Der Fall Oskar Pastior

 

Am 7. Juni 2016 beschloss der Senat von Berlin 17 neue Ehrengräber, darunter für den Schriftsteller, Dichter und Übersetzer Oskar Pastior (1927-2006) auf dem Friedhof in der Stubenrauchstraße.

 

Für mich, der im Juli 1973 im Kofferraum eines PKW von Ost- nach West-Berlin geflohen ist, dem bis zum Fall der Mauer der östliche Teil Deutschlands 16 Jahre versagt war, und der später in seiner Gauck-Akte über sich die IM-Berichte seiner angeblichen Freunde lesen konnte, ist diese „Ehrung“ fragwürdig. Nach der Wiedervereinigung hat sich bei persönlichen Begegnungen keiner der mich seinerzeit bespitzelnden Stasi-Informanten zu diesen Vorgängen geäußert. Ich kannte das System, ich erfuhr, dass Vorwärtskommen ohne SED und Stasi schwierig war. Dreimal wurde, auch das ist in der Akte dokumentiert, der Versuch gestartet, mich als IM anzuwerben. Ich habe mich dem entzogen. Das war nicht einfach. Deshalb hätte ich für manchen Spitzelfreund und für manchen Bericht (vielleicht) Verständnis aufgebracht. Aber sie schwiegen.

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