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Heimatstil

U-Bahnhof Friedrich-Wilhelm-Platz. Foto H&S, 2016

30. April 2016

 

Innerhalb von zwei Jahren sehen die Bezirksämter von Tempelhof-Schöneberg und Charlottenburg-Wilmersdorf tatenlos zu, dass der Abriss des Stellwerks Güterbahnhof Wilmersdorf erfolgen und nun die Umgestaltung des U-Bahnhofs Friedrich-Wilhelm-Platz vonstattengehen kann. Beide Bauten entstanden nach Entwürfen des Architekten und Senatsbaudirektors Rainer G. Rümmler (1929-2004). Er hat zwischen 1966 und 1996 annähernd alle neu erbauten U-Bahnhöfe der Linien 6, 7, 8 und 9 gestaltet, insgesamt etwa 50 Stationen. Damit prägte er nach Alfred Grenander (1863-1931), der etwa 70 Hoch- und Untergrundbahnhöfe gestaltete, eine weitere Entwicklungsepoche der Berliner Verkehrsbauten. Während Grenander auf das Prinzip der Farbe setzte, bei dem sich jede Station durch eine Farbe deutlich von den jeweils davor beziehungsweise dahinter liegenden Bahnhöfen unterscheidet, stellte Rümmler das Einzelbauwerk in den Vordergrund. Während Berlin Grenanders Werk weiterhin mit Respekt begegnet, und die Bauten weitgehend im Original erhalten hat, geht es Rainer G. Rümmler gut zehn Jahre nach seinem Tod respektlos an den Kragen.

 

 

Die U-Bahnhöfe der Linie 9, Bundesplatz, Friedrich-Wilhelm-Platz, Walther-Schreiber-Platz, Rathaus Steglitz, aber auch der vom Architektenbüro Schüler & Witte gestaltete U-Bahnhof Schloßstraße, zeichnen sich bei aller Differenzierung durch eine erkennbare einheitliche Gestaltung aus. Die mag man mögen oder auch nicht, aber sie gehören nun einmal zur Geschichte der Stadt.

Auf der Station Friedrich-Wilhelm-Platz sind das vor allem die quer zur Bahnsteigkante gelagerten rot lackierten Stahlausleger mit den Lampen, die grauen Stahlstützen auf dem Bahnsteig, die olivgrün gefliesten Hintergleiswände, der weiße Fliesenstreifen mit dem Bahnhofsnamen in schwarzen Lettern auf Augenhöhe. Ob Bahnsteig, Zwischengeschoss, Treppen und Ausgänge, Bau und Gestaltung sind eine ästhetische Einheit. Einziges Manko des U-Bahnhofs: Er war nicht barrierefrei.

Nun entsteht auf dem Mittelstreifen der Bundesallee ein Aufzug hinunter zum Bahnsteig. Mehr war eigentlich nicht zu tun. Aber nun wird Rümmler gleich mitentsorgt. Seine Farbgestaltung verschwindet. Grün und Rot werden aufgegeben. Schwarz und Weiß werden dominieren. Der „Modus von hellen und dunklen Kontrasten bildet die Grundeinheit des Designs“. Für die rot-grüne „Stadtteilzeitung“ von Schöneberg „macht das nicht nur einen eleganten Eindruck, das entspricht auch den schwarz-weißen Farben Preußens in der Regierungszeit des Namenspatrons“.

Doch damit nicht genug. Der U-Bahnhof Friedrich-Wilhelm-Platz wird nun nach Ideen des Berliner Ingenieurbüros Vössing mit großflächigen Fotografien „dekoriert“. Gezeigt werden Aufnahmen von Kronprinz Friedrich Wilhelm (1831-1888), der dem Platz den Namen gab und als 99-Tage-Kaiser Friedrich III. in die Geschichte einging, sowie Bilder vom alten Friedenau, mit denen im Untergrund an die ehemalige Schönheit des oberirdischen Platzes erinnert werden soll. Mit dieser Gestaltung wird massiv in den weitgehend original erhaltenen Zustand eingegriffen – trotz heftiger Kritik von Architekturwissenschaftlern und Denkmalschützern, weil die „von herausragender gestalterischer Qualität entstandenen Bauwerke aus den 60er- und 70er-Jahren unwiederbringlich verloren gehen“.

Noch nicht entschieden wurde über die Bahnhofsbeschallung für die U-Bahn-Nutzer. Im Sinne der angestrebten Heimeligkeit könnte aus den Lautsprechern entweder die „Friedenauer Nationalhymne“ oder „Kinder, war'n das Zeiten“ von Carl Beer ertönen. Wir von www.friedenau-aktuell.de starten die Umfrage. Stimmen Sie per E-Mail an uns ab:

 

Friedenauer Nationalhymne

Komm' mit nach Friedenau, da ist der Himmel blau,

da tanzt der Ziegenbock mit seiner Frau Galopp,

da lacht der lieben Kuh der Ochs so freundlich zu.

Komm' mit nach Friedenau, da ist der Himmel blau.

 

oder

 

Kinder, war'n das Zeiten

Mein Friedenau, wie war's doch schön,

als du noch ledig und - alleen',

seit du mit Schöneberg getraut,

bist du schon etwas - abgebaut!

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© Peter Hahn