Name seit 1890, benannt nach Schloss Wilhelmshöhe, der Sommerresidenz des deutschen Kaisers.

Gedenktafel am Haus Wilhelmshöher Straße 18

Mehr Fehler konnte der Historiker Prof. Dr. Klaus Zernack als Vorsitzender der Historischen Kommission zu Berlin im Jahr 1990 auf dieser Gedenktafel gar nicht unterbringen (lassen). Adam Kuckhoff war kein Publizist, sondern ein Schriftsteller, der nach seinem Roman „Scherry“ (1931) für Adolf Grimme „zu den Naturen gehörte, denen der Erfolg erst gekommen sein würde“. Adam Kuckhoff war nicht Regisseur am preußischen Staatstheater, sondern Dramaturg. Adam Kuckhoff wohnte dort nicht ab 1939, sondern ab 1937. Da zog Adam Kuckhoff in die Wohnung Wilhelmshöher Straße Nr. 18 seiner späteren Frau Greta Kuckhoff geborene Lorke ein.

 

„Dass Greta Kuckhoff auf der Tafel nicht erwähnt wird, ist in der Tat ein Versäumnis", schreibt Prof. Dr. Michael Wildt am 26. Februar 2016. Er ist Inhaber des Lehrstuhls für Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert an der Humboldt-Universität und allerdings erst seit 2013 Vorsitzender der „Historischen Kommission zu Berlin".

 

 

 

 

 

Zeitgleich erhielt die bisher namenlose Fläche am Südwestkorso mit dem „Erikabrunnen“ am 30. August 1990 den Namen „Adam-Kuckhoff-Platz", weil sich die Wohnung eben drei Häuser weiter befunden hatte. Der ganzen Ehrung ging eine Farce voraus. Die Schöneberger Bezirksverordnetenversammlung lehnte den Vorschlag „Adam und Greta Kuckhoff-Platz“ ab, da „bereits eine Kuckhoffstraße in Ost-Berlin bestehe“. In Wirklichkeit ging es darum, jeglichen Zusammenhang mit der in der DDR geehrten „roten Greta“ zu vermeiden, wohl aber auch um die Missachtung des Pankower Diplomatenviertels „Kuckhoffstraße“, in dem die Botschafter von Somalia, Spanien, Venezuela, Schweden, Nicaragua, Dänemark, Iran, Mali und den USA residierten.

 

Im Mai 1933 stellte Adam Kuckhoff Greta Lorke „ein Ultimatum. Sei um zwölf Uhr Unter den Zelten. Du hast drei Stunden Zeit, um mit Dir ins Reine zu kommen, Gerade weil ich Dich liebe, kann ich nicht darauf verzichten, Dich auch im politischen Kampf an meiner Seite zu wissen“. Es folgten turbulente Jahre, Wohnen im Bootshaus Pichelswerder, Zimmer in der Deidesheimer Straße, Häuschen in Friedrichshagen. 1936 überließ der Schriftsteller Otto Zoff (1890-1963) Greta Lorke seine Wohnung. Im Sommer 1937 „war Adam endgültig zu mir in die Wilhelmshöher Straße Nr. 18 gezogen. Es hatte mir Freude gemacht, sein Arbeitszimmer mit den Büchern und Möbeln einzurichten, die er selbst mitbrachte. Mir war sofort so heimisch zumute, als hätten seine und meine immer beieinander gestanden. Das aufregendste war: Wir erwarteten ein Kind. Ein paar Tage lang hatte der Gedanke meinen Mann beunruhigt, nicht, weil wir nicht verheiratet waren. Die unsichere Zukunft gab Anlass zu Bedenken. Können wir die Verantwortung übernehmen in einem Leben so voller Gefahren? Das Kind wird dich auf Jahre hinaus brauchen – und wenn was passiert? Für mich gab es keine Entscheidungsfreiheit. Das Kind war von dem Mann, den ich mit vollem Herzen liebte. Sein 50. und mein 35. Geburtstag standen bevor. Soll man da die Hoffnung in eine angemessenere Zukunft setzen? So sagte ich seelenruhig: Ich trage das Kind aus“. Am 28. August 1937 heirateten sie im Standesamt Schöneberg, mit dabei Hans Hartenstein und Adolf Grimme. Am 8. Januar 1938 wurde Sohn Ule (1938-1989) geboren.

