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Maybachplatz nach der Umgestaltung. Zeichnung Gartenamt Schöneberg, 1931

Der Platz wurde 1873 vom Koloniegründer Johann Anton Wilhelm Carstenn (1822-1896) und Stadtplaner Johannes Otzen (1839-1911) als einer von fünf Friedenauer Schmuckplätzen konzipiert und Berliner Platz genannt. 1884 wurde daraus der Maybachplatz, nach Minister Albert von Maybach (1822-1904), der die Verstaatlichung der Eisenbahnen in Preußen betrieb. Seit dem 1. Oktober 1961 heißt die Anlage Perelsplatz, benannt nach dem Juristen Friedrich Justus Perels (1910-1945).

 

1899 wurde bekannt, dass der Berliner Magistrat der Gemeinde Friedenau „das Terrain zwischen Maybachplatz und Ringbahn zum Bau des Gymnasiums überlassen will“ – allerdings „an die Bedingung geknüpft, das Areal nur für kommunale Zwecke zu verwerten“. Einem Bericht des „Friedenauer Lokal-Anzeiger“ vom 30. November 1905 kann entnommen werden, dass „die Stadt Berlin als damalige Eigentümerin“ nach der Eröffnung des Ringbahnhofs Wilmersdorf-Friedenau 1877 zwischen Lauter- und Handjerystraße „einen Turn- und Spielplatz“ hatte errichten lassen. Nach der Eröffnung von Gymnasium (1903) und Direktorenwohnhauses (1905) wurde die Neugestaltung des Maybachplatz konkret.

 

 

 

Er sollte „in seiner zukünftigen Gestalt eine hervorragende Schmuckanlage unseres Ortes werden. Vor allem wird eine große Anzahl der Birken, die jetzt dort so dicht stehen, daß sie sich nicht in ihrer Krone entwickeln können, gefällt werden. Auf der Seite der verlängerten Lauterstraße wird ein Spielplatz entstehen, der einen Durchmesser von 30 Metern erhalten wird. An Stelle der gefällten Birken werden Rasenplätze mit Koniferen angepflanzt. Der Platz wird durch einen direkt auf die Ecke des Gymnasiums zuführenden 6 Meter breiten Weg durchquert, kleinere Wege sind für Fußgänger bestimmt. An der westlichen Seite zur Handjerystraße ist die Anlage eines Springbrunnens mit Wasserbassin gedacht“.

 

Die 1931 vom Schöneberger Gartenamt erstellte Zeichnung veranschaulicht die grundsätzliche Gestaltung, mit der 1907 der Steglitzer Gartendirektor Fritz Zahn (1872-1942) beauftragt wurde. Zahn setzte zusätzlich Buchen, Eichen, Eiben, Rotdornen und Magnolien. Als Reminiszenz an die ursprüngliche Bepflanzung mit Birken könnte jener Pavillon aus Birkenstämmen gedeutet werden, der den Weg zum Gymnasium säumte. Über eine lange Zeit hat sich für die Anlage der Begriff „Birkenwäldchen“ gehalten. Dafür sorgte wohl auch Gastwirt Fritz Baumann, der an der Ecke Maybachplatz Handjerystraße das Restaurant „Zum Birkenwäldchen“ betrieb.

 

Noch vor der Neugestaltung entstanden an der Südseite des Maybachplatz die Land- und Mietshäuser der Baumeister Max Nagel (1886), H. Franzke (1888), H. Pählchen (1890) und Carl Sack (1893). Im Jahr 1909 kam die Bedürfnisanstalt nach einem Entwurf von Gemeindebaumeister Hans Altmann hinzu und 1923 auf der Fläche vor dem Gymnasium der „Heldendenkstein“, das Denkmal für die im Ersten Weltkrieg Gefallenen von Friedenau. Mit dem Umbau des Südwestkorsos wurde der „Sintflutbrunnen“ 1931 vom ehemaligen Hamburger Platz zur Lauterstraße als Point de vue für die Hähnelstraße gesetzt.

 

Mit dem von SPD und GRÜNEN „durchgeboxten“ Wohnprojekt auf dem ehemaligen Güterbahnhof Wilmersdorf wird die Gegend einschneidende Veränderungen erfahren, ganz egal, ob es nun 940 oder wie inzwischen zu vernehmen, 1300 Wohnungen werden. Damit auch der letzte Kapitalanleger begreift, was das Marketing mit „Friedenauer Höhe“ soll, erhält die „Sackgasse Lauterstraße“ eine 7 Meter hohe Treppe – zum Bahndamm.

 

Nachfolgend finden Sie Beiträge zu Gymnasium, Schuldirektorenwohnhaus, Kriegerdenkmal, Friedrich Justus Perels, Bedürfnisanstalt, Sintflutbrunnen sowie Land- und Mietshäuser am Perelsplatz. Stand Oktober 2018.

 

Gymnasium am Maybachplatz, 1905

 

 

Gymnasium am Maybachplatz

 

Am 13.März 1896 beschloss die Gemeindevertretung von Friedenau die Errichtung einer höheren Knabenschule. Die Grundsteinlegung am Maybachplatz erfolgte am 20. April 1901. Das neue Gymnasium mit Turnhalle und Sportplatz nach Plänen des Architekten Erich Blunck (1872-1950) wurde am 18. April 1903 eingeweiht. Im Oktober 1905 erklärte der damalige Schuldirektor Dr. Busch, dass „das Fußballspiel ein rohes Spiel ist. Es ist den Schülern streng verboten, der Jugendriege eines Fußballvereins anzugehören“. Berichtet wurde ferner, dass ein Schüler sogar vom Gymnasium verwiesen worden sein soll, weil der Direktor ihn gesehen hat, wie er in der Jugendmannschaft des „Berliner Thor- und Fußball-Club Britannia 1892“ mittrainierte. Am 4. Juli 1907 wurde außerdem folgende Verfügung erlassen: „Vor dem Besuch der sogenannten kinematographischen Theater ist zu warnen. Mitteilung an die Eltern: Die Schule hat die Pflicht, die Jugend gegen die von Lichtbildbühnen ausgehenden Schädigungen zu schützen.“

 

Während des Zweiten Weltkrieges wurde das Gymnasium bei mehreren Fliegerangriffen beschädigt. Nach Beseitigung der Schäden zog 1946 zunächst eine Polizeidienststelle in das Gebäude ein, später die Kaufmännische Berufs- und Berufsfachschule Berlin-Schöneberg. 1958 wurde aus dem ehemaligen Gymnasium die Friedrich-Bergius-Oberschule, benannt nach dem Chemiker Friedrich Bergius (1884-1949). Nichts gegen den Nobelpreisträger von 1931, aber in Bezug auf die Friedenauer Geschichte wäre die Benennung in Friedrich-Justus-Perels-Schule sinnvoller gewesen.

