Rembrandtstraße/Menzelstraße. Ganz links Rembrandtstraße Nr. 10 um 1904. Archiv Barasch

Hinter der Wannseebahn

 

Name der Rembrandtstraße seit dem 12. Januar 1892, vorher Straße 5. Benannt nach dem niederländischen Maler Rembrandt Harmensz van Rijn, (1606-1669). Die 600 Meter lange und nur auf der Westseite bebaute Rembrandtstraße wurde auf dem Gebiet der „Schöneberg-Friedenauer Terraingesellschaft“ angelegt. Sie führt von der Rubensstraße bis zur Knausstraße an der Friedenauer Brücke.

Es begann am 27. Oktober 1838 mit einer Probefahrt der „Berlin-Potsdamer Eisenbahn“ (Stammbahn). Vier Jahrzehnte später wurde am 1. Juni 1874 mit der „Wannseebahn“ die erste Vorortstrecke mit der Station „Friedenau“ eröffnet. Von da an lagen auf der Bahntrasse vor der Rembrandtstraße neben Anschlussgleisen für die Anlieferung von Baumaterial und Kohlen schon vier Hauptgleise für die Züge zwischen Potsdam und Berlin.

 

 

Nach dem Mauerbau entstand (ungeachtet der berechtigten Einwürfe einer „Bürgerinitiative“) gleich nebenan 1968 die „Westtangente“ vom Sachsendamm in Schöneberg zur Birkbuschstraße in Steglitz mit den AS Saarstraße, Filandastraße und Albrechtstraße. Unmittelbar an den Ausfahrten wurden am Rand der Autobahn Ausbuchtungen für Bushaltestellen der BVG-Linie 84 gebaut, die über Treppen oder Fußgängertunnel von den beidseitig liegenden Straßen erreichbar waren. Nach Wiederinbetriebnahme der Wannseebahn (S1) durch die BVG zum 1. Mai 1985 wurden Busverkehr und Haltestellen eingestellt und aufgegeben.

 

Geblieben sind Westtangente und Pläne der Deutschen Bahn, die (nur stillgelegte) Stammbahnstrecke wieder zu aktivieren. Beim Bau des Tiergartentunnels für die Nord-Süd-Fernbahn wurde bereits dafür gesorgt, dass die Stammbahntrasse direkt in den Tunnel geführt werden und so eine durchgehende Verbindung von Stralsund, Rostock und Stettin über Berlin-Hauptbahnhof, Zehlendorf und Potsdam bis nach Magdeburg entstehen kann. Für einen zweigleisigen elektrischen Abschnitt zwischen Gleisdreieck, Schöneberg, Friedenau, Steglitz und Zehlendorf müsste allerdings der Gleisabstand verbreitert sowie Straßen- und Bahnbrücken erneuert und angehoben werden.

 

Rembrandtstraße Nr. 10

 

Es war nur eine Frage der Zeit. Nach Eröffnung von Wannseebahn (1874) und Ringbahn (1877) folgte 1889 die Gründung der „Schöneberg-Friedenauer-Terraingesellschaft“. Zweck war der Erwerb von „Bauparzellen, auch mit Bauerlaubnis, in Schöneberg am Bahnhof Friedenau gelegen“. Geworben wurde mit „Gesunde Lage, vorzügliche Verbindung nach Berlin durch Wannseebahn (fast durchweg 10-Minuten-Verkehr, Fahrtzeit 9 Minuten). Ringbahn, Dampfbahn, Pferdebahn, fertige Straßen-, Kanalisations-, Gas- und Wasseranlagen“.

 

Noch bevor das „Schöneberger Tageblatt“ am 19. November 1892 mit einer Annonce die Eröffnung des Verkaufsbüros der „Schöneberg-Friedenauer-Terraingesellschaft“ am Dürerplatz Nr. 4 ankündigen konnte, hatte der Maurermeister und Baugeschäftsinhaber J. Gerbsch aus Berlin NO Straße 16b (Prenzlauer Berg) den Bauplan für den „Neubau eines Wohnhauses in Schöneberg, Straße 5“ eingereicht. Als Eigentümerin wurde Ehefrau „Marie Gerbsch geb. Katzurke mit Wohnadresse Berlin N.O. Langenbeck Straße Nr. 9 (Mahlsdorf) im Grundbuch Schöneberg Band IV, Nr. 436, Grundsteuerkataster Band 5“ eingetragen. Der Bauschein Nr. 206 trägt das Datum 24. Dezember 1891.