Scherry. Paul List Verlag, Leipzig, 1972

Über Adam Kuckhoff

 

Adam Kuckhoff wurde am 30. August 1887 in Aachen geboren. Sein Vater war der Nadelfabrikant Bernhard Kuckhoff. Nach dem Abitur 1906 am Kaiser-Karls-Gymnasium studierte er Jura, Germanistik, Geschichte und Philosophie an den Universitäten in Freiburg, München, Heidelberg, Berlin und Halle. Dort promovierte er 1912 mit der Arbeit „Schillers Theorie des Tragischen bis zum Jahre 1784“. Kaum Doktor der Philosophie heiratete der 25 Jährige 912 die Schauspielerin Mie Paulun – die erste Ehe. Am 13. März 1912 wurde in München der Sohn Armin-Gerd Kuckhoff geboren.

 

Exkurs: Nach der Scheidung von Adam Kuckhoff ging Mie Paulun am 16. Oktober 1922 den Ehebund mit dem Schauspieler Hans Otto (1900-1933) ein. Er wurde 1933 von der Gestapo verhaftet und offensichtlich während der Verhöre misshandelt. Otto erlag am 24. November 1933 im Berliner Polizeikrankenhaus an seinen Verletzungen. Das Grab von Hans Otto befindet sich auf dem Wilmersdorfer Waldfriedhof in Stahnsdorf. Sein „Stiefsohn“, der spätere Theaterwissenschaftler und Rektor der Theaterhochschule Leipzig ehelichte die Autorin und Chefredakteurin der DDR-Kinderzeitschrift „Bummi“ Ursula Ursula Böhnke-Kuckhoff (geboren 1927). Armin-Gerd Kuckhoff starb am 19. Juni 2002 in Glienicke/Nordbahn.

 

Adam Kuckhoff absolvierte ab 1913 eine Ausbildung an der Theaterakademie von Louise Dumont in Düsseldorf an. Unmittelbar nach Gründung der USPD wurde er Mitglied der Partei. Von 1917 bis 1920 wirkte Kuckhoff als Dramaturg am Frankfurter Neuen Theater und von 1920 bis 1923 ebenfalls in Frankfurt als Intendant des Künstlertheaters. Zwischen 1927 und 1929 war er Lektor im Jenaer Eugen-Diederichs-Verlag. Dort lernte er Gertrud Viehmeyer kennen – seine zweite Ehefrau. 1930 ging Kuckhoff als Dramaturg an das Staatliche Schauspielhaus in Berlin.

 

Exkurs: Nach Angaben von Greta Kuckhoff lebte er aber „von seiner Frau Gertrud getrennt, aber sie wollte all die Jahre über nicht glauben, dass es eine endgültige Scheidung sei“.

 

Adam Kuckhoff, der nach 1933 als freier Lektor und Schriftsteller tätig war, zog 1936 in die Wohnung seiner neuen Lebensgefährtin Greta Lorke Wilhelmshöher Straße 18. Sie wurde schwanger und am 28. August 1937 wurde geheiratet. Trauzeuge im Standesamt von Schöneberg war Hans Hartenstein, der einige Jahre später als Bevollmächtigter die juristischen und finanziellen Angelegenheiten der Kuckhoffs regeln musste. Mit dabei auch Adolf Grimme, der letzte demokratisch gewählte Kultusminister der Staatsregierung in Preußen. Am 8. Januar 1938 wurde Sohn Ule (1938-1989) geboren.

 

Exkurs: Als 36-Jähriger startete Ule Kuckhoff seine Karriere beim Fernsehen der DDR in Adlershof – Regieassistent, Regisseur, Redakteur. Seine Mutter Greta Kuckhoff, inzwischen als Präsidentin der DDR-Notenbank „abgelöst“, hatte nach dem Mauerbau 1961 das See-Grundstück Oranienburger Straße in Wandlitz übernommen. Im Fernsprechverzeichnis Wandlitz wurde eine Rufnummern-Änderung vorgenommen. Vom Garten-Philosophen Karl Foerster (1874-1970) ließ sie einen „Ausführungsplan mit Staudenpflanzen, Rankgerüst und Gitter“ für den Garten erstellen. 1973 zog die gesundheitlich angeschlagene und mit einem Schwerbeschädigten-Ausweis bedachte Greta Kuckhoff wieder nach Berlin in das Hochhaus Leninplatz 28. Das Anwesen wurde weiter von der Familie Kuckhoff genutzt. Ule Kuckhoff starb am 16. August 1989. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof in Wandlitz.