 

Die „alte“ Turnhalle an der Lauterstraße entstand 1959/60. Im Oktober 2011 kam das neue Mehrzweckgebäude mit Turnhalle, Mensa sowie Freizeit- und Unterrichtsräumen hinzu. Bekannt wurde schon 2013, dass das Gebäude dringend eine Grundsanierung braucht. Angedacht ist offensichtlich auch der Abriss der sechs Jahrzehnte alten Turnhalle. Was dann mit den Friedenauer Freizeitkickern, denen die Halle in den Abendstunden großzügig für Sport und Spiel überlassen wird?

 

Die auf dieser Seite präsentierten historischen Aufnahmen sind einem Bericht entnommen, den das „Zentralblatt der Bauverwaltung“ am 27. Juni 1903 veröffentlichte. Auf der nachfolgenden PDF finden Sie den Originaltext.

 

 

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Schuldirektorenwohnhaus. Foto H&S 2015

Schuldirektorenwohnhaus

 

Das Schuldirektorenwohnhaus Perelsplatz Nr. 5, östlich der Schule wurde 1905-06 von Johannes Duntz erbaut, der als Architekt in Friedenau - kurz vor dem Amtsantritt Altmanns 1906 - mit dem Bau der II. Gemeindeschule (heute Stechlinsee-Schule) 1904-06 und des Elektrizitätswerks Friedenau 1905-07 erfolgreich tätig gewesen war. Das zweigeschossige Landhaus mit einer Grundfläche von 13 x 14 Metern ist auf niedrigem Souterrain errichtet und mit einem steilen Walmdach, das nach Osten einen Schildgiebel zeigt, gedeckt. An der Südwestecke ist ein zweigeschossiger Standerker angeordnet. Der Eingang befinde! sich an der Westseite. Die Wohnräume im Erd- und die Schlafräume im Obergeschoß fügen sich ein in einen Vielfelder-Grundriss, in den eine Halle mit Treppe eingeschoben ist. Die Fassaden des Hauses sind asymmetrisch angelegt, die Befensterung folgt funktionalen Erfordernissen. Da Haus ist ein Landhaus im Sinne der Landhausbewegung. Heute wird es vom Bezirk Schöneberg als Kindertagesstätte genutzt.

Der Text wurde dem Buch „Denkmale in Berlin, Bezirk Schöneberg, Ortsteil Friedenau“ von Peter Lemburg, Gabriele Schulz und Dietrich Worbs entnommen. Herausgegeben vom Landesdenkmalamt Berlin und vom Bezirksamt Schönberg von Berlin. Verlag Willmuth Arenhövel, Berlin 2000.

 

Friedrich Justus Perels (1910-1945)

Friedrich Justus Perels (1910-1945)

 

Zu den bekannten Schülern des Friedenauer Gymnasiusm gehören der Jurist Friedrich Justus Leopold Perels (1910-1945) und der Theaterkritiker Friedrich Luft (1911-1990). Perels wohnte in der Stubenrauchstraße Nr. 3, Luft in der Kaiserallee Nr. 74. Der eine begann 1922, der andere ein Jahr später. Täglich der Blick auf die Stele mit den Bildnissen und Sprüchen von Luther, „Eine feste Burg ist unser Gott“, und Bismarck, „In Trinitate Robur“ (In der Dreiheit liegt die Kraft), täglich die Ecke, auf der noch heute „Handjerystraße“ und „Maybachplatz“ eingemeißelt sind, täglich auch das Portal mit dem Cicero-Spruch „Wie die Saat, so die Ernte“.

 

Nach dem Abitur trennten sich die Wege. Perels studierte Jura und wurde 1936 Justitiar der oppositionellen „Bekennenden Kirche“. Dort traf er auf den Juristen Friedrich Weißler (1891-1937), der wegen eines Urteils gegen einen SA-Mann – und seiner jüdischen Herkunft – 1933 als Landgerichtsdirektor in Magdeburg entlassen worden und nun als Kirchenkanzleichef tätig war. Weißler war Mitverfasser einer an Adolf Hitler gerichteten Denkschrift der „Bekennenden Kirche“, in welcher die nationalsozialistische Rassenideologie und der Terror gegen Andersdenkende kritisiert wurde. 1936 wurde er verhaftet und gefoltert, bis er am 19. Februar 1937 im KZ Sachsenhausen seinen schweren Verletzungen erlag.

 

 

 

Bischof Wolfgang Huber bekannte jedenfalls erst im Jahr 2005, dass die Evangelische Kirche Friedrich Weißlers „in Scham und Dankbarkeit gedenkt“. Verlassen war er nicht nur von der „nationalsozialistischen“ Reichskirche, sondern auch von der „Bekennenden Kirche“, die ihm nicht zur Seite stand.

 

Auch Perels warnte vor der Reichskirche, deren „theologische Ausführungen schlechterdings untragbar sind. Wir haben die Aufgabe, auch formell Distanz zu dieser Glaubenslehre zu halten und den neutestamentlichen Angriff seinem Wesen gemäß vorzutragen“. Jahre später wurde auch er „von seiner Kirche verlassen“. Am 5. Oktober 1944 wurde er „wegen Nichtanzeige ihm bekannter Umsturzpläne und wegen illegaler Tätigkeit für die Bekennende Kirche“ verhaftet, am 2. Februar 1945 vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und in der Nacht vom 22. zum 23. April am Lehrter Bahnhof von einem SS-Kommando ohne Vollstreckungsbefehl erschossen und verscharrt.

