Name seit 1890, benannt nach Schloss Wilhelmshöhe, der Sommerresidenz des deutschen Kaisers.

Gedenktafel am Haus Wilhelmshöher Straße 18

Gedenktafel am Haus Wilhelmshöher Straße 18

 

Mehr Fehler konnte die „Historische Kommission zu Berlin“ im Jahr 1990 auf dieser Gedenktafel gar nicht unterbringen. Adam Kuckhoff war kein Publizist, sondern Schriftsteller, der nach seinem Roman „Scherry“ (1931) für Adolf Grimme „zu den Naturen gehörte, denen der Erfolg erst gekommen sein würde“. Adam Kuckhoff war nicht Regisseur am preußischen Staatstheater, sondern Dramaturg. Er wohnte dort nicht ab 1939, sondern zog 1937 in die Wohnung seiner späteren Ehefrau Greta Kuckhoff geborene Lorke in der Wilhelmshöher Straße Nr. 18 ein.

 

Das alles hätten die Historiker mühelos recherchieren können. Am 26. Februar 2016 teilte uns der Inhaber des Lehrstuhls für Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert an der Humboldt-Universität und (neue) Vorsitzende der „Historischen Kommission zu Berlin" mit: „Dass Greta Kuckhoff auf der Tafel nicht erwähnt wird, ist in der Tat ein Versäumnis".

 

 

 

 

Das gilt natürlich auch für das bisher namenlose Dreieck mit dem „Erikabrunnen“ am Südwestkorso, dass am 30. August 1990 mit dem Namen „Adam-Kuckhoff-Platz" bedacht wurde. Dieser Ehrung ging eine Farce voraus. Die Schöneberger Bezirksverordnetenversammlung lehnte den Vorschlag „Adam und Greta Kuckhoff-Platz“ ab, da „bereits eine Kuckhoffstraße in Ost-Berlin bestehe“. Kurz vor der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten ging es eigentlich nur noch darum, jeglichen Zusammenhang mit der in der DDR geehrten „roten“ Greta Kuckhoff zu vermeiden.

 

Das Einküchenhaus

Das Haus, in dem wir von 1936 bis 1942 wohnten...

 

... war von einem damals als „kühn“ eingeschätzten Architekten, Muthesius, gebaut worden. Es war, glaube ich, einmalig in seiner Art, jedenfalls damals. Von einer großen Diele gingen in jeder Wohnung die Türen zu drei oder vier Zimmern ab. Die Miete war höher als in Wohnungen gleicher Größe sonst. In die Diele führte ein Essenaufzug von einer zentralen Küche, wo man sich - schon nicht mehr, als ich einzog - das Menü aussuchen konnte. Muthesius oder der Bauherr hatte an Dichter und bildende Künstler als Mieter gedacht. Nur hatte er sich getäuscht: Hatten sie Geld - hatten sie auch ein Haus. Hatten sie das nicht im Übermaß, so aßen sie nur selten zu Hause, weil sie in der Stadt Lektorats- oder Verlagsverhandlungen führten, vielleicht neben der freien Tätigkeit auch noch irgendwo angestellt waren. Kurzum, der Koch kam nicht auf seine Rechnung und hatte sich enttäuscht das Leben genommen. Jetzt war in jeder Wohnung eine winzige Küche eingerichtet, die Diele diente den meisten als Esszimmer.

 