 

Bereits seit Beginn des Dritten Reichs hatte Kuckhoff Verbindung zu Widerstandskreisen. Er gehörte mit seiner dritten Frau Greta Kuckhoff zum Widerstandszirkel um Harro Schulze-Boysen und Arvid Harnack. Kuckhoff wurde am 12. September 1942 in Prag von der Gestapo verhaftet und am 3. Februar 1943 vom Reichskriegsgericht „wegen Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens und wegen Feindbegünstigung“ zum Tode verurteilt. Zusammen mit 16 weiteren Verurteilten hatte er ein Gnadengesuch an Hitler eingereicht. Aus dem Führerhauptquartier kam am 21. Juli 1943 unter „Betr.: Gnadensachen von 17 vom Reichskriegsgericht im Strafsachenkomplex „Rote Kapelle“ zum Tode und zum dauernden Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte Verurteilten“ folgendes Schreiben: „Ich lehne einen Gnadenerweis ab.“ Der Präsident des Reichskriegsgerichtes ordnete für den 5. August 1943 zwischen 19 und 20 Uhr die Vollstreckung an. Die Toten wurden der Charité-Anatomie übergeben, die sterblichen Überreste im Krematorium Wilmersdorf verbrannt, die Asche verstreut.

Greta Kuckhoff: Vom Rosenkranz zur Roten Kapelle. Verlag Neues Leben Berlin, 1972

Über Greta Kuckhoff

 

Margaretha Lorke, bekannt unter dem Namen Greta Kuckhoff, studierte ab 1927 Soziologie an der University of Wisconsin-Madison. Da sie „nur ein Visum als Student, nicht als Einwanderer vorweisen konnte“, musste sie die USA nach zwei Jahren wieder verlassen. Nach ihrer Rückkehr hörte sie im Juni 1930 auf dem Internationalen Theaterkongress in Hamburg einen Vortrag von Dr. Adam Kuckhoff, dem Dramaturgen am Staatlichen Schauspielhaus in Berlin. Nach seinen Rede, nach gemeinsamer Hafenrundfahrt und Ausflug ins Grüne war der 28-Jährigen bewusst, „dass etwas Entscheidendes in mein Leben getreten war: eine Liebesbereitschaft, die nichts vom eigenen Wesen wie bisher aussparte“. Wieder zurück in Berlin, erfuhr sie allerdings, dass Kuckhoff verheiratet sei. Bevor ihre Welt vollends zusammenbrach, ergriff sie die Flucht und stürzte sich in Zürich und Frankfurt in die Arbeit.

 

Im Mai 1933 stellte ihr Adam Kuckhoff „ein Ultimatum. Sei um zwölf Uhr Unter den Zelten. Du hast drei Stunden Zeit, um mit Dir ins Reine zu kommen, Gerade weil ich Dich liebe, kann ich nicht darauf verzichten, Dich auch im politischen Kampf an meiner Seite zu wissen“. Am 28. August 1937 heirateten sie im Standesamt Schöneberg. Trauzeuge war Hans Hartenstein, der später nach der Inhaftierung der Kuckhoffs als Bevollmächtigter ihre juristischen und finanziellen Angelegenheiten regeln musste. Mit dabei auch Adolf Grimme (1889-1963), der letzte Kulturminister der demokratisch gewählten preußischen Staatsregierung. Am 8. Januar 1938 wurde Sohn Ule (1938-1989) geboren. Das Ausmaß der Aktivitäten in der Wilhelmshöher Straße 18 ist durch die Berichte über die „Rote Kapelle“ hinlänglich bekannt. Am 12. September 1942 wurden Greta Kuckhoff in ihrer Wohnung und ihr Mann Adam während eines Aufenthaltes in Prag verhaftet.