 

Bei dem Anwesen handelt es sich um ein sogenanntes Winkelgrundstück mit Eingang von der Rembrandtstraße und Durchfahrt zum Innenhof, indem sich auf der rechten Seite gegenüber von Hinter- und Gartenhaus hin zum Grundstück Nr. 9 eine Remise befindet. Dort waren ein Pferde- bzw. später ein Kuhstall untergebracht. Im Adressbuch von 1897 werden A. Mertins (Molkereibesitzer) und C. Liehr (Schlächtermeister) erwähnt. Im Vorderhaus befanden sich von Anfang an links und rechts vom Eingang zwei Ladengeschäfte, die im Laufe der Zeit offensichtlich von Buchdrucker, Drechsler, Sattler und Schumacher genutzt wurden. Ab 1923 betrieb dort Minna Woelm ein Backwarengeschäft, das noch während des Zweiten Weltkriegs existierte.

 

Die zur Gemarkung Schöneberg gehörende „Straße 5“ erhielt am 12. Januar 1892 den Namen „Rembrandtstraße“ (Postbezirk Friedenau). Im Friedenauer Adressbuch von 1893 sind einige Baustellen und die bereits errichteten Bauten „Schmidt’sches Haus“ und „Gerb’sches Haus“ verzeichnet. Schon 1897 erscheint unter „Rembrandtstraße Nr. 10“ der Eintrag „Administration, Verwalter C. Sauberzweig, Hauptstraße Nr. 107“ – Grundstück und Haus standen zum Verkauf. Nach einem Intermezzo mit dem Baumeister C. Hoffmann im Jahr 1898 als Eigentümer war das Anwesen von 1899 bis 1922 im Besitz des Kaufmanns G. Leue aus Berlin und der Familie Schmidt aus Königs Wusterhausen. Ihnen folgte von 1923 bis 1931 Rittergutsbesitzer Hans Heinrich Zeidler aus Köslin (Westpommern). 1932 kam Ruhe in die „Rembrandtstraße Nr. 10“. Eigentümer wurde der Kaufmann Paul Keil aus Berlin SO 36, Falckensteinstraße Nr. 16. Im Grundbuchblatt Berlin, Schöneberg Band 33, Blatt 1297, vom 24. April 1935 wurde das Anwesen als „Hofraum mit Gebäude und Vorgarten“ beschrieben.

 

Nicht erklärbar ist (bisher), warum „mit der allgemeinen Verfügung des Reichsjustizministers [Franz Gürtner, 1881-1941] vom 27. Februar 1936, gemäß §§ 30 Abs.2, 67 Abs.2 der Grundbuchverfügung vom 8. August 1935“, das Grundbuchblatt bereits am 24. April 1937 geschlossen wurde. Nachzuvollziehen ist allerdings, dass „gemäß der Verordnung über die Wiederherstellung zerstörter oder abhanden gekommener Grundbücher und Urkunden vom 26. Juli 1940 an die Stelle des abhanden gekommenen bisherigen das neue Grundbuchblatt „Schöneberg Band 154 Blatt 4762“ getreten. In der Nacht vom 7. auf den 8. Juni 1940 sowie am 25. August 1940 hatten die französische Armée de l'air und die Royal Air Force (RAF) mit ersten Luftangriffen Bomben auf Berlin geworfen.

 

Nach dem Tod von Paul Keil wurde die Witwe Martha Keil geborene Kolberg aus Berlin am 15. September 1952 als Eigentümerin eingetragen, nach deren Tod Artur Gerhard Paul Keil am 10. Januar 1973 aus Berlin-Friedrichsfelde.

 

Im Jahre 1976 wurde die seit 1932 im Besitz der Familie Keil gehaltene Immobilie von Artur Keil verkauft. Als neue Eigentümer wurden der „ Diplomingenieur Dr. Frank Gernand und die Beamtin Hanna Gernand geb. Kanzenbach beide in Berlin zu je ½“ am 16. August 1976 im Grundbuch eingetragen. Die Kaufverhandlungen waren zur damaligen Zeit deshalb sehr umständlich, weil das „Westberliner" Käuferehepaar aus Berlin-Halensee und der „Ostberliner" Verkäufer aus Berlin-Friedrichsfelde keinen direkten Kontakt aufnehmen konnten. Auch eine direkte Überweisung des Kaufpreises an den Verkäufer war nicht möglich. Der Kaufpreis konnte erst nach einer devisenrechtlichen Genehmigung der Landeszentralbank Berlin über die Staatsbank der DDR nur auf ein Sperrkonto gezahlt werden. Der Verkäufer hatte dann die Möglichkeit, sich monatlich DM 200,- (im Verhältnis 1:1) in Ostmark auszahlen zu lassen, unter Umständen mit entsprechender Genehmigung bis zu DM 1000,- pro Monat.

