Retzdorffpromenade, 1912. Archiv Barasch

Name seit 1910, benannt nach Willy Retzdorff. Er wurde am 30. Juli 1856 in Berlin geboren und wohnte ab 1879 mit seiner Frau Ida geb. Blanck in Friedenau. Ab 1881 war er als Provinzial-Steuersekretär tätig. Er engagierte sich in der Kommunalpolitik. Sein Hobby war die Botanik. Retzdorff war seit 1871 Mitglied des „Botanischen Vereins der Provinz Brandenburg“. 1903 entdeckte er in Bosnien-Herzegowina ein Nelkengewächs, das den Namen „Silene Retzdorffianum“ erhielt. Willy Retzdorff starb am 29. April 1910. Sein reichhaltiges Herbarium vermachte er dem Botanischen Museum in Berlin-Dahlem.

Ferdinand Bonn

Der erste Ludwig auf Zelluloid

 

An der Spree vergessen, am Chiemsee verehrt – Ferdinand Bonn. Eigentlich ist es wurscht, ob der am 20. Dezember 1861 im schwäbisch-bayerischen Donauwörth geborene Ferdinand Bonn 1914 in der Friedenauer Retzdorffpromenade Nr. 4 gewohnt hat, wie Alfred Bürkner in „Friedenau – Straßen, Häuser, Menschen“ notiert. Im Friedenauer Adressbuch des Jahres wird unter der Adresse allerdings nur ein „Bonin, W., Theaterdirektor“ aufgeführt. Bürkners (möglicher) Irrtum machte uns neugierig. Der heute weitgehend unbekannte Ferdinand Bonn, das wird während der Recherchen mehr als deutlich, war eigensinnig, exzentrisch, selbstbewusst, herausfordernd, überheblich, arrogant und dergleichen mehr. Er wollte alles auf einmal und er war alles auf einmal: Schauspieler, Regisseur, Theaterdirektor, Bühnenautor, Filmproduzent. Für den brillanten und ausgesprochen streitbaren Theaterkritiker Siegfried Jacobsohn (1881-1926) war er ein „dramatischer Hochstapler“.

 

 

Ferdinand Bonn lebte nach Aufenthalten in München (1872-1891) und Wien (1891-1896) ab 1896 in Berlin. Als Schauspieler des „Theater des Westens“ wohnte er in der Sigismundstraße Nr. 17 (1898), als „Hofschauspieler am Königlichen Schauspielhaus“ in der Königsallee Nr. 51 (1899) und als „Mitglied des Lessing-Theaters“ in der Königsallee Nr. 54 (1901). „Er war ein Komödiant vom reinsten Blute, der sich selbst zum Star erhob“, schrieb die „Neue Züricher Zeitung“ (NZZ) am 27. September 1933 in einem Nachruf. „Rollen spielen genügte seinem Ehrgeiz nicht, er wollte die Rolle des Alleskönners spielen. Waren passende Rollen da, so wurden sie von ihm ausgeschmückt durch Geigensoli oder einen Einzug hoch zu Roß“, worauf ihn Siegfried Jacobsohn „Pferdinand Bonn“ nannte. „Wenn keine Stücke für sein Protagonistentum da waren, schrieb er sich selbst welche auf den Leib.“

 

 

 

 

Das wurde ihm zum Verhängnis. Kaum hatte er sich am 13. April 1903 mit Friedrich Gottlieb Großkopf, dem Eigentümer der Immobilie Charlottenstraße Nr. 90-92, geeinigt, jubelte er: „Endlich, endlich Freiheit! Alle meine Talente, dichterische, malerische, musikalische, haben jetzt ein Sammelbecken. Sie zerflattern nicht mehr. Die umfassendste aller Künste, das Theater hält sie nun zusammen.“ Am 12. Oktober 1904 wurde „Ferdinand Bonns Berliner Theater“ eröffnet. Gespielt wurden (hauptsächlich) seine eigenen Stücke, darunter das Kriminalstück „Sherlock Holmes“, die Tragödie „Ludwig II. König von Bayern“ und „Andalosia“, ein dramatisches Gedicht in 5 Aufzügen – für die NZZ am 1. November 1905 schlicht ein „Schmarren“.