 

Vom 1. bis 3. Februar 1943 fand ihr Prozess statt. Sie wurde wegen „Beihilfe zur Vorbereitung des Hochverrates und wegen Nichtanzeige eines Vorhabens der Spionage“ zum Tode verurteilt. Da der Präsident des Reichskammergerichts das Urteil am 4. Mai 1943 aufhob, kam es zu einem weiteren Verfahren beim 2. Senat des Reichskriegsgerichts, diesmal wegen „Beihilfe zur Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens und zur Feindbegünstigung“. Am 27. September 1943 verkündete Oberstkriegsgerichtsrat Manfred Roeder das Feldurteil: „Zehn Jahre Zuchthaus“. Einen Monat zuvor war ihr Mann am 5. August 1943 in Berlin-Plötzensee hingerichtet worden. Am 11. Februar 1944 kam sie in das Frauenzuchthaus Cottbus und am 4. Februar 1945 in das Zuchthaus Waldheim, das am 8. Mai 1945 von der Roten Armee übernommen wurde.

 

Nach der Freilassung blieb Greta Kuckhoff Friedenau erst einmal weiter „verbunden“. Da Friedenau im amerikanischen Sektor lag, musste sie 1946 die Prozedur des „Entnazifizierungsverfahrens“ beim „Military Government of Germany“ ertragen. Beim Finanzamt Friedenau ging am 10. November 1946 – wegen der Instandsetzung von Bombenschäden am Haus Wilhelmshöher Straße 18 – ihr Antrag auf „Berücksichtigung außergewöhnlicher Belastungen“ ein. In der Volkshochschule Tempelhof taucht ihr Name 1946/47 als Referentin auf, im Komitee Schöneberg der Sozialhilfe Groß-Berlin ist sie 1948/49 als „Spendenkarten-Mitglied" eingetragen.

 

Bereits 1946/47 organisierte Greta Kuckhoff den Rücktransport der 1943 nach Staupitz bei Torgau ausgelagerten Bibliothek und Möbel der Kuckhoffs. 1946 sorgte sie als Herausgeberin dafür, dass im Aufbau Verlag das Buch „Adam Kuckhoff zum Gedenken“ erschien. Sie ahnte wohl schon, dass über die Konzentration auf Kuckhoffs tragisches Schicksal sein schriftstellerisches Werk mit den Romanen „Scherry“ (1931), „Der Deutsche von Bayencourt“ (1937), „Strogany und die Vermissten“ (1941) und den Gedichten in Vergessenheit geraten könnte. 1968 erschien im Verlag Friedenauer Presse und Wolff's Bücherei das Büchlein von Ingeborg Drewitz: „Leben und Werk von Adam Kuckhoff. Deutscher Schriftsteller und Widerstandskämpfer“ – da aber war Greta Kuckhoff längst in den Ostteil von Berlin übergesiedelt.

 

Die letzten Briefe von Adam Kuckhoff

 

Ich habe mich — nicht leichten Herzens — zum Abdruck dieser Briefe entschlossen. Aber es blieb so wenig aus den letzten Jahren: sie sind Zeugnis seiner warmen, an allem teilnehmenden Menschlichkeit bis zum letzten Tage. Greta Kuckhoff. Berlin, September 1945.

 

Plötzensee, den 5. August 1943

Meine Greta! Ich weiß, daß es schwerer für Dich ist, als wenn Du mit mir gegangen wärst, aber ich muß mich freuen, daß Du - ich hoffe es — bleibst: für den Sohn, für alles, was nur in Dir so lebendig ist, ich fühle es ganz klar voraus, ich weiß „wie Du leben wirst", wenn Du wieder in Freiheit bis für das, was alle Deine Briefe atmeten. Gern und für viele fruchtbar hätte ich weitergelebt, so sinnlich gegenwärtig ist mir gerade heute so mancher Augenblick mit Dir, mit Euch — der Feuerkogel! — gewesen. Aber der Sin eines Lebens fließt aus ihm selbst, aus allem, was es gewesen ist, wirklich gewesen ist. Es war mit Dir — ich wiederhole es noch einmal — die volle Erfüllung. Wie viele Menschen können von sich sagen, daß sie so glücklich gewesen sind. Was noch? „Nichts blieb, so wie wir zusammengingen ..." So war es, als wir uns zuletzt sahen und so ist es geblieben. Was noch in diesen Stunden zu sagen wäre, steht in den Briefen an die anderen, ich brauche es nicht zu wiederholen. Falls ich für die Deinen nicht Zeit und Raum habe, sag ihnen, wieviel sie mir, in: besondere auch Mutters Briefe, gewesen sind und wie glücklich ich bin, Dich ihnen erhalten zu wissen. Es ist 3 Uhr, kurz bevor ich gehe, schreibe ich Dir den letzten Gruß.

