Schallplatte: Bully Buhlan, Ich hab noch einen Koffer in Berlin

Ich hab' noch einen Koffer in Berlin

 

Was für eine traurige Nachricht! Einige Jahre hat sich das Ehepaar Kerkloh um das Grab des Sängers Bully Buhlan auf dem Dahlemer Waldfriedhof gekümmert. Nun verlassen die Eheleute Berlin – und hoffen darauf, Nachfolger für die Pflege des Grabes zu finden. Wie ernst es ihnen damit ist, macht der Artikel im „Tagesspiegel“ vom 18. Dezember 2017 deutlich. Zuerst baten sie ihren Sohn Thomas um Hilfe, der sich wiederum an den „rasenden Reporter“ Boris Buchholz wandte. So kam die ganze Geschichte in den „Tagesspiegel“ – obendrein, was ziemlich ungewöhnlich ist, mit seiner Bitte um Zuschriften an tkerkloh@googlemail.com.

 

Es ist leider so, dass über Bully Buhlan heute Nachhilfe erforderlich ist. Geboren wurde er am 3. Februar 1924 in Lichterfelde. Als die im Funkhaus an der Masurenallee tonangebende sowjetische Kulturadministration im Juni 1945 das „Radio Berlin Tanzorchester“ (RBT) des „Berliner Rundfunks“ gründen ließ, machte Orchesterchef Michael Jary Bully Buhlan zum Frontsänger für seine swingende Big Band.

 

 

 

 

 

 

Als der Arbeitersänger und Spanienkämpfer Ernst Busch (1900-1980) vom sowjetischen Stadtkommandanten Alexander Georgewitsch (1902-1981) die Erlaubnis erhielt, die im Spanischen Bürgerkrieg selbst gesungenen Lieder auf Schallplatte zu pressen, gründete Busch laut Handelsregister Charlottenburg vom 18. März 1947 den Schallplattenverlag „Lied der Zeit" mit dem spanischen Labelnamen „Amiga“ (Freundin). Statt der Kampflieder wurden von „Amiga“ im Mai 1947 die „Capri-Fischer“ mit Kurt Reimann und wenig später „Chattanooga Choo Choo“ mit Bully Buhlan gepresst – damals bekannt unter dem Titel „Verzeihn Sie, mein Herr, fährt dieser Zug nach Kötzschenbroda“. Die weitaus bekanntere Version lieferte Udo Lindenberg 1983 mit dem „Sonderzug nach Pankow“.

 

1949 hatte Bully Buhlan einen langfristigen Vertrag mit Deutschlands größter Plattenfirma „Polydor“ in der Tasche. „Troubadour der Berliner“ nannte man ihn oder auch „Die singende Luftbrücke“. Es entstanden die für ihn typischen Lieder: „Ich hab’ mich so an dich gewöhnt“, „Ham' se nich' 'ne Braut für mich“, „Lieber Leierkastenmann“, „Ich hab’ noch einen Koffer in Berlin“, „Das Lied von der Krummen Lanke“. Es kam zur Zusammenarbeit mit RIAS Berlin und seinen Duett-Partnerinnen Rita Paul, Mona Baptiste und Bibi Johns.

 

Die großen Erfolge des Berliner Lieblings liegen lange zurück. Der kesse Sonnyboy aber wurde für viele zum Inbegriff des Berliners. Er starb am 7. November 1982 in Berlin. Sein Grab befindet sich auf dem Dahlemer Waldfriedhof (Grabstelle Feld 11/Nr. 397/398). Dort entdeckte es vor drei oder vier Jahren das Ehepaar Kerkloh – nichts weiter als Fans von Bully Buhlan. Sie entfernten den Wildwuchs, beschnitten die Hecken und legten ab und an ein Gebinde nieder. Die Friedhofsverwaltung ließ sie gewähren, weil eben das Grab über Jahre „gepflegt“ wurde.

 

Unsere Recherchen haben ergeben, dass (rein juristisch) die Grabnutzungsrechte nach mehr als 35 Jahren längst abgelaufen sind und nicht verlängert wurden. Allerdings liegt bei der Senatskanzlei ein Antrag auf Anerkennung als Ehrengrabstätte Berlins vor. Nicht zu erfahren war, wer diesen Antrag gestellt hat. Sollte der Senat im kommenden Jahr eine Ehrengrabstätte für Bully Buhlan beschließen, dann wären Grab und Pflege für die nächsten 20 Jahre gesichert. Sollte dies nicht geschehen, dann bleibt der Friedhofsverwaltung nichts anderes übrig, als das Grab irgendwann einzuebnen.

 

 

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