Name seit dem 8. Mai 1905, benannt nach Friedrich Schiller (1759-1805), anlässlich seines 100. Todestages. Der Platz hieß seit etwa ab 1895 Schmargendorfer Platz und war Teil des Weges, der von Friedenau über die Flur von Wilmersdorf nach Schmargendorf führte und daher ab 26. Oktober 1872 offiziell Schmargendorfer Straße genannt wurde. Um 1902 wurden die Friedenauer Straßenabschnitte Kasseler Straße (um 1890) und Schmargendorfer Straße in Wiesbadener Straße umbenannt. Wilmersdorf zog am 19. August 1909 nach und übernahm für seinen Straßenteil ebenfalls den Namen Wiesbadener Straße. Der Platz ist mit seinem Pendant Renée-Sintenis-Platz (bis 1967 Wilmersdorfer Platz) Teil der „Carstenn-Figur“, jener für Friedenau typischen regelmäßigen städtebaulichen Anordnung von Straßen und Plätzen. Der Schmuckplatz war ursprünglich als Rondells angelegt worden. In den 1950er Jahren wurde die Wiesbadener Straße verbreitert und der Schillerplatz dementsprechend dezimiert. Heute fehlt diesem Platz jeder Hauch von einem Schmuckplatz.

 

Schillerplatz, 1912. Archiv Barasch

 

 

Der Friedrich-Schiller-Code

 

Auf dem Historischen Friedhof in Weimar gibt eine Gedenktafel Rätsel auf: Carl Leberecht, Schwabe, treuer Verehrer Schillers, verwirkte dessen Ueberführung nachts 11./12. Mai 1805. Als Bürgermeister von Weimar rettete er daraus im März 1826 Schillers Gebeine für die Fürstengruft.

 

Friedrich Schiller war am 9. Mai 1805 gestorben und in der Nacht vom 11. zum 12. Mai 1805 im sogenannten Kassengewölbe auf dem Jacobsfriedhof beigesetzt worden. 21 Jahre danach veranlasste Bürgermeister Carl Leberecht Schwabe im März 1826 die Bergung der sterblichen Überreste Schillers. Nach der ersten Inspektion befand er: Ein Chaos von Moder und Fäulnis und dass es unmöglich sei, Gewissheit darüber zu erlangen, welches die irdischen Überreste Schillers seien. 23 Schädel stellte er auf eine Tafel und kaum, dass dieses geschehen war, konnte ich auch schon ausrufen, auf den größten Schädel zeigend: Das muss Schillers Schädel sein. Am 16. Dezember 1827 wurden die Gebeine in die Fürstengruft auf dem Historischen Friedhof überführt. Bereits 1883 erklärte der Anatom Hermann Welcker (1822-1897) den Fürstengruftschädel für unecht. Als sein Kollege August von Froriep (1849-1917) im Jahr 1911 Schädel und Skelett fand, die ebenfalls Schiller zugeschrieben waren, wurden diese auch im Schiller‘schen Sarkophag beigesetzt. Anfang der 1960er Jahre erklärten der russische Anthropologe Michail Gerassimow (1907-1970) und sein deutscher Kollege Herbert Ullrich (geboren 1932) den Fürstengruftschädel als den echten und schlossen den Froriepschädel aus.

 

Um den unendlichen Streit zu beenden, startete die Klassik Stiftung Weimar mit dem MDR, dem Anthropologischen Institut der Universität Freiburg und dem Institut für Gerichtliche Medizin der Universität Innsbruck das Forschungsprojekt DER FRIEDRICH-SCHILLER-CODE. Nach aufwändigen DNA-Analysen und Gesichtsrekonstruktionen steht seit Frühjahr 2008 fest, dass die sich im Sarkophag befindlichen Gebeine von mindestens drei verschiedenen Personen stammen und keiner der beiden Schädel Schiller zugeordnet werden kann. Seither ist Schillers Sarg in der Fürstengruft zu Weimar leer. Nach dem wahren Schädel wird die Stiftung nicht mehr suchen.

 

Interessierte finden auf der nachfolgenden PDF den detailierten Bericht des Instituts für Gerichtliche Medizin Innsbruck.

 

„Der Friedrich-Schiller-Code“

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