Name seit 1961, vorher seit 1874 Berliner Platz und ab 1884 Maybachplatz, benannt nach dem Juristen und Widerstandskämpfer Friedrich Justus Leopold Perels (1910-1945).

Sintflutbrunne außer Betrieb. Foto H&S, 16. Juni 2017

Denkmal in Not: Sintflutbrunnen

 

In Berlin ist des Bürgers Unmut derzeit deutlich zu spüren. Viele Kleinigkeiten gerinnen zum großen Ärgernis. „Ist Rot-Rot-Grün die Stadt eigentlich egal?“ In Schöneberg gibt es „nur“ Rot-Grün“, aber das reicht auch schon dem sozialdemokratischen Kampfblatt „Paperpress“. In dem Beitrag über den G20-Afrika-Gipfel heißt es: „Und während auf dem Campus rund um den Schöneberger Gasometer die Entwicklung voranschreitet, verkommt die Grünfläche davor. Die Welt schaut auf den Campus, der Bezirk schaut weg.“

 

 

 

 

 

 

Zuständig ist als Leiterin von Straßen- und Grünflächenamt Bezirksstadträtin Christiane Heiß (Bündnis 90/Die Grünen). Die Diplom-Ingenieurin für Landschaftsplanung hat sich viel mit Umwelt, Verwaltung und Akten beschäftigt und dabei die Basis aus dem Blick verloren. Ihre Vorlieben für Gutachten, Konzeptionen und „wissenschaftliche Politikberatung“ in Ehren, aber für den Job im Schöneberger Rathaus braucht es Managerqualitäten. Die hat sie nicht. Straßen und Grünflächen würden nicht so aussehen wie sie aussehen. Wie soll man diese politische Fahrlässigkeit verstehen? Zweimal hatten wir die Bezirksstadträtin schriftlich um Auskunft zum „Sintflutbrunnen“ gebeten. Andere Bezirksverordnete boten uns an, in der BVV dazu eine „Kleine Anfrage“ zu starten. Da wir als Journalisten gelernt haben, der Sache selbst nachzugehen, haben wir verzichtet. Die Grüne schweigt weiterhin. Diese Geringschätzung ist eine krasse Provokation.

 

Der „Sintflutbrunnen“ auf dem Perelsplatz war eine Gabe des Bauunternehmers Georg Haberland, dessen „Terrain-Gesellschaft Berlin-Südwesten“ große Teile des damals noch unbebauten Areals am Südwestkorso erworben und den Bau vierstöckiger Mietshäuser durchgesetzt hatte. Das kleidete er in schöne Worte: „Im Herbst des Jahres 1906 ist die Anlage des Südwestkorsos von der Gemeinde Friedenau beschlossen worden, ein neuer Straßenzug, der den Südwesten Berlins durchschneidet und von der aufblühenden Kolonie Dahlem eine direkte Verkehrsstraße durch die Kaiserallee mit der Stadt bildet. Wie zweckmäßig diese Maßnahme war, ersehen Sie aus dem Umstande, dass kaum zwei Jahre nach seiner Anlage ein großer Teil des Korsos bereits der Bebauung erschlossen worden ist. Diese Allee bedarf einer Unterbrechung, eines Ruhepunktes, auf dem das Auge mit Wohlgefallen ruht und kein anderer Ort scheint geeigneter für einen solchen, als dieser Platz, auf welchem sich der Brunnen erhebt, den ich heute Ihnen, meine Herren übergeben will.“ In seiner Entgegnung verkündete Friedenaus Bürgermeister Bernhard Schnackenburg (1867-1924) am 4. Juli 1909 auf dem Hamburger Platz im Beisein des Brunnenschöpfers mit Stolz, dass das Kunstwerk von einem Friedenauer Künstler geschaffen wurde. Gemeint war der im badischen Markdorf geborene Paul Aichele (1859-1924) mit Wohnungen in der Kaiserallee Nr. 97 und Hackerstraße Nr. 2/3.

 

Als am Ende der zwanziger Jahre deutlich wurde, dass Straßenbahn und Autoverkehr einen Umbau des Südwestkorsos und einen Verzicht auf den Hamburger Platz erforderlich machen, wurde der 4,50 Meter hohe „Sintflutbrunnen“ abgebaut und 1931 auf dem Maybachplatz (heute Perelsplatz) installiert. Aus einem Becken von 7,00 Meter Durchmesser ragt ein Felsen heraus, auf dessen Spitze sich eine nackte Frau gerettet hat, die ihren Arm schützend über ein Kind ausbreitet.