 

Die Häuser Rembrandtstraße Nr. 10 und Nr. 11 sind die beiden einzigen Häuser im Straßenabschnitt zwischen Dürerplatz und Menzelstraße, die der Zweite Weltkrieg verschonte. Was allerdings die Bomben nicht besorgt hatten, vollbrachten in den 1960er Jahren die „Erneuerer“. In Friedenau wurden Stuck, Simse, Gipsfiguren, Söller, Balkone, Kastenfenster und anderer Zierat jener Häuser abgeklopft, die zwischen 1850 und 1920 entstanden waren. Als der eintönige Kieskratzputz dran war, offenbarten die abgespeckten Fassaden eine ungeheure Eintönigkeit. Es dauerte lange, zu lange, bis der Westberliner Senat mit der Aktion „Rettet den Stuck“ Einhalt gebot. Für die neuen Eigentümer Gernand war es zu spät. Das Haus lebt nun mit seiner „bereinigten“ Fassade.

 

 

Landszentralbank Berlin, 1976. Archiv Gernand

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Rembrandtstraße Nr. 10 zwischen 1893 und 1932

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Schmettausche Karte Berlin, 1767-1787. Staatsbibliothek zu Berlin

Historisches zum Signalberg an der Rembrandtstraße

 

Das Wort „Signalberg“ ist aus unserem Sprachgebrauch (fast) verschwunden. Der Begriff ergibt heute kaum mehr einen Sinn. Er ist ebenso „altmodisch“ geworden wie die Bezeichnungen „Trigonometrischer Punkt“, „Optische Telegraphenstation“ oder „Elektrische Telegraphenanlage“.  Man könnte behaupten, dass die Geschichte des Wortes „Signalberg“ eigentlich schon am Ende des 18. Jahrhunderts mit dem Kartenwerk von Generalleutnant Friedrich Wilhelm Carl von Schmettau (1743-1806) beginnt. Damals war erstmals eine einheitliche preußische Topographie erschienen. Die nahezu wirkliche Beschaffenheit des Landes mit Dörfern, Wegen, Flüssen, Seen, Sümpfen, Forsten, Hügeln, Feldern und Wiesen wurde auf Leinwand sichtbar gemacht.

 

 

Ein mühsames Unterfangen, da für die Messung der Entfernung zwischen zwei Punkten, die Berechnung der Winkel und die detaillierte Skizzierung der Landschaft Hundertschaften der Armee rekrutiert wurden. Für die Orientierung dienten ihnen markante Orte wie Berge, Hügel und Kirchen. Auf diesem Kartenblatt ist zwischen den Dörfern Schöneberg und Wilmersdorf das Symbol eines nicht näher bezeichneten „Aussichtspunktes“ eingezeichnet.

 

Im Jahr 1832 nahm König Friedrich Wilhelm III. von Preußen diese Karten als Grundlage für den Bau der 550 Kilometer langen „optischen Telegraphenlinie“ zwischen Berlin und Koblenz. Von der Sternwarte Berlin-Dorotheenstraße (Station 1, Höhe 26m) ging es zunächst 10,1 km weiter zur Dahlemer Kirche (Station 2, Höhe 53m). Standen keine hohe Bauwerke zur Verfügung, wurden – wie auf dem Schäferberg bei Wannsee (Station 3, Höhe 103m) oder auf dem Potsdamer Telegraphenberg (Station 4, Höhe 96m) – Stationen auf Bergen errichtet. Dort standen Maste mit drei Flügelpaaren, die über Seilzüge unabhängig voneinander in verschiedene Stellungen gebracht werden konnten. Jeder Flügelstellung war ein Buchstabe des Alphabets zugeordnet. Die Telegraphisten beobachteten mit dem Fernrohr die Nachbarstation, lasen deren Flügelstellung ab und gaben die Einstellung an die nächste Station weiter. Die schnelle Übertragung von Nachrichten war mit viel Personal verbunden und von Tageslicht und gutem Wetter abhängig.

 

Nachdem Carl Friedrich Gauß (1777-1855) das „Magnetometer“ erfunden und Samuel Morse (1791-1872) den „Schreibtelegrafen“ präsentiert hatte, kümmerte sich Werner von Siemens (1816-1892) um die Produktion. Franz August O’Etzel (1784-1850), der erste „Königlich Preußische Telegraphendirektor“, setzte 1849 die Installation der elektromagnetischen Telegrafie entlang der Eisenbahnlinie von Berlin nach Potsdam (Stammbahn) durch.

 

Auf der vom „Centralblatt der Bauverwaltung“ 1882 veröffentlichten Eisenbahnkarte sind neben der am 1. November 1874 eröffneten Vorortstation „Friedenau“ vor und hinter dem Bahnhof erstmals die Bezeichnung „Signalberg“ und zwei Bahnwerke (BW) eingetragen. Für diese brauchte es viel Personal. In diesem Zusammenhang ist auch das 1889 errichtete „Beamtenwohnhauses des Königliches Eisenbahn-Betriebsamts“ von Architekt Kurt Berndt (1863- 1925) und seiner „Kurt Berndt Baugesellschaft mbH“ in der Bahnhofstraße Nr. 4 anzusehen.