 

 

 

 

Die Presse war sich schnell einig. Der „gegenwärtige Direktor, Hauptdarsteller, Hausdichter, Dekorationsmaler usw. hat aus dem Institut eine lächerliche Tummelbühne persönlicher Eitelkeit gemacht, als deren Herrscher er seine eigene, unbegabte Gattin und eine Schar schmierenhafter Gegenspieler zu den Folien „Seines“ Ruhmes wählt“. Verschont wurde von den Zeitungen auch nicht das deutsche Kaiserhaus, das „durch wiederholten Besuch eines Hintertreppenstückes diesen Unfug“ stützte. Die anhaltend abwertenden Kritiken führten zum Verlust des zahlenden Publikums. Dann brach die ganze Herrlichkeit zusammen. Ferdinand Bonn musste Konkurs anmelden. Am 25. November 1907 schloss er seinen Musentempel pathetisch mit den Worten „Es lebe der Kaiser“. Gemeint war wohl eher „Qualis artifex pereo!“ – „Welch ein Künstler geht mit mir zugrunde!“

 

 

 

 

Nach dem Berliner Fiasko übersiedelten Ferdinand und Maria Bonn 1908 in das erworbene Anwesen in Bernau am Chiemsee. Das Landhaus von 1477/85 hatte sich ein Bezirksassessor aus Nördlingen im Jahr 1900 zu einer Villa mit großzügigem Garten umbauen lassen. Ferdinand Bonn machte daraus ein Schlösschen mit Park.

 

 

 

 

Das Chiemgauer Glück, „unsere Eier, unsere Milch, unser Kompott, der Hochgern und Hochfelln liegen vor uns und fernhin verschwimmen die Reichenhaller Berge im Blau“, währte nicht lange. Maria Bonn, 1871 als Katharina Sundl geboren, verstarb 1909. Gleich nebenan auf dem Gotteshügel der Katholischen Pfarrkirche St. Laurentius suchte er einen repräsentativen Platz für das Grab aus. Dort fand sie ihre letzte Ruhe, bedacht mit einem Spruch: „SCHÖN, GUT UND FROH UND TREU UND REIN WARST DU MIR GLÜCK UND SONNENSCHEIN. HIER WOLLT ICH RUHIG MIT DIR SEIN – ACH! – RUHE IST IN GOTT ALLEIN. FERDINAND BONN.“

 

 

Zwei Jahre später erschienen im Xenien Verlag zu Leipzig 1911 „Ferdinand Bonns gesammelte Werke“, Diese hat Kurt Tucholsky (als Ignaz Wrobel) am 28. Mai 1914 in der Zeitschrift „Die Schaubühne“ (ab 1918 „Die Weltbühne“) rezensiert:

 

„Daß ich zufällig erst in diesen Tagen hinter die Existenz der vier entzückenden roten Leinenbände „Ferdinand Bonn: Gesammelte Werke“ (im Xenien-Verlag zu Leipzig) gekommen bin, ist kein Grund, nicht auch andre an meiner Freude teilnehmen zu lassen. Ich habe die schönen Tage der Regentschaft Ferdinands des Ersten (1905-1907 nicht miterlebt. Wie immer es war: diese vier Bände sind zum humoristischen Hausschatz des deutschen Volkes zu rechnen. Ein so inniges und restloses Vergnügen kann nur noch Wilhelm Busch gewähren.

 

Das Ganze ist gewissermaßen die Lebensgeschichte des großen Mannes in Werken und autobiographischen Notizen. Es fängt an mit einem Band Soldatengeschichten, der, sagen wir, illustriert ist, und den man besser unaufgeschnitten liest. Band zwei: ein Clou. Vorn die Reproduktion eines Ölgemäldes, das wunderschön bunt gemalt ist, und in dem Buch zahllose Fotografien von Zivilbildern, Theaterporträts, Ferdinand Bonn als ... Und ein Drama jagt das andre. Band drei ist weitaus der stärkste von allen, weil darin die berliner Theaterzeit erzählt wird. „Zwei Jahre Theaterdirektor in Berlin. Ein Beitrag zur deutschen Kulturgeschichte. Tagebuchblätter.“

 

