Wielandstraße Nr. 25

Reichstheaterkammerpräsident Otto Laubinger

 

„Die Mazurka in dem traditionellen polnischen Nationalkostüm getanzt, hat den Charakter eines polnischen Nationaltanzes. Zwar wird das Verbleiben der Mazurka in den deutschen Kulturprogrammen, wie auch in der Ausbildung des tänzerischen Nachwuchses, als notwendig bejaht. Es ist jedoch darauf zu achten, dass das betont Polnische des Kostüms, insbesondere die viereckigen Mütze und die Pelz Verbrämung an den halblangen Ärmeln und dem Schuhwerk, in Fortfall kommt. Ein Fantasiekostüm kann dem Charakter des Tanzes hinlänglich gerecht werden.“

 

Der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda Joseph Goebbels gab den Erlass heraus und sein Reichstheaterkammerpräsident Otto Laubinger hatte mit Rundschreiben „an die Herren Landesleiter der Reichstheaterkammer, Bühnenleiter, Direktoren der Artistik, Leiter der Tanzschulen und Ballettmeister“ für die „gewissenhafte Beachtung“ zu sorgen.

 

Otto Laubinger war Schauspieler, ein bemerkenswerter offensichtlich nicht, denn der Theaterkritiker Herbert Jhering stellte ihm schon 1925 schlechte Zeugnisse aus: Im „Prinz Friedrich von Homburg“ am Staatstheater „ist Otto Laubinger sehr schwach als Hohenzollern. Er hat es zwar zu einer Sprachdisziplin gebracht. Aber er blieb unkleistisch: er rezitierte und spielte nicht die Vorgänge durch die Sprache hindurch“. Und wenig später in „Hannibal“ von Christian Dietrich Grabbe „ist Herr Laubinger von den früheren Hofschauspielern höchstens durch den geringeren Grad seines Talents unterschieden“.

 

 

 

 

 

Otto Laubinger, geboren am 11. März 1892 in Eichenrod, wohnte von 1923 bis 1932 in der „Wielandstraße 25 III, Post Friedenau, Telefon Rheingau 1456“. Er muss wohl geahnt haben, dass er es mit der Schauspielkunst nicht weit bringen würde. Nachdem Hitler am 9. November 1926 Joseph Goebbels zum Gauleiter von Berlin-Brandenburg ernannt hatte, und dieser aus der zerstrittenen Berliner NSDAP eine straffe Gauorganisation schuf, sah Laubinger in der nationalsozialistischen Bewegung seine Chance. 1932 trat er in die NSDAP ein. Das sollte sich auszahlen.

 

Nachdem Carl Wallauer (1874-1937), seit 1927 Präsident der Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger 1932 aus dem Amt gedrängt worden war, übernahm Laubinger zwei Monate nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler am 1. April 1933 die Präsidentschaft der Bühnengenossenschaft. Wenige Tage später folgte seine Ergebenheitsadresse: Er wolle sich „bewusst und überzeugt in die nationale Bewegung“ eingliedern.

 

Am 1. August 1933 war die Reichstheaterkammer ins Leben gerufen worden und Otto Laubinger deren Präsident. Er hatte nun die Aufgabe, die bisherigen Interessenverbände der künstlerisch tätigen Berufsgruppen aufzunehmen und neu zu gliedern: „Durch die Bestimmung, dass jeder Theaterberufstätige der Reichstheaterkammer angehören muss und diese Mitgliedschaft durch Zugehörigkeit zu seinem Fachverband vermittelt wird, ist auch Vorsorge getroffen, dass sich niemand ausschließen und seine eigenen Wege zum Schaden der Allgemeinheit gehen kann.“

 

Nachdem der „Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda" am 22. September 1933 die „Reichskulturkammer“ als übergeordnetes Organ unter Vorsitz von Joseph Goebbels gegründet hatte, kamen die Abteilungen Schrifttum (Hans Friedrich Blunck/Hanns Johst), Film (Fritz Scheuermann/Oswald Lehnich/Carl Froelich), Musik (Richard Strauss/Peter Raabe), Bildende Künste (Adolf Ziegler), Presse (Max Amann) und Rundfunk (Horst Dreßler-Andreß) hinzu.

 

Als der Jude Max Reinhardt die von den Nationalsozialisten angebotene „Ehren-Arierschaft“ ablehnte, das Deutsche Theater in der Schumannstraße und Berlin verließ, bat Laubinger im April 1934 den Intendanten der Berliner Volksbühne Heinz Hilpert zu sich. Der Inhalt der Unterredung ergibt sich aus dem Antwortbrief von Hilpert am 19. April 1934: „Sie haben mich zu sich gebeten und gefragt, ob ich Lust hätte, das Deutsche Theater zu übernehmen. Ich habe Ihnen mit freudiger Bereitschaft darauf ‚ja‘ gesagt und erzählt, dass ich sogar nach dieser Seite schon Schritte unternommen habe, weil ich das Empfinden hatte, dass der Boden dort mir besonders gelegen wäre. Daraufhin hat der Minister mir dieses Theater angetragen und ich habe diesen Antrag gern akzeptiert.“

 

Otto Laubinger starb am 27. Oktober 1935. Beerdigt wurde er auf dem Südwestkirchhof in Stahnsdorf (Block Epiphanien, Gartenblock II, Erbbegräbnis 32). Goebbels sprach am 15. November 1935 in Anwesenheit von Hitler, Göring und Hess in der Philharmonie die Gedenkworte. 1939 erfolgte in Köpenick die Umbenennung der Goethestraße in Laubingerstraße und des Goetheplatzes in Laubingerplatz. 1960 wurden daraus Müggelbergallee und Müggelbergplatz.

 

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
      Twitter & Facebook      © friedenau-aktuell, 2017