit nicht saniert werden können? Management will eben auch gerlernt sein.

 

Friedrich Justus Perels

Friedrich Justus Perels

 

Friedrich Justus Leopold Perels, Sohn des Historikers Ernst Perels (1882-1945) und dessen Ehefrau Antonie geborene Hermes, wohnte mit seinen Eltern in der Stubenrauchstraße Nr. 3. Er studierte Jura und war ab 1936 Justitiar der oppositionellen „Bekennenden Kirche“. Dort traf er auf den Juristen Friedrich Weißler (1891-1937), der wegen eines Urteils gegen einen SA-Mann – aber auch wegen seiner jüdischen Herkunft – 1933 als Landgerichtsdirektor in Magdeburg entlassen worden und nun als Kirchenkanzleichef tätig war. Weißler war Mitverfasser einer an Adolf Hitler gerichteten Denkschrift der „Bekennenden Kirche“, in welcher die nationalsozialistische Rassenideologie und der Terror gegen Andersdenkende kritisiert wurde. 1936 wurde er verhaftet und gefoltert, bis er am 19. Februar 1937 im KZ Sachsenhausen seinen schweren Verletzungen erlag. Inwieweit sich Perels für Weißler eingesetzt hatte, bleibt im Unklaren. Bischof Wolfgang Huber bekannte jedenfalls im Jahr 2005, dass die Evangelische Kirche Friedrich Weißlers „in Scham und Dankbarkeit gedenkt“. Verlassen war er nicht nur von der deutsch-christlichen Reichskirche, die auf Seiten der Nationalsozialisten stand, sondern auch von der „Bekennenden Kirche“, für die er gearbeitet hat, als deren Glied er sich fühlte, und die ihm nicht zur Seite stand.

 

Einige Jahre später wurde auch Friedrich Justus Leopold Perels „von seiner Kirche verlassen“. Am 5. Oktober 1944 wurde er „wegen Nichtanzeige ihm bekannter Umsturzpläne und wegen illegaler Tätigkeit für die Bekennende Kirche“ verhaftet, am 2. Februar 1945 vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und in der Nacht vom 22. zum 23. April am Lehrter Bahnhof von einem SS-Kommando ohne Vollstreckungsbefehl erschossen und verscharrt.

 

Auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof erinnert ein Gedenkstein an die Widerstandskämpfer, die von den Nationalsozialisten ermordet wurden. Der Stein trägt die Namen von Klaus Bonhoeffer, Hans John, Richard Kuenzer, Carl Adolf Marks, Wilhelm zur Nieden, Friedrich Justus Perels, Rüdiger Schleicher und Hans Ludwig Sierks. Im Namenkalender der Evangelischen Kirche in Deutschland steht der 22. April als kirchlicher Gedenktag für Friedrich Justus Perels.

 

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