Junge, Junge! Es sind richtige Tagebuch-Notizen, von denen man nur nicht weiß, ob sie alle hinterher geschrieben worden sind, und wer ein bißchen Sinn für Kuriositäten und kleine Menschlichkeiten hat, der muß diese Blätter lieben. Bekanntlich ist einem zu Hause am wohlsten, wenn der Regen rauscht, und der Reiz dieses großen Humoristen wird wohl auch darin bestehen, daß man vorsichtig den Fuß auf seinen Boden setzt, im Morast versinkt, sich herausarbeitet und sich schleunigst davon machte – wenn das alles Wirklichkeit wäre. Aber, Gott sei Dank, ist es keine, und so schmunzelt man bei der Lektüre immer mehr und kommt schließlich aus dem freudigen Lächeln überhaupt nicht mehr heraus. Wie alle über einander herfallen! Wie einer nach dem andern zum Verräter wird! Wie ohne jedes Bedenken Anhängerinnen, Freunde, Bundesgenossen über Bord geworfen werden, wenns nötig ist, und manchmal auch, wenns nicht nötig ist! …

 

Und auf einmal: „Hausgesetz für mein Berliner Theater.“ Und da kann man sich immer nur die Augen wischen und so lange lachen, bis man keine Luft mehr im Leibe hat und lesen und lachen und lachen und lesen. § 14 regelt das Hervortreten beim Applaus, subtil, ängstlich; denn „der Stand Shakespeares ist ein Stand der Ehre“. § 2: „Im Theater ist der Darsteller die Hauptsache.“ § 4 (Busch, lieber Wilhelm Busch!): „Es liegt nahe, daß in einem Berufe, der sich aus temperamentvollen Menschen beider Geschlechter rekrutiert, sich freiere Sitten einbürgern; grade darum haben wir Künstler strengere Charaktereigenschaften notwendig, wenn wir die soziale Position, die uns als Träger der Kultur wirklich zukommt, endlich erreichen wollen. Wer im Geheimen lüderlich ist, schadet sich nur selbst und verwirkt ein ruhmloses, frühes Sterben; wer öffentlich unsittlich ist, schädigt den ganzen Beruf. Verhältnisse, die nicht auf eine Ehe abzielen, werden nicht geduldet. Herumkriechen und Poussieren hinter den Kulissen wird unnachsichtlich bestraft; von zehn Mark aufwärts bis ...“ Und wer weiß, wie bei Reinhardt gearbeitet wird, der wird seine Freude an § 6 haben: „Lange Proben sind zwecklos und gesundheitsschädlich. Die Probe beginnt Punkt zehn Uhr und endet mit dem Schlag zwei Uhr.“ Und weil es ja überhaupt Spaß macht, in Schriftstücken für den täglichen Gebrauch, die also das äußerste an Sachlichkeit darzustellen haben, ein Temperament und dann noch ein solches durch alle Löcher gucken zu sehen, so hört – nein, ihr müßt wirklich alle vier Bände lesen, unbedingt aber mindestens den dritten ...

 

Er ist der ulkigste Michael Kohlhaas, der je dagewesen. Er exekutiert den exzentrischen Ringkampf des Einzelnen gegen die unschuldige Welt auf eine so lustige Weise, daß auch seine Niederlage rein scherzhaft bleibt. Er steht im Mittelpunkt aller Welten und boxt sich mit der Sonne, der Mond scheint nur für ihn, ihm rauscht das Laub im Wald, ihm zwinkern die Sterne zu, ihm quillt der Rhein und alle Flüsse. Wenn man atemlos, von Lachen geschüttelt, mit der Lektüre der „Gesammelten Werke“ Ferdinands des Ersten fertig ist, dann mag man sich vielleicht fragen: Was will er eigentlich? …“

 

Da die „University of Wisconsin“ Bonns gesammelte Werke digitalisiert und über Google ins Netz gestellt hat, können wir den interessierten Friedenauern sowohl seinen Berliner Bericht „An meine Freunde“, nach Angaben von Ferdinand Bonn aufgeschrieben zwischen dem 13. April 1903 und dem 25. November 1907, als auch den kompletten Text seiner Tragödie in 5 Akten „Ludwig II. König von Bayern“ als PDF offerieren.