 

Über die Brunnengeschichte gibt es kuriose Angaben. Für das Landesdenkmalamt Berlin war der Brunnen im deutschen Pavillon der Pariser Weltausstellung von 1896 zu sehen. Wie das? Paris war 1889 mit Eiffelturm und 1900 mit dem Grand Palais. 1896 gab es die Berliner Gewerbeausstellung in Treptow als „verhinderte Weltausstellung“ – ohne Sintflutbrunnen. Aicheles Brunnen taucht erstmals 1908 während der Großen Berliner Kunstausstellung auf: „Saal 3, Nr. 65. Aichele, Paul: Sintflut. Fragment. Das Kunstwerk ist verkäuflich. Paul Aichele, Charlottenburg, Eosanderstraße Nr. 14.“ Bei diesem Fragment kann es sich nur um jene Skulptur gehandelt haben, die am 14. Mai 2010 unter Los 43, Paul Aichele: Mutter mit Kind. Alabaster. Bezeichnet rückseitig: Aichele. Höhe: 43 cm. Marmorsockel vom Kölner „Auktionshaus Van Ham“ für 2.250 Euro versteigert wurde. Unklar bleibt, ob dieses Bildwerk identisch ist mit jenem Angebot der Kunstausstellung von 1906: Aichele, Paul, Berlin, Fichtestraße 20 Nr. 1253 Mutter mit Kind, Marmor.

 

Der Sintflutbrunnen auf dem Perelsplatz hat eine Gesamthöhe von 4,50 Meter. Aus einem Becken von 7,00 Meter Durchmesser ragt ein Felsen heraus, auf dessen Spitze sich eine nackte Frau gerettet hat, die ihren Arm schützend über ein Kind ausbreitet. Jahrzehnte hat sich niemand um das „Schmuckstück“ gekümmert. Felsen und Figuren aus Kalkstein haben Patina angelegt. Das Becken aus Naturstein kann das Wasser nicht merh halten. Eine Sanierung ist dringend geboten. Für die SPD gehören die öffentlichen Brunnen neuerdings wieder zur „Lebensqualität im öffentlichen Raum“. Vorbei ist die Zeit, da es für die Übernahme des Brunnenbetriebs die Werbeerlaubnis gab. Vor den Berliner Wahlen ließ Senator Andreas Geisel (SPD) am 7. September 2016 verlauten, dass „die Berliner Wasserbetriebe schrittweise alle 270 öffentlichen Brunnen in ihre technische Betreuung übernehmen. Bereits ab 2017 sollen die Brunnen in Friedrichshain-Kreuzberg übernommen werden. 2019 sollen sieben weitere Bezirke dazukommen, bis 2026 die verbleibenden vier. Am Erhalt und dem Betrieb der Brunnen besteht daher ein erhebliches öffentliches Interesse“. Eine Absichtserklärung - weiter nichts.

 

Sintflut oder Mutter mit Kind?

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Bedürfnisanstalt

 

Da mit über 40.000 Einwohnern in Friedenau auch das Bedürfnis zur Bedürfnisbefriedigung gestiegen war, sah sich Gemeindebaurat Hans Altmann (1871-1965) gezwungen, in den von Gartenbaudirektor Fritz Zahn (1872-1942) als „Birkenwäldchen“ gestalteten Maybachplatz (heute Perelsplatz) am östlichen Rand an der Lauterstraße eine Bedürfnisanstalt zu setzen. Er entwarf einen eingeschossigen Fachwerkpavillon mit geschwungenem Bohlenbinderdach und Schieferdeckung – obendrauf eine als Laterne gestaltete Entlüftung. Nach Osten und Westen gab es jeweils Zugänge zu den Toiletten für Damen und Herren. Auf der Westseite kam noch in Form einer Laube ein Vorraum hinzu, vermutlich gedacht für Toilettenwärter.

 

 

 

 

Eine weitere Bedürfnisanstalt (mit Kiosk) schuf Hans Altmann noch 1920 am Südwestkorso (heute Liane-Berkowitz-Platz). Der Bau wurde inzwischen denkmalgerecht saniert und zum „Mini-Restaurant“ mit Gartenlokal umfunktioniert. Altmanns Nachfolger im Amt, der Schöneberger Stadtbaurat Heinrich Lassen (1864-1953), ging die Sache pompöser an, und entwarf für den Lauterplatz (heute Breslauer Platz) einen Stahlfachwerkbau mit Wartehäuschen und Kiosk über einer unterirdischen Bedürfnisanstalt, selbstverständlich mit  zwei getrennten Treppenzugängen zu den Toiletten für Damen und Herren, die seit ewigen Zeiten geschlossen sind.