 

Der Platz vor seinem Gymnasiums heißt seit 1. Oktober 1961 „Perelsplatz“. Am Gebäude wurde eine Gedenktafel angebracht: „Friedrich Justus Perels, geb. 13.1.1910, Jurist.Von 1922 bis 1929 Schüler des 1. Friedenauer Gymnasiums (jetzt Friedrich-Bergius-Schule). Mitglied der Bekennenden Kirche. Er half vielen Juden, Verfolgten und Angehörigen von KZ-Gefangenen. Am 23.4.1945 wurde er von der SS erschossen.“

 

 

Kriegerdenkmal. Archiv Schul- und Stadtteilmuseum Friedenau

Kriegerdenkmal

 

Für den halbkreisförmigen Platz vor dem Eingang zum Gymnasium war in den Plänen von 1907 ein Schmuckplatz mit Springbrunnen und Wasserbassin geplant. Es kam der Erste Weltkrieg und über 80 Friedenauer erlitten den „süßen und ehrenvollen Heldentod fürs Vaterland".

 

Am 15. Juli 1923 hatte der Friedenauer Krieger- und Landwehrverein als größter Berliner Kriegerverein das erste Kriegerdenkmal auf dem Maybachplatz zu Friedenau gegenüber dem Gymnasium eingeweiht.

 

Die „Vossische Zeitung“ berichtete darüber: „Die Gedächtnisrede hielt Pfarrer Förtsch. Ihr schlossen sich zwei weitere Ansprachen von dem katholischen Geistlichen Menzel und dem Friedenauer Rabbiner Dr. Winter an. Darauf übergab der Vorsitzende des Kriegervereins, Geheimer Rechnungsrat Evers, das Denkmal dem Bezirksamt 11. Der anwesende Vertreter des Bezirksamts, Stadtrat Professor Dr. Lassen, übernahm es im Namen der Stadt. Die Feier verlief außerordentlich glänzend bei herrlichem Wetter unter Beteiligung von etwa 10.000 Personen. Verschiedene Kriegervereine der Umgebung und andere Korporationen hatten Abordnungen entsandt, u. a. auch der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, der einen Kranz niederlegen ließ. Desgleichen waren Abordnungen verschiedener Regimenter, in denen die hiesigen Kriegervereinsgenossen früher gekämpft haben, erschienen.“

 

Im Zentrum der Anlage für die im Ersten Weltkrieg Gefallenen von Friedenau steht ein Kalksteinobelisk mit den üblichen Symbolen, Kreuz, Schwert, Stahlhelm und „Lorbeer für die des Lorbeers würdigen Soldaten“. Die Rasenfläche mit dem sogenannten Tiergartengeländer war mit Blumenrabatten eingefasst. Eine Buchenhecke schirmte den Gedenkort vom alltäglichen Treiben auf dem Maybachplatz ab. Das ist heute alles nicht mehr.

 

Umso mehr sind die Aktivitäten des Schul- und Stadtteilmuseums der Friedrich-Bergius-Schule zu begrüßen. Die Website www.friedrich-bergius-schule.de erinnert unter anderem an jene namentlich genannten Schüler des Friedenauer Gymnasiums, die im Ersten Weltkrieg an den Fronten in Frankreich und Russland zwischen 24. August 1914 und 17. Oktober 1918 ums Leben gekommen sind. Keine erfreuliche Lektüre. Eine Mahnung.

 

 

Zum Andenken an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Schüler unserer Schule

 

Bedürfnisanstalt am Maybachplatz, 1910. Archiv Barasch

Bedürfnisanstalt

 

Friedenauer Lokal-Anzeiger, 01.04.1910: Die Bedürfnisanstalt auf dem Maybachplatz wird am 1 April der öffentlichen Benutzung übergeben. Das kleine Häuschen ist in der reizvollen Stilform der sogenannten Bergischen Bauweise errichtet worden, jenen Stil des 18. Jahrhundert, der noch heute in den Gegenden des Niederrheins und der Wupper in zahlreichen Fachwerkgebäuden zu finden ist. Es dürfte allerdings nicht lange mehr dauern, bis diese, den modernen feuerpolizeilichen Vorschriften allerdings nicht entsprechenden Gebäude von der Bildfläche verschwunden sind. Es ist bemerkenswert, daß in Friedenau ein neues unter Anlehnung an die Formen dieses reizvollen, dem Untergänge geweihten Baustiles, aufgeführtes, der modernen Zeit angepaßte Architekturwerk errichtet worden ist. Die Anstalt dient zwei Zwecken: 1. sie enthält eine öffentliche Bedürfnisanstalt für Männer und Frauen und 2. eine solche für die Turner und Turnerinnen des Spielplatzes in der Lauterstr. Die Aufsicht über diese Anstalt führt eine Wartefrau, für die ein besonderer Raum in dem Gebäude vorgesehen ist.

 

 

„Erwecken Sie ein denkmalgeschütztes Kleinod aus dem Dornröschenschlaf und verhelfen Sie dieser Ecke Friedenaus zu noch mehr Attraktivität.“ Das Angebot der grünen Bezirksstadträte Jörn Oltmann (Bauen) und Christiane Heiß (Grünflächen) klang gut. Ab September 2016 wurde saniert, im Januar 2018 war das Häuschen fertig – und blieb geschlossen. Auf telefonische Nachfrage teilte das Rathaus Schöneberg am 8. Oktober 2018 mit, „dass eine Entscheidung zur Vergabe der Betreiberkonzession gefallen ist“. Warten wir also auf die Saison 2019.

 

Die jüngste Geschichte der ehemaligen Bedürfnisanstalt haben wir in 5 Akten nachgezeichnet.

 

1. Akt

 

Da es auf dem beliebten Platz mitunter dringende Bedürfnisse gab, ließ die Gemeinde Friedenau 1909 von ihrem Gemeindebaurat Hans Altmann (1871-1965) am östlichen Rand eine eingeschossige Bedürfnisanstalt errichten. Er entwarf einen Fachwerkpavillon mit geschwungenem und schiefergedecktem Bohlenbinderdach. Dieser bekam zwei Zugänge, zur Lauterstraße hin der wenig erhebende Eingang zum Pissoir für die Männer, zum Park hin eine halboffene Laube als Vorraum für die Damen-Toilette.