 

 

Kurz vor dem Ersten Weltkrieg gab es nicht mehr nur Theater, sondern auch Stummfilm und Kino. Bereits 1911 hatte Ferdinand Bonn für „Nordisk Film“ das Drehbuch für den Detektivfilm „Das Millionentestament“ geliefert. Ein Jahr später stand er als Schauspieler im Nordisk-Studio in Kopenhagen für den Film „Herzenskämpfe“ vor der Kamera. Mit Albert Bassermann (1867-1952) und Paul Wegener (1874-1948) gehörte er zu jenen ersten Schauspielern, die ihre Zukunft bei Bühne und Film sahen.

 

Im Jahre 1913 holte er sein Werk über den verehrten Wittelsbacher aus der Schublade. Für das Drehbuch hatte er die beste Quelle. Sein Vater Franz (1830-1894), Staatsanwalt und Mitglied des Bayerischen Landtags, musste am 26. Juni 1886, zwei Wochen nach Ludwigs Tod im Starnberger See, einen Bericht über die dramatischen Ereignisse der letzten Wochen abliefern. Über seine Beweggründe gab Ferdinand Bonn Auskunft: „Als Kind sah ich Ludwig den Zweiten, den königlichen Jüngling vorüberschreiten, göttlich, voll Majestät und Anmut. Hinter goldgleißenden Priestern, die bei der Prozession die blitzende Monstranz in Weihrauchwolken trugen, wandelte er – die menschgewordene Schönheit. Kein Gemälde, kein Drama, kein Naturereignis hat jemals stärker auf mich gewirkt.“

 

Nun, nachdem Ludwig Krieg führen musste, einen deutschen Kaiser über sich gesetzt bekam, eine paranoide Schizophrenie als Rechtfertigung für die Absetzung diagnostiziert worden und schließlich der Tod des leidenschaftlichen Schlossbauherrn zu beklagen war, betrachtete Ferdinand Bonn die Geschichte seines „Märchenkönigs“ aus einem anderen Blickwinkel.

 

In seinem Film wollte er erzählen, „wie die Welt ihn verriet und verwundete und ihn immer einsamer werden ließ. Wie in meinem Drama wollte ich ihn noch einmal lebendig machen und zusammenfassen den Titanenkampf dieses Märtyrers der Schönheit, der sich in bewussten Gegensatz stellte zu einer Zeit, die die Hässlichkeit auf den Thron erhoben und die rohe Massenwirtschaft als Lebensprinzip verkündet hat. Zu einer Zeit deren Profitgier die Freude zerstört und das Dasein arm gemacht hat an edleren Werten. Einer Zeit, die schließlich jetzt das einzige Volk erwürgen will, in dem noch Ideale leben, das noch einen Geist bewahrt an dem die Menschheit genesen kann, wenn es erst selbst wieder genesen sein wird. Und wenn auch die schwarzen Fittiche des Wahnsinns zum Schluss dies königliche Künstlerhaupt umschattet haben, so hat ein gnädiges Schicksal Ihn durch jähes tragisches Ende bewahrt vor jahrelangem Verdorren und Versumpfen. Auf der Zinne des Lebens und Schaffens folgte der jähe Absturz der uns trotz tiefsten Mitgefühls doch befriedigt und tröstet, da er unsern Helden dadurch zum Sieger werden ließ.“

 

 

Das Bernauer „Schlössl“ wurde zum Filmatelier. Gedreht wurde auch auf Herrenchiemsee, natürlich ohne Erlaubnis, was ihm eine Klage der Krongutverwaltung einbrachte. Unter Mitwirkung der Einheimischen entstand der erste Spielfilm über Ludwig II. – mit Ferdinand Bonn als Produzent, Regisseur und Hauptdarsteller.

 

Als im Jahre 2011 zum 125. Todestag von König Ludwig II. der Freistaat Bayern seine Landesausstellung „Götterdämmerung“ konzipierte, fiel den Bernauern rechtzeitig ein, dass just in diesem Jahr auch der 150. Geburtstag von Ferdinand Bonn anstand. Mit Herrenchiemsee, Schlössl und Grabstätte hatten sie schon mal repräsentative Schauplätze. Gleich nebenan gab es in Prien die Enkel Hans Werner und Rainer Paul mit einem gut bestückten Familienarchiv – und, nicht zuletzt, mit Otto Heithauer und Michael Posavec gleich zwei allseits bekannte König-Ludwig-II-Doubles.