Erstaunlich war, dass sich in den „goldenen“ Westberliner Jahren kaum jemand um die Bedürfnisanstalten gekümmert hat. Eines Tages war das Häuschen auf dem Perelsplatz verschlossen. Der inzwischen unter Denkmalschutz gestellte Bau wurde später notdürftig saniert und zum „Café Parkoase“ umfunktioniert – ein beliebter Treffpunkt bei Sonnenschein. Da Bezirksamt und SPD nicht begreifen konnten oder wollten, dass diese Freiluftschänke wetterabhängig und daher wirtschaftlich nur mit Mühen zu betreiben ist, dass eine solche Oase auch Investitionen braucht und mitunter auch subventioniert werden muss, gab der Pächter auf. Zurück blieb ein jahrelanger Schandfleck.

Anfang September 2016 kam Bewegung auf. Zu besichtigen war in den vergangenen Monaten, dass die Baufirmen das Gebäude tatsächlich grundlegend und nach Studium der historischen Aufnahmen auch denkmalgerecht sanierten. Nach Fertigstellung soll in einem „Interessenbekundungsverfahren“ ergründet werden, ob sich ein privater Anbieter finden läßt, der dem Bezirksamt Leistungen für Unterhalt und Betrieb erspart. Beabsichtigt ist wieder ein gastronomischer Betrieb, der allerdings frühestens 2018 zu erwarten ist.

 

Gymnasium Friedenau um 1908

Wie die Saat, so die Ernte

 

Das Gymnasium Friedenau, heute Friedrich-Bergius-Schule, benannt nach dem Chemie-Nobelpreisträger Friedrich Bergius (1884-1949), wurde am 18. April 1903 eingeweiht. Zu den berühmtesten Schülern gehörten Friedrich Justus Leopold Perels (1910-1945) und Friedrich Luft (1911-1990). Der den Platz dominierende Bau ist ein Werk des Architekten Erich Blunck (1872-1950). Das „Zentralblatt der Bauverwaltung“ veröffentlichte am 27. Juni 1903 einen ausführlichen Bericht:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das rasche Anwachsen des erst seit etwa 30 Jahren bestehenden Ortes Friedenau hatte im Jahre 1897 die Gründung eines Gymnasiums veranlaßt. Es wurden zunächst nur vier Klassen eröffnet; der Aufbau nach oben wurde allmählich derart durchgeführt, daß jedes Jahr eine weitere Klasse angegliedert wurde. Die Räume wurden vorläufig in der Gemeindeschule mit untergebracht. Die schnelle Bevölkerungszunahme brachte aber ein ebenso schnelles Anwachsen von Gemeindeschulklassen und so wäre im Jahre 1902 die Notwendigkeit vorhanden gewesen, das Gymnasium in Mieträumen unterzubringen. Um dies zu vermeiden, wurde der Neubau eines Gymnasiums beschlossen und die Gemeinde schrieb im Frühjahr 1900 einen engeren Wettbewerb unter drei in Vororten Berlins seßhaften Architekten aus. Der aus diesem Preisausschreiben hervorgegangene gemeinsame Entwurf der Architekten Landbauinspektor Paul Engelmann und Regierungs-Baumeister Erich Blunck in Berlin wurde alsdann im Herbst 1900 der Weiterbearbeitung und Bauausführung durch die genannten Architekten zugrunde gelegt. Die Anordnung der Gebäude auf dem in der Nähe des Bahnhofes Wilmersdorf-Friedenau gelegenen Bauplatze zeigt Abbildung 1. Während das Schulhaus am Maybachplatz in die Bauflucht gerückt ist, ist die Front in der Handjerystraße 6 m hinter die Bauflucht zurückgeschoben, um den an dieser Seite sehr günstig inbezug auf die Himmelsrichtung (Westen) liegenden Klassen jederzeit eine gute Beleuchtung zu sichern und um sie ferner auch etwas entfernter vom Straßengeräusch zu legen ...

 

Den kompletten Beitrag finden Sie auf nachfolgender PDF.

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Friedrich Justus Perels

Friedrich Justus Perels

 

Auf dem ersten Friedenauer Plan von Johann Anton Wilhelm Carstenn steht 1874 der Name „Berliner Platz“. Ab 1890 hieß er „Maybachplatz“, benannt nach dem Minister für öffentliche Arbeiten Albert von Maybach (1822-1904). Im Jahr 1907 entschied sich Gartenbaudirektor Fritz Zahn (1872-1942) für eine Gestaltung mit Birken und einem Pavillon aus Birkenstämmen, weshalb die Anlage anheimelnd auch „Birkenwäldchen“ genannt wurde. Durchgesetzt hat sich der Begriff nicht. Die Erstbepflanzung ist verschwunden, das Typische verloren gegangen. Seit 1961 heißt die Anlage „Perelsplatz“.