 

Ende der 1980er Jahre wurde die „Bedürfnisanstalt“ geschlossen, das Häuschen aber unter Denkmalschutz gestellt. Irgendwann danach fand sich ein Betreiber, dem es mit Engagement und Improvisation gelang, das Café „Park-Oase“ zu einen Treffpunkt zu machen. Unübersehbar war, dass das Bezirksamt in sein Eigentum investieren musste. Dafür sollte aber kein Geld ausgegeben werden. So kam es nach dem Frost im März 2011 zu einem Rohrbruch. Er legte die Park-Oase lahm.

 

Pächter Werner gab die Hoffnung auf eine Einigung mit dem Bezirksamt nicht auf: „Bald ist es hoffentlich soweit und der Frühling kommt! Sobald die Tagestemperaturen über +12 Grad erreichen und es keinen Nachtfrost mehr gibt, wird erstmal wieder an den Wochenenden für Sie geöffnet sein. Spätestens bei Tagestemperaturen über +15 Grad und freundlichem Wetter wird auch der tägliche Betrieb wieder aufgenommen. Die Öffnungszeiten sind wie gewohnt samstags und sonntags ab 11 h bis voraussichtlich gegen 17 h, montags bis freitags ab 11 h mit Schluss gegen 18 h. Hoffentlich bis bald und auf Wiedersehen in der Park-Oase. Werner, Anfang März 2011.“

 

Zurück blieb ein herrenloses Häuschen, das in den folgenden Jahren zum Schandfleck wurde. Das Bezirksamt hätte begreifen müssen, dass Pächter Werner ein „Glücksfall“ war, der unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen ein Kleinod am Leben erhielt, und dass Bezirksamt hätte auch erkennen müssen, dass mit geringfügigen Investitionen ein Weiterbetrieb der Park-Oase möglich gewesen wäre. Eine Einigung kam nicht zustande. Im Mai 2013 gab Werner auf.

 

 

 

2. Akt

 

Im September 2016 wurde ein Bauschild installiert: „Fachwerkpavillon am Perelsplatz. Denkmalgerechte Sanierung und Umbau. Bauzeit: September 2016 bis Oktober 2017. Bauherr Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg. Planung und Bauleitung Hagemann+Liss Architekten. Außenanlagenplanung Dr. Ing. Anke Werner.“ So weit, so gut. Aber, und damit begann das Dilemma, es konnte nicht nur um das „Häuschen“, sondern um ein eng verzahntes historisches Areal gehen, zu dem neben dem Fachwerkpavillon auch der stillgelegte Sintflutbrunnen, arg vernachlässigte Grünanlagen, marode Wege und ein Spielplatz gehören, dessen zu niedrige Einzäunung Hunde dazu animieren, ihre Geschäfte im Sand zu erledigen.

 

Dies haben weder die Abteilung Stadtentwicklung, zuständig Bezirksstadtrat Jörn Oltmann (Bündnis `90/Grüne), Dienstsitz Rathaus Schöneberg, noch die Abteilung Straßen- und Grünflächenamt, zuständig Bezirksstadträtin Christiane Heiß (Bündnis `90/Grüne), Dienstsitz Rathaus Tempelhof, geschweige denn das mit der „Projektsteuerung“ betraute „Facilitymanagement“ des Bezirksamts bedacht. Das Projekt wurde nach Schema F betrieben. Die einen saßen im Rathaus Schöneberg, die anderen im Rathaus Tempelhof. Wirklich zusammen kamen sie nicht, offensichtlich auch nicht zu einer Ortsbesichtigung, die ohne Zweifel zu einer Änderung der Planung geführt hätte. Nach über zwei Jahren Bauzeit ist der gegenwärtige Zustand nicht anders zu erklären.

 

Im und am Häuschen wurde eifrig „gewerkelt“: Fundament, Versorgungsrohre, Mauerwerk, Fachwerk, Dach, Fenster, Türen – eine dem Denkmal würdige akribische Arbeit. Der Gehweg von der Lauterstraße wurde gepflastert, eine Terrasse mit Kleinpflaster bedacht und Pflanzrabatten mit festen Beetkanten eingefasst – alles nur im Umkreis des Häuschens von zehn Metern. Dem Bezirksamt hätte allerdings bekannt sein müssen, dass der Weg zwischen den Bushaltestellen M48 und M85 an der Hähnelstraße über Sintflutbrunnen, Spielplatz und Friedrich-Bergius-Schule zum Bahnhof Bundesplatz zu den stark frequentierten Fußgängerrouten gehört und seit langem sanierungsbedürftig ist. Seit Monaten ist Stillstand. Dem Bezirksamt ist wohl klargeworden, das es so nicht gehen wird und weitere Mittel für die gesamte Sanierung des Areals ausgegeben werden müssen. Während am Häuschen fein gestylt genossen werden kann, waten einige Meter nach Regentagen tagtäglich viele Menschen durch Löcher und Pfützen oder schieben die Kinderwagen durch den Schlamm.