 

Günstig war, dass die Germanistin Brigitte Müller für eine wissenschaftliche Grundlage gesorgt hatte. Aus ihrer Magisterarbeit von 1991 war 1994 die Dissertation „Ferdinand Bonn – Ein Leben für die Kunst“ und schließlich 2004 das Buch „Ferdinand Bonn – Frauenheld, Lebemann und Weltverbesserer. Frauen, Adel und Volk im Leben und Werk von Ferdinand Bonn“ entstanden. Das oberbayerische Bernau hatte für die Ehrung von Ferdinand Bonn und Otto Friedrich Wilhelm von Wittelsbach, Ludwig II. König von Bayern (1845-1886), alles beisammen.

 

 

Den eigentlichen Höhepunkt aber steuerten „Filmmuseum München“ und „Goethe-Institut München“ mit der DVD-Dokumentation „Ludwig II., König von Bayern“ bei, indem sie erstmals die wesentlichen Ludwig-Verfilmungen würdigten. Das war in der Tat eine Tat, weil damit auch ein Stück ganz früher deutscher Stummfilmgeschichte ins rechte Licht gesetzt wurde. Und dazu gehört eben auch, dass es der vielfach belächelte Ferdinand Bonn war, der den „ersten Filmkönig“ verkörperte – vor den Schauspielern Wilhelm Dieterle (1930), O. W. Fischer (1955) und Helmut Berger (1972) – und damit obendrein 1913 auch als Drehbuchautor, Produzent und Regisseur den Reigen der diversen Ludwig-Verfilmungen eröffnet hatte.

 

Das Traurige an der Geschichte ist allerdings, dass von seinem Spielfilm „Ludwig der Zweite von Bayern“ bislang keine Kopie aufgefunden werden konnte. Ferdinand Bonn notierte dazu: „Nach dem Umsturz (gemeint war die Novemberrevolution von 1918) kaufte eine Gesellschaft den Film, die ihn gründlich verwässerte, mir das Geld schuldig blieb, da sie pleiteging, dafür mich aber wegen Betrug verklagte, weil irgendwo eine mir gestohlene Kopie lief. - Angenehm!“

 

Eine Erklärung der im Besitz von Rolf Raffé (1895-1978) befindlichen „Indra-Film München aus dem Jahre 1920 ist deutlicher: „Der Ferdinand Bonn-Film wurde von uns erworben, weil er unseren Film gefährdete. Derselbe wurde von uns, trotz seines hohen Anschaffungswertes bis auf wenige Bilder glatt ausgeschaltet, da sein Inhalt nicht unserer Tendenz und unseren Qualitätsansprüchen nahe kam. Herr Ferdinand Bonn hat nicht den geringsten Einfluss auf den Inhalt und Tendenz unseres Filmes ausgeübt. Im Gegenteil haben wir, wie bereits oben erwähnt, eine vollständig verschiedene Auffassung vertreten, die wir den Aufzeichnungen der Gräfin Marie-Louise Larisch (1858-1940) verdanken. Wenn wir Herrn Bonn die Rolle des älteren Königs übertrugen, so geschah es seiner im obigen Film bewiesenen glänzenden Eigenschaften als Darsteller wegen, die ihm stets Ehre eintrugen.“

 

 

In dem erhaltenen Spielfilm von Rolf Raffé „Das Schweigen am Starnberger See. Schicksalstage Ludwig II., König von Bayern“ (1921) ist neben Ferdinand Bonn auch seine Frau Addy Homburg in der Rolle von Sophie von Bayern zu sehen. Zu den weiteren Darstellern gehören Oskar Bayrer (Graf Dürckheim), Karl Guttenberger (Richard Wagner), Anton Herrmann (Graf Holnstein), Carla Nelsen (Kaiserin Elisabeth), Ludwig Wengg (Dr. Gudden), Martin Wilhelm (Junger Ludwig II.) und Toni Zehend (Karl Hesselschwerdt). Produktion Indra-Film München. Produzent und Regie Rolf Raffé. Kamera Karl Attenberger. Länge: 6 Akte, 2037 m. Format: 35mm, 1:1,33. Bild/Ton: s/w, stumm. Prüfung/Zensur: Zensur (DE): 15.07.1921, M.00611, Jugendverbot.