Unser Freund, der Schriftsteller Otto Zoff, der frühere Inhaber dieser Wohnung, hatte uns öfter mit Schriftstellern und bekannten Journalisten zusammen eingeladen, so dass uns das Haus vertraut war. Nachdem Otto Zoff nach Italien gezogen war, hatte ein Ire die Wohnung mit der ganzen Einrichtung gemietet. Ich wusste, dass Mr. M. Planck ins Englische übersetzt hatte. Man sagte ihm eine seltene Fähigkeit nach, selbst trockenen Schriften Glanz durch seine ungewöhnliche Sprachfülle und-Schönheit zu geben. Otto Zoff sprach mit ihm von mir, sagte ihm wohl auch, dass ich ein gewissenhafter und stetiger Arbeiter sei. Das war es, was er brauchte. Mr. M. schlug mir vor, ihn im Harnack-Haus in Dahlem zu treffen. Das Harnack-Haus war als Treffpunkt für Wissenschaftler bekannt, von denen einige, besonders ausländische, dort wohnen konnten, bis sie in Berlin ein festes Zuhause gefunden hatten oder in ihr Land zurückkehrten. Den Namen hatte diese Stätte zu Ehren von Adolf von Harnack, einem durch viele Werke bekannten Theologen, der 1914 geadelt wurde, übrigens einem Onkel unseres Arvid. Ich war sehr beeindruckt, als Mr. M. mir in der großen Halle entgegenkam. Der stattliche Mann - er war etwa zwei Meter groß und trug seine einhundert Kilo mit souveräner Würde - wirkte vertrauenerweckend. Die Art, wie er von der Übersetzungsarbeit sprach, bei der ich ihm helfen sollte, ließ mich glauben, dass er kein Freund des Nationalsozialismus sei. Wie hätte mich Otto Zoff auch sonst an ihn empfehlen sollen! Wie konnte man diese Art Arbeit übernehmen, wenn man nicht das offizielle Ziel der Propagierung nationalsozialistischer Gedanken damit verfolgte, sondern ein anderes, das ich herauszufinden hoffte. Zuerst gab es ein paar eilige Artikel und Reden zu übersetzen, die „liegengeblieben“ seien wegen einer bösen Erkrankung, die ihn nicht habe zur Arbeit kommen …

Aus: Greta Kuckhoff, Vom Rosenkranz zur Roten Kapelle. Ein Lebensbericht. Verlag Neues Leben Berlin, 1972

 

 

Die letzten Briefe von Adam Kuckhoff

 

Ich habe mich — nicht leichten Herzens — zum Abdruck dieser Briefe entschlossen. Aber es blieb so wenig aus den letzten Jahren: sie sind Zeugnis seiner warmen, an allem teilnehmenden Menschlichkeit bis zum letzten Tage. Greta Kuckhoff. Berlin, September 1945.

 

Plötzensee, den 5. August 1943

Meine Greta! Ich weiß, daß es schwerer für Dich ist, als wenn Du mit mir gegangen wärst, aber ich muß mich freuen, daß Du - ich hoffe es — bleibst: für den Sohn, für alles, was nur in Dir so lebendig ist, ich fühle es ganz klar voraus, ich weiß „wie Du leben wirst", wenn Du wieder in Freiheit bis für das, was alle Deine Briefe atmeten. Gern und für viele fruchtbar hätte ich weitergelebt, so sinnlich gegenwärtig ist mir gerade heute so mancher Augenblick mit Dir, mit Euch — der Feuerkogel! — gewesen. Aber der Sin eines Lebens fließt aus ihm selbst, aus allem, was es gewesen ist, wirklich gewesen ist. Es war mit Dir — ich wiederhole es noch einmal — die volle Erfüllung. Wie viele Menschen können von sich sagen, daß sie so glücklich gewesen sind. Was noch? „Nichts blieb, so wie wir zusammengingen ..." So war es, als wir uns zuletzt sahen und so ist es geblieben. Was noch in diesen Stunden zu sagen wäre, steht in den Briefen an die anderen, ich brauche es nicht zu wiederholen. Falls ich für die Deinen nicht Zeit und Raum habe, sag ihnen, wieviel sie mir, in: besondere auch Mutters Briefe, gewesen sind und wie glücklich ich bin, Dich ihnen erhalten zu wissen. Es ist 3 Uhr, kurz bevor ich gehe, schreibe ich Dir den letzten Gruß.