 

 

3. Akt

 

Für den 31.08.2017 lud die Abteilung Stadtentwicklung zu einer „Objektbesichtigung“ ein – offiziell genannt „Interessenbekundungsverfahren zur Nutzung des denkmalgeschützten Fachwerkpavillons als gastronomische Einrichtung“. Dazu gab es auch eine Anzeige: „Pavillon auf dem Perelsplatz soll vermietet werden. Das Straßen- und Grünflächenamt sucht mit einem Interessenbekundungsverfahren zum 1. Januar 2018 einen engagierten und zuverlässigen Mieter für den denkmaigeschützten Fachwerkpavillon auf dem Perelsplatz. Erwecken Sie ein denkmalgeschütztes Kleinod aus dem Dornröschenschlaf und verhelfen Sie dieser Ecke Friedenaus zu noch mehr Attraktivität. Die erforderlichen Unterlagen können Bewerber ab sofort bei der Serviceeinheit Facility Management unter Tel. (030) 90277-4237 oder -4236 abfordern. Die Nutzungskonzepte sind bis zum 30.09.2017 einzureichen. Die nicht öffentliche Öffnung und zunächst interne Auswertung der Konzepte erfolgt am 08.10.2017.“

 

Es kamen nicht nur jene, die dort als Pächter ein Geschäft witterten, sondern auch die Nachbarschaft, denen das Kleinod am Herzen liegt. Bei offiziell angekündigten jährlichen Betriebskosten von 2.300 €, erforderlichen privaten Investitionen von ca. 10.000 Euro und einer in der Höhe noch nicht definierten monatlichen Miete hielt sich das Interesse in Grenzen. Einige erinnerten sich daran, dass das Bezirksamt zuvor mit enormem Aufwand Altmanns zweite Bedürfnisanstalt mit Kiosk und Gärtchen aus dem Jahre 1920 am Südwestkorso rekonstruiert hatte, in dem dann eine „Kaiserdiele“ die Gastronomie übernahm. Drinnen 20, draußen 40 Plätze. Nach kurzer Pachtzeit musste der Wirt wohl erkennen, dass „die Winter wirtschaftlich schwierig sind“. Das Etablissement hat längst wieder dicht gemacht.

 

Eher skeptisch waren denn auch die Kommentare während der Besichtigung auf dem Perelsplatz. Die Auflagen und Beschränkungen für Häuschen und Anlagen seien „sehr gravierend“. Einige Beispiele zu den Pächterpflichten seien genannt:

 

„Fachgerechte Pflege und Unterhaltung der zur Pachtfläche gehörenden Außenflächen einschließlich definierter Teilflächen des öffentlichen Straßenlandes sowie der öffentlichen Grünanlage

Übernahme sämtlicher Genehmigungs-, Anschaffungs- sowie Rückbaukosten

Fachgerechte Instandhaltung/Instandsetzung des Gebäudes, der Außenflächen und technischen Anlagen

Bereitstellung des Gäste-WC's für die Allgemeinheit während der Öffnungszeiten, angemessene Benutzungsentgelte dürfen erhoben werden, die Reinigung der WC's obliegt dem Pächter

Übernahme aller laufenden und einmaligen Betriebskosten, z.B. Strom, Gas, Wasser, Abwasser, Telefon, Einbruchmeldeanlage, Wartungskosten für Heizung, Schornsteinfeger etc. Übernahme sonstiger Betriebskosten die im Zusammenhang mit der Pachtfläche regelmäßig anfallen (Gebühren und Steuern), z.B. Straßenreinigung, Grundsteuer, Feuerversicherung,

Abschluss aller mit dem Betrieb des Objektes erforderlicher Versicherungen, z.B. Gebäude- und Haftpflichtversicherung einschl. Vandalismus- und Einbruchschäden

Und: Die Räume sind ganzjährig zu beheizen, auch bei Abwesenheit.“ – Was schließlich Energieverbrauch von Oktober bis April bedeutet. Da ticken die GRÜNEN wohl nicht richtig!

 

Wir formulierten wir unsere Bedenken: „Wer auch immer den Versuch startet, Altmanns Bedürfnisanstalt mit Leben zu erfüllen – das Risiko des Scheiterns dürfte sehr hoch sein. Bei diesen gewaltigen Investitionen für Häuschen und Anlagen wird sich das Bezirksamt über einen noch so ausgeklügelten Pachtvertrag nicht aus der Verantwortung ziehen können. Ein aufwändig sanierter Leerstand ist das Letzte, was am bislang arg vernachlässigten Perelsplatz gebraucht wird.“

 

Auf der nachfolgenden PDF finden Sie den kompletten Text des Interessenbekundungsverfahrens, veröffentlicht vom Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg, 2017..

 

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4. Akt

 

Am 19.09.2017 teilte das Bezirksamt mit, „dass die Frist zur Abgabe eines Angebotes bzw. Konzeptes bis zum 31.12.2017 verlängert worden und ein neuer Besichtigungstermin für den 05.12.2017 angesetzt ist“.

 

Was war inzwischen geschehen? Bisher war nur die unmittelbar am Häuschen liegende Grünfläche „beackert“ worden. Nun wurde das Projekt „erweitert“ und der gesamte Grünstreifen bis hin zum „Pestalozzi-Fröbel-Haus“ in der ehemaligen Schuldirektorenvilla des Friedenauer Gymnasiums „bearbeitet“. Plötzlich wurden vier Birken gesetzt, weil sich im Rathaus Schöneberg jemand daran erinnerte, dass die Anlage doch einst „Birkenwäldchen“ genannt wurde. Rasen wurde gesät, massive Zäune mit Eingangstoren parallel zur Turnhalle gesetzt, und wo einst ein luftiger Pavillon stand, gabs nun einen mit Brettern verschlagenen Geräteschuppen.

 

Wieder war ein Dutzend Bewerber gekommen. Ihnen wurde schnell klar, dass es mit der geplanten Eröffnung im Frühjahr 2018 nichts werden und die Fertigstellung dauern würde. Dazu kamen weitere Hiobsbotschaften. Obwohl das Bezirksamt von Anfang an eine Nutzung als „Café oder kleine Gastronomie mit kulturellen Nebenangeboten“ propagierte, der Einbau eines „Fettabscheiders“ für den Bauherrn also ziemlich nahelag, sollen dem zukünftigen Pächter neben den Verhandlungen mit den Berliner Wasserbetrieben auch noch die Einbaukosten in Höhe bis zu 3.800 € überlassen werden.

 

Wir hatten bereits befürchtet, dass es bei den vom Bezirksamt errechneten Kosten von jährlich 5.590 Euro zuzüglich der Ausgaben für die Möblierung der Terrasse, des Innenraums, Küche und Grünflächenpflege – sowie der Verpflichtung, das Kleinod ganzjährig zu heizen – einem Pächter wohl kaum möglich sein wird, bei einem (wetterabhängigen) maximal halbjährigen Betrieb halbwegs wirtschaftlich über die Runden zu kommen.