 

Die empfehlenswerte DVD mit den 3 Ludwig-Filmen und ausführlichen Informationen kann über das Filmmuseum München erworben werden.

 

 

 

Ferdinand Bonn wirkte zwischen 1911 und 1932 in mehr als 60 Filmen mit, darunter „Dreyfus“ (1930, Regie Richard Oswald), „Die große Sehnsucht“ mit Camilla Horn (1930, Efa-Atelier Berlin), „Im Geheimdienst“ mit Willy Fritsch (1931, Ufa Neubabelsberg) und „So lang' noch ein Walzer von Strauß erklingt“ mit Gustav Fröhlich (1931, Splendid-Film Co. GmbH Berlin). Da er sich für die Dreharbeiten häufig in Berlin aufhalten musste, erfolgte am 20. Februar 1932 eine „Polizeiliche Anmeldung von Bernau nach Berlin W 50, Fürther Straße 9 (Wilmersdorf)“ – als „Untermieter bei Bonn“ – laut Berliner Adressbuch war das offensichtlich die Wohnung der „Kunstmalerin Auguste Maria Ernestine Bonn“, Tochter von Ferdinands Vater Franz aus dessen zweiten Ehe. An diese Adresse (zu Händen von Frau Addy Bonn) gingen 1933 auch die Beileidstelegramme von Kronprinz Wilhelm (1882-1951) und dem Berliner Oberbürgermeister Heinrich Sahm (1877-1939).

 

Für die Friedenauer Lichtspieltheater war Ferdinand Bonn offensichtlich das „Zugpferd“.

 

 

 

Ferdinand Bonn starb am 24. September 1933 in Berlin. Die Urne wurde nach Bernau überführt und von seiner Ehefrau Addy im „Schlössl“ aufbewahrt. Erst nach ihrem Tod im Jahre 1983 wurde seine Urne im Familiengrab in Bernau am Chiemsee beigesetzt.

 

Die Inschriften auf dem Bernauer Grabstein brauchen Aufklärung: 1917 entschließt sich Ferdinand Bonn zu einer dritten Ehe mit Henriette Ida Wüster (1892-1982) geborene Homberg. Sie brachte Tochter Marion (1910-1985) aus ihrer ersten Ehe mit ins Schlössl. Nun war er Stiefvater. Henriette Ida Bonn, genannt Addy, installierte 1926 auf dem Anwesen das „Kinderheim Bonnschlössl“. In der Konzessionserteilung vom 5. November heißt es: „Die Besichtigung hat ergeben, daß die Ausgestaltung des von Ihnen errichteten Kinderheims und Erholungshauses als mustergültig bezeichnet werden kann.“ 1949 heiratet Stieftochter Marion Werner Paul (1913-1994). Aus dieser Ehe stammen die Brüder Hans Werner und Rainer Paul. 1966 verkaufte Addy Bonn Schlössl und Park an die Familie Stolz, dem Inhaber von Hotel, Gasthof und Metzgerei „Alter Wirt“. Aus der anfänglichen Pension wurde nach einem Umbau im Jahr 1987 das Drei-Sterne-Hotel „Bonnschlössl“.

 

 

An meine Freunde

Die kompletten „Berliner“ Tagebuchblätter von Ferdinans Bonn 1903 bis 1907

Aus technischen Gründen musste der umfangreiche Text auf die nachfolgenden 5 PDF aufgeteilt werden.

 

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Ludwig II. von Bayern

Das komplette Theaterstück

Aus technischen Gründen musste der umfangreiche Text auf die nachfolgenden 4 PDF aufgeteilt werden.

 

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Der Traum von einem König

Alfons Maria Arns über den deutschen Stummfilm und König Ludwig II.

Veröffentlicht vom Filmmuseum München, 2009

 

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Die bisher vorliegenden Informationen über Willy Retzdorff fanden wir ungenügend. Während der Recherchen für die Retzdorffpromenade entdeckten wir diesen ausführlichen Text, den wir den interessierten Friedenauern nicht vorenthalten möchten.

 

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Weiteres in Vorbereitung

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