Geblieben ist das Gebäude des ehemaligen Friedenauer Gymnasiums, heute Friedrich-Bergius-Schule, benannt nach dem Chemie-Nobelpreisträger Friedrich Bergius (1884-1949). Es wurde am 18. April 1903 eingeweiht. Zu den bekanntesten Schülern gehörten Friedrich Justus Leopold Perels (1910-1945) und Friedrich Luft (1911-1990). Der eine begann 1922, der andere ein Jahr später. Täglich mussten sie an der bis heute erhaltenen Stele vorbei, an dem Reliefbildnis von Martin Luther mit dem Vers „Ein feste Burg ist unser Gott“ und an dem Bildnis von Otto von Bismarck mit dessen Wahlspruch „In Trinitate Robur“ (In der Dreiheit liegt die Kraft). So blieb es bis zum Abitur. Danach trennten sich ihre Wege.

Friedrich Justus Leopold Perels, Sohn des Historikers Ernst Perels (1882-1945) und dessen Ehefrau Antonie geborene Hermes, kam aus der Stubenrauchstraße Nr. 3. Friedrich Luft, Sprößling eines deutschen Studienrates und einer schottischen Mutter, kam aus der Kaiserallee Nr. 74 (heute Bundesallee). Täglich der Blick auf die mit Nesselberger Sandstein verzierte Ecke, auf der immer noch Maybachplatz zu lesen ist, täglich die Treppen des Portals, über dem der in Metall geprägte Cicero-Spruch „Wie die Saat, so die Ernte“ mahnte.

 

 

 

 

 

 

Nach dem Abitur trennten sich die Wege. Perels studierte Jura und war ab 1936 Justitiar der oppositionellen „Bekennenden Kirche“. Dort traf er auf den Juristen Friedrich Weißler (1891-1937), der wegen eines Urteils gegen einen SA-Mann – aber auch wegen seiner jüdischen Herkunft – 1933 als Landgerichtsdirektor in Magdeburg entlassen worden und nun als Kirchenkanzleichef tätig war. Weißler war Mitverfasser einer an Adolf Hitler gerichteten Denkschrift der „Bekennenden Kirche“, in welcher die nationalsozialistische Rassenideologie und der Terror gegen Andersdenkende kritisiert wurde. 1936 wurde er verhaftet und gefoltert, bis er am 19. Februar 1937 im KZ Sachsenhausen seinen schweren Verletzungen erlag.

Inwieweit sich Perels für Weißler eingesetzt hatte, bleibt im Unklaren. Bischof Wolfgang Huber bekannte jedenfalls im Jahr 2005, dass die Evangelische Kirche Friedrich Weißlers „in Scham und Dankbarkeit gedenkt“. Verlassen war er nicht nur von der deutsch-christlichen Reichskirche, die auf Seiten der Nationalsozialisten stand, sondern auch von der „Bekennenden Kirche“, für die er gearbeitet hat, als deren Glied er sich fühlte, und die ihm nicht zur Seite stand.

Einige Jahre später wurde auch Friedrich Justus Leopold Perels „von seiner Kirche verlassen“. Am 5. Oktober 1944 wurde er „wegen Nichtanzeige ihm bekannter Umsturzpläne und wegen illegaler Tätigkeit für die Bekennende Kirche“ verhaftet, am 2. Februar 1945 vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und in der Nacht vom 22. zum 23. April am Lehrter Bahnhof von einem SS-Kommando ohne Vollstreckungsbefehl erschossen und verscharrt.

Auf dem Evangelischen Friedhof der Dorotheenstädtischen und Friedrich-Werderschen Gemeinden erinnert ein Gedenkstein an die Widerstandskämpfer, die von den Nationalsozialisten ermordet wurden. Der Stein trägt die Namen von Klaus Bonhoeffer, Hans John, Richard Kuenzer, Carl Adolf Marks, Wilhelm zur Nieden, Friedrich Justus Perels, Rüdiger Schleicher und Hans Ludwig Sierks. Im Namenkalender der Evangelischen Kirche in Deutschland steht der 22. April als kirchlicher Gedenktag für Friedrich Justus Perels. Der Platz vor seinem Gymnasiums heißt seit 1. Oktober 1961 „Perelsplatz“. Am Gebäude wurde eine Gedenktafel angebracht: „Friedrich Justus Perels, geb. 13.1.1910, Jurist.Von 1922 bis 1929 Scüler des 1. Friedenauer Gymnasiums (jetzt Friedrich-Bergius-Schule). Mitglied der Bekennenden Kirche. Er half vielen Juden, Verfolgten und Angehörigen von KZ-Gefangenen. Am 23.4.1945 wurde er von der SS erschossen.“ Die Grünanlage davor ist in ihrem derzeitigen Zustand unwürdig.

 

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