 

Im Innern war inzwischen einiges geschehen. Deutlich wurde aber, dass auf den 22 Quadratmetern Innenraum keine 15 Sitzplätze unterzubringen sind. Zu berücksichtigen ist nämlich, dass auf dieser Fläche noch Platz für eine Theke und obendrein für die Einstiegsluke in den Keller von 0,80m x 1,80m freigehalten werden muss. Und da war auch noch das Dachgeschoss, einzige Möglichkeit für ein Warenlager. Da die Deckenluke nur über eine angelegte Leiter im Innern zugänglich ist, müssten dort jeweils Tische, Stühle und Gäste „beiseite geräumt“ werden.

 

 

5. Akt

 

Im August 2017 wurden die Ausgaben für das Projekt Perelsplatz mit über 500.000 € beziffert. Diese Summe dürfte im April 2018 um einiges überschritten sein. Genaue Zahlen sind vom Bezirksamt nicht zu erhalten, auch nicht über die „Opposition“ in der BVV, die sich darum bemüht haben soll.

 

In den Monaten Januar bis April 2018 ist auf der Baustelle nicht viel passiert. Der berühmte Abzug auf dem Dach bekam eine kupferne Haube, die nichts mehr mit der „Eleganz“ von 1909 zu tun hat, eine Rabatte bekam eine Stromverteilersäule für Außen, die nicht ungünstiger platziert werden konnte, die Laterne für die Wegbeleuchtung, im Herbst 2017 gesetzt, hat noch immer keine Lampe bekommen. Nach wie vor schirmen die Bauzäune das Areal von der Lauterstraße bis zur Kita „Pestalozzi-Fröbel-Haus“ ab. Was auf diesem Grünstreifen abgeholzt wurde, lagert seit Monaten in den Anlagen des Perelsplatzes. Stillstand ringsherum.

 

Gutes Zeichen, schlechtes Zeichen? Könnte es sein, dass im Bezirksamt darüber nachgedacht wird, wenigstens den angrenzenden Anlagenteil nebst Spazierwegen auch zu sanieren?

 

Das Projekt „Fachwerkpavillon am Perelsplatz“ wurde ideologisch „überfrachtet“. Er sollte alles sein, Café, kultureller Treffpunkt, öffentliches WC, Parkanlage – eine Idylle, von Privat betreut, mit der sich das Bezirksamt im Grunde genommen aus der Verantwortung stehlen wollte. Das kann nicht funktionieren. Wer für diese Sanierung über eine halbe Million Euro ausgibt, bei denen es nicht bleiben wird, hätte auch über „Subventionen“ nachdenken müssen – ohne die ein zukunftsträchtiger Erhalt nicht möglich ist. Das Häuschen auf dem Perelsplatz ist ein „Schön-Wetter-Projekt“. Bei 36,5 Sonnen- und 46,2 Regenstunden von Mai bis Oktober sind das keine guten Aussichten für ein Terrassengeschäft.

 

Das Bezirksamt Zehlendorf war klüger. Man übergab den Kiosk an der alten Dorfaue dem Verein „Kultur in Steglitz-Zehlendorf“, der sich seit 1996 erfolgreich um die Belebung kümmert. Eine Möglichkeit, aber immerhin eine Idee. Das Scheitern am Perelsplatz ist vorprogrammiert – für den Pächter und das Bezirksamt.

 

 

Am 23.07.2018 erhielten wir von Frau Bezirksstadträtin Christiane Heiß folgende Antwort:

 

Das Bezirksamt beabsichtigt weiterhin eine Vermietung des Objekts. Die für alle etwaigen Mieter gleichen Bedingungen sind schon frühzeitig ausführlich dargestellt worden, damit sich sämtliche Interessenten bereits vorab ein realistisches Bild machen können. Die Rahmenbedingungen resultieren u.a. aus Denkmalschutz für Gebäude und Fläche und auch aus der Verantwortung für den mit erheblichem Mitteleinsatz sanierten Fachwerkpavillon. Diese Rahmenbedingungen für die Vermietung stehen daher nicht zur Diskussion. Trotz der bekannten Pflichten haben sich einige Interessenten mit realistischen Nutzungskonzepten gefunden, die eine Bereicherung für diese Ecke Friedenaus sein könnten. Die Phase der Auswertung der im Rahmen des Interessenbekundungsverfahrens eingegangenen Bewerbungen ist so weit gediehen, dass mit einer Entscheidung im Herbst gerechnet wird. Ein genauer Zeitpunkt kann aktuell leider noch nicht benannt werden.

 

Am 8. Oktober 2018 wurde uns auf telefonische Nachfrage mitgeteilt, „dass eine Entscheidung zur Vergabe der Betreiberkonzession gefallen ist“.

 

Warten wir also auf das, was uns das Bezirksamt in der Saison 2019 bieten wird.

 

Paul Aichele. Mutter mit Kind. Quelle VAN HAM

Sintflutbrunnen

 

Im Frühjahr 1908 berichtet Gemeindebaurat Hans Altmann über die Anlage des Platzes vor dem Friedhof. Herr Kommerzienrat Haberland habe der Gemeinde einen monumentalen Brunnen zum Geschenk gemacht, der auf diesen Platz aufgestellt werden solle. Die Ausführung des Brunnendenkmals ist dem hiesigen Bildhauer Herrn Aichele übertragen worden, der zu dem von Herrn Haberland bereitgestellten Preise von 10.000 M. der Gemeinde ein würdiges Kunstwerk hinstellen wird.

 

Gemeindevertreter Ruhemann fragt an, ob nicht die Ausführung auch anderen Künstlern übertragen werden könne oder ob es sich bestimmt um dieses Denkmal handeln muß. Gemeindebaurat Altmann erwidert, daß Herr Ruhemann sich in einem Irrtum befinde. Die Gemeinde bekommt ein Geschenk und hat nur darüber zu bestimmen, ob sie dieses Geschenk annimmt, alles andere ist Angelegenheit des Geschenkgebers. Gemeindevertreter Knaak will das Denkmal nicht gefallen, seiner Ansicht nach passt das Denkmal dort gar nicht hin, da der Kirchhof mit der Sündflut doch gar keinen Zusammenhang habe. Er frage nun, ob Herr Haberland gesagt hat, er wünscht dieses Denkmal zu schenken, oder aber, er gibt nur die Summe von 10.000 M. für ein Denkmal aus.

