Name seit 9.9.1931, benannt nach dem Juristen Bernhard Schnackenburg (1867-1924). Er war von 1904 bis 1909 Bürgermeister von Friedenau. 1909 wurde er Oberbürgermeister von Altona.

 

 

Bernard Schnackenburg, nach 1909

Bernhard Schnackenburg (1867-1924)

 

Mit dem Erlass von Kaiser Wilhelm I. vom 9. November 1874 wurde „die Abtrennung der Kolonie Friedenau mit einem Flächeninhalt von 141,3516 Hektaren von dem Kommunalverbande des Gutsbezirks Deutsch-Wilmersdorf, Kreis Teltow, und ihre Erhebung zu einer Landgemeinde unter dem Namen Friedenau“ genehmigt. Gut 25 Jahre später war die Landhaussiedlung Geschichte. Friedenau war Vorort geworden. Mit der Bauordnung von 1903 setzte in einer dritten Phase eine rasante Bautätigkeit ein. Inzwischen machte sich bemerkbar, dass die Infrastruktur nicht im gleichen Maß wie die Siedlung mitgewachsen war. Fast dreißig Jahre hatte die Friedenauer Gründergruppe darauf beharrt, die Geschicke des Ortes wie einen geselligen Verein zu lenken.

 

Auf Georg Roenneberg, der von 1875 bis 1892 als ehrenamtlicher Gemeindevorsteher amtierte, folgte sein Bruder Albert, Major a. D. – nun allerdings hauptamtlich. Gelöst waren die Probleme damit nicht. Gewaltige kommunale Aufgaben standen an: Ein Bebauungsplan fehlte. Der Bauunternehmer Georg Haberland wollte auf dem Sportpark Friedenau sein Wagner-Viertel mit viergeschossigen Mietshäusern und die Gegend um den Südwestkorso bebauen.

 

Straßen mussten angelegt werden. Mit der Forderung nach Straßenbeleuchtung stellte sich die Frage nach einem Elektrizitätswerk. Die Feuerwehr war nur unzureichend untergebracht. Die Kirchengemeinde brauchte ein Gemeindehaus. Die Bürger forderten einen Festsaal. Sportplätze fehlten. Der Friedhof in der Stubenrauchstraße hatte seine Kapazität erreicht. Für den Verein für Ferienkolonien musste ein gemeindeeigenes Ferienheim in Zinnowitz gebaut werden.

 

 

 

 

Am 1. April 1903 wählte man den Juristen und Verwaltungsfachmann Bernhard Schnackenburg (1867-1924) zum Amts- und Gemeindevorsteher von Friedenau. Der Sohn eines Mühlengutsbesitzers aus dem westpreußischen Landkreis Schwetz wurde am 5. Juli 1867 geboren. Er studierte Rechtswissenschaft und entschied sich danach für eine Laufbahn in der kommunalen Verwaltung. Nach einer Tätigkeit in der Breslauer Stadtverwaltung wurde der 29-jährige Schnackenburg 1896 Magistratsassessor in Posen und dort noch im selben Jahr besoldeter Stadtrat. Bevor er nach Friedenau gerufen wurde, sammelte er von 1899 bis 1903 weitere Erfahrungen als Stadtrat in Halle (Saale).

 

Es ist davon auszugehen, dass sich Bernhard Schnackenburg vor seinem Amtsantritt ziemlich ausführlich mit den Problemen von Friedenau als Vorort von Berlin beschäftigt und sich auch nach möglichen Mitarbeitern umgesehen hat. Ein 35-jähriger wie Regierungsbaumeister a.D. Hans Altmann (1871-1965), der seit 1903 „im deutschen Manchester“ Elberfeld mit über 160.000 Einwohnern als Stadtbauinspektor Lösungen für Straßen und Verkehr entwickelte, konnte keine schlechte Wahl sein. Für Altmann eine Herausforderung, da er neben dem Neuaufbau des Bauamtes auch kommunale Neubauten realisieren sollte.

 

Schnackenburgs großzügig betriebene Ausgabenpolitik, eingeschlossen auch die Bereitschaft zur öffentlichen Verschuldung, kam Altmann mehr als gelegen: Es muss „rückhaltlos anerkannt werden, dass die Gemeinde stets opferwillig Mittel zu einer würdigen Ausgestaltung der Bauten bewilligt hat. Dies zeigt sich nicht zuletzt auch in der Ausgestaltung des Rathauses. Nicht unerwähnt bleibe, dass in dem Gesellschaftszimmer des Ratskellers Bilder von Stätten Alt-Friedenaus, welche älteren Mitbürgern in lieber Erinnerung geblieben sein dürften, der Nachwelt als Wandschmuck überliefert werden, und einst, wenn diejenigen, die die Entwicklung Friedenaus miterlebt haben, schon lange der Rasen deckt, wird ein späteres Geschlecht an diesen Bildern die schnelle Entwicklung Friedenaus noch nacherleben können“.

 

Schnackenburg und Altmann haben in den drei Jahren ihrer Zusammenarbeit einiges geschaffen. Friedenau war „allmählich in den Besitz aller derjenigen öffentlichen Anlagen gekommen, die von seiner Einwohnerschaft seit Jahren erstrebt“ worden waren.

 

Am 16. Juni 1909 wurde Bernhard Schnackenburg zum Oberbürgermeister von Altona gewählt. Er gab seine in der zweiten Etage liegende Wohnung in der Ringstraße Nr. 15 (Dickhardtstraße) auf. Bereits ein Jahr später legte er in einer Denkschrift an das Preußische Staatsministerium die Notwendigkeit dar, der dicht besiedelten und eng bebauten Industriestadt Altona mit ihrem hohen Arbeiteranteil notwendige Erweiterungsflächen zu verschaffen, und verhandelte er mit den Nachbargemeinden Eidelstedt, Stellingen, Langenfelde und Lokstedt über deren Eingemeindung nach Altona.

 

Schnackenburg verkörperte im Kaiserreich wie auch in der Weimarer Republik den Typus des unpolitischen preußischen Beamten, der mit der sozialdemokratischen Fraktion im Altonaer Stadtverordnetenkollegium und den von der SPD gestellten Magistratsmitgliedern wiederholt heftig aneinandergeriet. Er vertrat die Stadt im Provinziallandtag Schleswig-Holstein und im Preußischen Herrenhaus. Neben seiner Funktion als Oberbürgermeister war er von 1919 bis 1921 als Mitglied der linksliberalen „Deutschen Demokratischen Partei“ während der Weimarer Republik für die Verfassunggebende Preußische Landesversammlung tätig. Trotz der chaotischen Nachkriegsjahre, Inflation und knapper Stadtfinanzen arbeitete er intensiv an der Verbesserung der Wohn- und Lebensverhältnisse im „Roten Altona“. Dazu gehören eine beachtliche Anzahl von Einrichtungen der Sozial- und Gesundheitsfürsorge und „sein“ Altonaer Volkspark. Bernhard Schnackenburg starb im Alter von 56 Jahren am 27. Januar 1924 in Altona an Typhus.

 

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