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Bedürfnisanstalt auf dem Perelsplatz

3. September 2016

 

Der Perelsplatz hieß von 1873 bis 1884 Berliner Platz, danach bis 1961 Maybachplatz, benannt nach dem preußischen Handelsminister und Minister für öffentliche Arbeiten Albert von Maybach (1822-1904), der sich um die Erweiterung und Neuorganisation der Preußischen Staatsbahnen verdient gemacht hatte. Über viele Jahrzehnte wurde die Grünanlage auch als „Birkenwäldchen“ bezeichnet, da die ursprüngliche Bepflanzung von Birken dominiert war. Das Typische ist verloren gegangen, weil inzwischen eine große Artenvielfalt an Bäumen und Sträuchern entstanden ist. „So isses“, würde Fontane sagen. 1961 wurde die Anlage in Perelsplatz umbenannt, zur Erinnerung an Friedrich Justus Perels (1910-1945), der von 1920 bis 1929 Schüler des damaligen Gymnasiums war. Der Widerstandskämpfer und Jurist der „Bekennenden Kirche“ wurde am 2. Februar 1945 vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und in der Nacht vom 22. auf den 23. April 1945 erschossen.

Die Gestaltung des Platzes wurde 1907 nach einem Entwurf von Gartenbaudirektor Fritz Zahn (1872-1942) ausgeführt. 1909 entstand nach Plänen des Friedenauer Gemeindebaurats Hans Altmann (1871-1965) am östlichen Rand an der Lauterstraße eine Bedürfnisanstalt als eingeschossiger Fachwerkpavillon mit Zugängen für Damen und Herren. Das unter Denkmalschutz stehende Häuschen war lange Zeit als „Parkoase“ ein beliebter Treffpunkt. Da der private Betreiber und das Bezirksamt keine Einigung für das unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten äußerst schwierig zu betreibende Café erzielen konnten, gab der Pächter auf – zurück blieb ein jahrelanger Schandfleck.

Das Bezirksamt hat bereits Kiosk und Bedürfnisanstalt auf dem Liane-Berkowitz-Platz am Südwestkorso denkmalgerecht saniert. Der Bau entstand 1920 nach Plänen von Hans Altmann. Nun kommt seit Anfang September 2016 auch das Gebäude der ehemaligen Bedürfnisanstalt auf dem Perelsplatz an die Reihe. Nach Abschluss der Arbeiten soll in einem Interessenbekundungsverfahren ergründet werden, ob sich ein privater Anbieter finden läßt, der dem Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg die Leistungen für Unterhalt und Betrieb erspart. Beabsichtigt ist in Zukunft wieder ein gastronomischer Betrieb, aber auch die öffentliche Nutzung als Toilette. Ob die Großen dort nun in Zukunft zur Toilette gehen, sich erleichtern, urinieren, pinkeln, schiffen oder die Kleinen Pipimachen, pieseln, pullern, ein Bächlein machen - eine befriedigende Lösung zu finden, wird nicht einfach werden.

Gleich nebenan befindet sich der „Sintflutbrunnen“ des Bildhauers Paul Aichele (1859-1910), der 1909 auf dem ehemaligen Hamburger Platz in Höhe der Offenbacher Straße enthüllt wurde. Zur Erklärung: Während auf der Felsspitze eine nackte Frau die Arme schützend über das Kind auf ihrem Schoß ausgebreitet, versucht ein sich an den Händen haltendes Paar den wasserspeienden Felsen zu erklimmen. Auf Grund veränderter Bebauungspläne für den Südwestkorso wurde der 4,50 Meter hohe Brunnen samt Becken mit einem Durchmesser von 7,00 Meter im Jahr 1931 auf den heutigen Standort umgesetzt. Die hinter dem Häuschen aufragende Turnhalle entstand 1959/60.

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© Peter Hahn