 

 

 

 

Gemeindebaurat Altmann hat derartige Ausführungen nicht erwartet. Das Modell war in der Kunstausstellung ausgestellt. Der Künstler fertigt es für den billigen Preis nur aus Liebe zu Friedenau, er begnügt sich mit dem geringen Verdienst, den er vielleicht noch an der Ausführung hat, nur um in Friedenau ein gutes Kunstwerk aufzustellen. Daß das Denkmal hier nicht hinpassen solle, kann er nicht finden. Im Gegenteil, die Sündflut ist doch aus dem Religionsunterricht jedem bekannt und ihre ernste Bedeutung verbindet sich doch würdig mit dem Gedanken an die Abgeschiedenen auf dem Friedhofe.

 

Nun war es „ein herrliches Kunstwerk, das auf der Berliner Kunstausstellung vielfach bewundert wurde und eine Zierde für unseren Ort sein wird“. Obendrein eine Schöpfung des allerdings im badischen Markdorf geborenen Friedenauer Künstlers Paul Aichele (1859-1924), der sich nach seinem Studium an der Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums Berlin in Friedenau mit Atelier und Wohnung Kaiserallee Nr. 97 und Hackerstraße Nr. 2/3 niedergelassen hatte. Schließlich erklärte sich die Gemeindevertretung mit der Annahme des Geschenks bereit.

 

Die Geschichte ist nicht ohne. Der Bauunternehmer Georg Haberland und seine „Terrain-Gesellschaft Berlin-Südwesten“ hatten große Teile des damals noch unbebauten Areals am Südwestkorso erworben und bei der Gemeinde sowohl eine Änderung des Bebauungsplans als auch den Bau vierstöckiger Mietshäuser durchgesetzt. Zum Dank gabs den „Sintflutbrunnen“.

 

Der wurde am 4. Juli 1909 auf dem Hamburger Platz enthüllt, 4,50 m hoch mit Figuren aus Kalkstein und einem Natursteinbecken mit 7,00 m Durchmesser. Aus der Beckenmitte ragt ein Felsen heraus, an dessen Spitze eine unbekleidete Frau die Arme schützend über das nackte Kind ausgebreitet. Darunter ein nackter Mann, der eine leblose Frau im Arm hält und sich bemüht, dem wasserspeienden Felsen zu entkommen.

 

Über dieses Kunstwerk kursieren diverse Geschichten. Fakt ist, dass Aicheles Schöpfung erstmals 1906 auf der Großen Berliner Kunstausstellung unter „: Aichele, Paul, Berlin, Fichtestraße 20, Nr. 1253 Mutter mit Kind, Marmor“ auftaucht. Zwei Jahre später präsentiert die Ausstellung im Saal 3 unter Nr. 65 „Aichele, Paul: Sintflut. Fragment. Das Kunstwerk ist verkäuflich. Paul Aichele, Charlottenburg, Eosanderstraße Nr. 14.“ Bei diesem Fragment kann es sich nur um jene Skulptur gehandelt haben, die am 14. Mai 2010 unter „Los 43, Paul Aichele: Mutter mit Kind. Alabaster. Bezeichnet rückseitig: Aichele. Höhe: 43 cm. Marmorsockel“ vom Kölner „Auktionshaus Van Ham“ für 2.250 Euro versteigert wurde.

 

Als Ende der zwanziger Jahre deutlich wurde, dass Straßenbahn und Autoverkehr einen Umbau des Südwestkorsos und einen Verzicht auf den Hamburger Platz erforderlich machen, wurde der Sintflutbrunnen 1931 ab- und am Maybachplatz (heute Perelsplatz) wieder aufgebaut. Mehr als acht Jahrzehnte hat sich niemand um das „Schmuckstück“ gekümmert. Felsen und Figuren aus Kalkstein haben Patina angelegt. Ganz schlimm ist es um das Becken aus Naturstein bestellt. Ringsherum tritt das Wasser aus Stein und Fugen. Eine Sanierung ist dringend geboten.

 

Denkmalkarte. Senat von Berlin, 2000

Land- und Mietshäuser am Perelsplatz

 

Eine abwechslungsreiche Gruppe von Wohnbauten bildet den Südrand des Perelsplatzes, die die Bau- und Gartenkultur in Friedenau vor und nach dem Umbruch durch die Bauordnungen von 1887 und 1892 anschaulich vor Augen führt.

 

Das eingeschossige, vierachsige Landhaus Perelsplatz 12 mit Quergiebel wurde 1886 von Max Nagel in rötlich-gelbem und rotem Sichtziegelmauerwerk auf einem Vierfelder-Grundriss erbaut. Im Westen ist eine fünfte Achse angefügt worden, die die Einfahrt zu den Werkstattgebäuden auf dem Hof bildet. An der Ostseite befindet sich im Bauwich der Hauseingang. Der Front ist zwischen Ecke und Mittelrisalit eine geschlossene Holzveranda auf Massivsockel vorgelagert. Der Vorgarten ist erhalten, jedoch ohne Gitter.

 

Das zweigeschossige, vierachsige Landhaus Perelsplatz 13 wurde 1888 von H. Franzke errichtet. Auch dieses Landhaus hat einen Vierfelder-Grundriss, dem eine fünfte Achse im östlichen Bauwich - weit zurückgesetzt - angefügt wurde, die den Hauseingang aufnimmt. Das hohe Souterrain zeigt Putznutung, das Hochparterre und das Obergeschoss dagegen gelbes Sichtziegelmauerwerk. Die Fenster sind mit Putzfaschen eingefasst. Das Drempelgeschoss mit einem Quergiebel weist Oeil-de-Boeuf-Fenster auf. Der Vorgarten ist mit dem originalen Lanzengitter eingefriedet.

