El Madrid de Emmy Klimsch 1919-1940 von Karim Taylhardat, 2011

Die Fotografin Elly Klimsch

 

 

Es hat uns schon erstaunt, dass unsere Website auch außerhalb Deutschlands Freunde gefunden hat. Am 20. Oktober 2017 bekamen wir eine E-Mail aus Spanien, angehängt ein Foto von 1919. Es zeigt den Schulhof der „III. Friedenauer Gemeindeschule“.

 

Das Foto stammt von Emmy Klimsch (1885-1974). Sie war die Tochter von Richard Klimsch (1857-1921), einem deutschen Bankier, der in jungen Jahren nach Madrid gekommen war und schließlich Direktor der Bank von Kastilien wurde. Entdeckt wurde es von Karim Taylhardat. Sie hat 1911 bei „Ediciones temporae“ das Buch „El Madrid de Emmy Klimsch, 1919-1940“ veröffentlicht. Die bisher unveröffentlichten Aufnahmen fand sie in der Sammlung des Historikers Juan Zozaya Stabel-Hansen (1939-2017), dessen Familie einst 16 Kisten mit 900 Glasplattenphotographien von Emmy Klimsch erworben hatte.

 

Emmy Klimsch wurde in Madrid geboren. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs übersiedelte sie nach Berlin. Dort lernte sie den Bankprokuristen Franz Hause kennen. 1914 wurde geheiratet und wenig später die Wohnung im II. Stock der Fehlerstraße Nr. 13 in Friedenau bezogen. In diesen Jahren entstanden die Fotos. Das Haus existiert noch immer, allerdings ist der Fassadenbauschmuck, wie an so vielen Friedenauer Gründerzeitbauten, entfernt worden.

 

 

 

Im Jahre 1922 zog das Ehepaar von Friedenau (wieder) nach Madrid. Franz Hause wurde Manager der Bank von Bilbao, und Emmy, aufs Neue von Madrid fasziniert, zog durch die Stadt und fotografierte zwischen den 1920er und 1940er Jahren Straßen, Plätze, Landschaften und Figuren. Sie war keine professionelle Fotografin, sie war eine Frau aus einer wohlhabenden Familie, die viel reiste und die Fotografie zu ihrem Hobby machte. Sie hat wohl nie daran gedacht, dass ihre Aufnahmen einmal „historisch“ wertvoll werden könnten.

 

Das Foto vom Schulhof mit Blick auf die Rückseite des Columbariums vom Friedhof Stubenrauchstraße, die Schulgebäude und die versammelten Schüler ist aus dem II. Stock des Hauses Fehlerstraße Nr. 13 aufgenommen und muss Ostern 1919 nach der eigentlichen Eröffnung der Schule entstanden sein.

 

Die III. Gemeindeschule Friedenau (heute Ruppin-Grundschule), eine Doppelschule auf dem Grundstück zwischen Fehler-, Laubacher- und Offenbacher Straße wurde 1913/14 nach Plänen des Architekten Hans Altmann erbaut. An der Ecke Laubacher und Fehlerstraße entstand das Turngerätehaus. Es war der letzte Schulbau des Friedenauer Gemeindebaurats. Eröffnet wurde er erst einmal nicht. Es kam der Erste Weltkrieg und aus dem Haus wurde ab Dezember 1914 ein Lazarett. Auch im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude zuerst von der Wehrmacht und nach 1945 von den Besatzungstruppen genutzt. Die Anlage aus rotem Sichtziegelmauerwerk und reichlichem Terrakotta-Bauschmuck besteht aus zwei dreigeschossigen, winkelförmig zueinander angeordneten Baukörpern, die durch ein Brückenbauwerk miteinander verbunden sind. Der ziemlich vielschichtige Bau, zwei Treppenhäuser, zwei Turnhallen sowie zwei Aulen, die übereinander angeordnet sind, fordert bei der nun geplanten Sanierung den Projektleiter Steven Damiano heraus. Vor allem der Denkmalschutz ist gefordert, da es neben der vom Bildhauer Bernhard Butzke geschaffenen erhaltenswerten „terrakotta-geschmückten“ Fassade auch um die mit Bühne und Emporenbrüstung ausgestattete Aula gehen muss – überwölbt mit einer Segmentbogentonne – die weitgehend original erhalten und reich dekoriert ist. Nicht zu vergessen ist auch das Brückenbauwerk mit der im dritten Obergeschoss angelegten Terrasse. Zu hoffen ist, dass die Sanierung auch das derzeit vom TSC Friedenau als Vereinshaus und Casino genutzte Turngerätehaus einschließt.

 

Karim Taylhardat wird im Archiv der Glasplattenphotographien von Emmy Klimsch weiter nach Aufnahmen aus den Friedenauer Jahren zwischen 1914 und 1922 suchen und diese für die Website zur Verfügung stellen. Wir freuen uns darauf.

 

https://www.facebook.com/SiguiendoAEmmyKlimsch/videos/384852238307099/

 

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