 

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Berlin, den 5. August 1943

Mein lieber Sohn Ule! Ich weiß, wie lieb Du mich hast – denn Deta nanntest Du mich einmal – und Du bist, so groß und verständig Du bist, noch zu klein, um es ganz zu verstehen, was ich Dir schreibe, und doch muß ich es Dir sagen, damit Du es einmal weißt: Du wirst Deinen lieben Vater nicht wiedersehen. So gern hätte er Dich aufwachsen sehen, er hat Dich auch so lieb, so lieb gehabt, so viel Schönes wollte er noch mit Dir erleben und Dich lehren: immer, wenn er etwas las, hat er dabei an Dich gedacht. Aber er weiß, daß Du ihn, so jung Du noch bist, nie vergessen wirst, er weiß auch, er hofft, daß alles das, was er Dir nicht sein konnte, Deine gute Mutter sein, daß Du von ihr, was ich war und wie lieb ich Dich hatte, erfahren wirst. Deine Mutter – halte sie hoch und vergilt ihr, was ich auch ihr nicht mehr sein kann. Sie ist das köstlichste Gut, das ich gewann, sie wird für Dich, wenn sie Dir erhalten bleibt, das köstlichste sein. Nach ihr Dein lieber, großer Bruder – nein, Du bist nicht arm, wenn ich jetzt auch von Dir gehe. Wie froh bin ich, daß Dein Herz mein Bild noch bewahren konnte, Du liebes Glück, für das ich Deiner Mutter mehr als für alles danke. Grüße die lieben Großeltern, Tante Käte, Harald, Karin, Onkel Erhard – die sind mir alle so lieb geworden. Ich küsse Dich mit ganzer Vaterliebe. Dein Adam-Vater

 

Ule Kuckhoff machte beim Fernsehen der DDR in Adlershof Karriere: Regieassistent, Regisseur, Redakteur. Seine Mutter Greta hatte nach dem Mauerbau 1961 das See-Grundstück Oranienburger Straße in Wandlitz übernommen. 1973 zog Greta Kuckhoff nach Berlin in das Hochhaus Leninplatz 28. Das Anwesen blieb im Familienbesitz. Ule Kuckhoff starb am 16. August 1989. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof in Wandlitz.

 

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An Armin-Gerd Kuckhoff

Plötzensee, den 5. August 1943

Mein lieber Sohn! Es ist soweit: In vier Stunden! – Als Du gegangen warst, hatte ich mir Vorwürfe gemacht, daß diese Begegnung zu sehr auf Leben gestellt war. Das letzte Mal – ich sah Dich noch weggehen, Deinen lieben schmalen Rücken. Ich habe es Dir oft gesagt, ich wiederhole es in dieser Stunde: Du hast mir nur Freude gemacht, wie ich überhaupt das Glück hatte, in meinen nahen Menschen das reinste, schönste Menschentum zu erleben. In Dobrilugk – welche Fügung – konnte ich Dir alles so sagen, wie selten eine Stunde es gewährt. Wozu es jetzt wiederholen. Ich habe bis zuletzt an den Dingen gearbeitet, zu denen ich seit der Schule nicht gekommen war: Astronomie, Mathematik, Physik, und Du kannst Dir denken, wie oft ich an Dich gedacht (bei meinen Sachen ist ein Aufsatz über die »realen« Zahlen, hoffentlich könnt Ihr ihn entziffern). Das Wahre, das Große, das Schöne, es hält sich bis zuletzt, und nur dies. Grüße Edith und die Kinder, wie freute mich ihr Bild. Ich weiß, wie Du leiden wirst, ich weiß, wie Du mich liebst. Dein Vater

 

Armin-Gerd Kuckhoff (1912-2002) war der ältere der beiden Söhne von Adam Kuckhoff. Er entstammt dessen erster Ehe mit der Schauspielerin Mie Paulun, die nach der Scheidung den Schauspieler Hans Otto (1900-1933) heiratete. Armin-Gerd Kuckhoff studierte Theaterwissenschaften und war von 1961 bis 1969 Rektor der Theaterhochschule Leipzig.

 

Die Briefe wurden in „Adam Kuckhoff zum Gedenken“, Aufbau-Verlag Berlin, 1946, veröffentlicht. Auf der nachfolgenden PDF finden Sie all jene Briefe, die Greta Kuckhoff für diese Publikation ausgewählt hatte.