 

 

Die 1890-94 angelegten Vorgärten der beiden Mietshäuser Perelsplatz 14-15 und 16 zeichnen sich durch aufwendige Verkleidungen der Balkonbrüstungen mit Tuffstein aus. Die historisierende Gestaltung - Grottenmotive in Verbindung mit Brunnen und Wasserbecken in Berliner Höfen und Gärten zwischen 1895 und 1910 ein vielerorts noch ablesbares Gestaltungsmittel zeigt sich als Tuffsteinwand mit halbrunder Öffnung hier erstmalig in Vorgärten. In den 1894 angelegten, 1916 und 1963 wiederhergestellten Vorgärten des entdekorierten Mietshauses Perelsplatz 14-15 ist östlich des Eingangs noch ein halbrundes, heute bepflanztes Wasserbecken vor der Tuffsteinwand erhalten. Diese unregelmäßige Wand ist um Mauer-Zimbelkraut bewachsen und wird von zwei Pflanzschalen aus Tuffstein bekrönt. Von den Erdgeschoßwohnungen führen Treppen und schmale Wege in geschwungener Form zu den Toren der Seitengitter an den Hauseingängen. Diese seitlichen Einfriedungen sind wie die frontalen an der Straßenseite als schmiedeeiserne Gitter über einem Klinkersockel mit einer Natursteinabdeckung ausgebildet und mit wildem Wein berankt. Die Rasenflächen der Vorgärten werden durch einige Farne, Funkien sowie Immergrüne und Nadelgehölze aufgelockert. Der von zwei neu aufgemauerten Pfeilern und den Seitengittern gerahmte breite Zugangsweg ist noch mit Mettlacher Fliesen befestigt, die sich in der separaten Durchfahrt zum Hof fortsetzen. Der Hof zeugt von der ehemaligen Teilung in einen Wirtschaftshof und einen ursprünglich vollständig eingefriedeten Gartenteil, wovon in Friedenau nur noch wenige Beispiele existieren. Der dem Seitenflügel zugeordnete Wirtschaftshof, heute neu befestigt, dient als Zufahrt zur Remise und Garage an der Grundstücksgrenze. Den Garten von rechteckigem Grundriss umgibt nur noch der Klinkersockel der ehemaligen schmiedeeisernen Gittereinfriedung. Die von zahlreichen Obst- und Walnußbäumen beschattete Anlage wird durch eine geometrische Beetaufteilung geprägt. Ein ovales, von Funkien gesäumtes Mittelbeet wird von einem unbefestigten Weg eingefasst. An der südlichen Gartengrenze befindet sich ein erhöhter Sitzplatz vor einer Tuffsteinwand, der auf die Mitte des Ovals mit einem alten Obstbaum ausgerichtet ist.

 

Die 1894 entstandenen Vorgartenhälften beidseitig des inzwischen neu gepflasterten breiten Eingangswegs des Mietshauses Perelsplatz 16 bilden ebenfalls mit ihren Tuffsteinwänden vor den Balkonbrüstungen und deren bekrönenden Pflanzschalen einen Blickpunkt. Die Vorsprünge und Vertiefungen des Gesteins lassen reichlich Raum für Pflanzenbewuchs. Ein schmiedeeisernes Gitter auf einem Klinkersockel mit Natursteinaufsatz - identisch zum Gitter von Nummer 14-15 - bildet mit den Klinkerpfeilern an den Ecken die Einfriedung. Den Abschluss der Pfeiler bilden Schmuckaufsätze mit bekrönender Kugel. Die über Tore der Seitengitter und die Treppen der Erdgeschoßwohnungen erreichbaren Vorgärten weisen schlichte Gestaltungen auf: mit geschlängelten Wegen, Rasenflächen, bepflanzt mit Flieder, Eiben, Rhododendron beziehungsweise Farnen.

 

Das viergeschossige, zwölfachsige Mietwohnhaus Perelsplatz 16 wurde 1893-94 nach Plänen von Carl Sack errichtet, von dem auch das entdekorierte Nachbarhaus Nr. 14-15 stammt. Die Fassade wird beiderseits der Mittelachse durch zwei Standerker gegliedert, denen in den Außenachsen tiefe und breite Loggien zugeordnet sind. In der Mitte der Fassade kragen lange Balkons zwischen den Erkern aus. Die schmiedeeisernen Balkongitter zeigen historistisches Rankenwerk. Das Souterrain und das Erdgeschoß sind mit Rustika in Putz ausgeführt, die Obergeschosse darüber verklinkert und die Erker verputzt. Die Fenster sind mit Gewänden und Verdachungen aus Stuck versehen. In der Mittelachse des Erdgeschosses liegen Hauseingang und Durchfahrt nebeneinander, ein breiter Weg führt zum Haus durch den mit einem Gitter eingefriedeten Vorgarten.

 

Das dreigeschossige, sechsachsige Mietwohnhaus Perelsplatz 17 wurde 1890 nach Plänen des Maurermeisters H. Pählchen erbaut. Sein Grundriss mit einer Fläche von 15 x 13 Metern zeigt in der Mittelachse eine zweiläufige Geschoßtreppe, die je zwei 3-Zimmer-Wohnungen pro Geschoß erschließt. Den Wohnzimmern ist jeweils ein Balkon vorgelagert. Die Straßenfassade zeigt im Souterrain und im Hochparterre Putznutung. In der Mittelachse ist der Hauseingang mit einem Säulenportal mit Segmentbogen angeordnet. Die Obergeschosse sind verklinkert. Die Fenster sind mit aufwendigen Ädikulen, Laibungen, Sohlbänken und Brüstungen geschmückt. Das Haus gehört zur Übergangsphase der Friedenauer Bebauung zwischen den Bauordnungen von 1887 und 1892.

 

Die Texte wurden dem Buch „Denkmale in Berlin, Bezirk Schöneberg, Ortsteil Friedenau“ von Peter Lemburg, Gabriele Schulz und Dietrich Worbs entnommen. Herausgegeben vom Landesdenkmalamt Berlin und vom Bezirksamt Schönberg von Berlin. Verlag Willmuth Arenhövel, Berlin 2000.

 

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