 

Die Probleme an der Strecke waren vielfältig. Da es durch die ungenügende Isolierung der Erdkabel häufig zum Ausfall kam, wurde nach 1850 die Mehrzahl der Leitungen als oberirdische Freileitung verlegt. Regen und Stürme führten zu häufigen Unterbrechungen. Dazu kamen Diebstähle wie jener „in der Nacht vom 2. zum 3. Januar 1851, als „Kupferdraht von der oberirdischen Staats-Telegraphen-Leitung zwischen Berlin und Potsdam abermals auf einer Strecke von 3000 Fuß (0.91km) zwischen den Eisenbahn-Wärterbuden Nr. 14 und 15 entwendet worden ist“. Da es der „Königl. Telegraphen-Direction“ nicht gelungen ist, „dem Thäter dieses oder eines der früher verübten derartigen Diebstähle auf die Spur zu kommen“, sicherte sie „demjenigen 50 Thaler Belohnung zu, welcher uns den Thäter eines der gedachten Draht-Diebstähle dergestalt nachweist, daß derselbe zur gerichtlichen Untersuchung und Bestrafung gezogen werden kann“.

 

Der 1838 veröffentlichen „Beschreibung der Berlin-Potsdamer Eisenbahn“ von George Gropius (1802–1842) ist zu entnehmen, dass „die Bahn bei dem in der Nähe der Berliner Stadt-Mauer am Potsdamer Tor gelegenen Bahnhof beginnt, den Landwehrgraben und die Dörfer Schöneberg, Steglitz und Zehlendorf passiert. Die erforderlich gewesenen Erdarbeiten sind nicht unbedeutend, indem sowohl Einschnitte als Aufschüttungen von beträchtlicher Tiefe und Höhe vorkommen. Bedeutende Einschnitte waren bei Schöneberg (größte Tiefe 33 Fuß = 10,0584m, Länge 230 Ruten = 1156,72m) und beim Signalberg zwischen Schöneberg und Steglitz (28 Fuß = 8,5344m, Länge 300 Ruten = 1508,76m). Bedeutende Aufschüttungen waren zwischen Berlin und Schöneberg (größte Höhe 15 Fuß = 4,572m, Länge 500 Ruten = 2514,6m) und zwischen Schöneberg und Steglitz (17 Fuß = 5,18m, Länge 500 Ruten = 2514,6m)“.

 

Weniger technisch betrachtete Adolph Menzel (1815-1905) die Topographie. Sein Gemälde „Die Berlin-Potsdamer Bahn“ ist wohl seine einzige Darstellung einer Eisenbahn in der Landschaft. Es entstand 1847, zehn Jahre nach Eröffnung der „Stammbahn“, am Bahnhof Groschgörschenstraße (Yorckstraße). Erkennbar ist, dass Berlin in einer Senke liegt, an die sich südlich etwa in Höhe der Dörfer Wilmersdorf und Schöneberg Hügel erheben. Menzel, bekannt für seine realitätsgetreue Darstellung auch kleinster Details, hatte sich auf der Anhöhe unmittelbar hinter dem alten Weg niedergelassen, der als Colonnenweg (später Kolonnenstraße) bekannt war und dem Anmarsch der Truppen zum Übungsgelände auf dem Tempelhofer Feld diente. In einem weiten Bogen führt das Gleis aus der Berliner Ebene an den Hügel heran. An der Wegkreuzung befand sich damals auf einem erhöten Ausblick offensichtlich ein Bahnwärterhäuschen, hinter dem sich dann der „Übungsplatz des Eisenbahn-Bataillons“ anschloss. Noch bevor sich jener erste Einschnitt in die Hügellandschaft bei Schöneberg auftut, wird die Bahntrasse zweigleisig, den George Gropius in seiner „Beschreibung der Berlin-Potsdamer Eisenbahn“ mit 10 Meter Tiefe auf einer Länge von 1156 Meter skizziert, gefolgt vom zweiten Einschnitt zwischen Schöneberg und Steglitz mit 8 Meter Tiefe auf einer Länge von 1508 Meter – dem „Signalberg“, dessen Höhe an der Friedenauer Brücke auf heutigen Karten mit 55m angegeben wird.

 

Als Station der „elektromagnetischen Telegrafie“ erhielt der „Signalberg“ erst nach 1849 seine Funktion. Zur Zeit der „optischen Telegraphenlinie“ – also nach 1832 – wurde das sogenannte „Flügelsignal“ von der alten Sternwarte in der Berliner Dorotheenstadt über eine Distanz von 9,8km bis zur Dahlemer Dorfkirche übermittelt.

 

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