 

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Über Greta Kuckhoff. DIE ZEIT, 1952

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Deutsche Linke am Kreuzweg, 1973

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Die rote Greta, 2010

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Der Währungsumtausch als Marionettenspiel, 2016

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Einküchenhaus Wilhelmshöher Straße 17-20. Quelle LDA Berlin

Einküchenhäuser Wilhelmshöher Straße

 

Die drei ehemaligen Einküchenhäuser in der Wilhelmshöher Straße 17-20 wurden 1909-12 von der "Einküchenhaus-Gesellschaft der Berliner Vororte GmbH" nach den Plänen des Berliner Architekten Albert Geßner (1868-1953) errichtet. Diese Gruppe ist die dritte und letzte dieser Reformbestrebungen in Berlin.

Die Einküchenhäuser waren ein Teil der Lebensreformbewegung, die weite Bereiche des liberalen Bürgertums um 1900 erfasst hatte. Sie waren ein Versuch, das bürgerliche Leben und Wohnen durch stärkere Vergesellschaftung der Hauswirtschaft zu befreien und die Berufstätigkeit der Frauen zu erleichtern. Die Einküchenhäuser waren so konzipiert, daß die einzelnen Wohnungen keine eigenen Küchen mehr enthielten, sondern von einer Zentralküche im Untergeschoß des Hauses versorgt wurden. Die Berliner Anlagen bestanden - nach anfänglichem Erfolg - jeweils nur einige Jahre als echte Einküchenhäuser, dann wurden die Zentralküchen aufgegeben, und die Mieter betrieben wieder individuelle Hauswirtschaft in nachträglich eingebauten Küchen.

 

 

 

Die bauliche Anlage besteht aus drei viergeschossigen Hauseinheiten: Zwei Einheiten (Nr. 17 und 18-19) im Westteil der Anlage bilden gemeinsam einen Straßenhof, von dem aus die beiden Häuser jeweils seitlich zugänglich sind; beide Häuser sind durch einen eingeschossigen, offenen, überdeckten loggiaartigen Bau miteinander verbunden. An das östliche der beiden Straßenhofhäuser ist spiegelbildlich die dritte Hauseinheit (Nr. 20) angebaut; das dritte Haus ist ebenfalls seitlich (hier vom Bauwich aus) zugänglich. Die Hauseinheiten haben jeweils eine Breite von 21 und eine Tiefe von 29 Metern. Über eine tiefe Eingangshalle erreicht man einen Aufgang, der von einem inneren Lichthof erhellt wird und sich in zwei Zugänge zu den beiden getrennten Treppenhäusern gabelt, die das "Vorderhaus" und das "Hinterhaus" erschließen. Das straßenseitige Treppenhaus erschließt zwei Wohnungen pro Geschoß, das hofseitige drei. Geßner hat die Treppenhäuser durch einen Lichthof getrennt, um die innenliegenden Dielen, Flure und Bäder der Wohnungen natürlich belichten und belüften zu können, was ihm als Reformator des Berliner Mietshausbaus sehr wichtig war. Insgesamt haben die drei Hauseinheiten 58 Wohnungen, von denen 13 als 2-, 30 als 3-, neun als 4- und sechs als 5-Zimmer-Wohnungen ausgelegt sind. Die Wohnungen wurden über Speiseaufzüge von der Zentralküche versorgt.

Ein Teil des Dachgeschosses war als Loggia und Terrasse für das Luft- und Lichtbad ausgebildet. Die Baukörper dieser Häuser sind stark durch kubische Vor- und Rücksprünge (Risalite, Erker, Loggien, Terrassen, Balkons) gegliedert und mit steilen Walmdächern gedeckt, die sich U-förmig um die Lichthöfe ziehen. Die großen Dachflächen sind durch Querhäuser und Gauben belebt. Die Fassaden sind - wie stets bei den Reformmietshäusern von Geßner - frei von historischen Stilzitaten und stattdessen durch differenzierte Fenster- und Loggienöffnungen frei gegliedert. Quelle: Landesdenkmalamt Berlin

 

 

In dieser Anlage wohnten Ende der dreißiger/Anfang der vierziger Jahre mehrere Mitglieder der Widerstandsgruppe Schulze-Boysen/Harnack, im Haus Nr. 18-19 das Ehepaar Greta (1902-81) und Adam Kuckhoff (1887-1943) und im Haus Nr. 17 Erika Gräfin von Brockdorff (1911-1943).

 

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