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Sintflutbrunnen - Denkmal in Not

Der „Sintflutbrunnen“ wurde laut Senatsverwaltung in den Jahren 1909 und 1931 „saniert“. Mit 1909 ist die Einweihung auf dem Hamburger Platz gemeint, mit 1931 die Umsetzung auf den Maybachplatz. Mehr als acht Jahrzehnte hat sich niemand um das „Schmuckstück“ gekümmert. Felsen und Figuren aus Kalkstein haben Patina angelegt, was noch hinzunehmen ist. Ganz schlimm ist es allerdings um das Becken aus Naturstein bestellt. Ringsherum tritt das Wasser aus Stein und Fugen. Eine Sanierung ist dringend geboten.

Der Brunnen war eine Gabe des Bauunternehmers Georg Haberland, dessen „Terrain-Gesellschaft Berlin-Südwesten“ große Teile des damals noch unbebauten Areals erworben und den Bau vierstöckiger Mietshäuser durchgesetzt hatte. Das kleidete er in schöne Worte: „Im Herbst des Jahres 1906 ist die Anlage des Südwestkorsos von der Gemeinde Friedenau beschlossen worden, ein neuer Straßenzug, der den Südwesten Berlins durchschneidet und von der aufblühenden Kolonie Dahlem eine direkte Verkehrsstraße durch die Kaiserallee mit der Stadt bildet. Diese Allee bedarf einer Unterbrechung, eines Ruhepunktes, auf dem das Auge mit Wohlgefallen ruht und kein anderer Ort scheint geeigneter für einen solchen, als dieser Platz, auf welchem sich der Brunnen erhebt.“

Während der Enthüllung des „Sintflutbrunnens“ auf dem Hamburger Platz am 4. Juli 1909 konnte Bürgermeister Bernhard Schnackenburg im Beisein des Schöpfers jedenfalls mit Stolz verkünden, dass das Kunstwerk von einem Friedenauer Künstler geschaffen wurde. Gemeint war der gebürtige Badener Paul Aichele (1859-1924) mit Wohnungen in der Kaiserallee Nr. 97 und Hackerstraße Nr. 2/3. Er studierte an der Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums in Berlin und wagte sich 1891 zur Internationalen Kunstausstellung erstmals mit der Kleinplastik „Bacchantin“ an die Öffentlichkeit.

Am Ende der zwanziger Jahre war deutlich geworden, dass Straßenbahn und Autoverkehr einen Umbau des Südwestkorsos erforderlich machen. Der 4,50 Meter hohe Sintflutbrunnen wurde abgebaut und der Hamburger Platz verschwand vollends. 1931 wurde Aicheles Brunnen auf dem Maybachplatz (heute Perelsplatz) installiert. Aus einem Becken von 7,00 Meter Durchmesser ragt ein Felsen heraus, auf dessen Spitze sich eine nackte Frau gerettet hat, die ihren Arm schützend über ein Kind ausbreitet.

Für die SPD gehören die öffentlichen Brunnen neuerdings wieder zur „Lebensqualität im öffentlichen Raum“. Vorbei ist die Zeit, da es für die Übernahme des Brunnenbetriebs die Werbeerlaubnis gab. Rechtzeitig vor den Berliner Wahlen ließ Senator Andreas Geisel (SPD) am 7. September 2016 in einer Absichtserklärung (!) verlauten, dass „die Berliner Wasserbetriebe schrittweise alle 270 öffentlichen Berliner Springbrunnen in ihre technische Betreuung übernehmen. Bereits ab 2017 sollen die Brunnen in Friedrichshain-Kreuzberg übernommen werden. 2019 sollen sieben weitere Bezirke dazukommen, bis 2026 die verbleibenden vier“. Für Geisel ist dies ein weiterer Schritt für die Rekommunalisierung wichtiger Aufgaben in der Stadt. „Am Erhalt und dem Betrieb der Brunnen besteht daher ein erhebliches öffentliches Interesse“.

 

Die Absichtserklärung bedeutet nicht, dass die Finanzierung gesichert ist. Und wer würde denn die Sanierung federführend betreuen? Das Land Berlin oder der Bezirk Tempelhof-Schöneberg? Beides keine guten Aussichten für den „Sintflutbrunnen“.

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© Peter Hahn