Rudolph Wilde (1857-1910)

 

Politik ist die Summe der Mittel, die nötig sind, um zur Macht zu kommen und sich an der Macht zu halten und um von der Macht den nützlichsten Gebrauch zu machen. Mit diesem „Machiavelli“ im Kopf ist es dem Berliner Stadtrat Rudolph Wilde (1857-1910) erst einmal gelungen, bei der Wahl des ersten Bürgermeisters der jungen Stadt Schöneberg unter den 195 eingegangenen Bewerbungen als Sieger hervorzugehen. Da es ihm durchaus bewusst war, dass gleich nebenan sein früherer Arbeitgeber, der Berliner Magistrat mit seiner Verwaltung neben einer segensreichen Intelligenz auch über enorme Mittel verfügt, wies er die Schöneberger Stadtverordnetenversammlung schon in seiner Antrittsrede am 1. April 1898 darauf hin, dass der Vorort aus eigener Kraft große und schwere Aufgaben zu lösen habe. Auf die bisher wohl üblichen „Mauscheleien“ ließ er sich gar nicht erst ein. Sein gesichertes Amt ermöglichte ihm offensichtlich weitgehend unabhängige politische Entscheidungen, mit denen er die vielfältigen Aufgaben angehen wollte. Zu erkennen war nicht, ob der eher liberal eingestellte Politiker Wilde die Interessen einer ganz bestimmten Partei vertrat.

Noch einmal Machiavelli: Um sich letztlich an der Macht zu halten und um von der Macht den nützlichsten Gebrauch zu machen, holte sich Rudolph Wilde kompetente Mitarbeiter heran. Ohne die Arbeit der damals berufenen Stadträte Maximilian Gerhardt, Paul Blankenstein, Martin Katz und Fritz Heyl diskreditieren zu wollen, müssen doch die Leistungen der Schöneberger Stadtbauräte Johann Friedrich Christoph Gerlach (1856-1938) und Paul Egeling (1856-1937) besonders herausgestellt werden. Unter der Führung des Triumvirats Wilde, Egeling und Gerlach entstand das Bayerische Viertel (1900 bis 1914), der Stadtpark Schöneberg (1908 bis 1912) und die erste kommunale elektrische Untergrundbahn (1908 bis 1910).

 

Mit dem Bau des großbürgerlichen Bayerischen Viertels durch die „Berlinische Boden-Gesellschaft“ unter ihrem Mitbegründer Salomon Haberland sollten „finanzstarke Bevölkerungsschichten gewonnen werden, um mehr Steuereinnahmen für die damals selbstständige und kreisfreie Stadt Schöneberg zu erzielen. Die Planung der Häuser besorgten Architekten, die sich auf den süddeutschen Renaissancestil mit Türmchen, Giebeln und Sprossenfenster verstanden.

 

Im Juni 1904 fasste Schöneberg folgende grundlegende Beschlüsse: "1. Zur besseren Erschließung des Westgeländes und demnächst des Südgeländes ist es erforderlich, in absehbarer Zeit die Herstellung einer Schnellbahnverbindung nach dem Innern Berlins in Aussicht zu nehmen. 2. Eine solche Schnellbahn findet am besten Anschluss am Hochbahnhof Nollendorfplatz. 3. Die Bahn ist durch das Westgelände bis zur Kreuzung der Hauptstraße mit der Ringbahn zu führen. Die Weiterführung durch das Südgelände ist vorzusehen. 4. Die Bahn ist für die Strecke Nollendorfplatz, Viktoria-Luise-Platz, Bayerischer Platz Am Stadtpark (Rathaus Schöneberg) und Hauptstraße (Innsbrucker Platz) als Untergrundbahn zu projektieren."

 

Am 8. September 1908 erfolgte der erste Spatenstich. Die 2,9 Kilometer lange Strecke hatte die Stadt Schöneberg aus eigener Kraft und aus eigenen Mitteln bewältigt. Von Bedeutung war allerdings der Gedanke, die Bahntrasse über den Innsbrucker Platz hinaus fortzusetzen, in das damals noch ganz unbebaute Südgelände und schließlich weiter nach Südende, Lankwitz und Marienfelde. Parallel zum Bau der U-Bahn erfolgte die Anlage des Stadtparks (Rudolph-Wilde-Park) auf einem bis zu 30 Meter tiefen sumpfigen Fenn. Zu seiner Trockenlegung wurde der entstandene Aushub des Tunnelbaus der U-Bahn verwendet. Der langgestreckte, schmale Park mit einer Fläche von sieben Hektar beginnt am Rathaus und geht direkt in den Volkspark Wilmersdorf über. Die Eröffnung der Schöneberger U-Bahn-Linie am 1. Dezember 1910 und die Einweihung des Stadtparks konnte der Initiator und Oberbürgermeister Rudolph Wilde nicht mehr erleben. Einen Monat zuvor war er am 1. November gestorben. Hinterlassen hat er noch die Planung des Schöneberger Rathauses, dessen Ausführung dann unter seinem Nachfolger Alexander Dominicus erfolgte.

 

„Die Politik bedeutet ein starkes langsames Bohren von harten Brettern mit Leidenschaft und Augenmaß zugleich.“ (Max Weber in „Politik als Beruf“, 1919).

 

Weiteres in Vorbereitung

 

 

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