 

***

 

 

Berlin, den 5. August 1943

Mein lieber Sohn Ule! Ich weiß, wie lieb Du mich hast – denn Deta nanntest Du mich einmal – und Du bist, so groß und verständig Du bist, noch zu klein, um es ganz zu verstehen, was ich Dir schreibe, und doch muß ich es Dir sagen, damit Du es einmal weißt: Du wirst Deinen lieben Vater nicht wiedersehen. So gern hätte er Dich aufwachsen sehen, er hat Dich auch so lieb, so lieb gehabt, so viel Schönes wollte er noch mit Dir erleben und Dich lehren: immer, wenn er etwas las, hat er dabei an Dich gedacht. Aber er weiß, daß Du ihn, so jung Du noch bist, nie vergessen wirst, er weiß auch, er hofft, daß alles das, was er Dir nicht sein konnte, Deine gute Mutter sein, daß Du von ihr, was ich war und wie lieb ich Dich hatte, erfahren wirst. Deine Mutter – halte sie hoch und vergilt ihr, was ich auch ihr nicht mehr sein kann. Sie ist das köstlichste Gut, das ich gewann, sie wird für Dich, wenn sie Dir erhalten bleibt, das köstlichste sein. Nach ihr Dein lieber, großer Bruder – nein, Du bist nicht arm, wenn ich jetzt auch von Dir gehe. Wie froh bin ich, daß Dein Herz mein Bild noch bewahren konnte, Du liebes Glück, für das ich Deiner Mutter mehr als für alles danke. Grüße die lieben Großeltern, Tante Käte, Harald, Karin, Onkel Erhard – die sind mir alle so lieb geworden. Ich küsse Dich mit ganzer Vaterliebe. Dein Adam-Vater

 

Ule Kuckhoff machte beim Fernsehen der DDR in Adlershof Karriere: Regieassistent, Regisseur, Redakteur. Seine Mutter Greta hatte nach dem Mauerbau 1961 das See-Grundstück Oranienburger Straße in Wandlitz übernommen. 1973 zog Greta Kuckhoff nach Berlin in das Hochhaus Leninplatz 28. Das Anwesen blieb im Familienbesitz. Ule Kuckhoff starb am 16. August 1989. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof in Wandlitz.

 

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An Armin-Gerd Kuckhoff

Plötzensee, den 5. August 1943

Mein lieber Sohn! Es ist soweit: In vier Stunden! – Als Du gegangen warst, hatte ich mir Vorwürfe gemacht, daß diese Begegnung zu sehr auf Leben gestellt war. Das letzte Mal – ich sah Dich noch weggehen, Deinen lieben schmalen Rücken. Ich habe es Dir oft gesagt, ich wiederhole es in dieser Stunde: Du hast mir nur Freude gemacht, wie ich überhaupt das Glück hatte, in meinen nahen Menschen das reinste, schönste Menschentum zu erleben. In Dobrilugk – welche Fügung – konnte ich Dir alles so sagen, wie selten eine Stunde es gewährt. Wozu es jetzt wiederholen. Ich habe bis zuletzt an den Dingen gearbeitet, zu denen ich seit der Schule nicht gekommen war: Astronomie, Mathematik, Physik, und Du kannst Dir denken, wie oft ich an Dich gedacht (bei meinen Sachen ist ein Aufsatz über die »realen« Zahlen, hoffentlich könnt Ihr ihn entziffern). Das Wahre, das Große, das Schöne, es hält sich bis zuletzt, und nur dies. Grüße Edith und die Kinder, wie freute mich ihr Bild. Ich weiß, wie Du leiden wirst, ich weiß, wie Du mich liebst. Dein Vater

 

Armin-Gerd Kuckhoff (1912-2002) war der ältere der beiden Söhne von Adam Kuckhoff. Er entstammt dessen erster Ehe mit der Schauspielerin Mie Paulun, die nach der Scheidung den Schauspieler Hans Otto (1900-1933) heiratete. Armin-Gerd Kuckhoff studierte Theaterwissenschaften und war von 1961 bis 1969 Rektor der Theaterhochschule Leipzig.

 

Die Briefe wurden in „Adam Kuckhoff zum Gedenken“, Aufbau-Verlag Berlin, 1946, veröffentlicht. Auf der nachfolgenden PDF finden Sie all jene Briefe, die Greta Kuckhoff für diese Publikation ausgewählt hatte.

 

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Einküchenhaus Wilhelmshöher Straße 17-20. Quelle LDA Berlin

Einküchenhaus Wilhelmshöher Straße 17 & 18 & 19 & 20

 

Die drei ehemaligen Einküchenhäuser in der Wilhelmshöher Straße 17-20 wurden 1909-12 von der "Einküchenhaus-Gesellschaft der Berliner Vororte GmbH" nach den Plänen des Berliner Architekten Albert Geßner (1868-1953) errichtet. Diese Gruppe ist die dritte und letzte dieser Reformbestrebungen in Berlin.

Die Einküchenhäuser waren ein Teil der Lebensreformbewegung, die weite Bereiche des liberalen Bürgertums um 1900 erfasst hatte. Sie waren ein Versuch, das bürgerliche Leben und Wohnen durch stärkere Vergesellschaftung der Hauswirtschaft zu befreien und die Berufstätigkeit der Frauen zu erleichtern. Die Einküchenhäuser waren so konzipiert, daß die einzelnen Wohnungen keine eigenen Küchen mehr enthielten, sondern von einer Zentralküche im Untergeschoß des Hauses versorgt wurden. Die Berliner Anlagen bestanden - nach anfänglichem Erfolg - jeweils nur einige Jahre als echte Einküchenhäuser, dann wurden die Zentralküchen aufgegeben, und die Mieter betrieben wieder individuelle Hauswirtschaft in nachträglich eingebauten Küchen.

 

 

 

Die bauliche Anlage besteht aus drei viergeschossigen Hauseinheiten: Zwei Einheiten (Nr. 17 und 18-19) im Westteil der Anlage bilden gemeinsam einen Straßenhof, von dem aus die beiden Häuser jeweils seitlich zugänglich sind; beide Häuser sind durch einen eingeschossigen, offenen, überdeckten loggiaartigen Bau miteinander verbunden. An das östliche der beiden Straßenhofhäuser ist spiegelbildlich die dritte Hauseinheit (Nr. 20) angebaut; das dritte Haus ist ebenfalls seitlich (hier vom Bauwich aus) zugänglich. Die Hauseinheiten haben jeweils eine Breite von 21 und eine Tiefe von 29 Metern. Über eine tiefe Eingangshalle erreicht man einen Aufgang, der von einem inneren Lichthof erhellt wird und sich in zwei Zugänge zu den beiden getrennten Treppenhäusern gabelt, die das "Vorderhaus" und das "Hinterhaus" erschließen. Das straßenseitige Treppenhaus erschließt zwei Wohnungen pro Geschoß, das hofseitige drei. Geßner hat die Treppenhäuser durch einen Lichthof getrennt, um die innenliegenden Dielen, Flure und Bäder der Wohnungen natürlich belichten und belüften zu können, was ihm als Reformator des Berliner Mietshausbaus sehr wichtig war. Insgesamt haben die drei Hauseinheiten 58 Wohnungen, von denen 13 als 2-, 30 als 3-, neun als 4- und sechs als 5-Zimmer-Wohnungen ausgelegt sind. Die Wohnungen wurden über Speiseaufzüge von der Zentralküche versorgt.

Ein Teil des Dachgeschosses war als Loggia und Terrasse für das Luft- und Lichtbad ausgebildet. Die Baukörper dieser Häuser sind stark durch kubische Vor- und Rücksprünge (Risalite, Erker, Loggien, Terrassen, Balkons) gegliedert und mit steilen Walmdächern gedeckt, die sich U-förmig um die Lichthöfe ziehen. Die großen Dachflächen sind durch Querhäuser und Gauben belebt. Die Fassaden sind - wie stets bei den Reformmietshäusern von Geßner - frei von historischen Stilzitaten und stattdessen durch differenzierte Fenster- und Loggienöffnungen frei gegliedert. Quelle: Landesdenkmalamt Berlin

 

Über Greta Kuckhoff. DIE ZEIT, 1952

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Deutsche Linke am Kreuzweg, 1973

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Die rote Greta, 2010

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Der Währungsumtausch als Marionettenspiel, 2016

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